Essay

Jul 18 10:45

DayZ bricht mir das Herz

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Dieser Text erschien zuerst für WASD#5 und im Anschluss für SpiegelOnline. Fotos von Elfi Sigl.

Es fällt mir schwer, DayZ zu spielen. Nicht wegen der Zombies, die diese Survival-Sandbox bevölkern, und auch nicht wegen der menschlichen Mitspieler, die sich hier noch mehr gegenseitig Wolf sind als anderswo. Ich wandere in der mir so gut bekannten goldenen Spätherbstnachmittagssonne auf einen Waldrand zu, überquere ein Feld oder blicke von einem eben erklommenen Hügel zurück auf die sanft geschwungene, bewaldete Welt hinter mir und es geschieht: Ein leichter Schwindel der Desorientierung, ein trockenes Gefühl im Mund, das plötzliche Bemerken, wie mir das Herz bis zum Hals pocht. Es ist ein Gefühl der Traurigkeit, der körperlichen Sehnsucht und eines abstrakten Abschiedschmerzes. Es ist ein Gefühl von Heimweh.

DayZ bricht mir das Herz.

Jul 15 11:53

Weil sie es uns wert sind

1647 Videospiele sind ein Luxusgut" und "Es gibt wohl wirklich wichtigere Dinge, über die man schreiben kann" sind Sätze, die man in letzter Zeit wieder häufiger hört. Das Aufrechnen von Freizeitbeschäftigungen mit Leid in der Welt wiegt schwer, gerade wenn politische Brandherde - Syrien, Irak, Nahostkonflikt, usw. - ständig aus den Weltnachrichten dröhnen.

Doch Spiel ist nicht gleich Spiel. Leuchtendes Beispiel: Fußball. Sich nicht dafür zu interessieren gilt in Ländern und Gesellschaften, die stark Fußball-affin sind, als merkwürdig. Zumindest ein paar Mal pro EM/WM sollte man mit Freunden im Pub das eine oder andere Match schauen, ansonsten muss man sich damit abfinden, als ein wenig schrullig zu gelten. Fußball, so wie einige andere Sportarten auch, ist gesellschaftlich so stark verankert, dass sich ihm kein Medium entziehen kann. Eine Tageszeitung ohne Sportteil? - Undenkbar. Sport ist gesellschaftlich, kulturell, sozial und natürlich auch wirtschaftlich so stark verankert, dass jegliches Hinterfragen in Anbetracht dieser stabilen Institutionalisierung schnell verhallt. Da können etwa in Brasilien aufgrund unverhältnismäßiger Bauaktivitäten wegen der WM noch so viele Dörfer abgesiedelt, indigene Orte zerstört und Land geraubt werden: Das beeinflusst die uneingeschränkte Hingabe zum Fußballspektakel in keinster Weise.

Jul 04 11:30

Unfreiwillig tapfer

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Passend zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges ist neben unzähligen Dossiers, Dokus und Diskussionen in Zeitungen, Magazinen und TV auch ein Videospiel erschienen - noch dazu im großen Stil, entwickelt und vertrieben vom Branchenriesen Ubisoft. Valiant Hearts schafft die schwierige Balance zwischen einem emotional einnehmenden Serious Game und den interaktiven und visuellen Notwendigkeiten eines Videospielblockbusters.

Mai 28 15:54

Wolfenstein: Die neue Unordnung

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Anmerkung: Der Einfachheit halber ignoriere ich das den Gesetzen geschuldete Herumeiern und nenne im Folgenden Nazis Nazis.
 
