Mehr Respekt bitte, liebe Spieleblogger

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Dies ist ein Gastbeitrag von Volker Bonacker. Warum der ausgerechnet hier auf VGT veröffentlicht wird, erklärt Volker im Text. 

ich habe Druck und Frust in meiner Seele

wegen einer kleinen Szene

voller heißer Luft und Ehre

vollker Klischees und all jenen

die gerne den Harten zeigen

immer auf der Straße bleiben

darum muss ich in die andere Schale der Waage steigen

(“Beweis dagegen”, Prinz Pi)

Wer die deutsche Spielebloggerszene Ende des Jahres 2013 beobachtet - ob von außen oder als Beteiligter -, wird nicht umhin kommen, sie als äußerst fragmentiert, gegeneinander unwohl gesonnen und voll von persönlichen Attacken zu sehen. Dies ist der Versuch einer Klärung, der gleichermaßen als Angebot zur konstruktiven Auseinandersetzung und Versöhnung verstanden werden will.

Das Bild ähnelt sich in den meisten Fällen: Person A veröffentlicht einen Beitrag und kaum taucht unter den Kommentierenden Person B auf, verwandelt sich die Debatte um Inhalte binnen weniger Zeilen in persönliche Angriffe und Diskreditierungen, geführt oftmals mit einer Wortwahl, die selbst Offenbacher Straßenrappern, die wissen, wer der Babo ist, die Schamesröte ins Gesicht triebe. Wie es dazu kommt? Oftmals liegen die persönlichen Probleme lange zurück, in vielen Fällen ist den Beteiligten vermutlich nicht einmal mehr klar, warum man sich eigentlich nicht mag. So nutzt man den Umstand, den Schreiber nicht für sein Geschriebenes zum Wortgefecht zu fordern, sondern aufgrund von Texten auf persönliche Inkompetenz zu schließen und mittels vermeintlich überlegener Argumente zu untermauern, dass der Verfasser schlicht dumm ist und nicht sein Text. Die Trennung zwischen Persona und Meinung findet nicht statt.

Warum eigentlich? Nun, die deutsche Spielebloggerszene ist ein recht überschaubarer, heterogener Haufen. Man kennt sich, oftmals persönlich, man weiß, wer schon wo geschrieben hat, erinnert sich an legendäre Schlagabtausche in den Kommentarspalten, folgt sich auf Twitter und hat teilweise sogar eine gemeinsame Vorgeschichte. Jeder hat schon mal irgendwo mit jedem (geschrieben) und weiß, wer mit wem kann und mit wer nicht. Es gibt jene, die schon lange dabei sind und andere, die erst vor kurzem dazugestoßen sind, es finden sich mittlerweile verschiedenste Bildungshintergründe, Darstellungsformen und Trademarks. Vor allem aber Attitüden - und daraus wird der oft falsche Rückschluss auf die Person dahinter gezogen.

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in the underground, integrity lies within

Ein Beispiel: Von Akademiker über Rockstar über Zyniker bis Proll gibt es zahlreiche Rollen, die erfolgreich eingenommen und besetzt worden sind. Jeder hat so ein wenig das, wofür er oder sie steht und bekannt ist - ob das mit der Person abseits des Rechners übereinstimmt, ist zunächst uninteressant, das Internet ist schließlich vor allem als Medium der öffentlichen Selbst-Neuerfindung geeignet und das kann durchaus positive Einflüsse auf den sich Inszenierenden haben. Aber eben auch Reibungsfläche bieten. Das häufig zu beobachtende Ergebnis: Wird ein Text veröffentlicht, egal ob gut oder nicht, ist er untrennbar mit dem Image des Verfassers verbunden. Für ein Blog eigentlich ein Charakteristikum, schließlich zeichnen sich bürgerjournalistische Inhalte durch starke Personenbindung und hohen Meinungsgehalt aus. Was aber, wenn das Image der Grund und Inhalt der Auseinandersetzung ist und nicht der Gehalt der Texte? Genau dann haben wir ein Problem.

in the underground, image doesn't mean a thing

Was aber, wenn das Image der Grund und Inhalt der Auseinandersetzung ist und nicht der Gehalt der Texte?

Ich will eine Allegorie bemühen, die nicht neu ist und die Angelegenheit mit der Entwicklung einer anderen Szene vergleichen. In der kurzen Zeitspanne zwischen 1979 und 1986/87 hat sich in den USA eine äußerst vitale, wenn auch kurzlebige Musikszene entwickelt: Hardcore Punk. Die US-Interpretation dessen, was wenige Jahre zuvor in England entstanden ist, zeichnet sich durch eine schnellere, rohere Spielweise aus, bezieht sich ansonsten aber auf die Kerntugend des Punkrock: Es geht nicht darum, etwas professionell zu können, sondern darum, etwas schlicht zu tun (“Do it yourself”, kurz: DIY) und damit Gegenöffentlichkeit entstehen zu lassen. Entsprechend dilettantisch kommen viele Aufnahmen der damaligen Zeit heute rüber, aber darum geht es nicht. Das simple Ziel lautet, eine eigene Kultur in den Jahren der als repressiv verstandenen Reagan-Ära zu schaffen.

