Modtag! Mistake of Pythagoras

Kurz bevor die Monatsangaben wieder zweistellig werden, unternimmt Stefan Köhler auch im September für VGT erneut einen Abstecher in die Welt der Mods und erklärt den ersten Montag dieses Monats wieder zum Modtag. Wer sich vor großen Zahlen fürchtet, sei allerdings davor gewarnt, weiterzulesen, da es gefährlich werden kann, wenn sich große Mathematiker verrechnen…

#10 – Mistake of Pythagoras (2006)

Wäre nicht gleich zu Beginn der Mod (manche mögen das noch aus der Schule kennen) aus heiterem Himmel eine 5 auf einen herabgefallen, könnte man die Welt von Mistake of Pythagoras fast als heimelig bezeichnen. Während andere Modifikationen Grafiken und Sounds austauschen, um völlig andere Welten zu erschaffen, greift das Werk des Japaners Koumei Satou, der zuvor bereits unter anderem durch die Half-Life-Modifikation Pieces Like Us bekannt geworden war, in der Gordon Freeman und die Xen-Aliens schon lange vor Half-Life 2 auf derselben Seite kämpften, nämlich fast ausschließlich auf Elemente des letztgenannten Spiels zurück. So wird man etwa mit Audioclips aus dem Original als Gordon angesprochen und kämpft mit altbewährten Waffen gegen Kopfkrabben und Zombies.

Die Nähe zum zugrundeliegenden Spiel, die sich dadurch erklären lässt, dass Mistake of Pythagoras bereits zwei Jahre nach der Veröffentlichung von Half-Life 2 erschien, als Modder noch am Anfang standen, dessen Potenzial freizulegen, ist dabei in diesem Fall keine Schwäche, sondern stellt die Stärke der Mod dar. Dadurch dass Satou die Elemente von Half-Life 2 aus ihren gewohnten Kontexten reißt und fantasievoll kombiniert, um nach eigener Aussage zu zeigen, wie viel künstlerische Freiheit das Spiel bereits ohne eine Veränderung seiner Daten ermöglicht, entsteht bereits zu Beginn das seltsame Gefühl, in einer zugleich vertrauten, aber auch fremden Welt unterwegs zu sein, in der alles möglich scheint.

Führt einen das Leveldesign zu Beginn dramaturgisch geschickt erst an Menschenansammlungen vorbei, die gigantische Zahlen begaffen, die von Polizisten abgesperrt und bewacht mitten auf der Straße liegen, wird man so wenig später schon Zeuge, wie ein Dimensionsloch am Himmel mehrere dieser Monsterziffern in direkter Nähe auf die Erde regnen lässt. Wenn man danach aber auf einem anderen Planeten in einem klassizistisch angehauchten Gebäude zu barocker Musik außerirdische Käfer bekämpft oder im Finale sogar noch telekinetische Kräfte bekommt, mit denen man Gegner und gepanzerte Fahrzeuge nur mit Blicken durch die Gegend schleudern kann, um schließlich in einer abstrakten Welt von Zahlen und geometrischen Formen nach dem Satz des Pythagoras ein rechtwinkliges Dreieck wiederherzustellen und dadurch den Tag zu retten, wundert einen irgendwann gar nichts mehr.

Mistake of Pythagoras reicht dabei zwar nicht an die ausgereifte Qualität anderer (und vor allem späterer) Half-Life 2-Mods heran und hat bestimmt viele Spieler durch seine verspulte Story irritiert, bleibt aber ein Klassiker, den man unbedingt einmal gespielt haben sollte und sei es nur, um sich der durch das zugrundeliegende Spiel geprägten Erwartungen bewusst zu werden, welche die Mod gekonnt aufnimmt und kreativ bricht. Gebrochen, das heißt in seiner Funktionsweise gestört, wurde letztere selbst übrigens wie viele andere Fan-Projekte durch Patches, mit denen Valve Half-Life 2 2010 überarbeitete, was trotz aller (behaupteten) kreativen Selbstständigkeit daran erinnert, dass es sich bei Mods um von einem Spiel abhängige Programme handelt, die auch davon profitieren, auf den Schultern von Riesen zu stehen.

Genug geschrieben, Let’s Play:

Autor: 
Gast

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