Wem gehören Games?

Nach dem gestrigen Gespräch über Gamertum, hier ein paar Gedanken.

Seit nun drei Monaten wütet GamerGate, eine zum Terrorismus umfunktionierte Form des absurden Theaters, durch die Spieleszene und das Fortbestehen der Kampagne wirft Fragen auf. Keine Fragen zur Ethik, ein Gebiet für das die Teilnehmenden, trotz gegenteiliger Versicherung, weder Interesse noch Verständnis aufbringen, aber umso mehr Fragen zu Subkulturen, Besitzansprüchen und toxischen Mentalitäten, die sich hier am extremen Fallbeispiel untersuchen lassen.

Werfen wir mal Offensichtliches in den Raum: GamerGate ist eine Hasskampagne, deren Forderungen und Anschuldigungen von Spielekritiker_innen, Spieleseiten und mittlerweile auch Breitenmedien und Satiresendungen deshalb nicht ernst genommen und nicht thematisiert werden, weil sie bei näherer Betrachtung stets im Zirkelschluss auf Forenweisheiten, Verschwörungstheorien und sexistische Schmutzkampagnen zurückgehen. Mitglieder demonstrieren im besten Fall völliges Unverständnis für die tatsächlichen Zustände in der Berichterstattung über Spiele, im schlechtesten Fall völligen Realitätsverlust, auf einer Stufe irgendwo zwischen Männerrechtler und Holocaustleugner. Beide Varianten werden üblicherweise in einem Sturzbach an Beleidigungen vorgetragen.

GamerGate: Gamification & Propaganda

GamerGate ist inzwischen auch eine Propagandaschlacht - und wie jede Propaganda richtet sie sich an die "eigene" Bevölkerung. Durchhalteparolen, Bilder des "Feindes" und Appelle an die Moral vermischen sich zu einem faszinierenden Bild einer sehr lebendigen Subkultur. Im Folgenden eine Bildstrecke - großteils gesammelt von Twitter-User @SJWIlluminati . Interessant ist auch dieser Text zur "Gamification" des Konflikts, und dieser - leider (noch?) sehr unvollständige - Tumblr, der die GG-Propaganda in einen Kontext stellen möchte. Ohne weitere Worte: GamerGate, von innen - zumindest ein Teil davon.


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VGT goes GameStandard: Best of Indie Oktober 2014

Die monatliche Kooperation mit dem GameStandard zeigt wieder ein Best-of der schönsten Indie-Games-News.

Wiederbelebte Klassiker, frisches Hochglanz-Retro, per Kickstarter fortgeführte Kultspiele: Die an dieser Stelle wieder und wieder diskutierte Definitionsfrage - klassisch: “Ist das noch Indie?” - wird mit dem Massenerfolg unabhängig produzierter Spiele nicht gerade einfacher zu beantworten. Die “klassische” Definition, auf die in dieser Serie immer wieder verwiesen wird - ein Spiel ist “Indie”, wenn es “(a) von Anfang bis Ende ohne den Einfluss eines Publishers oder Lizenzgebers fertiggestellt und (b) von einem einzelnen Entwickler oder einem kleinen Team erstellt wurde” -, wird schon alleine dadurch wackelig, dass es im Zeitalter hauptsächlich digitaler Distribution per Download und durch Vorfinanzierung per Crowdfunding oft schlicht keinen klassischen Publisher mehr braucht.

Ein interessanter “Grenzfall” ist das weiter unten vorgestellte “DeadCore”: Von einem unabhängigen französischen Team entwickelt, ist das Spiel nach Fertigstellung vom japanischen Traditions-Publisher Bandai Namco unter die Fittiche genommen worden. Indie oder nicht?  Adrien Pelov vom Entwickler 5-bit Games unterscheidet zwischen “zwei Arten der Unabhängigkeit: finanziell und kreativ”. “Unser Publisher hat uns nie aufgefordert, am Spiel irgendetwas zu ändern. Man hat uns vertraut, und wir konnten das tun, was wir als Entwickler wollten”, so Pelov. “Der Hauptvorteil für uns war dadurch sicher der direkte Zugang zu Steam, ohne den Weg über Greenlight gehen zu müssen. Außerdem wurden wir beim Debuggen und Lokalisieren unterstützt. Also ja: ich würde schon sagen, dass wir noch Indie sind.

