The Games That Never Were: End of Life

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Stagnation, Aufgewärmtes, Sequels: Wer sagt, dass es bei Games nicht noch Platz für revolutionär Neues, für Unerwartetes, Abwegiges oder schlicht: das Unmögliche geben darf? The Games That Never Were ist ein Gedankenexperiment: Spiele, wie es sie nie gegeben hat und so auch wohl nicht geben wird. Diesmal habe ich Günter Hack zur Games Speculation verführt .

Als ich jung war, wollte ich immer einen Computer haben. Meine Freunde besaßen schon alle einen, und sei es nur einen Sinclair ZX81, ein kleines Stück Plastik mit Folientastatur, aufgebohrt auf 4KB RAM. Computer waren wichtig, denn man konnte mit ihnen spielen und sie dazu bringen, Befehle auszuführen. Sie gehorchten uns, standen also in der Hierarchie der Menschen und Dinge noch unter uns und sie machten uns stark, weil wir mit ihnen umgehen konnten und die meisten Eltern nicht. Um einen Heimcomputer programmieren zu können, musste man nicht erst 18 werden, man brauchte keinen Führerschein, um mit dieser Maschine der Maschinen klüger und stärker zu werden. Um jeden Computertyp bildeten sich Tribes auf dem Schulhof, jedes Gerät Keimzelle eines informellen social network.

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Ich konnte mir keinen Computer leisten, aber die Buchhandlung hatte einen Band mit abgedruckten BASIC-Programmen, sogenannten Listings. Wir tippten damals die Programme aus Zeitschriften und Büchern ab und speicherten sie auf leeren Kompaktkassetten. In dem Buch stand der Quellcode simpler Spiele, etwa der "Türme von Hanoi" oder einer einfachen Version eines Star-Trek-Games, in dem man gegen Klingonen kämpfen konnte. Ich las den Code, verstand ihn kaum, aber in meinem Kopf stellte ich mir vor, wie das Spiel an einem laufenden Rechner aussehen würde.

Eine riesige Meta-Turing-Maschine, die nur mit ihrer eigenen Reproduktion beschäftigt wäre.

Die faszinierendste Idee in dem Buch, dessen billige Klebebindung sich bald auflöste, steckte aber im „Game of Life“, das auf einen gewissen John Conway zurückgeführt wurde. Der Name des berühmten britischen Mathematikers sagte mir seinerzeit gar nichts. Aber der Gedanke eines Spiels, das sich im Computer selbst beschäftigen würde, ganz ohne mein Zutun, ergriff mich.

Mein Spiel, das es nicht gibt, wäre also ein Game of Life, das langsam alle Computer infizierte, sie beschäftigte und ihren Arbeitsspeicher komplett ausfüllte, als eine riesige Meta-Turing-Maschine, die nur noch mit ihrer eigenen Reproduktion beschäftigt wäre.

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Jeder Industrieroboter, jedes Mobiltelefon, jeder Fahrkartenautomat – alle wären nur noch damit beschäftigt, Muster ohne Wert herzustellen, bis zu dem Punkt, an dem das letzte Bit besetzt wäre. Manche dieser Muster könnten wir sehen, die meisten aber würden versteckt im Inneren von Chips generiert, ohne Möglichkeit zur Visualisierung. Krankheit als innere Schönheit.

Wenn Life die Maschinen für sich selbst beschäftigt hielte, könnten wir Menschen dann wieder anfangen zu leben? Möglicherweise, aber die Existenz ohne Computer wäre grauenhaft und unerträglich, wir müssten einander wieder als Werkzeuge verwenden, das Fleisch abermals in Form zwingen, wie im 18. Jahrhundert, mit allen dunklen Konsequenzen.

Am Ende würden wir wieder neue Rechner bauen müssen und jemand würde im Untergeschoß einer Bücherei ein Exemplar des Bands mit antiken BASIC-Listings finden, John Conways Life auf die gerade dominante Architektur anpassen, es laufen lassen, sehen was passiert, wie es unserer risikoverliebten Primatenart geziemt.

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