Spiel des Monats: The Early Years

Es gibt ein Leben vor Super Meat Boy und The Binding of Isaac - immerhin macht Ed McMillen seit mehr als anderthalb Jahrzehnten Computerspiele. Die beiden Indie-Bestseller waren kommerzielle und kritische Erfolge nach langen wirtschaftlichen Durststrecken, und mit seiner Hauptrolle in der US-Doku Indie Game – The Movie avancierte der sympathische Bart- und Tattoo-Träger außerdem zu einem Säulenheiligen der Independent-Games-Szene. Schon lange vor dem Erfolg von Super Meat Boy und The Binding of Isaac erprobte McMillen seine ganz spezielle Ästhetik und sein Faible für mal geradliniges, mal absurdes Gameplay in kostenlosen Flashgames; im Folgenden ein kurzer Streifzug durch das Frühwerk eines Ausnahme-Entwicklers.

Dabei kann schon mal ein wenig Verwirrung aufkommen, denn McMillen hat seine Werke schon in verschiedenen Sammlungen wiederverwertet: Unter dem Titel The Badlands sind einige der ganz frühen Spiele -- online kostenlos spielbar – an einem Ort versammelt. In der Basement Collection sind einige der größeren Titel bequem auf Steam vereint, gemeinsam mit Comics, Skizzen und anderen Goodies – wie zu erwarten stellt McMillen allerdings das Meistern zumindest einiger der Spiele als Bedingung vor die Freischaltung des gesamten Contents. Enthalten sind die Spiele Aether, Time Fcuk, Spewer, Meat Boy (der Super Meat Boy-Prototyp), Grey Matter, das bizarre Coil, Triachnid sowie „2 secret unlockable games and tons of unlockable comics, sketch books and even never before scene stock footage from Indie Game: The Movie.“

Die meisten Spiele aus McMillens Frühzeit sind nach wie vor online gratis spielbar

Die gute Nachricht für Sparefrohs: Auch die in der Basement Collection gesammelten Spiele sind nach wie vor online gratis spielbar – und die existenzielle Angst McMillens, die sich 2008 in der pathetisch „This is a cry for help“ betitelten Sammlung seiner damaligen Spiele und Comics äußerte, dürfte inzwischen auch Geschichte sein. Ganz schön viel verschiedene Sammlungen – und deshalb hier ein kleiner selektiver Spaziergang durch das bisherige Oeuvre des schrägen Masterminds.

Gish (Windows, Mac, Linux, 2004)

Als zähflüssiger Teerklumpen durchstreift der Spieler Ed McMillens kommerziellen Erstling – 2005 ausgezeichnet mit einem Award des Independent Gaming Festivals. Auf Steam, aber auch hier zum Pay-what-you-want-Modell erhältlich.

Coil (Flash, 2008)

Immer noch ein WTF höchster Güte, denn dieses Experiment in Verwirrung und zartem Ekel ist zwar gewöhnt körpersaftig, aber auch auf bizarr-naturalistische Weise berührend und gar metaphysisch. Abstrakt und experimentell erzählt Coil von verschiedenen Zellteilungs- und Wachstumsprozessen – Innovation Award beim IGF 2009.

Cunt (Flash, 2008)

Als Comic-Penis in Arcade-Manier auf eine monströs in der Mitte thronende, finster dreinblickende Vagina ballern – Cunt ist ein Klassiker postpubertärer Punk-Provokation. Was uns der Meister damit sagen will? Lieber nicht genauer drüber nachdenken.

Twin Hobo Rocket (Flash, 2008)

Sowohl im Single- als auch Multiplayermodus ist die besoffene Mondfahrt der versifften Landstreicher vor allem wegen der grandiosen Musik und dem dadaistischen Setting immer noch einen besuch wert. Twin Hobo Rocket ist southparkesker Slapstick.

TIME FCUK (Flash, 2009)

Wie wenige andere Spiele legt das großartige TIME FCUK Zeugnis von einer ganz besonderen Frühzeit des Indie-Booms ab – einer Zeit, als es für stylische, perfekt gemachte Kleinode wie dieses noch keinen Markt und kein Vertriebsmodell gab und der Gedanke, für ein „kleines“ Spiel wie dieses Geld auszugeben, allen ziemlich absurd vorkam. Es war die große Zeit der kostenlosen Flash-Spiele. Ein zu Unrecht unbekannter Klassiker, mit einzigartigem Style.

Aether (Flash, 2008)

In McMillens nach eigenen Aussagen persönlichstem Spiel steuert man einen einsamen Jungen und sein Oktopus-Monster durch den Weltraum – auch Aether ist ein faszinierendes Spiel, dessen scheinbare Kleinheit täuscht. Finalist beim Indiecade Festival 2009.

Und was bringt die Zukunft? Wie es aussieht, Cat Mewgenics - ein Spiel, in dem man durch selektive Zucht aus Kätzchen … aber vielleicht erklärt das lieber McMillen selbst. Eins scheint gewiss: Da kommt noch was. Bis dahin: Vielen Dank, Edmund.

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