Meinung https://videogametourism.at/ de Zum Tod von John "TotalBiscuit" Bain https://videogametourism.at/content/zum-tod-von-john-totalbiscuit-bain <span>Zum Tod von John "TotalBiscuit" Bain</span> <div class="field field--name-field-teaser-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/unbenannt_3.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/unbenannt_3.jpg?itok=b8yKtYnb" width="700" height="192" alt> </a> </div> <span><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/robert-glashuettner" class="username">Robert Glashüttner</a></span> <span><time datetime="2018-05-26T14:46:05+02:00" title="Samstag, 26 Mai 2018 - 14:46">Sa. 26 Mai 2018 - 14:46</time> </span> <div class="field field--name-field-teaser field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><em>Wenn ein Geek mit großer Klappe in raschen Schritten zum Internet-Star wird, gibt es viele Fallen, in die er tappen kann. John Bain ist in einige von ihnen getreten und hat sich durch Überforderung und Selbstgerechtigkeit selbst in ein Out manövriert, das er eigentlich nicht verdient hat. Eine Analyse, anlässlich des frühen Todes von TotalBiscuit.</em></p> </div> <div class="field field--name-field-paragraph-element field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><div class="fl3"></div> <p>Ein markanter britischer Akzent, trockener Humor und eine gesunde Portion Selbstironie waren eine Mischung, die mich begeistert hat. TotalBiscuit war einer der ersten Youtuber, die ich aufgrund dieser Eigenschaften regelmäßig verfolgt habe. Und natürlich wegen „Starcraft II“: Es war das Jahr 2010, und der lange ersehnte Nachfolger des ewigen Echtzeitstrategie-Königs war nun endlich erschienen. Das hatte auch einige KommentatorInnen auf den Plan gerufen, die auf Youtube (bzw. Justin.tv, dem Vorgänger von Twitch) wahlweise live spielten oder Partien in Form von Replays kommentierten. Nach „World of Warcraft“ war „Starcraft II“ das erste Riesengame, das von Youtube als Medium begleitet wurde und einigen ihrer Castern den Beginn einer großen Karriere als Internet-Personality ebnen sollte.</p> <div class="fl2"></div> <p>TotalBiscuit als auch ein weiterer „Starcraft II“-Caster namens HuskyStarcraft wurden für mich bald zu regelmäßigen Anlaufstellen im Netz. Die oft amüsanten, teils auch Slapstick-haften Videos der beiden (vor allem die Serien „I Suck at Starcraft“ und „Bronze League Heroes“) lieferten eine erfrischende Abwechslung zu der vielfach langweiligen E-Sportberichterstattung, aus der sich diese Spielcommunity in erster Linie nährte. Die beiden Kanäle und ihre Hosts begründeten mein erstes On-Demand-Fernsehritual. TotalBiscuit bestand lange Zeit fast ausschließlich aus bewegten Bildern der Spiele und John Bains unverkennbarer Stimme – Fotos und Videoauftritte von ihm selbst waren in der Anfangszeit seiner Youtube-Öffentlichkeit selten. Als diese später öfter auftauchten, wurde bald klar, warum: Bain hatte seine Karriere als Radiohost und Podcaster begonnen. Er war ein Geek mit großer Klappe, umfangreichem Wortschatz und guten Artikulationsfähigkeiten, die aber nicht immer über seine Unsicherheiten und Schüchternheit hinwegtäuschen konnten. Mit der Bildebene wurden diese Schwächen offensichtlicher – ein Umstand, dessen sich der Mann wohl bewusst war.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><div class="fl1"></div> <p><b>Vom Entertainer zum Journalisten</b></p> <p>Zwei Jahre später hatte sich die anfängliche Euphorie über „Starcraft II“ langsam gelegt: Der zweite Teil der Kampagne, „Heart of the Swarm“, kam erst spät, im Frühjahr 2013, auf den Markt, und in Sachen E-Sport kristallisierte sich langsam, aber sicher heraus, dass der gesamte zweite Teil der Spieleserie nicht die beeindruckende Langlebigkeit aufweisen würde wie einst „Starcraft: Brood War“. TotalBiscuit war zu diesem Zeitpunkt bereits eine markante Größe auf Youtube und hat diese Dynamik genutzt, um vom Blizzard-Spielekommentator zum Videojournalisten umzuschwenken. Bereits im Spätsommer 2012 war dieser Wechsel vollzogen, der gewissermaßen den Verlust der medialen Unschuld von John Bain als öffentliche Person begründete.</p> <p>Es handelte sich dabei um jenes Grundproblem, das Mitte der 2010er-Jahre viele Youtuber betroffen hat: Der klassische, geschriebene Games-Journalismus wurde damals ziemlich rasch von Videopersönlichkeiten abgelöst. Diese bekamen plötzlich wesentlich mehr Aufmerksamkeit als die klassischen SpieleautorInnen, hatten jedoch im Regelfall kaum bis keine journalistische Ausbildung und auch keine Redaktion als Regulativ hinter sich. Es kam, wie es kommen musste: Youtuber machten ihr Ding, wie es ihnen gerade als richtig erschienen ist. Spiele wurden auf Youtube – querbeet - wahlweise gespielt, Podcast-mäßig besprochen, oder aber ausführlich rezensiert.</p> <div class="fl2"></div> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">Ein kritischer, aber auch selbstgerechter Moderator, der es gewohnt war, zu monologisieren</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>TotalBiscuit entschied sich vorrangig für die dritte Variante: Vor allem sein Format „WTF is ...“ wurde innerhalb weniger Monate zu einer einflussreichen und mitunter von EntwicklerInnen gefürchteten Rubrik, die über finanziellen Erfolg oder Misserfolg eines Spieles entscheiden konnte. Die Formate waren zwar neu, aber John Bain war dabei der, der er immer war: Ein kritischer, aber auch selbstgerechter Moderator, der es gewohnt war, zu monologisieren und sich emotional in einzelne Details und Aspekte zu vertiefen.</p> <p>Was er dabei womöglich selbst übersehen hat: Die Umstände hatten sich stark verändert. Wo beim Kommentieren von „Starcraft“-Partien Humor, Überdrehtheit und Selbstironie bei ihm an der Tagesordnung standen, war beim Auseinandernehmen von neu erschienenen Spielen in erster Linie seine unnachgiebige, oft geschmäcklerische Kritik vorherrschend. Das Format dieser Rezensionen war vom Autor frei gewählt; ebenso wurden die dahinter stehenden ethischen Grundsätze, nach denen diese Videos erstellt und die besprochenen Produkte bewertet wurden, anhand persönlicher Vorlieben und Werte individuell entworfen.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><div class="fl1"></div> <p><b>Erste Hürde: Vom Geek zum Star in zu kurzer Zeit</b></p> <p>Nochmal zwei Jahre später war John „TotalBiscuit“ Bain ohne Zweifel ein Superstar innerhalb der Games-Medien und teils auch darüber hinaus. Der Name war zur Marke geworden, der Mann für viele junge SpielerInnen zu einer Galionsfigur „ihres“ Hobbies. Die Unnachgiebigkeit und die Ernsthaftigkeit, mit der Bain auftrat, waren dabei für viele ein Indikator für Integrität. Was TotalBiscuit sagte, hatte Gewicht – nicht nur inhaltlich, sondern auch moralisch. Gleichzeitig drohte der Mensch hinter der Marke immer mehr selbst von diesem Gewicht erdrückt zu werden. Seine oft unbeholfene, aggressiv-untergriffige Art, mit negativer Kritik umzugehen und sich in Diskussionen zu Wort zu melden, ließ ihn einerseits nach außen dünnhäutig erscheinen, und nagte andererseits nach innen an seiner psychischen Stabilität. Bain manövrierte sich immer wieder in Kontroversen hinein, deren Mittelpunkt er vielleicht gar nicht immer werden wollte, wo es aber seine Mentalität gewissermaßen nicht anders zugelassen hat.</p> <p>Erfolgreiche Youtuber – und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=VvSXgBmu2Pc">viele ihrer Krisen und Skandälchen</a> weisen immer wieder darauf hin, dass einen nichts und niemand auf die negativen Seiten des Internet-Startums vorbereiten kann. Gerade dann, wenn dieses Startum - wie es oft der Fall ist – so schnell kommt, dass für eine entsprechende mentale Vorbereitung kaum Zeit bleibt.</p> <div class="fl3"></div> <p><b>Zweite Hürde: Die klassischen Medien als Feindbild</b></p> <p>Soviel man auch erlebt und sich weiterentwickelt: Man bleibt in den meisten Aspekten letztlich immer die Person, die man war und ist. So war es auch schwierig bis unmöglich, die Persönlichkeit TotalBiscuit mit Hilfe eines professionellen Management-Teams zu zähmen – noch dazu, wo der Erfolg von Personalities ja seit jeher durch ihre Authentizität gewährleistet wird. Die Katze war aber ohnehin aus dem Sack und der oft bemühte Spruch, dass man jemanden nur hassen oder lieben könnte, war John Bain bereits längst zuteil geworden. Doch der Höhepunkt der Ambivalenz stand noch bevor: die berüchtigte Gamergame-Krise aus den Jahren 2014 und 2015, in der sich Bain nun ideologisch und diplomatisch komplett verzettelte. Wo aufgrund des großen Einflusses, den der Name TotalBiscuit mittlerweile längst mit sich brachte, Verantwortung und behutsam gesetzte Wortmeldungen angebracht gewesen wären, hat der Mann stattdessen schonungslos Schaum geschlagen.