Bands sprießen in diesen Tagen wie Pilze aus dem Boden, es entstehen Ballungszentren in Washington, Boston, New York und Los Angeles, streng genommen sogar in Texas. Dabei weisen die meisten Städte und Bands eigene Charakteristika auf: Es finden sich primär sozialkritische Acts (Dead Kennedys), eher anarchistisch Angehauchtes (Black Flag) und Bands, die vorrangig an der Gründung / Beteiligung von Sub-Szenen wie beispielsweise Straight Edge festgemacht werden (Minor Threat, 7 Seconds). Jahre Später werden Bands hinzukommen, die eigene Stilrichtungen entwickeln (SFA), die vorrangig für Szene-Selbstbeweihräucherung bekannt sind (Madball), Musikstile vermengen (Hatebreed), schwest avantgardistisch daherkommen (Fucked Up) oder eine eher ungesunde Portion Nihilismus (Blood for Blood) in ihren Lyrics verbreiten. Das Ganze ist ein bunter Blumenstrauß.

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when the substance lacks it's plain for all to see

Von den Anfangstagen bis heute ist Hardcore vor allem für intensive Liveshows bekannt, deren Beteiligte einen körperlich aggressiven Tanzstil pflegen. So brutal das auf Außenstehende wirken mag, so koordiniert ist der Ablauf für Beteiligte. Entgegen des Dargebotenen sind feindliche Auseinandersetzungen eine Seltenheit. Es herrscht ein Regelwerk, das noch heute schlicht als “Unity” betitelt ist und gebietet, keine Spalterei zuzulassen, einander zu respektieren, bei aller Härte sportlich zu bleiben - unabhängig von ethnischer Herkunft, Sexualität oder persönlichen Ansichten. Geistiger Überbau ist eine stramm antikapitalistische, antifaschistische, zu Beginn außerdem antireligiöse und allen voran natürlich antiautoritär-libertinäre Geisteshaltung. Es geht nicht um Äußerlichkeiten, Hardcore ist kein Trend, nicht “in”, nichts, das versteht, wer sich der Sache aus falscher Motivation heraus nähert. Es gibt ein gemeinsames “Ziel”, so abstrakt es auch sein mag (und dessen Nichterreichung auch der Grund für das Aus der ersten Welle an Hardcore-Bands nur wenige Jahre nach dem Start der Subkultur ist).

if the deal is right then respect is where it should be

Das für mich heute noch Faszinierende: Es herrscht trotz aller Diversifikation ein hohes Maß an Konsens, Lagerkämpfe finden wenn, dann auf musikalischer Ebene statt (beispielsweise der Sampler “Boston, not L.A.”). Im Inneren zeichnet sich Hardcore durch die Fähigkeit zur Selbstkritik aus. Das oben angesprochene Violent Dancing wird beispielsweise längst nicht von allen Bands kommentarlos akzeptiert, überliefert ist ein Zitat der Band Bad Brains, das (sinnhaft) lautet: “Wir haben heute Abend einige schöne Frauen hier und ich will, dass sie nach der Show alle noch ihre Zähne haben.” Überhaupt wird ständig hinterfragt, beleuchtet, kritisiert und das nicht durch eine politisch korrekte “Szenepolizei”, sondern im Sinne des gemeinsamen Vorankommens.

Das liest sich aus heutiger Sicht furchtbar sozialromantisch, aber bedenkt man, dass die Szene 2013 zwar anders ist, sich dabei aber weiterhin auf eine gewisse Grundvereinbarung beruft (und überhaupt mal die Leistung vollbracht hat, auch über 30 Jahre nach der Ersterwähnung noch fortzubestehen), wird klar, was ein “Kodex”, so krude und unverständlich er auch anmuten mag, zu leisten in der Lage ist.

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for the fakes and frauds it's a fucking fashion show

Nun will ich die Spieleblogger nicht politisieren, das würde angesichts der wenigen Titel, die sich für derartige Auseinandersetzungen eignen, auch wenig Sinn machen. Es geht auch nicht darum, eine Szenebibel zu erarbeiten, an die sich dogmatisch zu halten hat, wer dazugehören will. Im Gegenteil: Es geht darum, Andersartigkeit zu respektieren, ihre Existenz zu unterstützen, zeigen, dass es eine Gesellschaft abseits der Gesellschaft gibt. Ganz einfach. Hardcore trägt noch immer eines im Herzen und das ist: Egal woher du kommst, egal wer du bist, wenn du open-minded drauf bist, Lust auf die Szene hast, dann komm rein, wir sind eine Familie und du kannst dazugehören und einen Beitrag welcher Art (Konzerte organisieren, Flyer verteilen, Proberäume suchen, Bands gründen, Filme von Shows drehen, Fotos machen, Sit-ins veranstalten oder auch nur kochen) auch immer leisten. Da, schon wieder diese klebrige Sozialromantik. Aber so schaut’s aus. Wer’s nicht glaubt, schaut das nächste mal rein, wenn die Stuttgarter Band Empowerment in der Stadt spielt. In keiner Jugendsubkultur ist mir soviel Offenheit und Freundlichkeit entgegengebracht worden wie hier. Trotz Shows, die die Anmutung von Straßenschlachten haben. Ich bin immer heil herausgekommen - verantwortlich dafür war der Typ neben mir, vor mir, hinter mir und ein unausgesprochenes Vertrauen gegeneinander. Weil’s um die Sache geht, nicht um den Einzelnen.