 

Inderst legt nahe 011114

Rudolf Inderst kennt alle Ecken des Internets und nennt uns einmal wöchentlich drei lohnende Destinationen.

Du Kürbis, Du!

Ein wenig Spaß am Gruseln sei auch mir heute erlaubt. Der Link führt zu einem Bild, das mich an einen großartigen, leider unterschätzten und recht unbekannten Film namens „Race with the Devil“ erinnert. Fiese Hater meinen, das Beste an diesem Freizeit-Grusel sei der deutsche Titel: „Vier im rasenden Sarg“! Blödmänner.

The Games That Never Were: Nevergods

Stagnation, Aufgewärmtes, Sequels: Wer sagt, dass es bei Games nicht noch Platz für revolutionär Neues, für Unerwartetes, Abwegiges oder schlicht: das Unmögliche geben darf? The Games That Never Were ist ein Gedankenexperiment: Spiele, wie es sie nie gegeben hat und so auch wohl nicht geben wird. Diesmal erzählt uns Stefan von Couch Entertainment von seiner Games-Vision.

Wenn berühmte Namen zusammen an einem Projekt arbeiten, wird jeder hellhörig. Wenn es dann noch Künstler aus verschiedenen Disziplinen sind, wird es umso interessanter. Wenn diese Namen dann noch von einem selbst verehrte Künstler sind, die dann auch noch zusammen ein Videospiel machen, dann könnte es schon mal passieren, dass man vor Freude eine Woche lang im Kreis springt. Und genau das ist passiert! Nicht nur das Spiel an sich ist faszinierend, sondern auch Tatsache, dass niemand etwas davon geahnt hat, denn keine PR- oder Marketing-Firma hatte hier ihre Finger im Spiel.

Nevergods schlug ein, wie eine kleine Bombe und gelangte fast nur über die sozialen Netzwerke an Berühmtheit. Ob es sich nun auch gut verkaufen wird, wissen wir nicht, aber eins ist sicher, die Macher wollten damit keinen finanziellen Erfolg, sondern wollten etwas für die Fans da draußen erschaffen. Klar, dass die folgende Rezension subjektiv durch die Fan-Brille geschrieben ist, aber anders geht es nicht, wenn Neil Gaiman und Dave McKean zusammen ein Projekt machen und dazu noch Bands wie 65 Days of Static, Mogwai und die Musiker Clint Mansell, Danny Lohner und Mike Patton die Sound-Untermalung übernommen haben.  

Inderst legt nahe 261014

Rudolf Inderst kennt alle Ecken des Internets und nennt uns einmal wöchentlich drei lohnende Destinationen.

Ein Buch, ein Spiel

Teufelnocheins! Boss Fight Books veröffentlichen Bücher über digitale Spiele. Und zwar ziemlich coole:  „Each of our books will take a critical, creative, historical, and personal look at a single game. Some books will be about the history of the game’s creation, some will focus on particular elements like level design, story, and music, some will investigate the subculture that has formed around a game, some will bring in outside art, science, and media, and some will have a strong autobiographical element.“ Ich würde mir sofort eines bestellen – nur welches? Chrono Trigger? Galaga? Oder... Jagged Alliance 2!

Meanwhile, elsewhere

Falls sich die geneigte Leserschaft wundert, warum hier aktuell wenig los ist: Ich war anderweitig beschäftigt und ganz und gar nicht untätig. 

