The Games That Never Were: Wrestling Slam-Force Infinity

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Stagnation, Aufgewärmtes, Sequels: Wer sagt, dass es bei Games nicht noch Platz für revolutionär Neues, für Unerwartetes, Abwegiges oder schlicht: das Unmögliche geben darf? The Games That Never Were ist ein Gedankenexperiment: Spiele, wie es sie nie gegeben hat und so auch wohl nicht geben wird. Zum zweiten Mal zu Gast, diesmal kreativ angestachelt von Manu: Sven Himmen aka Stiftnürsel aka spa.

Zunächst einmal möchte ich mich bei Manu bedanken, dessen Tweet „Wrestling-Spiel mit Sammel-Figuren!“ in mir dieses Zucken und Kribbeln ausgelöst hat, das ich immer dann verspüre, wenn etwas raus muss. Hui, das kann jetzt aber auf allerlei für mich ungünstige Arten und Weisen ausgelegt werden. Naja, egal. Ausgelegt wird in der heutigen Zeit ja andauernd irgendetwas. Teppiche zum Beispiel. Ich dagegen lege jetzt erst einmal etwas auf, genauer auf Eis, nämlich diese Einleitung.

Worum genau ging es bei zitiertem Tweet? Um Disney Infinity, Skylanders und Wrestling. Die beiden erstgenannten Dinge sind Videospiele, die die virtuelle und die echte Welt miteinander verbinden. Magie und so. Ich weiß nicht, ob ich da näher drauf eingehen sollte. Es ist wahrscheinlich besser, wenn ich es nicht tue, denn das würde nur wieder in einer unendlich großen Textwüste enden, deren Durchquerung selbst mit einer riesigen Flasche Sambuca unmöglich wäre. Ich habe Vertrauen in die Zielgruppe dieser Internetseite. Die Leute wissen schon, was Skylanders und Disney Infinity für Spiele sind. Du liebe Güte. Das mit den kurzen und knackigen Einleitungen muss ich auch endlich mal lernen. Ich kann mich ja nirgendwo mehr blicken lassen. Das ist hier ja so zähflüssig wie der Aufbau einer Fehde zwischen Hornswoggle und DJ Gabriel. Wie steht es eigentlich um das Wrestlingwissen der hier angesprochenen Zielgruppe? Wenn euch das gerade schon zu viel Wrestling war, dann lest besser nicht weiter. Da nun vermutlich niemand mehr weiterliest, könnte ich den Rest des Textes auch einfach mit Blödsinn füllen. Merkt ja niemand. Guter Plan. Los geht´s!

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Zunächst wollte ich einen Text darüber schreiben, wie gut ich es fände, wenn die WWE auf den Skylanders-Zug aufspringen würde. Es ergaben sich aber ein paar Probleme. Skylanders hat mich arm gemacht. Teilweise meine ich das sogar ernst. Aber das ist ein Thema für die Textreihe „The money I should have never spent“, die ich schon bald auf meinem Internetportal „Bank of Skyland“ starten werde. Gleich nachdem ich richtig Englisch gelernt habe, um nicht mehr eine halbe Stunde lang über einen einzigen Englischsatz nachzudenken. Wirklich freuen würde ich mich über ein solches Spiel also nicht. Ein weiteres Problem war, dass ich gerne Kreativität in das Spiel einfließen lassen wollte, die Writer der WWE aber leider nicht viel mit Kreativität zu tun haben. Ha! Na? Klinge ich schon wie ein Wrestlingfan im Internet? Toll! Das wollte ich schon immer mal ausprobieren. Fühlt sich schlimm an. Ich mag die WWE. Darum streicht den zuvor geäußerten Satz. Oder auch nicht. Macht was ihr wollt. Hauptsache ihr lacht.

Also entfernte ich mich von der WWE und überlegte viel allgemeiner. Zunächst die Fakten: Man spielt das Spiel auf der Konsole / dem PC. Die Wrestler kauft man in Form von Plastikfiguren. Man stellt die Figuren auf einen Sensor, um sie im Spiel zu aktivieren und mit ihnen spielen zu können. Außerdem gibt es noch Ringe, die man als besondere Gebiete auf den Sensor stellen kann. Und zuletzt gibt es noch Bonusplatten für Titelgürtel.

Das Spiel an sich will ich hier nicht großartig beschreiben. Es sollte eine Mischung aus den regelmäßig erscheinenden WWE-Spielen und dem 2011 herausgebrachten WWE Allstars sein. Also ein komplexes Kampfsystem, das aber mit übertriebenen Effekten aufgewertet wird. Man will den Kindern ja etwas bieten. Mit Kindern meine ich mich. Aber weg vom Spiel. Ein paar Kleinigkeiten hierzu werde ich an anderen Stellen einwerfen.