</p> <p>Vermutlich gut gemeinte Vermittlungsversuche zwischen zwei komplett konträren Gruppen (wobei die Fraktion Gamergate ja keinerlei Konsens suchte, im Gegenteil), waren nicht nur fruchtlos, sondern letztlich vor allem für Bain fatal. Meinungen und teils auch persönliche Angriffe, wie üblich wortgewaltig vorgetragen, waren dabei dann der Sargnagel und haben dafür gesorgt, dass sich TotalBiscuit als Name, Marke und Person für viele SpielerInnen, MedienvertreterInnen und BeobachterInnen fortan komplett ins Out manövriert hat.</p> <div class="fl2"></div> <p>Dabei ging es ihm doch nur um Ethik im Gamesjournalismus, würde die süffisante Punchline an dieser Stelle nun heißen. Tatsächlich stand John Bain aufgrund seiner Videospielleidenschaft den „klassischen“ Medien immer skeptisch gegenüber. Bereits <a href="https://www.youtube.com/watch?v=kNRWvabBRDc">in einem Vortrag über den Erfolg von „World of Warcraft“ aus dem Jahr 2006</a> zeigt er seine stark defensive und hochgradig frustrierte Haltung gegenüber der „Mainstream-Presse“.</p> <p>Damals war diese Kritik auch grundsätzlich gerechtfertigt: Die Kompetenz für Videospielkultur war unter JournalistInnen der Publikumsmedien noch schwach ausgeprägt, was für viele fragwürdige Analysen und Skandalmeldungen gesorgt hat. Doch jede Journalistin und jeder Journalist mit viel Games-Erfahrung weiß, dass auf diese berechtigte Kritik die eigene Emanzipation folgen muss. Denn selbstverständlich ist kein Medium ohne Grundsatzkritik, ohne Probleme, ohne größere Baustellen. Heute ist klar: Es gibt auch abseits der Parameter von Produktbesprechungen jede Menge fragwürdige Inhalte und miese (psychologische) Tricks, die SpielerInnen möglichst lange bei der Stange halten wollen. TotalBiscuit hat sich jedoch, so scheint es, schwer getan, seine prinzipielle Skepsis an den etablierten Medien – selbst gegenüber der Spielefachpresse – komplett abzulegen und den persönlichen Frust in kritische Selbstreflexion umzuwandeln.</p> <div class="fl1"></div> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><b>Dritte Hürde: Krebs</b></p> <p>Bevor die Gamergate-Wut und die vielen hässlichen Diskussionen und Bedrohungen ihren Lauf genommen haben, hat John Bain bereits davor, im April 2014, seine Darmkrebs-Diagnose öffentlich gemacht. Dieser Schicksalsschlag kann selbstverständlich nicht losgelöst von seiner Entwicklung als öffentliche Person nach dieser Zeit gemacht werden. Zusätzlich zu einer emotional überbordenden Persönlichkeit, einer zu schnellen Wandlung zum Star und einer tiefsitzenden Kränkung den klassischen Medien gegenüber, kam nun also auch noch die Information, todkrank zu sein und nur noch wenige Jahre Lebenszeit übrig zu haben. Eine ohnehin bereits schwierige öffentliche Situation wurde so von einer Herausforderung zu einem unüberwindbaren Hindernis. Interessanterweise scheint aber diese Ausweglosigkeit mehr Kraft und innere Ruhe freigesetzt zu haben. Bain wurde zum Kämpfer, war nun gezwungen, Prioritäten zu setzen und dankbar für das, was ihm gegeben wurde und geblieben ist.</p> <div class="fl2"></div> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">Ich war und bin der Überzeugung, dass der Mann trotz einiger Griffe ins Klo kein Arschloch war, sondern vielmehr: komplett überfordert.</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Als sich TotalBiscuit zur Zeit von Gamergate immer tiefer in Kontroversen und Widersprüche verstrickt hat, wollte ich mir zuerst von meiner sozialen (Online-)Kohorte nicht vorschreiben lassen, dass ich den Mann und seinen Output ab sofort nicht mehr konsumieren dürfe, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Es war nicht nur Nostalgie in Bezug auf die alten „Starcraft“-Zeiten. Ich war und bin der Überzeugung, dass der Mann trotz einiger Griffe ins Klo kein Arschloch war, sondern vielmehr komplett überfordert. Überfordert von einem Leben, das ihm im Positiven, aber zweifellos auch im Negativen einige Male vollkommen überrascht hat, und wo die Kultur der Unmittelbarkeit, die im sozialen Raum des Internet herrscht, einen ständig zu allzu schnellen Reaktionen verführt und drängt.</p> <div class="fl1"></div> <p>Ich weiß schon: Diese Analyse erklärt die Situation, entschuldigt aber nicht den Schaden, den Bain durch seine Worte angerichtet hat. Und so konnte ich den Kontext, der sich um die Marke und Person TotalBiscuit gebildet hatte, irgendwann auch für mich selbst nicht mehr ignorieren. Meine Zeit mit ihm war vorbei und ich bekam fortan nur noch die wichtigsten Meldungen über seinen gesundheitlichen Zustand mit.</p> <p>Für den öffentlichen Raum der Spielkultur ist TotalBiscuits früher Tod vor allem deshalb schlimm, weil dem Mann kaum eine Chance gegeben wurde, dabei zu helfen, die immer noch bestehende ideologische Kluft innerhalb der Videospielkultur – die er leider eher vergrößert als verkleinert hat - zu schließen. Indem er die Möglichkeit bekommt, an sich zu arbeiten und klüger zu werden. Indem er sich seiner großen Verantwortung gewahr wird und wächst. Doch der Krebs hat einen Strich durch John Bains Leben und damit auch diese Hoffnung gemacht. Mach's gut, Cynical Brit. Die Möglichkeit zur kollektiven Versöhnung wird uns für immer fehlen.</p> </div> </div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--terms"> <ul class="terms"> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/meinung" hreflang="de">Meinung</a></li> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/essay" hreflang="de">Essay</a></li> </ul> </div> <section class="comments"> <h2 class="comments__title">Kommentare</h2> <div class="comments__list"><article data-comment-user-id="0" id="comment-3726" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Gast</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 28 Mai 2018 - 07:48</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3726#comment-3726" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3726#comment-3726" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Dieser Nachruf ist noch viel</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Dieser Nachruf ist noch viel zu harmlos. Bain hat sich in Verbindung mit GamerGate nicht nur "in Kontroversen und Widersprüche verstrickt," er war selbst ausschlaggebend daran beteiligt, dass GamerGate überhaupt zustande kam.</p> <p>Bain war im August 2014 eine der ersten "großen" Medien, die die Diffamierung und Rufmord von Zoe Quinn verbreitet haben, direkt in Kontakt mit dem "Burgers and Fries" IRC-channel auf dem die Hetzkampagne koordiniert wurde.</p> <p>Und als Phil Fish ihn dafür, vielleicht inhaltlich nicht sachlich, aber prinzipiell zu Recht angegangen hat, war Bain maßgeblich daran beteiligt, Fish aus der Spieleindustrie rauszuhetzen.</p> <p>Es gibt noch mehr Beispiele für solche Kampagnen, die von Bain ausgingen. Er war nicht nur eine Randerscheinung von GamerGate, er war integraler Bestandteil und somit mitverantwortlich für all den giftigen Protofaschismus, der aus GamerGate gewachsen ist.</p> <p>Relevante Links:</p> <p><a href="https://archive.is/YpYc7">https://archive.is/YpYc7</a></p> <p><a href="https://archive.is/okgdJ">https://archive.is/okgdJ</a></p> <p><a href="http://gamesnosh.com/the-ugly-side-of-justice-total-biscuit-denounced-over-zoe-quinn-scandal-comments/">http://gamesnosh.com/the-ugly-side-of-justice-total-biscuit-denounced-o…</a></p> <p><a href="http://egmr.net/wp-content/uploads/2014/08/zFBoyuZ.png">http://egmr.net/wp-content/uploads/2014/08/zFBoyuZ.png</a></p> <p><a href="https://archive.is/bNMV7">https://archive.is/bNMV7</a></p> <p><a href="http://i.imgur.com/KDSiL1M.png">http://i.imgur.com/KDSiL1M.png</a></p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="8" id="comment-3728" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="8"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/robert-glashuettner" class="username">Robert Glashüttner</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 28 Mai 2018 - 12:43</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3726#comment-3726" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Dieser Nachruf ist noch viel</a> von <span class="username">Gast</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3728#comment-3728" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3728#comment-3728" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Wenig Einordnung seitens der Medien</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Was ich an den Meldungen zu Bains Tod seltsam finde, ist, dass es kaum längere Texte dazu gibt. Manche Sites haben gar nichts dazu gebracht, einige andere nur die Meldung an sich mit den wichtigsten Facts. Diesen negierenden Umgang mit seiner höchst ambivalenten Persönlichkeit finde ich aber ziemlich problematisch, weil er meiner Ansicht nach jenen, die unter von Bains fehlgeleiteter Rechtschaffenheit gelittet haben, nicht gerecht wird. Zu versuchen, hier eine Einordnung zu liefern, wäre angebrachter, und mir ist schleierhaft, warum das niemand bietet (bitte um Links, sollte ich etwas übersehen haben). Das ist vermutlich auch der Grund, warum einzelnen Personen dann öffentlich komplett die Hutschnur reißt (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Biom8iUnCWI">https://www.youtube.com/watch?v=Biom8iUnCWI</a>): Weil es fahrlässig ist, sich hier als (Games-)Presse einfach schweigend zu distanzieren und dem Thema keinen Raum zu geben. Der Mann war zweifellos relevant, und gerade wegen seiner durchwachsenen Rolle wäre seitens der (Fach-)Medien eine Analyse vonnöten.