Jan 24 10:41

Wo fängt was an – und wo ist Schluss?

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Dass das Wort "Frauentorso" in jüngster Zeit deutlich häufiger in spielaffinen Medien vorgekommen ist, ist auf eine haarsträubend fragwürdige PR-Idee von Deep Silver zurückzuführen. Viel wurde schon dazu gesagt - genug, um Deep Silver zum Zurückrudern zu bewegen. Aber sind schlechter Geschmack und pubertärer Humor in Zusammenhang mit einem Zombiespiel im Strandparadies schon Verfehlung genug, um, wie auch John Walker vorgeworfen wurde, die angeblich reflexhafte Stigmatisierung als Mysogynie und Sexismus zu rechtfertigen? Nach einer Diskussion auf Twitter, dem für differenzierte Meinungsdarlegung ungeeignetsten Medium der Welt ever, habe ich Volker Bonacker vorgeschlagen, das Thema in breiterer Form auf VGT weiterzudiskutieren. Ursprünglich als Konversation mit in Details unterschiedlichen Standpunkten gedacht, stellte sich heraus, dass Volkers Text zum Thema für beide Meinungen reicht. Hier ist er.

Drei Sekunden. Mehr nicht. Drei Sekunden habe ich gebraucht, um mit dieser Edition von Dead Island: Riptide abgeschlossen zu haben. Das hat gereicht, um sie zu erfassen, um von Auge an Hirn weiterzuleiten, was da zu sehen ist und daraus das Ergebnis herzuleiten, dass diese Sonderausgabe, die in der vergangenen Woche angekündigt wurde, nicht meine sein wird.

Ich sah: Einen grausam verstümmelten Frauenkörper, dessen einzig intakt gebliebene Stelle die Brüste sind. Was sollte ich mit so etwas anfangen? Ins Regal stellen? Nein. Das war schlicht nicht mein Geschmack und ich würde den Geschmack eines jeden, der diese Statue als „cool“ bezeichnet, ernsthaft anzweifeln. Doch Sexismus? Den habe ich zunächst nicht darin gesehen.

Jan 19 21:24

Gewalt im Zeitalter ihrer virtuellen Reproduzierbarkeit

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Mit dem gebührenden Respektabstand nun auch hier mein Essay zum Thema Gewalt und Games für superlevel.

Immer, wenn aus Anlass aktueller Tragödien Gewaltdarstellung in den Sekundenbruchteilsaufmerksamkeitsradius der Massenmedien fällt, bekommen Games ihr Fett ab. Besonders bei jugendlichen Gewalttätern sieht eine erschrocken-faszinierte Öffentlichkeit plötzlich jenes Medium, das ein Großteil der Heranwachsenden selbstverständlich als das ihre betrachtet, und dieser oberflächliche, nach Ursachen suchende Blick zeigt Erschütterndes: eine ganze Kultur, die um Kopfschüsse in Zeitlupe aufgebaut ist, ein Übermaß an militärischem Fantum samt Verknüpfung zur realen Militärindustrie, eine Welt, in der ein „Leben“ am Bildschirm buchstäblich nichts wert ist, dafür aber Jahr für Jahr neue Realismusrekorde aufgestellt werden, was das besonders detailgetreue Aufschlitzen von Kehlen oder den Einschlag von Hohlmantelgeschoßen in virtuelle Körper angeht.

Jan 15 13:10

Gamingzukunft Linux?

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Dieser Text erschien zuerst für den Standard.

Es gibt eine Rivalität, die beinahe so alt ist wie das Medium Videospiel; eine Rivalität, die sich auf die Spiele, die Spieler, aber auch ganze Designphilosophien erstreckt und das ganze Medium mal mehr, mal weniger fragmentiert. Denn eigentlich sind es zwei Welten: das Spielen auf spezieller Hardware, also auf Konsolen, und jenes auf Computern, die nicht ausschließlich für Spiele gedacht sind - vom C64 und seinen Vorläufern bis hin zum High-End-Gaming-PC der Gegenwart.

Jan 12 23:04

Der Hipster-Guide: Gaming

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Musiknischenauskennerei, Streetwear-Label-Erkennen und Obskure-Serien-im-Original-Schauen reicht heutzutage nicht mehr aus, um im urbanen Hipster-Pfauenbewerb die Oberhand zu behalten. Um sich also im Kampf um die bleeding edge der Gegenwartsrezeption behaupten zu können, bietet sich für den Hipster von Welt im Medium Videospiel eine perfekte Nische: Ein Medium, das allgemein vom Mainstream als trivial und infantil verschmäht wird, aber zugleich in einem quietschlebendigen Underground ernsthaft daran arbeitet, das Leitmedium des kommenden Jahrhunderts zu werden - wenn das mal keine perfekte Ausgangssituation für gepflegtes "I was a gamer before it was cool" ist, dann weiß ich auch nicht.

