Apr 12 20:59

re: Sieg Hain

An zwei Spaßvögel.

Man sollte nicht darauf hinweisen müssen, dass Männer in exakt den Uniformen, in denen ihr herumkaspert, vor wenigen Jahrzehnten Millionen Mitmenschen - Erwachsene, Kinder, Greise - überfallen, in Lager gesperrt, beraubt, gefoltert, erschossen, erwürgt, vergast und verbrannt haben.

Man sollte nicht eigens sagen müssen, dass Scherze entlang dieses Grauens nicht verboten sind, aber das Niveau der meisten genialen Komiker, garantiert aber eure bescheidenen Fähigkeiten übersteigen.

Man sollte nicht extra betonen müssen, dass euer infantiler Umgang mit diesem Thema im Rahmen der jämmerlichen Karikatur von "Gamesjournalismus" auf Jahre hinaus nicht nur die ernsthafte Beschäftigung mit dem Medium mit Scheiße zuschüttet, sondern auch jenes Zielpublikum, das euch applaudiert: Kinder und Jugendliche, an deren Beifall euch so viel liegt, dass euch nichts zu dumm ist für Klicks und Lacher.

Es sollte nicht nötig sein, auf das alles hinzuweisen. Es ist deprimierend, dass es nötig ist.

Genauer gesagt: Es ist zum Kotzen.

Klar: Euch ist meine Meinung egal, da steht ihr coolen Jungs drüber, wie immer. Wahrscheinlich hört ihr mich gar nicht vor dem johlenden Beifall all jener, die Spaß verstehen. Ich bilde mir auch nicht ein, dass euch dieser Widerspruch tangiert; ich weiß, dass viele, die ähnlich denken wie ich, euch und euren Spaß mit Nazis zähneknirschend ignorieren, euch keines Blickes würdigen, damit eure Provokation nicht auch noch durch Kontroverse Reichweite dazubekommt.

Trotzdem stelle ich mich hier auf meine kleine Seifenkiste, um zu widersprechen. Nicht, weil ich glaube, dass ihr euch ändert; nicht, weil ich denke, dass es etwas bringt. Es geht mir hier nur um meine eigene Psychohygiene - nicht jede Scheiße durchgehen zu lassen mit einem resignierten Achselzucken.

Ich verstehe keinen Spaß? Ich verstehe eines nicht: Dass euch eure renommierten Arbeitgeber trotz derart pubertärer Provokation weiterhin bezahlen.

Ich verstehe keinen Spaß? Ich verstehe noch was nicht: Dass euch selber, als leidlich erwachsene Menschen, der johlende Beifall der YouTube-Gemeinde in eurer Echokammer als Rechtfertigung für diesen absichtlichen Tabubruch genügt.

Ich verstehe keinen Spaß? Ich verstehe dafür etwas anderes: Ihr solltet es besser wissen. Ihr solltet euch schämen.

Ihr seid erbärmlich.

Apr 08 13:11

Postkarte von Agata: 20.000 Morde unter dem Meer

1513

Agata Góralczyk ist als Langzeitreisende in virtuellen Welten unterwegs. Einmal im Monat schickt sie uns eine Postkarte - diesmal aus Bioshock.

Lieber Rainer,

ich habe gerade meinen Vater getötet. Es macht nichts.

Ich war in einem Flugzeugunglück. Es ist eine bessere Welt. Ich bin etwas Besonderes. Ich werde Großes vollbringen. Ich töte.

Zuerst tötete ich einen Wahnsinnigen. Aber hier sind alle wahnsinnig. Ich bin einer von ihnen. Mein Wahn? Töten.

Apr 03 09:36

Gamesradio: fm4 Extraleben #6

1512

Heute, Donnerstag abend, geht Extraleben #6 auf fm4 an den Start. Thema diesmal: Zensur.

"Zensur ist ein restriktives Verfahren von meist staatlichen Stellen, um durch Massenmedien oder auch persönlich vermittelte Inhalte zu kontrollieren. Durch Zensur sollen also unerwünschte oder Gesetzen zuwiderlaufende Inhalte unterdrückt und unzugänglich gemacht werden. Insbesondere totalitäre Staaten wenden Zensur an" - weiß Wikipedia. Doch während Zensur an Filmen, Serien, Musik oder Literatur in der vermeintlich freien westlichen Industriegesellschaft längst passee ist, ist man beim "jungen" Medium Computerspiele dann doch noch nicht ganz so weit.