</p> <p>TotalBiscuit war definitiv mitverantwortlich an Gamergate, möglicherweise auch maßgeblich - das genaue Ausmaß kann bzw. möchte ich nicht beurteilen. Mir ging es in dieser Geschichte aber in erster Linie darum, einen Werdegang zu skizzieren und zu versuchen, Probleme zu erkennen, die dazu geführt haben, dass der Mann irgendwann ideologisch und kommunikativ komplett falsch abgebogen ist.</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="0" id="comment-3729" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Bobschi</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 28 Mai 2018 - 22:40</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3728#comment-3728" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Wenig Einordnung seitens der Medien</a> von <a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/robert-glashuettner" class="username">Robert Glashüttner</a></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3729#comment-3729" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3729#comment-3729" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Allerdings!</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Allerdings!</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="https://twitter.com/bobschi" rel="nofollow" target="_blank">b o b s c h i (@bobschi) | Twitter</a></div> </div> </article> </div><article data-comment-user-id="0" id="comment-3730" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Gast</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Di. 29 Mai 2018 - 15:21</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3726#comment-3726" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Dieser Nachruf ist noch viel</a> von <span class="username">Gast</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3730#comment-3730" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3730#comment-3730" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">"Relevante" Links</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ok ich habe mir nun alle von dir als "relevant" verlinkten Sachen angeschaut und kann nicht wirklich festmachen was an TB's Verhalten verwerflich gewesen sein soll? (Rein auf das Verhalten was in den Links beschrieben wird bezogen) Ich sehe keinen Aufruf dazu das irgendwer angegangen werden soll... Ich sehe keine Verachtenden Kommentare... Was ich sehe, dass er wohl die Integrität und Ehrlichkeit einer Person angezweifelt hat und dies deutlich gemacht hat. Ebenso das ihm mit DMCA gedroht wurde um seine Meinung/Rezension zu unterdrücken und er dies mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und Recht abwenden wollte... Ich persönlich bin sogar dazu geneigt ihm in den letzten drei Zeilen dieses Posts "<a href="http://i.imgur.com/KDSiL1M.png">http://i.imgur.com/KDSiL1M.png</a>", über die abschreckende Wirkung, welche eine reißerische Berichterstattung mit sich bringt, zu zustimmen.</p> <p>(Disclaimer: Ich sage nicht das es nicht Probleme gibt in der Welt, nur dass die hier als "relevant" angegebenen Ressourcen nach meiner in Augenscheinnahme nicht ausreichend die hier dargestellten Narrative unterstützen.)</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="0" id="comment-3731" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Gast</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mi. 30 Mai 2018 - 11:01</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3730#comment-3730" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">"Relevante" Links</a> von <span class="username">Gast</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3731#comment-3731" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3731#comment-3731" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Sehr gut gesagt. Was ich am</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Sehr gut gesagt. Was ich am wenigsten an diesem Blogeintrag verstehen kann ist die herabsetzende Narrative. Es wird vom Autor sehr stark insinuiert, Bain wäre ein unreflektierter Tollpatsch, der von gestern auf heute berühmt wurde und es mit seinem großem Mundwerk ja nicht besser gewusst hätte, als angeblicher Kickstarter eines Mobs zu fungieren, der Minderheiten aus der Gamingkultur pusht.</p> <p>Wie stark diese Narrative gepusht wird, sieht man auch am Kommentar mit den vielen Links. Es wird Bain unterstellt, er wäre daran beteiligt gewesen, dass "Gamergate überhaupt zustande kam" und hätte "Diffamierung und Rufmord verbreitet". Dass das nicht stimmt, weil a) Bain selbst sehr neutral in einem ellenlangem Twitlonger auf das "Drama" eingegangen ist (der lustigerweise sogar in einem der Links enthalten ist) und b) das erst nach einiger Zeit getan hat, als die Diskussion schon überschwappte, ja, da müsste man sich ja mit den Fakten befassen.</p> <p>Ohne da jetzt zuviel ins Detail gehen zu wollen, es gab bei GG definitiv einige toxische "figureheads". Aber Bain auf das gleiche Niveau zu stellen wie bspw. Milo, Ralph oder Sargon. Ja, keine Ahnung. Das wäre in etwa so, als würde man aufgrund der letzten Folge der Anstalts Max Uthoff und Claus von Wagner unterstellen sie hätten mit ihrer (berechtigten) Kritik an der Medienlandschaft den "Lügenpresse"-Spaten der AfD/Pegida Zulauf beschert. Aber wie wusste schon Volker Pispers? Wenn man weiß wer der Böse ist, dann hat der Tag Struktur.</p> </div> </div> </article> </div></div><article data-comment-user-id="0" id="comment-3727" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Thomas</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 28 Mai 2018 - 08:16</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3727#comment-3727" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3727#comment-3727" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Schöner Text. Ich hatte Bain</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Schöner Text. Ich hatte Bain ein wenig aus den Augen verloren, nachdem er Starcraft hinter sich gelassen hat. Wenn ich mich recht erinnere war er zu Beginn noch häufiger als Teil eines Kommentatorenteams zu sehen, hat später dann aber zusehend Soloprojekte gemacht. Ich teile jedenfalls Deinen Gedanken, dass er eine Schlüsselrolle in der Versöhnung verschiedener Gaminglager hätte spielen können.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-3732" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">orly</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Do. 31 Mai 2018 - 01:09</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3732#comment-3732" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3732#comment-3732" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Das lustige is...</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>dass solche Artikel immer dann entstehen - wenn diejenigen welche man kritisiert bereits gestorben sind und man vorher schön brav in der stillen Ecke gesessen ist. Sogar als deutschen Artikel damits die Hinterbliebenen ja nicht lesen - Is schon leicht erbärmlich</p> <p>Das traurige is - politisch polarisierender bullshit wie das hier oder auch was bei polygon rausgesch... wird, ist das eigentliche übel weil es die "Gamercommunity" allgemein spaltet und einer der Hauptgründe ist warum hysterisches idiotisches Mobverhalten wie Gamergate überhaupt entstehen kann.</p> <p>Und bevor die Nazi Keule hier kommt - ich habs satt dass heutzutage jeder dahergelaufene Horst egal ob mit Springerstiefel oder Marx Shirt seine Idiologien in jeder Lebenslage in Dinge die wir frühermal "Hobbies" nannten injizieren muss (Schlagwort virtue signaling) um seinen "Groupthinkkomplex" füttern zu können.</p> <p>Und dieses dieses Blog hier... is meiner Meinung nach schon bei 9 auf der 10er Emesis Skala.</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-3733" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Do. 31 Mai 2018 - 23:57</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3732#comment-3732" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Das lustige is...