Postkarte von Agata: Fiesta demonica

1541
Agata Góralczyk ist als Langzeitreisende in virtuellen Welten unterwegs. Einmal im Monat schickt sie uns eine Postkarte - diesmal aus Guacamelee.
 
Lieber Rainer,
 
mein ehemals weißes Hemd klebt mir am Rücken vom Schweiß harter Feldarbeit. Die letzten Tauperlen sind von den saftig grünen Agavenblättern mit der sengenden Sonne verschwunden. Iguanas verharren ganz still. Ich heiße Juan und bin ein einfacher Bauernjunge auf den Agavenfeldern Mexikos.
 
Ich mache mich auf den Weg in den Ort. Das verdorrte Gras am Wegesrand und das Blau der Agaven weichen bald der weißverputzten Ordnung von Pueblucho. Wie schick doch das Dorf heute ist. Señoritas tragen ihre schönsten Kleider. Männer mit Sombreros zwirbeln die Schnurrbärte nochmal nach. Gitarren werden gestimmt. Erste Trompetentöne liegen in der Luft. Überall laufen kleine Kinder und Hühner aufgeregt herum. Selbst die Kirche ist mit bunten Fähnchen geschmückt.
 

1539

Ein Fest steht an: Día de Muertos - der Tag der Toten. Und während die Dorfbewohner alles mit Blumen, Kerzen und Schmuck behängen, weiß ich, dass dieses Jahr etwas mit dieser Feier nicht stimmt. Das Tempo hat sich geändert, das Guitarrón gibt einen anderen Rhythmus vor. Jemand hat die ewigen Gesetze der Lebenden und der Toten verletzt. Die Calaveras und Calacas des Jenseits kommen dieses Jahr nicht zum Feiern. Ein anderer Tanz steht an. Aber niemand sieht die Gefahr.
 
Im Dschungel verstecken sie sich, in den wilden Wucherungen des endlosen Urwalds. In den Ruinen alter Tempel werden Adlerkrieger in ihrem gerechten Schlaf gestört. Von der Zeit zerstörte Mosaike erwachen wieder zum Leben. Sie tragen alte Masken mit Juwelen, Federn und geheimen Symbolen besetzt.
 
1542 g
Meine Maske ist schlicht. Es ist an der Zeit die Haut des Agavenjungen abzustreifen und zum Krieger zu werden. Sich in den Kampf von Gut und Böse zu werfen. Ich springe und trete zum Rhythmus der neuen Musik, die die Mariachi aufspielen. Die langegezogenen Töne der Trompete spielen meine Hymne. Das Blut  rasselt wie Maracas in meinem Kopf. Die gezupften Seiten der Gitarre geben mir Tempo.
 
Ich schlage und schleudere meine Gegner wie ein Akrobat in einem komplexen Tanz: tap tap, tap, tap tap tap. Meine Finger fliegen über die Knöpfe, die Sequenzen brennen sich ins Gehirn, die Tastenfolge drückt sich wie von selbst. Tranceartig.
 

1540

Tempelmauern bröckeln, rot fauchende Dämonen erwachen. Ich springe von Tag zu Nacht, vom Leben in den Tod und zurück. Hauptsache weiter tanzen, Hauptsache den Rhythmus halten. Wer abrutscht ist tot und wird in der gleichen Hölle explodierender Farben wiedergeboren. Immer und immer wieder.
Irgendwann verschwindet die Anspannung. Der Körper wird ganz locker, die Augen folgen sanft den bekannten Bewegungen. Tap, tap, tap. Ich bin ein Held, ein Luchador, ein Retter, ein Heiliger.
 
Deine Agata
Autor: 

Kommentare

[...] Am Tag der Arbeit schufte ich auf Agavenfeldern. Kaum habe ich mir meine Maske über gestreift, werde ich zum Helden. Wie immer, im Games-Feuilleton. [...]

So, nachdem ich so viel über "Trolle" und "trolling" gehört habe, möchte ich es nun auch einmal versuchen. Der rechtschaffende Leser möge mir mangelnde Stumpfheit und zu zögerliche Anwendung von sexueller Gewaltandrohung nachsehen - ich übe ja noch.


Soso, Agatha (sofern das überhaupt ihr Name ist) langweilt uns mal wieder mit blumiger Sprache, wie sie entgeisterte Spieleprogrammierer dem armen Spieler in der epischen Länge nicht antun! Was bezweckt die Hobby-Germanistin hiermit wohl? Möchte sie subversiv (und in diesem Falle überraschend geschickt) Anti-Werbung für dieses Game machen? Oder ist es ein eigentlich brauchbares Game, welches aus den Regenbogen-Einhorn-Augen einer Frau bis zur vollkommenen Verfremdung verzerrt wurde? Jetzt, wo ich das hier schreibe, könnte ich schwören, die Totenmaske-Motive auf diversen Frauenhandtaschen in der City auf dem Ku'damm gesehen zu haben. Hat die Schreiberin das Spielkonzept denn auch verstanden oder nutze sie gar nur die open-world-Bewegung aus, um sich in der malerischen Landschaft scheinbar gut animiert und tanzähnlich zu bewegen? Dass der obige Beitrag als Spiele-Rezension vollkommen ungenügend ist bedarf wohl kaum einer faktischen Gegenüberstellung mit notwendigen Kriterien. Also gehe ich mal wohlwollend davon aus, dass dies beabsichtigt ist. Ich fühle mich - wenn auch nicht thematisch - an ein animiertes Bild von Cezanne erinnert: tupfig, bunt, realitätsverfremdete Abbildung der Realität in wohl abgestimmten Farben. Und thematisch: sofern mich meine Bildung via diverser Filme nicht gänzlich verrät, muß der bestimmte Artikel beim Tag der Toten rein, so dass es "día de los Muertos" heißt. Gut, dafür könnte mir diese Agatha sicherlich stante pede sagen was "Was kostet dieses Paar Ballerinas?" auf Spanisch heißt laugh. Und jetzt, wo ich das zugebe, wird mir klar, dass diese Agathe was kann, zu dem ich nicht in der Lage bin: einer fremdgeschlechtlichen Domäne so viel abzugewinnen und nur das zu sehen, was sie sehen will! Beeindruckend! Wenn ich in einer Strickrunde Maschen aufnehmen sollte, könnte ich da keine weiblichen Kurven reindichten geschweige denn Szenen eines anständigen Fußballspiels!

