Meinung

Sep 01 01:06

The End of Gamers: Ein paar Klarstellungen

Dieser Text sollte zuerst eine Antwort auf einen Kommentar zu meinem Text "#GamerGeddon" werden, ist aber zu lang, um dort zu versickern. Der Ton ist deshalb kolloquialer als sonst. Vorsicht: lang.

Ein Kommentator stellte mir eine Frage anlässlich des von vielen journalistischen Seiten proklamierten "End of Gamers". 

Da wird einfach mal der Tod des Gamers proklamiert. Ähm, wie soll das gehen?
Die Gamer sind das Hauptelement einer Industrie, die mittlerweile größer ist als Hollywood. Dort wird richtig Geld verdient. Denkt ihr wirklich, dass diese Industrie sich nicht mehr nach diesen Spielern ausrichten wird? Weil... kotaku und Konsorten berichten, dass es sie nicht mehr gibt?
Oder ist das alles ganz anders gemeint? Ist das eher "kulturell" gemeint?
Auch das ergibt wenig Sinn, denn diese, wie oben beschrieben, geben den Takt vor.

Wenn man die Artikel, die angeblich den "Tod des Gamers" fordern, ohne Hysterie liest (Überblick hier) , sieht man, was wirklich gemeint ist. "Gamer" bezeichnet eben in diesem Zusammenhang nicht jeden, der spielt. Diese Abgrenzung geht NICHT von den Journalisten aus, sondern von einer gar nicht mal so bedeutsam großen Gruppe an Spielern, die sich selber zum Kern des Gamings erhoben haben. Core Gamer. True Gamer. Real gamer. Die, für die Leute, die Candy Crush spielen, keine Gamer sind. Die, die mit Selbstbewusstsein Spielen, die ihnen nicht ins Konzept passen, absprechen, Spiele zu sein. Jene penetrante Gruppe, die den allermeisten Menschen, die spielen, oft mal peinlich ist.

Aug 29 10:45

#GamerGeddon

Dieser Text möchte nicht jene verhöhnen, die unter dem Hashtag #GamerGate in den letzten 24 Stunden aus ihrer Sicht untragbare Zustände im Games-Journalismus anzuprangern glauben. Stattdessen will ich mal erklären, warum dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist.

Viele der empörten Spieler, die sich unter der Fahne von #GamerGate zusammenfinden, glauben fest daran, dass gerade eine Vertuschungsaktion epischen Ausmaßes im Gange ist. Sie glauben, dass die etablierten Spielemedien - Print ebenso wie Online - mit aller Gewalt dabei sind, ihre eigene Verkommenheit und Bestechlichkeit zu vertuschen. 

Der Skandal, der aus der Sicht der #GamersGater nur der Gipfel des Eisbergs ist, ist jener um Zoe Quinn, die angeblich Sex gegen positive Berichterstattung geboten hätte. Doch in Wirklichkeit, so ist der Konsens der Empörten, geht es um viel mehr: eine ideologische Umerziehungsaktion Orwell'schen Ausmaßes, um die Seele dessen, was es heißt, "Gamer" zu sein.

Aug 19 10:47

Gamescom, Spielepresse und PR: Die Sache mit der Ethik

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Der folgende Text wurde mir von einem/einer Autor/in zugesandt, der/die ungenannt bleiben möchte. Er/sie schreibt: "Ich weiß leider aus Erfahrung, dass Spielejournalisten Kritik sofort persönlich und als Nestbeschmutzung brandmarken und enge Kontakte in Sippenhaft nehmen."

Deshalb erscheint dieser Text, der ein wichtiges Problem im Verhältnis zwischen Branche, Presse und Spielern thematisiert, auf VGT anonym.

Um Missstände in Politik, Gesellschaft oder Industrie aufzudecken, braucht es gemeinhin Informanten oder Whistleblower, die dank Insider-Wissen ein Problem in den Blick der Öffentlichkeit rücken. Bei Games-Medien braucht es die nicht. Missstände lassen sich für jeden in geradezu erschreckendem Ausmaß frei zugänglich im Internet mitverfolgen.

Mai 29 12:08

Digitaler Racheakt im geschützten Raum

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Ein bisschen gegen das System sein, den Kapitalismus eh auch blöd finden und das "gute" Produkt statt dem "schlechten" zu kaufen ist längst nichts mehr, was dissidenten Intellektuellen, verwirrten Anarchisten oder zornigen Punks vorbehalten ist. Vielmehr ist es mehrheitstauglich geworden, eine einfache Weise, sich mit etwas Gesellschaftskritik zu schmücken und einem Hauch von Distinktion zu parfümieren ohne wirklich etwas ändern zu wollen. Die deutsche Autorin Meredith Haaf hat es in einem Meinungstext für die Zeitschrift NEON neulich gut beschrieben: Zur Zeit des Kalten Krieges galt im Westen ein abweichlerisches Verhalten gegen das "eigene" System, also den Kapitalismus, als demokratiegefährdend und war bloß für jene Menschen nicht tabu, die sich entschlossen haben, am Rande der Gesellschaft zu stehen und diese zu unterwandern. 