</a> von <span class="username">orly</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3733#comment-3733" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3733#comment-3733" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Ui, Lustig, dass ein Nachruf</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ui, Lustig, dass ein Nachruf erst nach dem Tod kommt, gell? Und dass ein biss Kritik am Säulenheiligen des Consumers deiner Meinung nach gleich schuld ist am Mobverhalten, potzblitz, da tun sich völlig neue Zusammenhänge von Cause &amp; Effect auf.<br> Die Nazikeule packt außer dir gar keiner hier aus, aber vielleicht bist du ja auch so im "Das wird man wohl noch sagen dürfen"-Modus, dass dir jede Art von Widerspruch wie böse SJW-Zensur vorkommt. Dein armes Hobby, alles so unpolitisch!<br> Und Emesis-Skala, whoa, wir haben es hier mit einem Gebildeten zu tun - da wird uns gleich auch ganz schlecht!<br> Sehr traurig, dass wir hier dann weiterhin ohne dich auskommen müssen. Baba, und fall net.</p> </div> </div> </article> </div> </div> </section> Sat, 26 May 2018 12:46:05 +0000 Robert Glashüttner 772 at https://videogametourism.at “Es ist nur ein Spiel”: Eine Ausrede, die nicht mehr gilt https://videogametourism.at/content/es-ist-nur-ein-spiel-eine-ausrede-die-nicht-mehr-gilt <span>“Es ist nur ein Spiel”: Eine Ausrede, die nicht mehr gilt</span> <div class="field field--name-field-teaser-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/1_17.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/1_17.jpg?itok=ODyPAEmO" width="700" height="187" alt> </a> </div> <span><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span><time datetime="2017-03-24T10:07:00+01:00" title="Freitag, 24 März 2017 - 10:07">Fr. 24 Mär 2017 - 10:07</time> </span> <div class="field field--name-field-teaser field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><em>Dieser Kommentar erschien zuerst für den <a href="http://derstandard.at/2000054381783/Es-ist-nur-ein-Spiel-Eine-Ausrede-die-nicht-gilt">GameStandard</a>.</em></p> <p>Fast endlos breitet sich Bolivien vor mir aus. Berge, Täler, Flüsse, Regenwald, kleine Dörfer und größere Ansiedlungen. Man merkt es “Ghost Recon: Wildlands” an, dass viel Sorgfalt und Liebe in die möglichst realitätsgetreue Abbildung dieses paradiesischen Fleckchens Erde gesteckt wurde, dass Satellitenkarten, Fotos, Natur und Architektur des südamerikanischen Landes von talentierten Grafikern und Gestaltern mit Geduld zur passend exotisch-rauen Sandbox gestaltet wurden. Realismus, das wissen sowohl die Entwickler als auch die Fans, ist wichtig, um das Eintauchen in die grimmige Welt der Tom-Clancy-Thriller möglichst lebensnah wirken zu lassen - in Sachen Hightech-Waffen, Ausrüstung, Militärjargon und Umgebung.</p> </div> <div class="field field--name-field-paragraph-element field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/2_18.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/2_18.jpg?itok=8AIBFgbr" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Dass der auf Coop getrimmte Taktikshooter an anderer Stelle den Realismus großzügig links liegen lässt, geht bei so viel Detailgenauigkeit leicht unter. Die mexikanischen Drogenkartelle, die dieses Bolivien bevölkern und großflächig “eliminiert” werden müssen, sind wohl eher wegen ihrer Bedeutung in US-amerikanischen Film- und Serienhits und, vermutlich, wegen ihrer durch Trump bedingten Medienpräsenz die Bösewichte in einem Land, dessen Hauptstadt immerhin über 5000 Kilometer von Mexico City entfernt liegt. Egal - der virtuelle “War on Drugs” schert sich nicht um solche Details. Bolivien ist aus der Sicht der Spielemacher für den durchschnittlichen Videospielkonsumenten wohl sowieso nur ein weiterer beliebiger Hinterhof der USA, ein hübsches, aber suspektes Schwellenland, in dem Verbrechen und Armut regieren. Kein Wunder, dass die bolivianische Regierung sogar auf diplomatischem Weg <a href="http://derstandard.at/2000053531823/Drogen-Shooter-Ghost-Recon-Wildlands-loest-diplomatische-Krise-aus">Protest gegen diese Darstellung eingelegt hat.</a></p> <p>“Richard Nixons einst ausgerufener ‘War on Drugs’ scheint 45 Jahre später noch genauso umstritten wie aussichtslos zu sein. Die Gefängnisse quellen zwar über, harte Drogen sind aber so weit verbreitet und für die Kartelle so lukrativ wie eh und je. Für die schärfsten Kritiker des US-Drogenkriegs war und ist er nicht mehr als ein Propagandavehikel, um im Ausland mit imperialistischer Schlagkraft politische Interessen durchzusetzen”, bemerkt Kollege Zsolt Wilhelm treffend in den einleitenden Worten zu seinem <a href="http://derstandard.at/2000054097327/Ghost-Recon-Wildlands-im-Test-Koks-fuer-die-Kriegsmaschine">Review des Spiels.</a> Für “Wildlands” und seine Spielerinnen und Spieler existiert dieses Hinterfragen allerdings nicht. Die bösen Kartelle und ihre bösen Handlanger werden von guten amerikanischen Helden militärisch effizient und in Massen ausgeschaltet - dass am Spielende alles doch ein bisschen komplexer gewesen sein soll, ist kaum mehr als ein halbherziger Epilog.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/3_18.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/3_18.jpg?itok=ERtmNDRL" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Spätestens bei diesem Befund stehen gewöhnlich so manche Spielefreunde voller Empörung auf. Military-Shooter wie jene der Tom-Clancy-Reihe sind eben kein Seminar über amerikanische Außenpolitik, sondern schlicht Unterhaltung. Ist doch nur ein Spiel! Wichtig ist sowieso nur der Spielspaß, man muss nicht jedes Unterhaltungsprodukt problematisieren und überhaupt solle man das alles nicht so ernst nehmen. Gegenüber Reuters erklärte im Gefolge der erwähnten diplomatischen Querelen ja auch der französische Hersteller Ubisoft, dass es sich bei “Wildlands” um ein fiktives Werk handele und man auf der Suche nach einer pittoresken Kulisse Bolivien nur aufgrund seiner "fantastischen Landschaft und Kultur" ausgesucht habe. "Wenngleich das Spiel eine fiktive Geschichte erzählt, die nicht die Realität in Bolivien widerspiegelt, hoffen wir, dass unsere Spielwelt der wunderschönen Topographie des Landes gerecht wird", heißt es in einer <a href="http://derstandard.at/2000053531823/Drogen-Shooter-Ghost-Recon-Wildlands-loest-diplomatische-Krise-aus">Stellungnahme.</a> Na also! Es ist “nur ein Spiel”.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item"> “Es ist nur ein Unterhaltungsprodukt. Es hat eigentlich überhaupt keine politische Botschaft.”</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Mit etwa denselben Argumenten versuchte man vor etwa einem Jahr bei einem weiteren großen Tom-Clancy-Vehikel die Wogen zu glätten. Als vor Release von “The Division” die Frage gestellt wurde, ob und inwiefern das von Unruhen, Terror und Bombenanschlägen verwüstete New York des Spiels irgendwie mit den Bildern von den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Beziehung zu setzen wäre, reagierte Julian Gerighty, Creative Director des Spiels, mit blankem Unverständnis. Ein New York in Chaos, mit Straßen voller Toter und verwüsteten Häuserblöcken, eine menschengemachte, die Zivilisation erschütternde Katastrophe - wieso, bitte, solle man da <a href="https://killscreen.com/articles/the-division-doesnt-want-you-to-think-about-911/">Parallelen zu 9/11 sehen?</a> “Schlussendlich ist es nur ein Videospiel”, erklärte Gerighty mit entwaffnender Naivität. “Es ist nur ein Unterhaltungsprodukt. Es hat eigentlich überhaupt keine politische Botschaft.”</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/4_17.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/4_17.jpg?itok=NPWeoqIp" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Das sahen einzelne Kritiker durchaus anders. In einem weiteren vielbeachteten Artikel für KillScreen bescheinigte Gareth Damian Martin “The Division” gar eine <a href="https://killscreen.com/articles/the-perverse-ideology-of-the-division/">“perverse Ideologie”</a> : Die Gegnerschaft bestehe aus “Plünderern”, die in Slang und Aussehen unverkennbar nach Jugendlichen aus der (schwarzen) Unterschicht modelliert waren, andere Gegner sind Gefängnisinsassen, aber auch ehemalige Stadtbedienstete. Die Spielerinnen und Spieler halten die “Ordnung” aufrecht, indem sie letztlich jene Art Klassenkampf führen, der - gerade in rechtskonservativen Kreisen der USA - ständig als paranoide Angstfantasie beschworen wird: wir mit Besitz gegen die “da unten”, gegen eine kriminelle Unterschicht, die bereits da ist und nur auf den Zusammenbruch von Law and Order wartet. Dass mit den “Cleaners” auch frühere städtische Arbeiter zur zu eliminierenden Gegnerschaft gehören, erklärt sich übrigens durch deren reale historische Stellung als Bollwerke der amerikanischen Gewerkschaftsbewegungen.