Analyse

Apr 16 10:22

Ist das noch Indie?

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Es ist so eine Sache mit Schubladen: Der Zeitpunkt, an dem sie sich im kollektiven Denken durchgesetzt haben, ist meist exakt jener, an dem sie bereits zu klein geworden sind. Indie ist spätestens 2014 ein Label, das für jeden etwas anderes bedeutet: Für die einen steht es für den unverständlichen Hype um Augenkrebsgrafik im ewigen 8-Bit-Pixelmatsch, für die anderen steht es pathetisch für die Zukunft des gesamten Mediums. Dabei gibt es ein Problem: Indie, also unabhängig vom Publisher zu sein, bedeutet heutzutage wenig.

Mär 31 11:09

Digitale Doppelmoral: Spiele & Zensur

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Wer "South Park" kennt, weiß, dass schlechter Geschmack Programm ist. Der weltweite Erfolg der Zeichentrickserie beruht nicht zuletzt darauf, dass die Macher Matt Stone und Trey Parker seit nunmehr 17 Jahren verlässlich so gut wie jedes Tabu mit unnachahmlicher Bösartigkeit in der Luft zerfetzen und mit ihrem schwarzen Humor über alle Peinlichkeitsgrenzen hinaus ihre Scherze treiben. Abtreibung, Rassismus, Pädophilie, Kannibalismus, Tod, Amokläufe - kaum ein Reizthema, das nicht auf respektloseste Art und Weise in der winterlichen Zeichentrickwelt seinen Auftritt hatte. "Was darf Satire? Alles," wie Kurt Tucholsky forderte.

Jan 29 20:16

Fun, fun pain: Hearthstone

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Hearthstone ist eine Verkaufsplattform mit Kaufanreizsystem in Spielform.

Während Diablo 3 ein Hybrid war - ein Vollpreisspiel, das dank Echtgeldauktionshaus und Item-Grind als Endgame im Spieldesign seltsam verkrüppelt verblieb -, ist Hearthstone als reiner Free2Play-Titel in gewisser Weise ein offenes Produkt, ehrlich, geradlinig. Dabei erübrigt sich die Frage nach der Moral: Natürlich ist Free2Play ein völlig legitimes Konzept, natürlich kann Blizzard, das hier wie wenige andere alles richtig macht, dieses Monetisierungsmodell nicht vorgeworfen werden.

Blizzard will natürlich Geld verdienen, auch wenn Hearthstone kostenlos spielbar ist. Warum auch nicht? Es ist ein Hochglanzprodukt, das Spaß macht, leidlich originell ist und mit einem Ausmaß an Polish daherkommt, der anderswo fehlt. Es ist Geld wert. Der Reiz, sich in seinen ineinander verzahnten Systemen zu verlieren, vom Crafting übers Sammeln über die Arena bis zum Tüfteln am perfekten Deck, soll aber seine Spieler nicht nur, wie in World of Warcraft mit seinem Abosystem, möglichst lange an das Spiel binden, sondern sie vor allem dazu animieren, tatsächlich Geld auszugeben.

Daran ist nichts Verwerfliches.

Jan 26 15:52

The Process: Spielwelten aus dem Prozessor

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Der Weltraum, unendliche Weiten - und die Spieler mittendrin, um alles frei zu erforschen. Was sich wie reine Fantasie anhört, will Hello Games wahr werden lassen: Mit dem vor kurzem angekündigten "No Man's Sky", das noch 2014 erscheinen soll, versprechen die Briten nichts weniger als ein tatsächlich endloses Spieluniversum mit frei besuchbaren, radikal unterschiedlichen Planeten, das tausende Spieler zugleich entdecken können. Das klingt umso ambitionierter, als das Studio gerade einmal aus vier Köpfen besteht. Wie soll das funktionieren?

Jan 05 19:30

Aufbruch mit Ermüdungserscheinungen

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Das Gamesjahr 2013 im Rückspiegel.

Kaum ein Medium, das so sehr der Zukunft zugewandt ist wie Computerspiele - Conny Lee, Robert Glashüttner und ich haben uns ja erst im letzten FM4 Extraleben genau zu diesen Zukünften unterhalten. Man blickt nicht so gern zurück in diesem Medium und schon gar nicht in diesem Jahr, das laut der Zeitrechnung der beiden größten Konsolenhersteller Jahr Null einer "ganz neuen Generation" ist. Bringen wir das Offensichtliche hinter uns: 2013, das war das Jahr, in dem die historisch am längsten dienende Konsolengeneration endlich ihre Nachfolger gefunden hat. 2013 war NextGen-Launch - auch wenn Nintendo schon ein Jahr zuvor vorgeprescht ist.

Dez 05 12:02

Style is King: Atemberaubende Spielegrafik fernab des Fotorealismus

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Als der französische Maler Paul Delaroche 1839 zum ersten Mal eine Fotografie zu Gesicht bekam, soll er der Legende nach erschüttert den Tod seiner Zunft ausgerufen haben. Heute, mehr als eineinhalb Jahrhunderte später, wissen wir: Die Befreiung der Malerei vom Zwang zum Realismus läutete nicht das Ende, sondern aufregende neue Kunstepochen ein. Beim Medium Games zeichnet sich ein ähnlicher Wandel ab.

Im Jahr 2013 sehen Spiele selbst für geübte Beobachter oft täuschend real aus. Screenshots von Rennspielen lassen sich kaum mehr von Fotografien unterscheiden, cineastische Inszenierungen wie "Ryse: Son of Rome" oder "Beyond: Two Souls" bringen neben täuschend echt rekonstruierter Architektur endlich auch glaubwürdige Menschen auf die Bildschirme. Das ewige Ziel, Fotorealismus in Spielen zu erreichen, ist praktisch erreicht. Und jetzt?

Nov 22 18:53

Die merkwürdige Welt der Xbox One

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Es war und ist ein seltsames Gefühl zwischen Neugierde, Scham, Euphorie, Ernüchterung und Befremdlichkeit. Seitdem ich als Redakteur und Journalist über Spiele schreibe und spreche, war es immer eine Selbstverständlichkeit, mir die aktuellen Konsolen privat zu kaufen - als Arbeitswerkzeug und als Zugeständnis zu einer vielfältigen Welt der digitalen Spielkultur. Die achte Konsolengeneration sollte hierbei keine Ausnahme sein, obwohl in den letzten Monaten schon ein deutlicher Trend weg von den alten Wohnzimmerspielgeräten hin zum PC- und mobilen Gaming erkennbar war. Aber gut, das waren die überholten Konsolen, die uns nicht mehr so interessiert haben. Jetzt sind ja die neuen da!