Schützen oder Schmeißen?

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Unsere Beziehung zu Produkten der Unterhaltungselektronik ist von Hassliebe geprägt. Je nachdem, wie technikaffin man ist, wie schick etwas aussieht und wie intuitiv das jeweilige Gadget oder Gerät gestaltet wurde, desto mehr tendiert das Verhältnis entweder in Richtung Fetischismus oder Fatalismus. Cholerische Naturen werden mit ihrer Hardware gerne auch handgreiflich, was im Fall von Computern und Controllern aber mehr an der Hartnäckigkeit von Spielen und Software liegt und weniger an den Geräten an sich.

Als über Apple-Computer noch gelacht wurde, wenn es um Videospiele ging, und noch bevor Gamepads komplex und teuer wurden, war es üblich, Hardware auch physisch auszureizen und Peripherie als Gebrauchsgegenstände zu betrachten. Der Rechner wurde hochgetaktet, die Maus herumgeworfen. Heute sind Eingabegeräte teuer und verfügen über hochpräzise Abtastsysteme, Rüttelmechanik, stufenlos regelbare Analogsteuerung und eine Menge Tasten und Knöpfe. Da überlegt man es sich mehrmals, ob das teure Innenleben des Controllers einem beherzten Wutausbruch geopfert werden will. Früher haben wir auf C-64 und Amiga Joysticks gewürgt, NES-und Mega-Drive-Pads geschmissen und PC-Tastaturen geprügelt. Heute traut man sich der Maus nur noch eine auflegen, wenn es das billige 10-Euro-Modell mit Kabel ist.

Die Ehrfurcht vor Gadget und Game-Controller hat sich mit der starken Verbreitung von berührungssensitiven Bildschirmen zugespitzt. Seither sind Computer und Eingabeeinheit oft ein Gerät, eine kompakte und vielseitige Technikwundermaschine. Steht am Anfang des Modellnamens auch noch ein “i”, wird kräftiges Zupacken und leidenschaftliche Handhabung von vornherein kategorisch ausgeschlossen. So, wie die neue Couch von manchen gerne in hässliche Plastikfolie gehüllt wird, damit es sich nur ja nicht abwetzt, werden iPhone und -Pad in gediegende Lederbehältnisse gepackt, damit sich das edle Kleine auch ja nicht wehtut.

Was ist nur aus der Controller-Schmeiß- und Tastatur-Zerdepper-Generation geworden? Natürlich wird sich kaum jemand an 500-Euro-Hardware abreagieren, dennoch würde ein bisschen weniger Demut gegenüber der zeitgenössischen Unterhaltungselektronik Not tun. Die Geräte halten ohnehin einiges aus. So ein iPad etwa ist nicht nur edel designt, sondern auch ziemlich massiv verarbeitet. Ein Sturz von zwei Metern Höhe auf einen Steinboden ist zwar bestimmt nicht die beste Idee, aber bis ein robustes Touch-Display sichtbare und die Bedienung beeinträchtigende Kratzer bekommt, muss man dem Gerät schon einiges abverlangen. Wären unsere Kultgerätchen selbstbewusst, würden sie uns die Verhätschelung mit Plastikschutz und Lederhüllen bestimmt übel nehmen. Außerdem kauft man sich doch keine technischen Luxusgegenstände um ihre Attraktivität in überteuerten Cases und identitätslosen Flapptäschchen zu verstecken.

 

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