</p> <p>Keine politische Botschaft? Nur ein Unterhaltungsprodukt? Dem würde der vor vier Jahren verstorbene Tom Clancy wohl vehement widersprechen.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/5_17.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/5_17.jpg?itok=3c061lwg" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Der Bestsellerautor Tom Clancy, dessen Name schon 42 Spiele als Franchise schmückt, war mehr als nur begabter Politthrillerautor. Obwohl er selbst niemals im Militär oder Geheimdienst tätig war, wird er vor allem wegen seiner technischen Detailgenauigkeit geschätzt; er selbst positionierte sich politisch stets eindeutig als konservativer Republikaner. Kritik an der interventionistischen Außenpolitik der USA oder an anderen republikanischen, im europäischen Kontext durchaus rechts zu nennenden Positionen haben weder er noch seine Romanhelden jemals geäußert.</p> <p>Der glühende Fan von Ronald Reagan - dieser outete sich übrigens umgekehrt als Leser seiner Romane - meldete sich zum Beispiel auch nach 9/11 mit der Anklage zu Wort, demokratische und linksliberale Politiker trügen wegen ihrer ablehnenden Haltung zu den Geheimdiensten entscheidend Mitschuld am Terroranschlag. Für Clancy war der massive finanzielle Ausbau des militärisch-industriellen Komplexes und damit der Militärmacht der USA stets der eigentliche Grund für den Sieg der USA im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion gewesen; die Faszination für Waffen, von Schusswaffen bis hin zu Flugzeugträgern und Atom-Ubooten, überträgt sich auf die Leser seiner Romane.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">Tom Clancy, Namenspate von 42 Spielen, positionierte sich politisch stets eindeutig als konservativer Republikaner.</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Sein Faible für Technik reichte übrigens bis ins Medium Videospiele: Seit über einem Vierteljahrhundert ist sein Name auch Spielern ein Begriff. Clancy vermarktete aber nicht nur seinen Namen und seine Bücher im neuen Medium, sondern gründete 1996 sogar ein eigenes Entwicklerstudio, Red Storm; sein Feedback und seine Gameplay-Ideen sollen der Legende nach in die ersten Spiele direkt mit eingeflossen sein.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/6_12.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/6_12.jpg?itok=YyngN53y" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Tom Clancys Politthriller - ob als Literatur oder im Spiel - tragen ihre strukturelle, letztlich reaktionäre, US-imperialistische Weltsicht und Ideologie nicht offensiv als Statement am Revers - wie man sieht, geht es sogar bisweilen durch, ihnen eine politische Agenda ganz abzusprechen. Stattdessen ist, auch bedingt durch die obsessive Faszination für militärtechnische Details, stets von “Realismus” die Rede: ein Realismus der Technologie, der Waffen, im Fall von “The Division” im hyperrealistischen Nachbau von New York, im Fall von “Wildlands” in jenem eines genau nachgestalteten exotischen südamerikanischen Schauplatzes.</p> <p>Bei all diesem”Realismus” ist diese Ideologie dennoch da - als unhinterfragte Kulisse des “War on Drugs” in dem einen, als paranoide Bürgerkriegs-Apokalypse mit dem Aufstand der “Unterschichten” in dem anderen. Das sollten auch gewohnheitsmäßige Verteidiger von Spielen als “unpolitische” Unterhaltungsprodukte zumindest wahrnehmen können. Es ist nur ein Spiel? Eine politische Botschaft ist weder beabsichtigt noch gewollt? Warum dann nicht die reaktionäre Ideologie rauslassen, wenn sie sowieso nur als Tapete gedacht ist? Oder, alternativ, dazu stehen, dass man wie genug andere Unterhaltungsprodukte mit Absicht eine - eben konservativ-reaktionäre - Weltsicht propagiert?</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/7_6.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/7_6.jpg?itok=3E0J0CN2" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Stattdessen: alles eigentlich ganz unpolitisch. Das betrifft natürlich nicht nur Spiele, auf denen Clancys Namen prangt. “Bioshock: Infinite” stellt vordergründig Rassismus und US-Nationalismus in einer fiktiven Paralleldimension an den Pranger, reproduziert aber zugleich Stereotype und kann sich letzten Endes nicht einmal dazu durchringen, den Widerstand gegen diese Diktatur nicht als irgendwie ebenso böse hinzustellen.</p> <p>“Deus Ex: Mankind Divided” brüstet sich mit Marketingschlagworten von “mechanical apartheid” als angeblich gesellschaftskritisch, verschenkt aber diese Chance, indem es den nur oberflächlich analogen Konflikt um letztlich wirklich gefährliche, übermenschlich starke Cyborgs mit der Unterdrückung realer Minderheiten gleichsetzt. Dass auf einem Artwork für den Cyberpunk-Shooter der politische Slogan “Black Lives Matter” durch <a href="http://www.polygon.com/2016/8/3/12368210/deus-ex-mankind-divided-augs-lives-matter-controversy">“Augs lives matter”</a> ersetzt wurde, zeigt, welchen Stellenwert politische Themen in den meisten Blockbustern haben: Sie sind eine Tapete, die Bedeutung, “Realismus” und Zeitgeistigkeit vorgaukeln sollen - eine tatsächliche politische Position beziehen die großen Studios aber schon deshalb nicht, um keine Kunden zu vergraulen. Die Standardreaktion, wenn darauf hingewiesen wird? “It’s just an entertainment product.”</p> <p>Ironischerweise muss man dem größten Blockbuster der Military-Shooter-Nische, der “Call of Duty”-Reihe, hier sogar anerkennend zugestehen, dass er zumindest zeitweise in seinen Storylines die Gefahren der militärischen Übertechnisierung oder von privaten Sicherheitsdienstleistern thematisiert hat - auch wenn im Befehlsempfängerdasein als Spieler der Kampagne kaum etwas davon zu spüren ist. Am ernsthaftesten versuchte sich das ansonsten mittelprächtige “Mafia 3” an einer Auseinandersetzung mit seinem realen historischen und gesellschaftlichen Material: Vor Spielbeginn weisen die Entwickler darauf hin, dass sie den abstoßenden Rassismus im Spiel auch deshalb ungeschminkt darstellen, weil er so nach wie vor real existiert. Nur ein Spiel? Ja, aber eines, das dies nicht als Ausrede dafür benutzt, keine Position zu beziehen.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/8_5.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/8_5.jpg?itok=2F75vUiB" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Natürlich: Ein Shooter ist nicht a priori politisch, und Spielen macht nicht automatisch zum reaktionären Militaristen. Aber anzuerkennen und auszusprechen, dass die in vielen Spielen transportierten Weltbilder nicht wertfrei und apolitisch sind, wäre ein Fortschritt. Weg von der sturen Weigerung, diese Dimension überhaupt sehen zu wollen, hin zu einer Ehrlichkeit, die einem Kulturgut und wichtigen Medium angemessen wäre. Denn diese Dimension ist da - auch wenn Studios und viele Spielerinnen und Spieler noch so sehr beteuern, dass sie für sie irrelevant sei.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">Wer “Realismus” will, kommt an Ideologie nicht vorbei.</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Spiele, die politische Themen behandeln und sich in Details um größtmöglichen Realismus und Nähe zur realen Welt bemühen, können nicht anders, als ideologische Aussagen zu treffen. Die Ausrede, “es ist ja nur ein Spiel” und man habe sich eigentlich gar nichts überlegt, sollte man sich angesichts der Millionenbeträge, die in die Gestaltung der jeweiligen Titel fließen, eigentlich nicht mehr anhören müssen. Es wäre höchste Zeit, dass die Publisher dazu stehen, dass sie mehr als “nur Unterhaltungsprodukte ohne jegliche politische Botschaft” erschaffen. Ob sie es wollen oder nicht - und auch, ob sie es wissen oder nicht. Aus politischer Überzeugung reaktionäre Weltbilder zu festigen, ist argumentierbar; dies unabsichtlich und unüberlegt zu tun, allerdings nicht.</p> </div> </div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--terms"> <ul class="terms"> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/meinung" hreflang="de">Meinung</a></li> </ul> </div> <section class="comments"> <h2 class="comments__title">Kommentare</h2> <div class="comments__list"><article data-comment-user-id="0" id="comment-3283" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Jänz</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 24 Mär 2017 - 14:22</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3283#comment-3283" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3283#comment-3283" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Unpolitisch</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Treffende Argumentation. Die Behauptung, ein Kulturprodukt oder ein Raum/Ort (Fußballstadion zb) sei unpolitisch, war schon immer das Argument derjenigen, welche die implizierten politischen Statements und Darstellungen der Welt nicht diskutieren, nicht sehen wollen bzw sie als naturgegeben oder irgendwie "normal" ausgeben und daran auch nichts ändern wollen, dies noch nicht einmal für diskussionswürdig halten. Homophobe Gesänge gegen gegnerische Fans? Alles nur ein unpolitisches Reizen der gegnerischen Anhänger. Kriminelle in Spiel und Film sind durchweg schwarz, Latinos etc? Nur ein Spiel. Frauen sind reine Objekte oder zu erobernde Ziele in Spielen? Hey, alles nur ein unpolitisches Spiel, nur Unterhaltung...