Games Pop: Green Jellÿ

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Gut ist anders, aber wir konnten es nicht besser wissen. Lassen wir den Blick zurückschweifen, hinter die sieben Berge und die drei mal sieben Jahre, die uns trennen von einer Epoche, deren Hosen breit genug waren um Dutzende verrutschte Herzen aufzubewahren: Es war, informationstechnisch gesprochen, eine seelenruhige Zeit. Was wir wussten über Musik erreichte uns über zerknitterte Radiowellen, zerfleddertes Papier, geraunte Ratschläge von Besserwissern und einem Typen mit Nietzsche-Gedenkschnauz, der hinter dem Tresen eines Plattenladens namens „Plattenladen“ stand.

So war es, so sollte es sein, nach alter Väter Sitte. Bis ein jüngerer Vater (unserer) im Kofferraum seines Subarus die erste Satellitenschüssel ins Wohnzimmer karrte, und mit ihr die Zukunft. Sie war laut, sie war grell, und aus Knetmasse. Denn in diesem Jahr, das im Nachhinein eine Art Übergangsfrist zur uns alle knechtenden Abgründigkeit von Viva 2 markierte, zuckten unsere Augen und Ohren hin und her zwischen den Akronymen SNES und MTV. Die Knetmasse füllte quasi die Fugen zwischen ihnen, denn von den unzähligen Videos der Zeit erinnere ich mich an keines deutlicher als an Green Jellÿs Three Little Pigs, eine mit Gore, Gegrunze und Fistelstimmen ausagierte Adaption des gleichnamigen Märchens.

Wir verstanden diesen Witz, erzählt in einer Sprache, die uns in diesem von E-Gitarren und Donnerdrums widerhallenden Tal bekannt war, und bestellten das dazugehörige Album angetan beim Gedenkschnauz. Dass auch der Album-Titel Cereal Killer ein Witz sein sollte, verstanden wir nicht, wie überhaupt das Konzept einer Comedy Rock-Band uns vermutlich eher irritiert hätte.

Das Album wurde dennoch respektiert, Fans waren gewonnen, und als ein Jahr später mit 333 ein Nachfolger auf den Markt kam, musste Ersatz-Nietzsche noch einmal die Leitungen glühen lassen um uns zu versorgen. Was wir diesmal nicht wussten (wir wussten vieles nicht), war nicht nur, dass wir unser Taschengeld für ein Sammlerstück in spe hergegeben hatten (und die Tatsache, dass von 200‘000 gesuchten Exemplaren eines in den Händen von Teenagern in einem versunkenen Bergtal landet, kann man durchaus als kosmischen Scherz betrachten), sondern auch, dass in 333 endgültig alle unsere Lebenswelten zusammenklappten: denn der Opener Carnage Rules war nicht nur direkt inspiriert von Maximum Carnage, einem der räudigsten Erzählstränge des Spinnenmanns, sondern eröffnete auch die gleichnamige Videospiel-Adaption der Geschichte um einen mutierten Massenmörder.

Auch dies sollten wir erst sehr viel später erfahren – niemand im Bekanntenkreis hatte das Spiel gekauft, und wir erlebten es nur im tonlosen Vorläufer des Let’s Plays, einer Komplettlösung in einer Game-Zeitschrift. Ein grosser Verlust war es nicht, denn weder das Spiel – ein eher grobschlächtiger Brawler – noch die aus brutal überforderten Kanälen fiepende Adaption des Tracks kann als wirklich wuchtig bezeichnet werden.

Gut war vermutlich anders, aber wir hätten es nicht besser wissen wollen.

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