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Der Sensor ist auch schnell erklärt. Erst wollte ich das Ding übrigens „Ständer“ nennen, dann fiel mir aber ein, dass dieser Name... nun... ihr könnt es euch selbst denken. Der Sensor ist aufgebaut wie das Disney Infinity-Ding. Man kann zwei Wrestler darauf abstellen und zwischen die beiden einen Ring platzieren. Tag-Teams sind erst einmal nicht möglich. Könnte man aber natürlich einbauen, wenn man den Sensor erweitert. Was eher etwas für den Nachfolger wäre. Seht ihr? Wenn es um Videospiele mit Plastikspielzeug geht, kommt man an kommerziellem Denken gar nicht vorbei.

Im Spiel spielen die Geschlechter keine Rolle. Jeder kann jedem auf die Fresse hauen.

Die Figuren sind selbstverständlich das Wichtigste am Spiel und der Grund, warum ich mich von der WWE-Lizenz verabschiede. Klar, man könnte tausende Wrestlerfiguren verkaufen, die echte Wrestler repräsentieren. Aber hey, das ist ein „Was wäre wenn“-Szenario und wie ich bereits sagte, will ich die Kreativität anregen. Darum werden keine bereits bemalten Figuren angeboten, sondern komplett weiße, die man selbst bemalen muss. Es gibt verschiedene Grundformen zu kaufen, die unterschiedliche Körperbau... s... Körpergebäude... Körperbauweisen eines Wrestlers repräsentieren. Es gibt: Normal (Shawn Michals), Muskeln (Batista), Riesig (The Great Khali), Klein (Rey Mysterio) und Dick (Mark Henry). Selbstverständlich sowohl in männlicher als auch in weiblicher Ausführung. Im Spiel spielen die Geschlechter keine Rolle. Jeder kann jedem auf die Fresse hauen.

Der Körperbau einer Figur hat Auswirkungen auf die Charaktereigenschaften. Kleine Wrestler sind schneller als Große, halten aber weniger aus. Muskelmänner sind stärker, dafür langsamer. Das Übliche. Man sucht sich also eine Figur aus, die den eigenen Kampfstil repräsentiert. Also den, den man ausüben würde, wenn man nicht die ganze Zeit lang Videospiele spielen würde.

Hat man sich für eine Figur entschieden, geht es ans Anmalen. Das Spiel verfügt nicht über einen Charaktereditor, in dem man die Kleidung seines Wrestlers wählen und wechseln kann. Stattdessen wird die bemalte Figur des Spielers per Kamera von allen Seiten abfotografiert und als Textur auf die Figur im Spiel übertragen. Ich nehme jetzt einfach mal an, dass Kameras in der Parallelwelt, in der Wrestling Slam-Force Infinity erscheint, gestochen scharfe Fotos machen und diese dann vom Spiel perfekt auf den virtuellen Wrestler projiziert werden können. In diesem Text wird so viel angenommen, dass dieses eine, kleine Detail nun wirklich kein Problem mehr darstellen sollte. Außerdem beherrschen Spiele wie Tearaway das Erstellen von Texturen per Foto ja schon recht ordentlich.

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Fassen wir zusammen: Man wählt einen Kampfstil und kauft sich die entsprechende Figur. Dann setzt man sich hin und überlegt sich einen Wrestler. Anschließend bemalt man die Figur. Zuletzt scannt man sie ein und spielt mit ihr. Diese Vorstellung alleine sorgt bei mir dafür, dass ich doch wieder auf das Wort „Ständer“ zurückgreifen will, aber ich lasse es besser, denn wir sind hier ja unter Erwachsenen. Ich stelle mir lieber vor, wie irgendwo ein großes Wrestling Slam-Force Infinity-Turnier abgehalten wird und jeder seinen eigenen, individuellen Wrestler mitbringt. Einige kopieren existierende, andere wiederum entwerfen komplett eigene Wrestler. Und dann sind da noch die Leute, die einfach nur einen riesigen Penis auf den Kopf einer ansonsten vollständig weißgelassenen Figur gemalt haben. Ich will die Fotos solcher Veranstaltungen sehen. Alle. Sofort. Mitsamt Turnierverlaufsplan und so weiter. Da ich aber gerade nicht weiß, in welche Parallelwelt ich dafür reisen muss und die Injustice-Entwickler meine Telefonate nicht mehr entgegennehmen, muss ich mich wohl mit der bloßen Vorstellung zufriedengeben.

Und dann sind da noch die Leute, die einfach nur einen riesigen Penis auf den Kopf einer ansonsten weißgelassenen Figur gemalt haben. 

Damit nicht vor jedem Match die Figuren gescannt werden müssen, wird die letzte verwendete Textur übrigens auf der Figur gespeichert. Im Hauptmenü des Spiels kann man vor dem eigentlichen Spielstart alle vorhandenen Figuren einmal ansehen und gegebenenfalls aktualisieren, anschließend greift das Spiel nur noch auf die Daten zu, die direkt auf den Figuren hinterlegt sind. Wer seine Figur nach dem ersten Scan nicht mehr verändert, kann also jederzeit sofort losspielen.