</p> </div> </div> </article> <nav class="pager py-4" role="navigation" aria-labelledby="pagination-heading"> <h4 id="pagination-heading" class="visually-hidden">Seitennummerierung</h4> <ul class="pager__items js-pager__items list-none flex justify-center gap-1"> <li class="pager__item pager__item--first"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur ersten Seite"> <span class="visually-hidden">Erste Seite</span> <span aria-hidden="true">« Erste</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--previous"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur vorherigen Seite" rel="prev"> <span class="visually-hidden">Vorherige Seite</span> <span aria-hidden="true">‹ Zurück</span> </a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Gehe zu Seite 1"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>1</a> </li> <li class="pager__item is-active [&amp;_a]:bg-black/10"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=1" title="Aktuelle Seite" aria-current="page"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>2</a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Gehe zu Seite 3"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>3</a> </li> <li class="pager__item pager__item--next"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur nächsten Seite" rel="next"> <span class="visually-hidden">Nächste Seite</span> <span aria-hidden="true">Weiter ›</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--last"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur letzten Seite"> <span class="visually-hidden">Letzte Seite</span> <span aria-hidden="true">Letzte »</span> </a> </li> </ul> </nav> </div> </section> Fri, 24 Mar 2017 09:07:00 +0000 Rainer Sigl 725 at https://videogametourism.at Hierher verlinkt vom Kulturmontag? https://videogametourism.at/content/hierher-verlinkt-vom-kulturmontag <span>Hierher verlinkt vom Kulturmontag?</span> <div class="field field--name-field-teaser-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/unbenannt.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/unbenannt.jpg?itok=e4Fu2Nzx" width="700" height="208" alt> </a> </div> <span><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span><time datetime="2016-12-02T16:41:04+01:00" title="Freitag, 2 Dezember 2016 - 16:41">Fr. 2 Dez 2016 - 16:41</time> </span> <div class="field field--name-field-teaser field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><a href="http://tv.orf.at/groups/kultur/pool/ludens">Wenn im altehrwürdigen ORF-Kulturmontag Games zur Sprache kommen</a>, ist das eigentlich ein Grund zur Freude, umso mehr, wenn im Artikel zum Beitrag diese Seite verlinkt wird. Mit dem TV-Beitrag selbst habe ich allerdings weniger Freude, und das hat mehrere Gründe - ohne den Machern zu nahe treten zu wollen, ist "gut gemeint" oft das Gegenteil von "gut". Wenn auf die Feststellung, dass 46 % der Menschen Videospiele spielen, zehn Minuten altbekannte Ratlosigkeit folgen, denen die Distanz zum Thema in jeder Sekunde anzumerken ist, schmerzt das ebenso sehr wie es verwundert.</p> <p>Vielleicht fragt sich ja der eine oder andere hier Gelandete, was diese so zu Link-Ehren gekommene Seite anderes zu den angesprochenen Themen zu sagen hätte, und aus diesem Grund hier ein paar Links, die vielleicht darauf Antworten geben können.</p> <hr> <p><strong>Gewalt in Videospielen</strong></p> <p><a href="https://videogametourism.at/content/gewalt-im-zeitalter-ihrer-virtuellen-reproduzierbarkeit">Gewalt im Zeitalter ihrer virtuellen Reproduzierbarkeit</a></p> <p><a href="https://videogametourism.at/content/zur-faszination-virtueller-gewalt">Zur Faszination virtueller Gewalt</a></p> <p><a href="https://videogametourism.at/content/militainment-militaerisch-popindustrieller-komplex">Militainment</a></p> <hr> <p><strong>Warum wir spielen</strong></p> <p><a href="https://videogametourism.at/content/house-cards-spielen-als-normalitaet">Spielen als Normalität</a></p> <p><a href="https://videogametourism.at/content/100-stunden-lebenszeitverschwendung">100 Stunden Lebenszeitverschwendung</a></p> <p><a href="https://videogametourism.at/content/nabelschau-was-mache-ich-hier">Was mache ich hier</a></p> <hr> <p><strong>Wie kann man anders über Spiele reden/schreiben, so dass auch das Publikum des Kulturmontag etwas davon hat? Vielleicht so</strong></p> <p><a href="https://videogametourism.at/content/workification-warum-computerspiele-immer-mehr-wie-arbeit-werden">Workification: Wenn Spielen zur Arbeit wird</a></p> <p><a href="https://videogametourism.at/content/idealer-leser-im-todeslabyrinth">Idealer Leser im Todeslabyrinth</a></p> <p><a href="https://videogametourism.at/content/game-fotografie-kunst-und-copyright">In-game-Fotografie: Kunst und Copyright</a></p> <p><a href="https://videogametourism.at/content/dayz-bricht-mir-das-herz">Zombies, kalter Krieg und meine Großmutter</a></p> <p>(Unter dem Tag <a href="https://videogametourism.at/tags/essay">Essays</a> findet sich übrigens noch mehr Lesestoff aus über vier Jahren VGT.)</p> <hr> <p><strong>Und aus leider gegebenem Anlass:</strong></p> <p><a href="https://videogametourism.at/content/spiegel-macht-bloed-warum-auch-positive-computerspiel-artikel-nicht-besser-sind-als-ihr-ru-0">Das Problem mit Artikeln/Sendungen, die Videospiele nur halb ernst nehmen</a></p> <hr> <p>Nein, das ist kein Angriff auf die ORF-Kollegen, die für diesen Beitrag verantwortlich sind. Stattdessen ist dies ein Aufruf, das inzwischen gar nicht mehr so junge und obskure Medium auf Augenhöhe wahrzunehmen. Denn zu sagen gäbe es darüber wahrlich genug - auch von Institutionen wie dem Kulturmontag.</p> </div> <div class="field field--name-field-tags field--terms"> <ul class="terms"> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/meinung" hreflang="de">Meinung</a></li> </ul> </div> Fri, 02 Dec 2016 15:41:04 +0000 Rainer Sigl 708 at https://videogametourism.at Marketingblase Games: Der Hype schadet allen https://videogametourism.at/content/marketingblase-games-der-hype-schadet-allen <span>Marketingblase Games: Der Hype schadet allen</span> <div class="field field--name-field-teaser-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/6_7.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/6_7.jpg?itok=EvfTkuWX" width="700" height="187" alt> </a> </div> <span><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span><time datetime="2016-06-22T14:28:29+02:00" title="Mittwoch, 22 Juni 2016 - 14:28">Mi. 22 Jun 2016 - 14:28</time> </span> <div class="field field--name-field-teaser field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><em>Dieser Artikel erschien zuerst für den <a href="http://derstandard.at/2000039215075/MarketingfeuerwerkE3-Der-Games-Hype-schadet-allen">Standard</a></em></p> <p>Es ist der größte PR-Zirkus der Branche: Wenn einmal im Jahr tausende Pressevertreter und Branchenmenschen nach LA zur größten digitalen Entertainmentmesse E3 strömen, schlägt die Stunde der Jahrmarktschreier. In bombastischen Shows werden kommende Spiele und Hardware präsentiert und Spielerinnen und Spieler global in Aufregung versetzt. Die E3 ist die große Bühne der Hochglanzabteilung eines Mediums, das längst zum weitaus größeren Teil abseits davon stattfindet. Nicht, dass sich die hier angekündigten AAA-Schlachtschiffe nicht verkaufen würden, doch in der täglich wachsenden Flut an Spielen auf allen möglichen Endgeräten sind die millionenschweren AAA-Konsolen- und PC-Titel längst zum Wasserkopf geraten. Wer die E3 als die Hauptbühne des Mediums Videospiele sieht, glaubt auch, dass "Transformers 3" stellvertretend fürs Medium Film stehen kann. Dass auch Independent-Produktionen hier auf die Bühne geholt werden, geht im medialen Dauerbombardement mit Riesentiteln da immer noch etwas unter.</p> </div> <div class="field field--name-field-paragraph-element field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Schon immer ist der Hype wesentlichster Bestandteil des Hochglanzmarketings der Branche. Kein großes AAA-Spiel kommt ohne sorgfältig choreografierte PR- und Marketingstrategie auf den Tisch, und so ist – polemisch formuliert – die E3 auch eigentlich keine Veranstaltung, bei der es um Spiele geht, sondern ums Marketing. Logisch: Die Spiele, die hier präsentiert werden, sind zum Teil noch Monate oder sogar Jahre von ihrer Fertigstellung entfernt. Jegliche Kritik an diesen Produkten ist somit von vornherein sinnlos und auch nicht vorgesehen. Es geht um Emotionen, genauer gesagt: um das Anstacheln von Vorfreude, Begeisterung und Hoffnung.