Modtag! Aliens TC

Anknüpfend an die gerade erst erschienene neunte Ausgabe des Bookazines für Gameskultur WASD, in der Stefan Köhler Geschichten rund um Fan-Projekte prüfte, beschäftigt sich dieser Abstecher in die Welt der Spielbearbeitungen für VGT ebenfalls mit einem Mod-Mythos. Dabei wird sich auch klären, wie die unter Androhung juristischer Schritte erzwungene Einstellung der Entwicklung einer Software, die (Urheber-)Rechte verletzt, ihre Bezeichnung erhielt…

#20 – Aliens TC (1994)

Nachdem ich meine aktuelle WASD-Kolumne zum Teil dazu nutzte, einen Mod-Mythos aufzuklären, muss ich an dieser Stelle zugeben, dass ich bis vor kurzem selbst auf eine solche Erzählung hereingefallen war und diese auch weiter verbreitet hatte. Konkret handelt es sich um die Geschichte, nach der 20th Century Fox 1994 die Einstellung der Entwicklung und Distribution der Modifikation Aliens TC für Doom veranlasst habe, da die Produktionsfirma darin eine Verletzung ihrer Rechte an den Filmen der Science-Fiction-Reihe sah. Dadurch habe sich dann in der Modding-, aber später auch allgemein in der Computer-Szene die Bezeichnung „FOX‘d“ oder auch „foxed“ etabliert, als Beschreibung für das Kaltstellen von Fan-Projekten zu bekannten Marken aus Film und Fernsehen unter Androhung von Anwälten.

Wie ich allerdings vor kurzem herausfand, ist nur ein Teil dieses Mythos wahr. Auch wenn der Begriff tatsächlich geprägt wurde, nachdem 20th Century Fox aufgrund der unerlaubten Nutzung urheberrechtlich geschützter Elemente die Weiterentwicklung und Verbreitung einer Total Conversion (TC), also eines Totalumbaus eines Egoshooters untersagt hatte, handelte es sich dabei nicht um das Fan-Projekt, welches die Welt der Filme 1994 in Doom spielbar gemacht hatte. Vielmehr wurden die Entwickler der Modifikation Alien Quake für den Egoshooter Quake 1997 zum Präzedenzfall dafür, dass sich Medienunternehmen nun dafür interessierten, ihre Rechte auf dem an Bedeutung gewinnenden Computerspielmarkt durchzusetzen – in diesem Fall wahrscheinlich auch um Konkurrenz auszuschalten, da die Aliens-Lizenz an Sierra Entertainment verkauft worden war, das 1999 das Spiel Aliens versus Predator veröffentlichte.

Auch wenn das Verbot beinhaltete, sämtliche Dateien zu löschen und die Mod nicht mehr als Download zur Verfügung zu stellen, gibt es heute noch (oder vielleicht wieder?) Möglichkeiten, dieses Fan-Projekt herunterzuladen. 1994 hatte Aliens TC für Doom aber bereits ganz andere Meilensteine gesetzt: So gilt diese Mod als erster Totalumbau des Egoshooter-Klassikers, wenn nicht sogar als erste Total Conversion eines Computerspiels (wobei es sich bei zweiter Behauptung wieder um einen Mythos handeln könnte).

Wie andere Erweiterungen vor ihm ersetzte auch Justin Fisher, der Entwickler von Aliens TC, Grafiken und Sounds des Originals mit neuen Inhalten (wobei er sich, damals noch ungestraft, unter anderem bei Geräuschen aus den Filmen bediente). Vor allem aber gelang es ihm durch den Einsatz des von anderen Spielern entwickelten Programms DeHackEd, das einen Zugriff auf die Doom.exe und damit die Spiellogik ermöglichte, dafür zu sorgen, dass die Monster nicht nur aussahen wie im Film, sondern sich auch so verhielten.

Im völligen Kontrast zu Doom wird der Spieler zudem nicht sofort in den Kampf geworfen, sondern trifft im ersten Level auf keine Gegner – was wie im Film der Spannung keinen Abbruch tut…

Genug geschrieben, Let’s Play:

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