Games'n'Politics: Valiant Hearts, Verdun, Red Baron: Gaming the Great War (1/2)

Michael Schulze von Glaßers Videoreihe "Games'n'Politics" wirft einen pointierten Blick auf die Schnittstellen zwischen Spielen, Gesellschaft und Politik. Auf VGT ergänzt Michael seine Videoserie um erweiternde Texte zum Thema. 

Der Erste Weltkrieg gilt vielen Historikern als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Rund 17 Millionen Menschen kamen in dem Krieg zu Tode. Erstmals wurde Giftgas eingesetzt und raffte tausende Soldaten nieder. Durch den großen Einsatz neu entwickelter Panzer und Kampfflugzeuge sowie von Maschinengewehren erfuhr der Konflikt eine umfangreiche Technisierung. Trotzdem findet der Erste Weltkrieg im Medium „Videospiel“ im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg kaum statt. Der Historiker Dr. Steffen Bender macht in seinem Buch „Virtuelles Erinnern – Kriege des 20. Jahrhunderts in Computerspielen“ darauf aufmerksam, dass es für Videospielentwickler schlicht unattraktiv sei den Ersten Weltkrieg als Spiel-Szenario zu nutzen weil Grabenkämpfe von Infanteristen und ihr sinnloses Sterben nicht dazu taugen, dem Spieler Spaß zu bieten. Zudem macht der Historiker darauf aufmerksam, dass es in dem Krieg kaum Fahrzeuge gegeben hätte – mit einer Ausnahme: Kampfflugzeuge.

1636Rise of FlightIm Luftkrieg war es nicht ganz so ein Abnutzungskrieg“, begründet der Kulturwissenschaftler Christian Huberts das große Vorkommen von Luftkampfspielen mit Erster-Weltkriegs-Setting. Er hat 2012 das Buch „Welt|Kriegs|Shooter: Computerspiele als realistische Erinnerungsmedien?“ mit-herausgegeben und sieht in Luftkampfspielen im Gegensatz zu Infanteriespielen eine gewisse Dynamik vorhanden: „Der Tötungsakt im Luftkrieg ist zudem nur abstrakt“, erklärt Huberts. Dies sei auch ein Grund dafür, dass selbst deutsche Soldaten wie der Kampfflieger Manfred von Richthofen alias „Der Rote Baron“ noch immer gefeiert würden – auch in Videospielen. Es gebe aber auch zunehmend Spiele, die sich dem Ersten Weltkrieg kritisch näherten. Als Beispiel dafür nennt der Berliner Kulturwissenschaftler das gerade erschiene Valiant Hearts vom französischen Hersteller UbiSoft.

1637Valiant HeartsIn dem Spiel schlüpft der Spieler in die Rolle von Soldaten aus Frankreich, den USA und Deutschland, führt eine belgische Medizinstudentin durch den Krieg und bekommt dabei Unterstützung von einem Hund. Das im Comic-Stil daherkommende Valiant Hearts zeigt die Wirren des Krieges, das Leid der Soldaten in den Schützengräben und auch der Zivilbevölkerung, es ist kein Kriegsspiel, sondern ein Spiel über den Krieg. So kann der Spieler während des Spiels auch immer wieder reale Fakten über einzelne Begebenheiten im Weltkrieg abrufen und lernt so wie das Leben und Sterben im Schützengraben ablief. (Anm.: Robert Glashüttners ausführlicher Artikel zu Valiant Hearts findet sich übrigens hier.)

Diese Behandlung des Krieges ist aber noch eine Ausnahme: Die Spiele, die den Ersten Weltkrieg ernsthaft thematisieren, kann man an einer Hand abzählen. „Die Nachfrage nach solch ernsten Spielen steigt allerdings und auch die Publisher reagieren“, erklärt Christian Huberts, warum es künftig wahrscheinlich mehr kriegskritische Spiele geben wird. Besonders der Indie-Bereich sei prädestiniert für solche Videospielprojekte. So bleibt zu hoffen, dass es zum Ersten Weltkrieg also demnächst noch mehr Spiele geben wird.

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