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">Wer die E3 als die Hauptbühne des Mediums Videospiele sieht, glaubt auch, dass "Transformers 3" stellvertretend fürs Medium Film stehen kann.</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Die E3 ist somit der große Kickoff zum wohlbekannten <a href="https://i.imgur.com/PXssBwp.png">Hype-Kreislauf</a> : "Wow, dieser Trailer sieht fantastisch aus! Wird vorbestellt! Oh, das fertige Spiel hält nicht, was versprochen wurde? Nie wieder falle ich darauf herei … Moment mal, gerade wird der Nachfolger vorgestellt … Wow, dieser Trailer sieht fantastisch aus!" Wer jetzt abgeklärt meint, dass dieser Zyklus sich nicht endlos wiederholen ließe, sei auf die ganz großen Franchises der Branche, von "Assassin’s Creed" über "Call of Duty" bis hin zu bombastisch angekündigten, dann aber sang- und klanglos untergegangenen Möchtegernblockbustern wie "Evolve" oder "The Order: 1886" verwiesen.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/1_12.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/1_12.jpg?itok=P0KGW4vT" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ein Problem dabei ist, dass Spielerinnen und Spieler, geblendet vom Trailer-Bling, sich zum Pre-Order-Kauf von Produkten hinreißen lassen, die nicht halten, was versprochen wurde; ein anderes, dass die mediale Großoffensive der millionenschweren AAA-Industrie einerseits über Gebühr Widerhall und Berichterstattung findet und andererseits, auch deshalb, das Bild des Mediums in der breiteren Öffentlichkeit geprägt wird. Die E3 ist eine Marketingshow für ein spezielles, nach wie vor sehr lukratives Mainstreamsegment der Spielerschaft, das eher durch Fortsetzungen funktionierender Erfolgsrezepte zu begeistern ist und sich dadurch auch als Mittelpunkt der Spielewelt bestätigt sieht.</p> <p>Natürlich muss man sich als Journalist hier selbst an der Nase nehmen: Was an Artikeln über E3-Pressekonferenzen verfasst wird, hat sich, das liegt in der Natur der Veranstaltung sowie der aktuellen Branche, je nach Ausformung und Blattlinie mal mehr, mal weniger den Disclaimer "unbezahlte Werbeeinschaltung" verdient. Besonders Fachmedien geraten in Messezeiten zum fast kommentarlosen Sprachrohr der Games-PR. Dass dennoch kein Medium, das sich ernsthaft oder sogar nur oberflächlich mit Videospielen beschäftigt, auf Berichterstattung dazu verzichten kann, ist der cleveren Inszenierung und dem Showcharakter des choreografierten Hypes geschuldet. Für an Spielen interessierte Leserinnen und Leser steht vor allem in Berichten zum Hypezirkus E3 längst nicht ein im besten Fall objektiver Informationsgewinn im Zentrum, sondern das Erlebnis der Begeisterung. Enthusiasmus ist ein fantastisches Gefühl, und die bekanntlich schönste Freude ist die Vorfreude.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/2_11.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/2_11.jpg?itok=rsn4uhxW" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Für viele Spielerinnen und Spieler beginnt die Freude am Spiel bereits lange, lange vor Release: im Genießen des Trailers, im Sammeln all der "exklusiven" Informationshäppchen bis hin zu Previews, die wohldosiert in der Zeit zwischen Ankündigung und Release die Leserschaft erreichen. So gesehen ist es kein Wunder, dass Nachrichten von Verspätungen, wie jüngst beim heiß ersehnten "No Man’s Sky", bei einigen besonders Enthusiasmierten zu geradezu <a href="http://derstandard.at/2000037874063/No-Mans-Sky-verspaetet-sich-Entwickler-erhaelt-haufenweise-Morddrohungen">bizarren Überreaktionen führen.</a> Diese enge, überaus emotionale Bindung an ein Produkt, das weltweit erst eine Handvoll Menschen tatsächlich gesehen haben, ist das Ergebnis dieser Symbiose aus ausgeklügelter PR und einem Journalismus, der sich, mal historisch, mal ökonomisch bedingt, allzu oft zum Gehilfen dieser Verkaufsstrategien macht - und einer Kundschaft, die Produkte und Hersteller nicht selten in Glaubenskriege verstrickt.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">Nichts ist schneller vergessen als der Blockbuster, der gestern erschienen ist </div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>So ist es kein Zufall, dass der absolute Großteil an Berichterstattung über Videospiele erfolgt, solange das Produkt noch nicht existiert. Schon immer waren PR-Artikel wie Trailer, "geleakte" oder "exklusive" Videos oder Informationen über die – mal ehrlich - ins Lächerliche wachsende Zahl von Special-Editions Thema des Special-Interest-Games-Journalismus; wenn dann der fühlbare Ewigkeiten herbeigesehnte Release endlich da ist, ist mit Veröffentlichung eines “Tests”, möglichst direkt am Tag des Erscheinens, abrupt Schluss mit dem Schreiben über das jeweilige Spiel. Nichts ist schneller vergessen als der Blockbuster, der gestern erschienen ist – da gibt es nur wenige Ausnahmen, darunter jene, die ihre Strategien auf Community-Bindung oder laufende Weiterentwicklung legen. Auch medial omnipräsente Spiele wie “The Division” verschwinden rapide von der Bildfläche und den Monitoren, <a href="http://githyp.com/the-divisions-player-count-has-dropped-93-percent-since-launch/">sobald sie veröffentlicht wurden.</a> Dann kommt aber meist ohnedies schon der nächste Hype.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/3_12.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/3_12.jpg?itok=PKfxAUZk" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Bis auf die Rezension ganz am Ende dieses Verwertungszyklus ist zumindest in der Special-Interest-Presse so gut wie jede Zeile zu kommenden großen AAA-Spielen Teil des PR-orchestrierten Hype-Kreislaufs. Und exakt die Rezension, diese letzte, wenn nicht "objektive", so zumindest nicht von Verkaufsdenken getragene Form des Schreibens über diese Spiele, ist besonders involvierter Spielerseite ein Dorn im Auge, wenn sie nicht gefällt: Wenn’s mal keine Morddrohungen sind, machen sich besonders gehypte Fans eben daran, <a href="http://derstandard.at/2000037163806/Uncharted-4-Tausende-Fans-unterschreiben-Petition-gegen-einzig-negative-Wertung">Petitionen gegen schlechte Kritiken zu starten.</a> Dass sich Publisher schützend vor Journalisten stellen, <a href="http://derstandard.at/2000037203480/Schlechte-Spielwertung-Stellaris-Herausgeber-verteidigt-Journalisten">die wegen ihrer Kritiken bedroht werden,</a> ist ein irritierendes Spezifikum des Mediums und direktes Resultat dieser Hype-Ökonomie.</p> <p>Die unter anderen Voraussetzungen geführten Diskussionen um "ethics in game journalism” haben aus bekannten Gründen kaum an diesem Problem gekratzt. Dabei wäre es ganz zentral: Dass der von der Branche minutiös geplante Hype und die Freude an der eigenen Begeisterung ganz zentral als Teil des emotionalen Videospiel-Erlebnisses konsumiert und von der berichtenden Presse gefordert werden, führt das andererseits verlangte "objektive” Berichten über Spiele ad absurdum. Als journalistisches Medium dabei "nicht mitzumachen”, sprich: sich ausschließlich auf die Beurteilung des fertigen Produkts zu beschränken, würde aber die jeweiligen Medien wegen Leserschwunds all jener, die sich durch den Hype unterhalten lassen wollen, rasch in die Bedeutungslosigkeit führen - ein wirkliches Dilemma.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/4_12.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/4_12.jpg?itok=X-GL475Y" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Die Opfer dieser verzwickten Abhängigkeitsverhältnisse sind daneben nicht nur die Spielerinnen und Spieler, die sich beides - medial vermittelte Freude an der Vorfreude und Objektivität - erwarten, sondern auch der ständig wachsende Pool an kleinen und mittelgroßen Spielen, die in den hochgehenden Wogen der multimedialen PR-Schlacht untergehen. Dabei begeistern auch Spiele ganz ohne PR-Budget und hochgekochten Hype-Zirkus vermehrt die Spielerinnen und Spieler. Das beweisen heute megaerfolgreiche Reihen wie “Dark Souls”, die ihre Wurzeln völlig außerhalb des Hypes als Geheimtipp begonnen haben, aktuelle Titel wie "Stardew Valley” oder auch der ohne großes Marketing höchst erfolgreiche Multiplayer-Hit "Rocket League”, der vor kurzem die 100-Millionen-Dollar-Grenze durchbrochen hat. "</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">Auch Spiele ganz ohne PR-Budget und hochgekochten Hype-Zirkus begeistern Spielerinnen und Spieler</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Dass Electronic Arts auf der Hype-Bühne E3 übrigens publikumswirksam verkündet hat, "das nächste Rocket League” finden zu wollen, http://www.ign.com/articles/2016/06/15/e3-2016-how-ea-plans-to-discover-the-next-rocket-league entbehrt nicht einer gewissen Ironie: 2011, als die Macher des Indie-Spiels bei EA vorstellig wurden, war dem Publisher das rasante Raketenfußball <a href="https://twitter.com/mrcoreydavis/status/743247211576754177">nur ein Achselzucken wert gewesen</a>.