total compromise will have them sell their soul

Einigen wir uns vorab darauf, dass es um eine gemeinsame Sache geht - egal wer daran teilnimmt 

Genau das ist es, was ich gerne auch bei deutschen Spielebloggern finden würde. Die Community ist schließlich von ähnlich überschaubarer Größe, ähnlich ausdiversifiziert in Sachen Stil und Eigenheiten. Respektieren wir diese Unterschiede, gestehen wir Individualität ein. Sehen wir, dass hinter den Äußerungen immer noch ein Mensch steht und wir außerdem ein Bild diesem Menschen haben, eine Interpretation seiner Online-Persona und ob uns das schmeckt oder nicht, soll sich doch jeder inszenieren können, wie er sich inszenieren will. Hinterfragen wir die Inszenierung nicht, sondern nehmen wir sie schlicht als gegeben hin. Einigen wir uns vorab darauf, dass es um eine gemeinsame Sache geht - egal wer daran teilnimmt (damit das nun nicht zu liberal klingt: natürlich gibt es Grenzen, deren Überschreitung der Sanktion bedarf, die notfalls bis hin zum Ausschluss gehen kann. Ich setze ein wenig voraus, dass man das gedanklich in den vorangegangen Satz von selbst hineingeschrieben hat).

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all the negative all the useless influence

Was ist diese gemeinsame Sache? Einfach gesprochen: Spiele. Nur darum machen wir das schließlich. Weil wir nicht nur konsumieren, sondern das Konsumierte besprechen wollen, weil wir das Verlangen haben, unsere Meinung zu dem, was wir am Bildschirm erlebt haben, kundzutun. Je facettenreicher die Art der kundgetanen Meinung ist, desto besser. Wir gewinnen durch Unterschiede nur. Wenn wir sie respektieren. Wenn wir es uns zum Vorsatz machen, für bunte Vielfalt zu stehen und uns auch dann dran halten, selbst dann, wenn wir etwas lesen, das uns nicht passt. So lange es nicht völlig bar jeden gesunden Menschenverstandes ist, kann man drüber reden - und das mit einer geistigen Offenheit, die zuallererst einmal respektiert, dass jemand anders eine andere Ansicht vertritt. Ohne Schuldzuweisungen, ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Fingerpointing, sondern mit dem Ziel, gemeinsam etwas zu schaffen, das alle weiterbringt.

all the emptiness all the violent detriment

Warum habe ich das hier veröffentlicht, bei Videogametourism? Nun, ich will mich zuallererst vom möglicherweise auftauchenden Vorwurf freisprechen, eine Vorreiterrolle einnehmen zu wollen. Die will ich überhaupt nicht. Ich will das hier nicht losgetreten haben, ich will lediglich eine Idee in den Raum gestellt haben - was draus gemacht wird, ist nicht in meiner Hoheit, soll das auch gar nicht sein. Genau deshalb findet diese Idee auf “neutralem” Boden statt, an einem Ort, wo andere moderieren, nicht in meinem digitalen Wohnzimmer. Hier kann jeder kommentieren, ohne zu fürchten, dass alter Beef mit dem Betreiber schnell wieder hochkocht. Deshalb habe ich Rainer auch gebeten, das hier veröffentlichen zu dürfen. Ziel soll sein, den Blick nach vorne zu richten und das geht vermutlich dann am Besten, wenn man erst einmal bei Null anfängt.

makes no sense. makes no sense. makes no sense.

Mehr Miteinander, mit allen Unterschieden, ungeachtet der jeweiligen Images, inklusive aller Personen-Inszenierungen.

Das ist nicht der einzige Grund. Ich habe in den vergangenen Tagen auf verachtendste, inhumane Weise selbst mit Dreck geworfen, mich selbst in die Niederungen dessen begeben, wogegen ich die vergangenen Absätze angeschrieben habe. Und ich will’s nicht mehr sehen. Es soll anders werden und das, ohne dass wir hier ellenlang drüber streiten, wer es wann losgetreten hat oder schuldig und unschuldig ist. Das ist immer noch eine “Szene” und das hier ist mein Beitrag dazu. So lange und teils von historischer Verblendung (es gibt nämlich auch echt beschissene Hardcore-Bands. Ja, das meint euch, Terror, ihr Unterhemdenprolls!) gezeichnet er geworden ist, so wünsche ich mir doch, dass die einfache Quintessenz verstanden wird: mehr Miteinander, mit allen Unterschieden, ungeachtet der jeweiligen Images, inklusive aller Personen-Inszenierungen. Mehr Trennung von Person und Meinung. Mehr Respekt.

Mehr Besinnung auf das, worum es uns allen im Grunde immer noch geht: Über Spiele schreiben in einer Art, die wir in den etablierten Medien nicht oder in nicht ausreichender Weise finden. Es selbst besser machen, DIY, jeder wie er kann. Vor allem aber zusammen.

(post scriptum: die verwendeten Zwischenheadlines stammen aus dem Song “Step Down” der (natürlich) Hardcore-Band Sick of it All.)

 
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Kommentare

tm;dr. #Schade.

