Meinung

Mai 14 21:10

Small is beautiful

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Vor kurzem geisterte der Twitter-Hashtag #UnpopularGamingOpinions durch das, was dank 140-Zeichen-Diskussionen heutzutage so als Restblogosphäre durchgeht. Unter diesem Banner sammelten sich Meinungen, die nach Ansicht ihrer Verfasser unbequeme Wahrheiten in der Sphäre unseres Mediums darstellen. Die Einträge reichten von schier Blasphemischem wie "The ending to Mass Effect 3 wasn't that bad" bis hin zu Esoterischem wie "Blowing on Nintendo games is like the unicorn memory thing in Blade Runner and we're all androids" (was zum ...).

Auch mir purzelte spontan ein Sager aus den Gehirnzellen, und je länger ich in der Zwischenzeit fernab jeder digitalen Unterhaltung  darüber nachgedacht habe, desto mehr stehe ich dazu: "As long as narrative games don't get much shorter, they won't really succeed for mature audiences." 

Anders gesagt: Spiele sind zu lang, und bis sich das ändert, werden sie ein adoleszentes Nischenmedium bleiben.

Apr 19 09:28

Bioshock Infinite: Headshots im Luftschloss

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Dass ein profilierter Titel wie Bioshock Infinite Meinungen teilt wie Noah das Meer, ist eigentlich nicht überraschend. Nach der ersten Welle der Begeisterung, versteht sich, denn man muss ja immer noch froh sein, wenn Spiele zur Inspiration mal nicht in den Fundus billiger Science-Fiction, Fantasy und Actionfilme greifen, sondern in Kunst, Geschichte und Kunstgeschichte. Aber dann, ach, bemerkt man die vielen Risse in der Fassade der schönen, alten Welt und von allen Seiten hagelt es Kritik.

Interessant ist in diesem Fall aber, worüber die Kritiker streiten, denn anstatt sich seinem schwachen Metakommentar zu widmen, dreht sich die Diskussion derzeit vor allem um die in Infinite marginalisierten Thematiken von Gewalt, Rassismus, Patriotismus und Evangelismus, vor allem aber um die Frage warum ein Spiel mit so schlauen Ansätzen unbedingt in die Shootergussform gepresst werden muss.

Aber langsam. Losgetreten haben die Kontroverse vor allem Kirk Hamilton, Chris Plante und Michael Abbott, für die Infinites Überfluss an Blut und Enthauptungen im Konflikt mit seiner kopflastigen Narrative steht. Jim Sterling sieht das anders: In Infinite gehe es nunmal um Gewalt, Booker sei ein Mann der Gewalt und die reichliche Ausübung der selben sei nur passend. Jeff Kunzler vermutet hinter der Bitte um weniger exzessives Blutvergießen gleich den Wunsch, das rassistische Luftschloss Columbia unversehrt lassen zu dürfen.

Mär 21 10:39

Kickstarted & Overfunded - was nun?

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Der folgende Text ist der Einstieg von Joe Köller bei VGT. Mein Landsmann hat sich in jüngster Zeit als "foreign correspondent" von Critical Distance und vor allem als Herausgeber der famosen englischsprachigen Online-Publikation Haywire Magazine betätigt; ich freue mich, in Zukunft hier regelmäßiger von ihm zu lesen. Welcome!

Normalerweise hat das Internet es ja nicht so mit dem Bezahlen und möchte Inhalte lieber gratis und sofort. Aber manchmal, für den richtigen Zweck, sitzt die Brieftasche auch locker. Nach diesem Prinzip versuchen seit 2009 auf Kickstarter Leute guten Willen, Idealismus oder Nostalgie zu Geld zu machen um damit ihre interessanten oder auch kuriosen Projekte zu finanzieren. Bestimmt muss nicht erwähnt werden, dass auch die Spielebranche die Plattform mittlerweile für sich entdeckt hat. Diverse Veteranen sammeln dort mit Erfolg Geld für Neuauflagen oder Fortsetzungen beliebter Klassiker.

Dabei sind die Nutzer von Kickstarter mitunter so großzügig, dass Projekte weit über ihr ursprüngliches Ziel hinausschießen. Sehr weit. Das stellt nicht nur Entwickler und sonstige Kreative vor ein eher ungewöhnliches Problem (Wohin bloß mit dem ganzen Geld?), sondern ändert auch die Erwartungshaltung ihrer spendablen Unterstützer, die sich für den Überfluss an Mitteln ein entsprechend größeres und ambitionierteres Projekt erwarten. Wozu verpflichtet der unerwartete Geldsegen aber wirklich, und wozu eben nicht?