Ein kurzer Recap: Für fm4 habe ich Alien: Isolation und King's Bounty: The Dark Side besprochen, für den Standard Shadow of Mordor - übrigens gabs zu diesem Spiel, quasi als Fremdgang, den Start einer Serie auf Superlevel mit dem schönen Titel Brief und Sigl. Für den Standard ebenfalls online, und ebenfalls nicht auf VGT gelandet, ist mein Überblick über die österreichische Entwicklerszene mit dem sich aus der österreichischen Bundeshymne erklärenden pathetischen Titel "Land der Spiele". Und in der GameCity war ich von VGT-Kollegen Glashüttner zu einem Panel zum Thema "Ist das noch Indie" live und in Farbe  auf einer Bühne, auf der Minuten vor unserem Auftreten - ich schwörs - noch hyperaktive Possenreißer T-Shirts in die Menge geworfen haben. (Diese Menge haben wir ziemlich schnell zerstreut.)

Inderst legt nahe 191014

Rudolf Inderst kennt alle Ecken des Internets und nennt uns einmal wöchentlich drei lohnende Destinationen.

Nicht nur beim ersten Mal tut es noch weh

„We want to continue publishing a high-quality print magazine dedicated to the past, present and future of playing and collecting RETRO video games.“ Und das werden sie die Damen und Herren auch, die Kickstarter-Kampagne wurde lediglich ins Leben gerufen, um noch etwas Sahne auf den Kuchen holen zu können. Die Liste der AutorInnen lässt auf eine schöne Ausgabe hoffen und wer möchte, kann da gerne den ein oder anderen USD lassen.

 

Postkarte von Agata: Wände und Narben

Agata Góralczyk ist als Langzeitreisende in virtuellen Welten unterwegs. Einmal im Monat schickt sie uns eine Postkarte - diesmal aus Lone Survivor.

Ich sah, wie sich die Seuche ausbreitete. Wenn ich mir vorstelle, dass sie dachten, ich sei krank! Ich werde ihnen ihre eigenen verfaulten Eingeweide zeigen. Ich werde die Wände mit ihren Innereien bemalen. Ich habe es satt, dass sie mich angreifen. Ich töte jeden, der sich mir in den Weg stellt. Habe heute einen Beipackzettel für die Pillen gefunden: Die roten machen scharfsinniger, andere machen träger, dann kann ich besser schlafen. Er wird mir Pillen im Bad da lassen. Angeblich hat sich 205 verändert, zumindest sagt das das Radio. Ich muss da mal hin. Irgendwo lag auch ein Schinken herum. Das musst Du Dir mal vorstellen: köstlicher, frischer, noch ganz roher Schinken. Ich werde davon träumen. In der Wohnung hängt ein religiöses Bild, es ist sehr beruhigend, ähnlich wie der Dosenöffner. Endlich die Bohnen essen, kalt und so sättigend. Der Tag war eh voller Erfolge: Ich habe endlich die Schere gefunden! Du weißt, für die Haut. Die könnte jemandem den Kopf abtrennen, so scharf ist sie. “KEINE ANDERE LÖSUNG”, stand dabei. Ich muss schlafen.

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The Games That Never Were: Minion Mob Mayhem

Stagnation, Aufgewärmtes, Sequels: Wer sagt, dass es bei Games nicht noch Platz für revolutionär Neues, für Unerwartetes, Abwegiges oder schlicht: das Unmögliche geben darf? The Games That Never Were ist ein Gedankenexperiment: Spiele, wie es sie nie gegeben hat und so auch wohl nicht geben wird. Diesmal erzählt uns Dan Heck von Pixeldiskurs von seinem Spiel, das so wohl nie sein wird.

„Wo kommen eigentlich all die kleinen Babys her?“ fragt mein hypothetisches Töchterchen. Ich sehe mich in ferner Zukunft zusammenzucken und innehalten, vor meinem 12k-Screen, die Augmented-Reality-Brille mit HUD-Erweiterung auf der Nase und die Hände in Motion-Handschuhen. Es gibt Fragen, die erwischen einen eiskalt. Vor allem dann, wenn sie aus Kindermund stammen und das dazugehörige Kind, aus seinem Mittagsschlaf erwacht, plötzlich im Büro vor Papas Daddelecke steht.