Ansonsten: Es liegt letztlich immer an jedem selbst - sich an konstruktiven Diskussionen zu beteiligen, auszuteilen, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen oder - das ist immer ein Weg - sich rauszuhalten. Das ist nicht immer leicht, eben weil man eine Meinung hat und diese gerne vertritt. Das dürfte den meisten Leuten so gehen. Ich für mich habe schon bei einigen Leuten gemerkt, dass ich mit diesen nie warm werde. Also lasse ich es, man kann sich auch in Zeiten des Internets gut aus dem Weg gehen. Und damit lebt man viel entspannter. Verschiedene Leute haben eben verschiedene Weltbilder - das ist okay und wichtig. Ich wünsche mir generell ein respektvolleres Behandeln anderer Leute gegenüber. Auch das ist vermutlich einfacher gesagt, als getan - ein Versuch ist's aber immer Wert. Ein Anfang ist es übrigens zu verstehen, dass nicht alle Menschen genauso wie man selbst ticken. Aber das sagst du ja selbst schon hier im Text auf gewisse Weise... :)

 

Der Background vieler Spieleblogger ist ja der kleine Nerd, der schon von Kindesbeinen an Game Boy gespielt hat und später Grafikkarten-Specs penibelst gegeneinander abwog, und dafür von seiner Altersgruppe verhöhnt und schlimmeres wurde. Ich will jetzt hier gar nicht mit "Opfer wird zum Täter"-Küchenpsychologie anfangen, aber wie du - Volker - ja richtig erkannt hast, ist das Internet durchaus dazu geeignet, sich als Persona neu zu erfinden. Und das liegt natürlich gerade bei einem Thema nahe, mit dem man sich schon seit Jahrzehnten beschäftigt: da macht einem schließlich keiner was vor. Du bist anderer Meinung? Uninformierter Versager, was willst du mir eigentlich erzählen, fick dich, du Oberfotze und so nimmt das seinen Lauf.

Ich schreibe für Zockwork Orange und war selbst auch schon häufig Ziel von Anfeindungen aus einer gewissen Richtung und das hatte immer(!) zugegebenmaßen kontroverse Artikel von mir als Ausgangsposition. Ich habe mich aber nie darauf eingelassen, zumindest nicht in der Form von seitenlangen Kommentarschlachten, wie man sie in jüngster Zeit desöfteren gesehen hat. Um es auch mal mit Hardcore zu sagen (genauer gesagt Snapcase, die ich sehr schätze): "And my self confidence has taught me virtues." Gerade weil ich menschlich vorangekommen bin, blogge ich immer weniger für diesen inzestuösen Circlejerk, fühle mich über den ganzen Scheiß erhaben und tausche mich lieber mit meinen realen Freunden darüber aus, wie scheiße ich The Stanley Parable finde oder wie scheiße mein Kumpel Uncharted findet, das gibt mir jedes Mal einen Hochgenuss, wie man ihn nur unter Freunden haben kann, und ist um einiges fruchtbarer und gibt mir ein besseres Gefühl als jede Kommentartextwüste, auf die z.B. Toni immer so stolz ist. Und wo ich mein gutes Gefühl herhole, ist mir erstmal scheißegal. Nicht von euch Bloggern? Your loss.  

Das Problem ist nicht, dass es nicht um Spiele geht. Es geht in erster Instanz entweder um Spiele oder um die Frage, wie man trve seine Seite monetarisiert (wenn überhaupt), wobei letzteres immer mal wieder, aber eher punktuell auftritt. Nein, es geht um Papers Please, Sword and Sworcery, The Stanley Parable. Spiele, die ihr verstanden habt, aber ich nicht. Ich Vollidiot. Weil eben immer noch der kleine verletzte Nerd in euch schreit. Aber ich bin nicht eure Nanny und ich brauche euch nicht. Ihr seid aktuell höchstens für mein Popcorn gut (so auch in den letzten Tagen, danke dafür!).

Falls Volkers gut gemeinter und versöhnlicher Text wider Erwarten hier ein Umdenken antriggern sollte (und nicht nur eine Eintagsfliege ist, denn der nächste Gamesload-Diss kommt bestimmt): Ich bin gespannt und freue mich auf die Zukunft. Beobachten werde ich die "Szene" natürlich weiterhin.

 

P.S. Ich weiß nicht ob ich dieses hemdsärmelige "Für außenstehende Straßenschlachten, für Insider hart aber sportlich"-Bild so gelungen finde, dass du immer so gerne feierst. Nicht nur, dass ich persönlich mich damit nicht identifizieren kann und will, zum anderen ist man dann auch schnell wieder bei "Was? Du bist beleidigt? War doch nur ne harmlose Rempelei"-Diskussionen, die - wie kürzlich erlebt - sehr länglich und lähmend sein können.

Moin! Dann gebe ich meinen Senf hierhin.

Als deutschsprachiger, aber nicht deutscher Spieleblogger sehe ich das immer wieder aufbrandende Gezanke zwischen den (meist) üblichen Verdächtigen der deutschen Szene mit Erstaunen. Klar geht es um Distinktionsgewinn, Battlen bringt Reaktion, Provokation macht Quote. Was ich persönlich nicht nachvollziehen kann, ist, wie schnell hier oft aber jede Souveränität weggeschmissen wird und die Sicherungen durchbrennen. Das ist sicher ein Medienproblem - ein zorniger Tweet oder Kommentar ist schneller hingerotzt, als face-to-face oder sogar telefonisch etwaige Probleme abzuklären. Das ist wohl auch der Grund, wieso im Internet jeder tendenziell nur einen Schritt vom Troll bzw vom Arschloch entfernt ist: halbwegs anonym, schnell im Durchsatz, morgen vergessen.