Also heute ab 21 Uhr, danach sieben Tage online: Radio an, wenn Conny, Robert und ich unter Missachtung sämtlicher Einschränkungen schweinische Pokemon-Namen austüfteln, die garantiert keine Zensursoftware erkennt. Ab 18!

Apr 01 13:25

"Seeking the dangerous sublime": An interview with Richard Whitelock on "Into This Wylde Abyss"

1511 Into This Wylde Abyss is a work in progress described by its creator Richard Whitelock as "a short game about struggling to survive on a freezing island and what happens in your final hours, inspired by the dangerous sublime, Paradise Lost and AdamAtomic’s Capsule". Despite the very sparse information available on the game, I was at once fascinated by its visual style and the use of in-game photography.
 
I asked its creator Richard Whitelock a few questions on the game, photography and his inspirations.
Mär 31 11:09

Digitale Doppelmoral: Spiele & Zensur

1499

Wer "South Park" kennt, weiß, dass schlechter Geschmack Programm ist. Der weltweite Erfolg der Zeichentrickserie beruht nicht zuletzt darauf, dass die Macher Matt Stone und Trey Parker seit nunmehr 17 Jahren verlässlich so gut wie jedes Tabu mit unnachahmlicher Bösartigkeit in der Luft zerfetzen und mit ihrem schwarzen Humor über alle Peinlichkeitsgrenzen hinaus ihre Scherze treiben. Abtreibung, Rassismus, Pädophilie, Kannibalismus, Tod, Amokläufe - kaum ein Reizthema, das nicht auf respektloseste Art und Weise in der winterlichen Zeichentrickwelt seinen Auftritt hatte. "Was darf Satire? Alles," wie Kurt Tucholsky forderte.

Mär 28 13:22

VGT goes GameStandard: Best of Indie März 2014

1490

Die monatliche Kooperation mit dem GameStandard zeigt wieder ein Best-of der schönsten Indie-Games-News.

Wie immer fand im Rahmen der jährlichen Games Developer Conference GDC in San Francisco auch das Independent Games Festival statt, bei dem zum 16. Mal die IGF Awards vergeben wurden. Aufmerksamen Lesern dieser Kolumne werden die dort prämierten Indie-Titel bekannt vorkommen: Das wunderbare "The Stanley Parable", das innovative "Device 6", das erotische  "Luxuria Superbia" und "Risk of Rain" als "Best Student Game" waren alle bei Erscheinen hier in der GameStandard-Serie zu Gast. Ebenso wie der große Gewinner der diesjährigen Preisverleihung: Das düstere "Papers, Please" von Lucas Pope konnte gleich drei Preise, darunter den Seumas McNally Grand Prize der Jury mit nach Hause nehmen. Das wunderschöne "Gorogoa", Gewinner des Preises für "Excellence in Visual Art", ist noch nicht erschienen - Neugierige können sich aber schon jetzt mit einer Demo von der Schönheit dieses heiß erwarteten Titels überzeugen.

Mär 25 13:17

Was man spielen soll: Out There

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Keine Reviews, aber: Wir sagen ab sofort, Was man spielen soll

Was: Out There, iOS und Android, 3,99$

Out There ist ein Weltallerkundungsroguelike. Was eigentlich ein Routineflug hätte werden sollen, verschlägt uns hier ins namensgebende große Unbekannte “da draußen”: Statt beim Jupitermond Ganymed erwachen wir weit außerhalb des bekannten Raumes, allein, aus dem Kryoschlaf. Wie weit und wie lang die Reise nun war, bleibt unbekannt, zu weit jedenfalls, um den Rückweg anzutreten und noch in diesem Leben anzukommen. Eine rätselhafte Raumstation übermittelt uns die Pläne für einen Überlichtantrieb, und so springen wir auf der weitgehend zufallsgenerierten Sternenkarte von System zu System, auf der Suche nach der Quelle.