Apr 12 20:59

re: Sieg Hain

An zwei Spaßvögel.

Man sollte nicht darauf hinweisen müssen, dass Männer in exakt den Uniformen, in denen ihr herumkaspert, vor wenigen Jahrzehnten Millionen Mitmenschen - Erwachsene, Kinder, Greise - überfallen, in Lager gesperrt, beraubt, gefoltert, erschossen, erwürgt, vergast und verbrannt haben.

Man sollte nicht eigens sagen müssen, dass Scherze entlang dieses Grauens nicht verboten sind, aber das Niveau der meisten genialen Komiker, garantiert aber eure bescheidenen Fähigkeiten übersteigen.

Man sollte nicht extra betonen müssen, dass euer infantiler Umgang mit diesem Thema im Rahmen der jämmerlichen Karikatur von "Gamesjournalismus" auf Jahre hinaus nicht nur die ernsthafte Beschäftigung mit dem Medium mit Scheiße zuschüttet, sondern auch jenes Zielpublikum, das euch applaudiert: Kinder und Jugendliche, an deren Beifall euch so viel liegt, dass euch nichts zu dumm ist für Klicks und Lacher.

Es sollte nicht nötig sein, auf das alles hinzuweisen. Es ist deprimierend, dass es nötig ist.

Genauer gesagt: Es ist zum Kotzen.

Klar: Euch ist meine Meinung egal, da steht ihr coolen Jungs drüber, wie immer. Wahrscheinlich hört ihr mich gar nicht vor dem johlenden Beifall all jener, die Spaß verstehen. Ich bilde mir auch nicht ein, dass euch dieser Widerspruch tangiert; ich weiß, dass viele, die ähnlich denken wie ich, euch und euren Spaß mit Nazis zähneknirschend ignorieren, euch keines Blickes würdigen, damit eure Provokation nicht auch noch durch Kontroverse Reichweite dazubekommt.

Trotzdem stelle ich mich hier auf meine kleine Seifenkiste, um zu widersprechen. Nicht, weil ich glaube, dass ihr euch ändert; nicht, weil ich denke, dass es etwas bringt. Es geht mir hier nur um meine eigene Psychohygiene - nicht jede Scheiße durchgehen zu lassen mit einem resignierten Achselzucken.

Ich verstehe keinen Spaß? Ich verstehe eines nicht: Dass euch eure renommierten Arbeitgeber trotz derart pubertärer Provokation weiterhin bezahlen.

Ich verstehe keinen Spaß? Ich verstehe noch was nicht: Dass euch selber, als leidlich erwachsene Menschen, der johlende Beifall der YouTube-Gemeinde in eurer Echokammer als Rechtfertigung für diesen absichtlichen Tabubruch genügt.

Ich verstehe keinen Spaß? Ich verstehe dafür etwas anderes: Ihr solltet es besser wissen. Ihr solltet euch schämen.

Ihr seid erbärmlich.

Mär 13 22:09

Nabelschau: Was mache ich hier

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Selbstreferenzielles navel-gazing ahead. Der folgende Text brütet bereits eine Zeitlang vor sich hin, ohne sich für mich zu einem Ende zu fügen. Deshalb einfach mal raus damit, als späte Einlösung meiner Ankündigung anlässlich der Superlevel'schen Spiegelkritikschelte, Fremd- und Selbstwahrnehmung zu überprüfen. Warnung: Worte. Zweite Warnung: keine Schlusspointe.

Dez 04 09:48

Wir sind gekommen, um uns zu beschweren

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Abt. Beschwerdemanagement: Anlässlich des Launchs der WASD 4 hier ein kleiner Rückblick auf die Numero 3, wo dieser Text ursprünglich erschien,  auf das mehr oder weniger skandalöse Ende von Mass Effect 3 - und auf Kuchen. Hmmm, Kuchen.

Eins mal vorweg: Leute, ich versteh euch. Zu oft wurde behauptet, euer Hass auf Mass Effect 3 sei bloß das weinerliche Gekreische von verwöhnten Idioten, die sich vom Finale mehr Lob und Bauchpinselei erhofft hatten. Dabei habt ihr ja im Grunde recht, das Ende ist scheiße. Moralisierender Esoterikblödsinn, eine glatte Themenverfehlung.