Ich finde den Vergleich mit der Musikszene gut, doch letztendlich braucht es da IMHO weniger einen Kodex o.Ä., sondern es ginge mir eher um das Bewahren einer gewissen Gelassenheit, einer gewissen Distanz zu sich selbst und seinen Themen und vor allem - ganz wichtig - um Selbstironie. Wer über sich selbst nicht lachen kann, muss stinkig werden, wenn es andere tun, und sei es nur ein gutmütiges Lachen oder ein harmloses Aufziehen. Trolling is a art - und als Kunst muss man besonders gelungene Versuche auch mal bewundern, auch - oder gerade dann! - wenn  als erster Impuls der Blutdruck nach oben fetzt.

Nicht alles schlucken. Keine Frage. Aber siehe oben: Wir sind eine recht kleine Familie, und die Welt draußen ist groß, gemein und schaut uns komisch an. Wenn wir uns schon in die Fresse hauen wollen, dann mit Sportsgeist und einem ordentlichen Schulterklopfen danach.

In diesem Sinne: Keep calm and carry on.

Dieses "Phänomen" betrifft nicht nur die Bloggerszene, denn auch die "Profis" verlieren schnell die Ruhe. Überall herrscht in der Spieleszene eine gewisse Aggressivität, die sich gern hinter Sarkasmus versteckt. Da schaukeln sich die Beteiligten gegenseitig hoch bis es einem dann zuviel wird.

7 Seconds sind im Ätsch-Rahmen falsch platziert. Der Rest interessiert mich nicht.

sven / fabian: ich versteh gut, was ihr meint. grade du (sven) bist mir als jemand aufgefallen, der in den letzten monaten vor allem seine sache macht und sich ansonsten zurückgezogen hat. das kann im einzelfall funktionieren, aber fraglich ist halt, ob man selbst nicht eigentlich lieber eine virtuelle familie hätte, wo schon die von fabian erwähnten außenangriffe ohnehin für ein außenseiterimage sorgen. das mag heute längst nicht mehr so wild sein (im gegenteil, vermutlich ist gaming sogar "cool"), aber uneinigkeit - und dazu gehört raushalten nun mal in passiver weise auch - bringt das gesamte nicht weiter. so das gesamte weitergebracht werden will.. nonetheless: ich verstehe, was du (fabian) sagt, der freundeskreis ist auch bei mir mittlerweile ein schöner ersatz. die twittern alle nicht, die sind teilweise nicht mal bei facebook, für die ist das alles ein blöder kinderkram, wenn ich denen erzähle, wie wir uns so fetzen. nur: für mich halt nicht. insofern würd ich mich freuen, wenn du über die zeit auch wieder zurückfindest :)

Toni: Und auch noch vergessen zu erwähnen, dass die Rrrrriotgirl-Bewegung aus der ersten Welle an DC-Bands heraus entstanden ist. Natürlcih absichtlich unterschlagen, soll ja keiner den Eindruck gewinnen, Frauen wären im Hardcore oder bei Spielebloggern willkommen!

Ich denke dieser Appell hier kann nur gelten, wenn auch die Heterogenität der Meinungen über die Gamesload Aktion akzeptiert wird, genauso wie die Vielfalt der Blogger-Szene eben anerkannt wurde. Damit möchte ich nicht wieder ein Gefecht veranlassen, behalte aber im Auge den Entstehungskontext dieses Posts. Soll halt alles rund sein und so.

david: läuft - obschon der beitrag in gedanken lange vor dem, was mit gamesload in den vergangenen tagen schief lief, getippt war.

Nur ganz kurz. Für mich war die Geschichte drüben bei Nille geklärt. Grenzen wurden überschritten. Entschuldigungen ausgetauscht. War nicht cool. War nicht schön. Kann aber passieren. Vielleicht haben einige was draus gelernt. Ende.
 
Ich kann verstehen dass man, vielleicht auch entsetzt über sich selbst, die Kontrolle wiedergewinnen möchte. Nur im Nachhinein die Deutungshoheit zu beanspruchen und und es als Community-Problem zu verkaufen… das finde ich schwierig, ein ganz klein wenig ärgert es mich auch.
 
Aus meiner Perspektive war und ist es – das ist mein Einspruch – vor allem eine persönliche Kiste und den Zoff auf anderen Ebenen zu führen, genau das ist das Problem. Da werden, über Jahre hinweg, persönliche und sachliche Streitigkeiten aufgetürmt und daraus ein beinahe grotesksn Feindbild konstruiert. Sowohl das Tumblr, als auch die Tweets haben mich da tief blicken lassen. Eine persönliche Fehde mit Fabu wird dann mit flapsig formulierter Kritik an Klickstrecken befeuert und uralten Polyneux-Meinungsverschiedenheiten (kein Scherz) – und am Ende wird Sebastian Standke beleidigt. Nein. Das ist nicht OK.
 