Blöd ist nur eins: Das Medium ist beängstigend riesig, wild wuchernd und verlangt im schlimmsten Fall stunden-, was sag ich, jahrelange Einarbeitungszeit, die man sich lieber mit dem Auswendiglernen des aktuellen All Gone vertreiben will. Was also tun? Keine Angst - Rettung naht: Mit dem folgenden Hipster-Guide hilft Videogametourism verlässlich dabei, auf Parties oder Vernissagen mit Underground-Gameswissen zu glänzen, ohne dem unsexy Nerd-Lifestyle zu nahe zu kommen. Auswendig lernen, mix & match, locker lässig in Gespräche einfließen lassen - und sich am Gaming-Hipster-Street-Cred erfreuen. 

Jan 11 14:23

Dark Souls: Vom Reiz, komplexe Systeme verstehen zu lernen

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Dark Souls ist ein Spiel, das einen auch dann beschäftigt, wenn man es gerade nicht spielt. Das kommt in meinem Fall wohl auch daher, dass ich nicht gerade der größte Fan der klassischen Prüfungsstruktur in Spielen bin: Für mich ist die Herausforderung, ein Spiel zu "besiegen" ("beating the game"), also "besser" zu sein als die mir entgegengeworfenen Aufgaben, kein besonderer Anreiz zum Spielen. Deshalb brütet die dunkle Verlockung von Dark Souls höhnisch vor allem dann in meinem Hinterkopf, wenn ich voller Frust nach drei Fehlversuchen, einen $#*!! Gargoyle zu besiegen, den Controller fallen lasse und mir vornehme, meine Zeit mit Sinnvollerem zu verbringen.

Jan 10 12:33

Die Grenzen meines Mediums: The Walking Dead

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Der folgende Text ist ein Gastbeitrag von Jagoda, die als @scheinprobleme auf Twitter und auf ihrem Blog (nicht nur) zu Games schreibt. Vielen Dank für diesen - auf VGT längst fälligen - Ausflug zu Telltales bemerkenswertem The Walking Dead

Ich hebe meine Hand und beginne zu hacken. Klick. Das Beil senkt sich und die Schneide bohrt sich in das Bein des Verfangenen. Klick. Erneut hole ich aus und höre, wie sich das Metall durchfräst. Klick. Das Beil trifft auf einen Widerstand, den Knochen, und ich benötige noch mehr Kraft, um auch diesen zu zertrennen. Mein Arm hebt sich. Klick. Blut und mein erschlaffter Arm zeugen von der Vollendung meiner Tat.

Jan 06 15:07

The Games That Never Were: Die Welt von Nikkatsu Gaming

623

Stagnation, Aufgewärmtes, Sequels: Wer sagt, dass es bei Games nicht noch Platz für revolutionär Neues, für Unerwartetes, Abwegiges oder schlicht: das Unmögliche geben darf? The Games That Never Were ist ein Gedankenexperiment: Spiele, wie es sie nie gegeben hat und so auch wohl nicht geben wird. Letzten Sommer war es Christof Zurschmittens Idee, die mich zu dieser Serie inspirierte; jetzt endlich darf ich seine Version der "games speculation" präsentieren. Und er geht sogar noch weiter als die bisherigen Kontributoren: In einem aberwitzigen "alternate reality"-Entwurf zeigt er uns ein gamzes Gaming That Never Was, turbogeboostet mit Bewegtbild. Chapeau - und merci!

Steife Deine Bügelfalten, Welt, und polier deine Zielfernrohr hingebungsvoll: Willkommen live von der Tokyo Game Show zum bestgekleideten Sportevent des Jahres! Durch den Abend führen, wie gewohnt, gefürchtet und geliebt, Tom „What A“ Mess und Mark „Not Quite A Taler“ Schilling, und was für ein grund-, grundfeiner Abend es ist! Als wäre es nicht genug, als Zeuge des größten E-Sportevents des Jahres an der größten Game-Messe der Welt ganz in Gegenwart aufgehen zu dürfen – hier haben wir noch eine geballte Ladung HISTOIRE, die dem Bildungsbürger himself das Monokel vom Augensockel lüpfen wird. Tom, erklär der Welt, was für ein grund-, grundfeiner Moment ihr bevorsteht, und tu es, als wäre es für sie das erste Mal.