Wolfenstein TNO hat Probleme. Vorweg: Ich mag es trotzdem, auch wenn es keine Liebe, sondern eher eine resignierende Anerkennung ist, ein Lob mit Augenrollen und Seufzen. In Zeiten, in denen das Fan-Remake von Half-Life, Black Mesa, fast mühelos die obersten Treppenstufen der FPS-Bühne erklimmen kann, darf man nicht so wählerisch sein. Wie immer ist es wohl umsonst, von großen Titeln Neues zu erhoffen und eine Abkehr vom Altbewährten herbeizuträumen. So gesehen ist es irgendwie ein deprimierender Kommentar auf den Istzustand, den absichtlichen Schritt zurück zu den Shootertugenden von vor zehn Jahren, den Wolfenstein TNO mit Bravour vorexerziert, als große Leistung anzuerkennen. Doch der Reihe nach.
 
Mai 05 07:51

Echoing Histories: Impressionism, Indie Games and Artistic Revolutions

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"Bridging Worlds"  is a series by LA-based artist and VGT guest author Eron Rauch about the blurred line between games and art. These articles are intended as conversation starters about the burgeoning intersection between the fine art world, academic studies of games, virtual photography, and video game creation. 

Imagine the scene: Paris 1874. The city is still in turmoil from the massive fallout of the Industrial Revolution. There are wild all-night cabarets, horse races to bet on, and salons where drinks and culture are passionately discussed. A great obsession with all things Japanese is the fashion amongst the newly well-off as the world continues to grow smaller. You’re at a party, sipping champagne, talking about the most important art event in the Western world at the time, the Salon du Paris.

Cut to Los Angeles, 2013. The city is still in turmoil and perpetual change after the fallout from globalization vis a vis the banking crisis and tech bubbles. The electronic dance music scene is exploding. Ultimate Fighting Championship title cards are the talk of the town, and hipster bars and neo-speakeasies fill the alleys. A great obsession with all things Japanese is the fashion amongst pretty much everyone. I am at a party, sipping a micro-brew beer, talking about the most important video game event in the world at the time, the Electronic Entertainment Expo.

Apr 26 18:08

First Person Walker

1523

Aufwendig errichtete Spielewelten, atmosphärischer Sound und die altvertraute WASD-Steuerung, wie man sie aus unzähligen First-Person-Spielen kennt, und dann das: keine Waffen, keine Gegner, keine Rätsel, kaum Herausforderungen; nur ein virtueller Raum, in dem man sich kontemplativ bewegen kann. In erfolgreichen Indie-Spielen wie Dear EstherProteus,The Stanley Parable oder Gone Home gibt es wenig zu tun. Zu wenig, wie viele Spieler finden - das auf Steam für diese und andere Titel vergebene Etikett "Walking Simulator" ist ganz und gar nicht freundlich gemeint.

Apr 19 19:31

Frohe Ostereiersuche!

1519

Wer im Action-Rollenspiel "The Witcher 2" aufmerksam ist, findet Bemerkenswertes: In einer abgelegenen Ecke, am Fuße einer besonders hohen Befestigungsmauer, liegen die Trümmer eines Heuwagens und mittendrin - eine bekannte Gestalt. "Manche lernen's nie", brummt die Hauptfigur, und der Spielekenner schmunzelt, denn der leblose Körper, der da inmitten der Trümmer aus Holz und Heu liegt, ist eindeutig ein alter Bekannter aus einem ganz anderen Spiel. In der "Assassin's Creed"-Reihe stürzen sich Spieler als kletterfreudige Meuchelmörder routiniert von den höchsten Zinnen, um unbeschadet in genau solchen Heuhaufen zu landen - in der Welt von "The Witcher" hat's nicht funktioniert.

Der makaber-witzige Fund ist ein sogenanntes "Easter Egg", ein kleines Augenzwinkern der Entwickler an besonders aufmerksame Fans. In vielen Spielen verstecken die Spieleschöpfer an mehr oder weniger schwer zugänglichen Stellen solche "Ostereier": Kleine Gags, Grafiken, Sounds, Insider-Witze oder Botschaften, die die meisten Spieler im normalen Spielverlauf nie zu sehen bekommen. Nur wer mit offenen Augen nach ihnen sucht, findet das, was die Entwickler sorgsam versteckt haben.