Tokio - Stadt der Moderne?

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Das ist ein Beitrag zu Zockwork Oranges "52 Games"-Projekt, in dem pro Woche ein Text zu einem bestimmten Thema zu einem frei wählbaren Spiel gefragt ist. Diese Woche spitzt Stefan Kluger die Feder. Thema Woche 8: Stadt. Spät, aber doch!

Die japanische Großstadt ist für viele Europäer der Inbegriff der Moderne. Insbesondere Tokio, das Zentrum technologischen Fortschritts. Um so erstaunlicher, dass das Gameplay zahlreicher japanischer Spiele mittelalterlich anmutet. Ein Stadtrundgang durchs virtuelle Tokio.

Eine Stadt voller Zombies! Schon wieder. Die untoten Gesellen erfreuen sich ungebremster Beliebtheit. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass sie in einer gänzlich untypischen Spieleserie auftauchen? Die Rede ist von „Yakuza: Dead Souls“. Der aktuelle Teil der Yakuza-Reihe spielt erneut im fiktiven Tokio-Stadtteil Kamurocho. Ganz im Stile des legendären „Shenmue“ wird eine offene Welt vorgetäuscht; relativ freies Erkunden, Quests abseits der zentralen Geschichte und zahlreiche abgefahrene Minigames verleihen auch dem aktuellen Trip nach Kamurocho Würze. Eben „Open-World“ auf japanisch. Und dann sind da noch die Zombies, die scharenweise auftreten und nach Blut dürsten ...

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Wer jetzt feinsten Survival-Horror oder ein bis zur Perfektion poliertes Gemetzel erwartet, muss unweigerlich enttäuscht werden. Es ist nicht sonderlich spannend, Heerscharen von Zombies mit (unendlich viel) Munition voll zu pumpen, aufzuleveln und danach zur nächsten gescripteten Stelle zu marschieren. Das liegt vor allem an einer Spielmechanik, die heutigen Standards nicht gerecht wird – Zielen und Schießen funktionierten sogar beim mittlerweile in die Jahre gekommenen „Resident Evil 4“ besser, auch die Kamera zickt. Wer sich dennoch auf die Action einlässt, wird regelmäßig und äußerst unsanft herausgerissen: zum Bespiel durch quälend lange Cutscenes (mit japanischer Sprachausgabe). Das ist nicht nur typisch für die Serie, sondern für den status quo der meisten japanischen Entwickler. Diese setzen nur allzu gern auf eine Narration mit eigenwilligem Rhythmus: drei Schritte gehen – 2 Minuten Cutscene – drei Schritte gehen – Kampf – Cutscene. Und dann sind da noch die unzähligen Textboxen, mit denen die restliche Geschichte erzählt wird – Anachronismus pur. Deshalb ist der Stadttrip ein oftmals beschwerlicher, nur sehr geduldige Besucher haben Spaß in Kamurocho.

241Trotzdem ist auch das neueste Yakuza-Abenteuer nicht ohne Charme. Es macht nach wie vor Spaß, die Stadt zu erkunden, ihr alle Geheimnisse zu entlocken oder sich einfach die Zeit mit unterhaltsamen Minispielen zu vertreiben. Und dank des großzügigen Levelsystems erzeugt auch die repetitive Zombie-Action einen Sog und das spürbare Verlangen, schleunigst an die nächsten freischaltbaren Fähigkeiten und Upgrades zu kommen. „Yakuza: Dead Souls“ nimmt sich zudem nicht sonderlich ernst; das ist womöglich das eigentliche Novum. Umso enttäuschender, dass all die verschiedenen (und zusammengeklauten) Spielelemente immer noch kein homogenes Ganzes ergeben. So gesehen passt der aufgesetzte Breakout mitsamt seiner Untoten gut ins altbekannte Stadtbild. Der Trip durch Tokio hinterlässt einen schalen Nachgeschmack: "Yakuza: Dead Souls" fühlt sich alt und uninspiriert an.

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