Kommen wir nun zu den Ring-Figuren. Zur Klarstellung: Ich meine Wrestling- und nicht Eheringe. Natürlich kann man das Hauptspiel später gerne um eine Hochzeitsversion ergänzen, doch lasst uns nicht schon wieder über Nachfolger oder Erweiterungen reden. Kauft man das Hauptspiel, erhält man einen ganz normalen Wrestlingring. Man stellt beide Wrestler auf ihr Podest, besagten Ring in die Mitte und los geht der Kampf. Das Match folgt den normalen Wrestlingregeln, die ich hier wohl niemandem mehr erklären muss. Wenn doch: Habt ihr nicht aufgepasst? Ihr solltet doch nicht weiterlesen!

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Wenn man keine Lust mehr auf klassische One-Fall-Matches hat, muss man sich einen neuen Ring kaufen, weil ich verdammt viel Geld mit Wrestling Slam-Force Infinity verdienen will, um mir neue Skylander-Figuren kaufen zu können. Selbstverständlich spiegeln die Ring-Figuren die sie beinhaltende Matchart wieder. Die „Extreme-Rules“ Figur zum Beispiel ist eine Metallmülltonne, aus der Dinge wie mit Stacheldraht umwickelte Baseballschläger, Besen oder Beinprothesen ragen. Ein Käfig ohne Dach: Steel-Cage-Match. Ein Käfig mit Dach: Hell-in-a-cell. Ein Kopfkissen: Pillowfight. Eine Leiter: Ladder-Match. Ein Tisch: Tables-Match. Ein Klappstuhl: Chairs-Match. Ich denke, ihr könnt euch das gut vorstellen.

Bisher läuft das Ganze also folgendermaßen ab: Ich gehe auf den Schulhof und klaue einem Kind das Pausenbrot. Dieses fühlt sich in seiner Ehre verletzt und fordert mich zu einem Kampf heraus. Ich nehme die Herausforderung an. Es greift in seinen Brustbeutel und holt eine „Hell-in-a-cell“-Figur und seinen Wrestler hervor. Ich zücke wiederum meinen Wrestler und das Spiel kann beginnen.

Da der Kampf um Pausenbrote jetzt aber irgendwie doch nicht so spannend ist, wie es zunächst klang, gibt es noch die bereits erwähnten Titelplättchen. Die Platten sind so groß wie das Podest einer einzelnen Figur und werden unter dem Wrestler auf den Sensor gelegt. Diese Platte repräsentiert einen Titel. Selbstverständlich funktioniert dieser genauso wie die Figuren: Die Platte ist weiß und muss bemalt werden. Nach dem Einscannen bildet sie den vorderen Teil des Titelgürtels und wird vom auf der Platte stehenden Wrestler während seines Einzugs getragen.

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Jeder darf also seinen eigenen Titel entwerfen und andere Spieler herausfordern, um ihre Titel zu gewinnen. Während eines Kampfes kann immer ein Titel aufs Podest und somit aufs Spiel gesetzt werden. Auf dem Plättchen wird das Design des Titels und der Titelträger abgespeichert. Verlier einen Kampf und du verlierst die Berechtigung, den Titel zu tragen und musst dir diese erst in einem Rückkampf wieder zurückholen. Dies kann dafür sorgen, dass um ein besonders tolles Titelplättchen ein wahrer Krieg geführt wird. Man stelle sich das nur mal vor: Ein Grundschüler lässt ein leeres Titel-Plättchen von John Cena signieren. Wahnsinn.

Und das war es dann auch schon. Die meiner Meinung nach perfekte Fusion von Skylanders, Disney Infinity und Wrestling. Selbstverständlich muss man eine gewisse Malbereitschaft mitbringen, aber lasst uns das an dieser Stelle einfach mal akzeptieren. Außerdem gibt es da draußen Table-Top-Spiele wie Warhammer. Die kauft ja auch jemand. Es geht hier um Kreativität, Individualität und Schlägereien.

Ich würde Wrestling Slam-Force Infinity jedenfalls kaufen. Weil man das am Ende eines solchen Textes sagen sollte. Und ihr?

Autor: 

Kommentare

[...] Kopf ein, den ich so schnell wie möglich loswerden wollte. Dies reultierte in einem Text namens The Games That Never Were: Wrestling Slam-Force Infinity. Hier die [...]

Vielleicht wird es wahr wenn wir alle einen Brief an den Weihnachtsmann schicken! 

Ich schreibe, ich schreibe ja schon!

Übrigens ist das die vermutlich einzige Gelegenheit, das einmal los zu werden: Gäbe es keinen anderen Grund, Wrestling zu lieben als jenen, dass wir ihm den besten Titel für ein akademisches Buch ever verdanken, es wäre genug: "Steel Chair To The Head" -- so muss ein Besserwisserbuch heissen und aussehen.

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