Minimalismus: SCP 087

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Das ist ein Beitrag zu Zockwork Oranges "52 Games"-Projekt, in dem pro Woche ein Text zu einem bestimmten Thema zu einem frei wählbaren Spiel gefragt ist. Thema Woche 4: Minimalismus. SCP 087 habe ich erst kürzlich besprochen - inklusive mehr Hintergrundinfos zum Spiel -, aber es passt so gut zum Wochenthema, dass ich es nochmal erwähne.

Immer weiter runter, langsam, nur spärlich beleuchtet. Ein Stiegenhaus aus Beton und rostigem Metall, kein Ausgang, ganz oben, hinter uns, fällt die Tür ins Schloss. Die Taschenlampe erhellt armselig wenig; unten gähnt das Schwarz. Und je tiefer wir steigen, desto lauter werden die Geräusche, die uns umgeben, bis wir irgendwann nicht mehr wissen, ob das regelmäßige Atmen von uns kommt oder von etwas anderem. Abwärts.

Abwärts, und weiter abwärts. Es gibt nichts zu tun, außer weiter im Kreis zu laufen, nichts zu sehen als immer dieselben Betonwände, die sich langsam aus dem Schwarz schälen. Wir gehen abwärts, schrauben uns immer weiter nach unten, umgeben von einer dichten Mauer aus langsam, langsam immer lauter werdendem Sound: verrauschter Maschinenlärm, beunruhigendes Pulsieren, vereinzeltes dumpfes Hämmern. Die Monotonie unseres Abstiegs, die Trance des Im-Kreis-Laufens und die Soundkulisse schüren unsere Angst: Gleich passiert etwas. Die Schatten des Betonschachts beginnen sich zu bewegen, es wird dunkler. Oder bilden wir uns das nur ein? Ein erschrockenes Innehalten, ein Blick nach hinten: Nichts. Zögernd setzen wir unseren Weg fort. Irgendwo da unten, so wird uns klar, wird unser Weg enden, werden wir auf etwas stoßen, das unseren Weg beendet. Weiter abwärts.

SCP 087 zeigt, wie wenig es braucht, um Angst zu erzeugen. Es ist eine bestimmte Sorte Angst, eine rohe, animalische Reaktion unseres Körpers auf eine Situation, die in ihrem Minimalismus, in ihrer Eintönigkeit die Spannung bis zum körperlich Unangenehmen steigert. Und SCP 087 zeigt auf, wie wenig ein Spiel braucht, welche einfachen Motive uns fesseln: Hier ist ein Weg; tu was du willst.

Und wie erwartbar, wie logisch, wie unausweichlich: Wir gehen abwärts. Es gibt sonst nichts zu tun, also tun wir es. Wer braucht schon eine Prinzessin, die gerettet werden muss, wer braucht eine Story, wer braucht eine Motivation? Wer braucht Gründe

Wir gehen abwärts, weil wir wollen. Obwohl wir Angst haben, obwohl es von Minute zu Minute absurder wird, obwohl uns immer klarer wird, dass die Attraktion dieses Spielexperiments nicht erst kommt, sondern bereits hier ist, hier in diesem monotonen Abstieg mit seiner irrationalen Angst, seinen simplen, aber effektiven kleinen Schocks.

SCP 087 ist Minimalismus. Nicht grafisch, nicht ästhetisch, nicht in seiner First-Person-Mechanik. Es gibt als Spiel die einfachste, klarste und erschütternd einleuchtende Antwort auf die Frage nach der Motivation, nach dem Warum. Es ist dieselbe Antwort, die der Bergsteiger George Mallory auf die Frage gab, warum er den Mount Everest besteigen wollte: "Because it's there."

Warum SCP 087? Deshalb. 

Minimalistischer wird's nicht.

 

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Kommentare

[...] Koboldhöhle: Progress Quest / Threeblades: Killer 7 / Unique Potion: Bust a Move / Ursu: Pong / Videogametourism: SCP 087 / Webschnorcheln: Larva Dream / Wen interessiert’s?!: Bubble Ball / WhatThePixel: Pong / Next [...]

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