Bisschen mehr Distanz, auch zur eigenen Perspektive. Bisschen weniger reinsteigern in Dinge, die eigentlich total albern sind. Natürlich ist es schmerzhaft, wenn eigene Arbeit mit Dreck beworfen wird. Wir würden alle nicht bloggen und twittern, wenn wir nicht einen gewissen Grad an Selbstüberzeugung mitbringen würden. Egos werden nicht gern gekränkt, Gefühle nicht gern verletzt. Und mir leuchtet völlig ein, dass man Dinge auf sich selbst bezieht, auch wenn sie für einen Außenstehenden in eine gänzlich andere Richtung schießen. Aber, das gilt für Dich wie mich, Fabu und alle anderen: Das wenigste ist tatsächlich persönlich gemeint und soll gezielt verletzen. Die wenigsten kennen sich so gut und haben eine gemeinsame Historie, die solche Mutmaßungen plausibel macht. In der Regel sind es einfach unterschiedliche Charaktere, Erfahrungen und Lebenssituationen, unterschiedliche Vorstellungen davon was Ironie, Diss unter Brüdern oder Schlag in die Fresse ist.
 
Auch wenn ich einen Text nicht mag oder einen Blognamen albern finde, auch wenn ich mir selbst schon reichlich blödes Zeug anhören durfte und sicher selbst reichlich blödes Zeug geschrieben habe, ich gehe immer davon aus, dass man bei einem Kaltgetränk und einer Runde Samurai Gunn viel Spaß haben könnte.
 
Das war der Punkt wo Dein Ausbruch von "ah, okay, muss ich mich nicht zu äußern, oder?" zu "wtf?!?" kippte. Als es nur noch darum ging, Schmerzen zuzufügen und die ungeschriebenen Regeln von Bumsmongo-Disserei und Aufmerksamkeitsgepöbel überschritten wurden. Das will ich nie wieder sehen und das ist kein allgemeines, diffuses "Community-Problem", sondern ein ganz konkreter Fall mit ganz konkreten Personen.
 
Mal etwas entspannter: Wir sind doch alle nicht seit gestern hier. Grade Twitter bevorzugt den steilen Spruch, statt einer pädagogisch und menschlich klügeren Sachkritik. Genau so wie man einfordern kann, etwas freundlicher miteinander umzugehen (da bin ich ganz bei Dir), kann man einfordern, mal weniger auf sich fixiert durch die Welt zu laufen. 
Btw. Fabu kommentiert selten unter anderen Blogs, wenn man ihn bei Twitter ausblendet, kann man ihn recht einfach ignorieren. Ja, das sagt sich immer so leicht. Aufregen macht Spaß (86%, mindestens!), dass kenne ich selbst nur zu gut. Trotzdem ist Ausblenden eine pragmatische Lösung, die sicherlich nicht ganz befriedigend ist, aber trotzdem an die Ursache geht: Sie entzieht Aufmerksamkeit.
 
Ebenso pragmatisch: Bescheid sagen. Die Aktion war genau darum scheiße und sich nicht erst Monate lang in einen Vergeltungsmodus hineinsteigern, in dem dann die Eskalation das einzige Mittel ist. Damit manövriert man sich in beschissene Situationen und was auch immer man bewirken wollte, verpufft.
Ich bin selbst ein Freund des gehässigen Spottes, aber nach ein paar Tagen ist auch wieder gut. Und es gibt ja auch reichlich Dinge bei Superlevel die albern, hochnäsig und bigott wirken mögen. Wir machen alle Fehler, dauernd und reichlich. Aber wenn man vom anderen nicht gleich das schlimmste annimmt und jede Äußerung in sein schwarz-weiß Schema presst, dann kommt man glaube ich auch auf einem fairen Level miteinander klar. Sogar mit Fabus pseudo-provokanten Tweets (mal ehrlich, das ist doch echt die einfachste Masche überhaupt, gleich nach "Was sagt ihr dazu?").

"Auch wenn ich einen Text nicht mag oder einen Blognamen albern finde, auch wenn ich mir selbst schon reichlich blödes Zeug anhören durfte und sicher selbst reichlich blödes Zeug geschrieben habe, ich gehe immer davon aus, dass man bei einem Kaltgetränk und einer Runde Samurai Gunn viel Spaß haben könnte." - ich würde einen sechserträger jever fun mitbringen. und mich in der tat auf so ne runde freuen. ansonsten trifft dein kommentar in jedem einzelnen punkt zu und ich gedenke, mich persönlich dran zu halten und auch freunde, mitbloggende oder mittwitternde drauf aufmerksam zu machen, wenn zurückhaltung geboten ist und gelassenheit regieren sollte.

Was Ben sagt. Prost!

Ich hab die Affäre nur so halb mitverfolgt (auch ganz angenehm mal keine Zeit fürs Internet zu haben) und hatte deswegen auch nicht vor mich zum Thema zu äußern, reicht auch eigentlich, dass die Feindseligkeiten fürs erste beendet sind. Aber wenn es das Konfliktschiff schon in den Heimathafen schafft sag ich vielleicht doch noch was. Mag enorm zynisch wirken so verspätet und nach dem Aufruf zu mehr Liebe rumzunörgeln, ist aber ehrlich nicht so gemeint, in dem Punkt bitte ich um Vertrauen. Mich stören da schlicht ein paar Dinge.