Also, wollen wir das Fräulein mit den sprichwörtlichen Schwimmflügelchen in puncto Gaming und Beschreiben desselben mal nicht völlig runtermachen - sie will ja nur spielen. Und wer weiß?! Vielleicht sieht sie ja ganz brauchbar aus!

In diesem Sinne

Absoluter-Troll-Beginner

@2: Was mich ja immer wieder wundert, ist die Motivation, die Gestalten wie du aufbringen, sich hier - anonym, aber immerhin - mit Nachdruck als dumpfe Hirnis zu outen, während sie selber vermutlich der Meinung sind, dass sie gerade vor Geist und Witz nur so sprühen.

Du verdienst eigentlich unser Mitleid, denn aus deinen Zeilen hier tropft so viel trauriges Versagthaben, so viel männliche Bedrohtheit, eine Geschichte langer, aus falschem Stolz weiter fortgeführter Absonderung aus der Gesellschaft, dass man sich fast eine Träne aus dem Augenwinkel wischen will. Wahrscheinlich - hier rate ich nur - besitzt du sogar einen Fedora, trinkst demonstrativ nur eine Sorte Whisky und blickst beim Ausgehen voll Verachten auf das Weibsvolk, das im Gegenzug dazu aber deine Existenz bislang nicht einmal wahrgenommen hat.

Ein bisschen viel Klischee, ich weiß, aber sorry: Ich habe echt keine Ahnung, was du Vollmeise hier willst. Egal, was du hier noch weiter an Selbstbeschädigung von dir gibst, sei dir bewusst, dass deine von dir selbst hochgeschätzten Fähigkeiten zur schneidend bissigen Replik, dein von dir selbst bewunderter sarkastischer Stil und dein dich selbst regelmäßig zur Begeisterung hinreißender Wortwitz hier nur dazu dienen, als Parabeispiel einer Sorte Schädigung stehenzubleiben, mit der der Rest der Weltbevölkerung nicht ohne Grund möglichst wenig zu tun haben will.

Aber nur zu. Hack doch aber zur Abwechslung mal auf meine Texte hin, oder kann es gar sein, dass dich bei Agatas Artikel die pure Existenz eines zweiten X-Chromosoms bei der Autorin so in Wallung gebracht hat, dass du endlich die Welt mit deinem Gedankendurchfall umspülen wolltest? How so? Bedroht diese Invasion gar deine Fortress of Solitude, in der Mädchen nienienienie Zutritt haben? Ganz ruhig: Es besteht augenscheinlich kaum Gefahr, dass du zu viel Frauenkontakt hast.

Ich möchte ja fast gern glauben, dass du wieder derselbe alte wirre Zausel bist, der neulich schon bei Agatas Text kommentiert hat, aber ich befürchte, es gibt da einen ganzen Riesenhaufen sozial Gestörter, wo der herkam.

In diesem Sinne: GTFO

Bei genauerem Lesen kommt aber doch der Verdacht in mir auf, dass du tatsächlich derselbe alte Verrückte bist, der schon neulich da war. Such dir doch bitte gleich noch einmal jemand anderen zum Ärgern, du verhaltensauffälliges Fossil. 

In meiner Statistik fand ich den Referrer auf diese Seite. In welchem Zusammenhang verlinkt #4 Rainer Sigl auf den Artikel "Kornelia Hendrix geht zu Thomas Kuhl auf Distanz"?

Herr Kuhl hat vor einiger Zeit einen ähnlichen Kommentar wie den hier trollenden hinterlassen; mein Verdacht war/ist, dass er auch hier der Verfasser war. 

Also dann buche ich lieber selber einen Urlaub, der ist dann 100 mal aufregender als diese Postkarten ;-)
Nichts für ungut ;-) Ich frage mich auch warum es in Mexiko, wo es wirklich sehr viele Feste gibt, immer der Día de Muertos hinhalten muss?

 

Lg, Pietro de la Mancha :-)

Neuen Kommentar schreiben

URL
Aktualisieren Geben Sie die Zeichen ein, die Sie im Bild sehen. Geben Sie die im Bild dargestellten Zeichen ein; wenn Sie diese nicht lesen können, senden Sie das Formular ohne Eingabe ab, um ein neues Bild zu generieren. Groß-/Kleinschreibung wird nicht beachtet.  Switch to audio verification.