Mär 11 10:06

Angriff auf die Jungskultur

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Jetzt ist es also so weit: Anita Sarkeesian hat Teil 1 ihrer geplanten Video-Dokuserie "Tropes vs. Women in Video Games" zum Thema Sexismus in Spielen soeben veröffentlicht. Wir erinnern uns: Die "Causa Sarkeesian" war letztes Jahr eine jener Affären, die schmerzhaft eine traurige Tatsache unter Beweis gestellt haben: Sexismus ist nicht nur, wie Sarkeesian zeigen wollte, in den Spielen selbst selbstverständlicher und meist nicht einmal bemerkter, fixer Bestandteil der Gameskultur, sondern auch und besonders in großen Teilen der Spielerschaft mehr als salonfähig - ein Befund, der von den beispiellosen Angriffen, sexistischen Beschimpfungen, Gewaltandrohungen und von sexistischer Hetze gegen Sarkeesian selbst aufs Deprimierendste unter Beweis gestellt wurde.

Mär 07 17:53

Dark and Gritty, Dark and Gritty, Gark and Dritty

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Dark and Gritty, dark and gritty, dark and gritty. Wenn man die Schlagworte oft genug wiederholt, bekommen sie in etwa dieselbe Bedeutungstiefe, die ihnen derzeit sowieso überall zukommt.  

Dark and gritty, dark and gritty, gark and dritty. Dreieinhalb Millionen Suchergebnisse für die Phrase bei Google. Dark and gritty, wie meinen, überhaupt? Oder passender: Hä? "Dunkel und sandig-dreckig" - das perfekt passende schöne österreichische Wort "grindig" steht ja leider nicht allen Deutschsprechenden zur Verfügung -, mit diesem schönen Begriffspaar, das so perfekt als Schlagwort in jede PR-Aussendung passt, kann man in der Welt des Pop-Post-Zynismus so irgendwie alles beschreiben, was sich abgeklärt gegen den verächtlichen Feelgood-Popkonsum für Kinder positionieren will. Weil: Wir sind erwachsen! Doch, echt! 

Feb 13 13:07

Die Zahl am Ende des Textes - Teil 2

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Die Zahl am Ende von Videospieltexten hat lange Tradition - und man kann durchaus geteilter Meinung sein, ob das so sein soll oder nicht. Darum zwei Texte zu dieser Debatte - nach Volkers Meinung nun mein ganz eigener Senf dazu.

Wertungen - ja oder nein? Für jede Frage von gewisser Komplexität gibt es eine Antwort, die klar, einfach und falsch ist. Drum einen Schritt zurück: Es wird die wenigsten Leser überraschen, dass ich nicht gerade ein Verfechter der Prozent-, Sternchen- oder Zehnerwertungen unter Spieletexten bin, und auch die Argumente sind altbekannt. Kein ernstzunehmender Literaturkritiker würde seine Besprechung eines Buches abschließend in Zahlen gießen wollen, kaum eine differenzierte Filmkritik endet mit einem Fazit in Prozentschritten. Warum? Erstens aus Respekt gegenüber dem besprochenen Buch oder Film; zweitens aus dem Selbstbewusstsein der Kritiker heraus, in ihrem Text bereits diese Wertung vorzunehmen. Autoren, und als solche sehen sich auch Journalisten, sind eitel - das Zusammenkürzen einer 3000-Zeichen-Kritik auf eine schnöde Prozentbewertung am Schluss entwertet in gewisser Weise den Text, der darüber steht. 

Feb 13 11:52

Die Zahl am Ende des Textes - Teil 1

667

Die Zahl am Ende von Videospieltexten hat lange Tradition - und man kann durchaus geteilter Meinung sein, ob das so sein soll oder nicht. Darum zwei Texte zu dieser Debatte, und der Gast hat Vortritt: Volker Bonacker über ein daueraktuelles Thema.

Kurz nach der Aufgabe meiner Stelle als freier Journalist wurde ich in einem Interview mit dem Online-Magazin “Negativ” nach meiner Meinung zum Thema Wertungen gefragt. Die Antwort seinerzeit war, dass ich die Sache liberal sehe. Im großen und ganzen bleibe ich auch in diesem Kommentar dabei (tl;dr-Menschen können hier aussteigen), möchte allerdings ein wenig weiter ausholen und erklären, von welcher Position aus ich diesen Standpunkt eingenommen habe. Damit wird die aktuell wieder einmal laufende Debatte um die Frage, ob’s denn sein muss oder nicht, nicht abschließend geklärt, vielleicht aber um einen Farbton reicher.