Die Deutungshoheit, die Ben anspricht, etwa. Das betrifft aber nicht nur den Text hier, weil ich auch von anderer Seite und an anderer Stelle diese Aufforderung zur beiderseitigen Entschuldigung (oder Kommentare zum Ausbleiben dieser oder jener) gesehen habe, was für mich etwas nach Gleichsetzung der Übergriffe aussieht. Zumindest in meiner Wahrnehmung ging es aber auf einer Seite etwas extremer zu auf der anderen. Natürlich habe ich mir dabei keine Mühe gegeben jeden Kommentar zu lesen. Ich kenne auch die bunte Vorgeschichte nicht.

Den generellen Umgangston vielerorts im Netz anzusprechen finde ich lobenswert, aber die Debatten zum Tonfall sollten nicht zum Tone Argument werden, das versucht Beiträge unabhängig von deren Inhalt aufgrund mangelnder Höflichkeit zu diskreditieren (Es zeichnet sich scheinbar für meine Laufbahn als Spieleblogger ab, in einem Bergkloster über die Definition dieses Konzeptes zu meditieren und das Ergebnis fortwährend zu predigen). Das kann aber berechtigte Kritik sein. Aus dem Grund wahr ich unlängst in Tonis Kommentaren zu Gast, auch wenn ich mich dort nicht gerade heimisch fühle (und die Diskussion über Feuilleton und Enthusiasmus schnell schleifen ließ).

Mich stört dementsprechend auch, dass Fabus ursprüngliche Kritik eher untergegangen ist. 140 Zeichen lassen Deutungsspielraum, aber ich fand "testen dürfen" in dem Zusammenhang keine gelungene Formulierung. Auch dass das Schreiben darüber miterwähnt wird, und die Beschränkung auf drei Blogger (lies: hier wird wohl selektiert). Natürlich ist es wirklich ein testen dürfen, Berichterstattung ist die logische Konsequenz und Intention, auch dass ihr nicht jeden nehmt der kommt ist klar. Trotzdem ist die Präsentation da interessant.

Es scheint müßig zu erwähnen, dass die folgende Reaktion überzogen war. Nett mag er sich nicht ausgedrückt haben, aber für mich ist es ein Unterschied ob jemand persönlich wird oder etwas persönlich genommen wird. Auch irgendwie verständlich, trotzdem nicht optimal. Anders gesagt: Sollte jemand nach Lektüre des von mir publizierten Machwerks zum Ergebnis "Haywire ist scheiße" kommen, macht mich das nicht gerade glücklich, ist aber eine andere Kategorie als "Dieser Joe Köller ist ein unfähiges, arrogantes Arschloch". Die Trennung von Werk und Autor sprichst du ja selber an.

Das Argument der guten Intention kann ich in dem Zusammenhang nicht ganz nachvollziehen. Glaub ich dir ja gern, es löst bloß den Konflikt auf der Gegenseite nicht auf. Klar, dass offene Bestechungsversuche, in Form von gefüllten Jutesäcken mit Dollarzeichen drauf, abzulehnen sind. Aber wer Distanz waren möchte mag auch von freundlichen Gesten und offenen Armen Bauchschmerzen bekommen, weil die Grenzen von Beeinflussung schwer zu definieren sind. Auch ohne Hintergedanken.

Respekt als allgemeine Forderung klingt ja nett, ich frage mich dann aber: für wen oder was? Für Mitmenschen und Mitblogger? Absolut, guter Plan. Für Spiele? Mit denen gehen wir meiner Meinung nach ohnehin schon zu unkritisch um, und könnten wohl ruhig ein wenig der Andacht vor den Werken ablegen. Kritik sollte bewusster mit den Unterschieden zwischen großen Projekten und kleinen, völlig persönlichen Geschichten umgehen, ist aber in beiden Fällen angemessen. Attacken, wie die von Marcus Beer an Phil Fish braucht es, selbstredend, nicht.

Respekt für andere Meinungen? Im Prinzip natürlich auch, aber im Bild des freundlichen Miteinanders, das du beschreibst, gebe ich zu bedenken, dass es abseits von live and let live auch Aussagen gibt die ich schwer tolerieren, geschweige denn respektieren kann. Das sind natürlich nicht die darüber, welches Spiel einem Freude bereitet. Eher die bei denen Rainer zum absoluten Gipfel österreichischer Weisheit greift: "Net amoi ignorieren". Dass doch eigentlich jede Ansicht eine legitime Meinung wäre, bekomme ich in dem Zusammenhang auch öfter mal zu hören, trifft es aber nicht ganz.

Wird wohl auch niemanden wundern, dass ich die Entpolitisierung der Szene (oder was auch immer das nun ist) kritisch sehe, einfach weil Nichtauseinandersetzung mit Politik auch ein politischer Standpunkt ist. Schon klar dass das nicht jeder machen will oder soll, das Thema verschwindet aber auch nicht wenn mensch es ignoriert.

Das waren jetzt irgendwie mehr Punkte als ich geplant hatte. Alles eher nur so am Rande, vor allem schön, dass wieder Frieden herrscht.

@Joe: ad "Gipfelpunkt österreichischer Weisheit", " net amoi ignorieren": Wahrlich, darin zeigt sich die subtile Meisterschaft in der alpinen Tradition des Zen, nicht anzuhaften, nicht zu begehren und nicht zu hoffen. Weils eh wurscht ist.

Bekannt als Blun-Zen. (Jaja, die Bundesbürger verstehen den Schmäh nicht. SELBER SCHULD!)

 

 

Das haben sie davon, sich auf diesen neutralen Boden zu begeben. Da fallen auch mal Austriazismen.

Eh kloa!

"Weils eh wurscht ist. Blun-Zen!"

Welch meisterhaftes Bonmot! :D

Ich werde dich plagiieren, so oft ich kann!

... und uralten Polyneux-Meinungsverschiedenheiten (kein Scherz)

@Ben: Ich verstehe es nicht, erbitte eine nähere Erleuterung. =)

Was Joe sagt. Prost!

auch was joe sagt.

von mir aus übrigens auch gern politischer. das ist nur nicht jedem seines und wird den vorwurf bringen, man wolle es zwanghaft auf die meta-ebene zerren. außerdem herrscht da viel zu viel uneinigkeit, das haben wir in den erwähnten debatten bei toni zum thema "papers, please" sowie davor schon zur ewigen sexismus-debatte alle lachend oder weinend mitlesen können. wenn politisch, dann in einer weise, die zunächst mit "ich hab meine meinung, aber kann diese nach kenntnisnahme deiner meinung eventuell ergänzen / ändern" ausgeht. in der hinsicht hat sich in der vergangenheit quasi jeder nicht an die spielregeln gehalten. gerade, wenn es politisch wird, wird's scheinbar auch zwangsweise persönlich. und das muss nicht sein.

was die gamesload-aktion betrifft, sehe ich weiterhin großen dissens. ich stehe da weiterhin für verbesserungsvorschläge zur verfügung. die sache ist ad hoc geplant gewesen, entsprechend durchgezogen und nun weiß ich, dass das der definitiv falsche weg war. vermutlich auch, weil ich nicht der von nille attestierte "kommunikationsprofi" bin, sondern schlicht ein typ, der eine idee hat und dann am liebsten gleich losmarschiert. planen und excel-tabellen oder powerpoints zu aktionen machen, das überlass ich anderen. ich tue einfach. und bin nun das erste mal richtig auf die fresse geflogen damit. insofern: vorschläge, wie das nächste auf der visage landen ausbleiben kann, nehm ich dankend entgegen.

Prost Fabu, Prost Volker!

Der Vorwurf des wilden Interpretierens ist mir als Geisteswissenschaftler wohl bekannt, ob der eigentlich sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Mir ist schon klar dass nicht jeder diesen verkopften Ansatz mögen muss und dass ich mit akademischen Überlegungen zur Dekonstruktion von Geschlecht und Sexualität vergleichsweise "extremistisch" wirke, wie zynisch Leute darauf reagieren können wundert mich trotzdem ein bisschen. Mit Uneinigkeit ließe sich ja umgehen, auf thematischer Ebene sind Kritik und Austausch interessant, und wenn es jemanden einfach (gerade) nicht interessiert, nun, das kann ich auch respektieren.

Bizarr wird es wenn die zweite Möglichkeit für die erste gehalten wird und "Seh ich nicht so" als Argument gelten soll. Oder auch bekannt: "Ist doch alles Blödsinn." Ich kann das schwer als gleichwertig betrachten, wenn der Argumentation im Text schlichte Verweigerung entgegengesetzt wird. Bei der Gelegenheit verlier ich auch gern mal die Fassung, aber dass diese Debatten hitzig werden seh ich eigentlich nicht als gültigen Kritikpunkt (und auch hier finde ich die Gleichsetzung verschiedener Übertritte problematisch). Ebenso wenig wie die vermutete Doppelmoral, wenn Menschen oder Medien sich nicht in Hingabe an ein bestimmtes Thema völlig selbst verzehren.

Politik, da kommen wir weit vom eigentlichen Thema ab. Aber wenn die Feindseligkeiten zwischen Blogs schonmal thematisiert werden, diese Sticheleien über Moralapostel, Klickzahlen und Aufmerksamkeit finde ich nicht so toll. Irgendwie geht es da um Kritikfähigkeit, so viel hab ich schon mitgekriegt, die scheint mir aber auch anderorts ausbaufähig. Darüber reden wir vielleicht bei anderer Gelegenheit, momentan ließe es sich schwer vermeiden unabsichtlich hämisch zu klingen.

Die Idee des Disclaimers zur Meinungsfreiheit mag ich eigentlich nicht, weil ich da selten ein echtes Problem bei den Texten selber sehe, erst in den Reaktionen. Ein bisschen wie bei der übermäßigen Bedeutung die Wertungen beigemessen wird, bloß dass ich die Maßstäbe hinter dem System auch kritisieren würde. Kein Vergleich zu dem Gekreische über 8er oder 9er natürlich.

Bei Ratschlägen halt ich mich zurück, bis ich selber herausfinde wie diese schriftliche Kommunikation optimalerweise zu funktionieren hat. Aber vielleicht hilft auch hier österreichische Weisheit zur Mäßigung von Erwartungen, der Unmöglichkeit sicherer Prognosen und Horror wie Wunder der Zukunft: "Schau ma mal, dann seh ma scho". Also quasi keine bestimmte Reaktion erhoffen, erstmal abwarten was da kommt, und wieso. Oder so ähnlich.

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