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/5_10.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/5_10.jpg?itok=_kUiJts2" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Man sieht: Im Hype der eigenen Megafranchises verschwinden auch lukrative kleinere Titel sang- und klanglos. Vielleicht sollte man - im Interesse von Spielerinnen und Spielern, aber auch der Branche selbst - die Lautstärke wieder einmal etwas reduzieren und sich statt auf die immer hysterischer werdende Produktion kreischender Vorfreude aufs Wesentliche konzentrieren: gute Spielideen umzusetzen und das emotionale Verhältnis, das Spielerinnen und Spieler ihrem Medium in außerordentlichen Ausmaß entgegenbringen, nicht nur von einem Hype zum nächsten zu begleiten.</p> <p>Denn letztlich hat die ewig erneuerte Vorfreude auf das revolutionäre Erlebnis, das einem für die Zukunft versprochen wird, auch einen Nachteil: Irgendwie erscheint einem das mit irgendwann ebenso großer Vorfreude erwartete Spiel, das man soeben in die Hand bekommen hat, nur als unzureichender Ersatz für all die uneingelösten Versprechen der Zukunft.</p> </div> </div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--terms"> <ul class="terms"> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/meinung" hreflang="de">Meinung</a></li> </ul> </div> <section class="comments"> <h2 class="comments__title">Kommentare</h2> <div class="comments__list"><article data-comment-user-id="0" id="comment-3114" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Ralf Wallmann</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mi. 29 Jun 2016 - 10:31</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3114#comment-3114" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3114#comment-3114" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Ist da jemand Beleidigt?</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ließt sich wie ein Kommentar von jemanden der Beleidigt ist das er nicht zur E3 von irgendjemanden eingeladen worden ist und der dazu meint alle Spieler beleidigen zu müssen da er Ihnen abspricht denken zu können.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="7" id="comment-3118" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">So. 3 Jul 2016 - 19:41</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3118#comment-3118" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3118#comment-3118" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Und das liest sich wie ein</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Und das liest sich wie ein Kommentar von jemandem, der's nicht so hat mit sinnerfassend lesen. :)</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-3160" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Christian Kuhrmann</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Do. 1 Sep 2016 - 23:40</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3160#comment-3160" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3160#comment-3160" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Jein...</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Also es stimmt, dass die Spielebranche von PR-Journalismus dominiert wird. Dieses Problem hat aber auch die Automobilbranche und der Politik-Journalismus.<br> Selbst auf den größten deutschen Games Seiten findet man von Redakteuren oder der Community Qualitätsjournalismus. Die Seiten werden aber nicht so gebaut, dass diese Texte genauso viel Aufmerksamkeit bekommen, warum? Weil die Unternehmen dann dicht machen könnten.</p> <p>Ich bin der Meinung wir haben guten Spielejournalismus. Dazu zähle ich auch diesen Blog hier. Man muss sich leider eine Weile durch die Hype-Texte durchwühlen. Außerdem kann man den Publishern nichts vorwerfen. Es ist ihr Job etwas ins richtige Licht zu rücken. Es ist natürlich eine Show, denn wir reden hier von einem Unterhaltungsmedium.<br> Ich für meinen Teil will einen Actionstreifen als Film oder Spiel pompös präsentiert bekommen. Ich würde ja auch nicht in den Zirkus gehen und mich aufregen weil, da so viel Feuereffekte verballert werden oder die Musik so laut spielt (Mal abgesehen davon, dass ich anti-Zirkus bin). Unterhaltung soll immer Emotionen wecken. Mal mehr mal weniger.</p> <p>Mir fehlt hier leider ein Verbesserungsvorschlag oder eine vernünftige Problemanalyse. Das war jetzt nur ein langes rumreiten auf einem Problem, dass schon lange da ist. Schade. Bin ich auf diesem Blog nicht gewohnt. Trotzdem Danke für die sonst so gute Arbeit. Weitermachen!</p> </div> </div> </article> <nav class="pager py-4" role="navigation" aria-labelledby="pagination-heading--2"> <h4 id="pagination-heading--2" class="visually-hidden">Seitennummerierung</h4> <ul class="pager__items js-pager__items list-none flex justify-center gap-1"> <li class="pager__item pager__item--first"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur ersten Seite"> <span class="visually-hidden">Erste Seite</span> <span aria-hidden="true">« Erste</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--previous"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur vorherigen Seite" rel="prev"> <span class="visually-hidden">Vorherige Seite</span> <span aria-hidden="true">‹ Zurück</span> </a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Gehe zu Seite 1"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>1</a> </li> <li class="pager__item is-active [&amp;_a]:bg-black/10"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=1" title="Aktuelle Seite" aria-current="page"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>2</a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Gehe zu Seite 3"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>3</a> </li> <li class="pager__item pager__item--next"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur nächsten Seite" rel="next"> <span class="visually-hidden">Nächste Seite</span> <span aria-hidden="true">Weiter ›</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--last"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur letzten Seite"> <span class="visually-hidden">Letzte Seite</span> <span aria-hidden="true">Letzte »</span> </a> </li> </ul> </nav> </div> </section> Wed, 22 Jun 2016 12:28:29 +0000 Rainer Sigl 683 at https://videogametourism.at Kulturkritik vs. Kritikkultur https://videogametourism.at/content/kulturkritik-vs-kritikkultur <span>Kulturkritik vs. Kritikkultur</span> <div class="field field--name-field-teaser-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/kk.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/kk.jpg?itok=3FUae0A_" width="700" height="187" alt> </a> </div> <span><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/joe-koeller" class="username">Joe Köller</a></span> <span><time datetime="2016-04-06T18:21:53+02:00" title="Mittwoch, 6 April 2016 - 18:21">Mi. 6 Apr 2016 - 18:21</time> </span> <div class="field field--name-field-teaser field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Es ist ganz angenehm, sich neben der deutschsprachigen Spielkritik auch in der englischsprachigen zu bewegen. Das Publikum ist größer, ebenso der Kreis an Kritiker_innen, wodurch eine größere Vielfalt von Themen abgedeckt wird, die auch stets neuen Gesprächsstoff liefern. Was ich aber im Vergleich zu hiesigen Gegebenheiten am meisten daran genieße, ist, dass sich in der Community längst ein Konsens gebildet hat, über gewisse Themen einfach nicht mehr reden zu müssen. Anstatt sich ewig mit banalen Grundsatzdiskussionen aufzuhalten, wird lieber an der eigenen Methodik und dem eigenen Fokus gearbeitet.</p> <p>Hierzulande sind wir da wohl noch ein paar Jahre hinterher, wenn selbst eine so absurde Frage, wie die, ob kulturelle Kritik von Videospielen sinnvoll ist, erst noch groß diskutiert werden muss. Das Thema der Woche gabs dabei zunächst als Facebook-Diskussion, die zu einem Artikel führte, der zu einem Video führte, das zu einem Podcast führte. Keiner dieser einzelnen Schritte ist an dieser Stelle wirklich von Belang, sondern allein die Tatsache, dass eine solche Sinnfrage überhaupt das Potenzial hat, zur großen Kontroverse zu werden.</p> </div> <div class="field field--name-field-paragraph-element field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Die offensichtliche Antwort lautet: Ja, es ist sinnvoll Videospiele, ebenso wie alle anderen Medien auch, auf kultureller Ebene zu durchleuchten. Gerade Menschen, die sich gerne für frei von jeglicher Ideologie halten, sollten Interesse daran haben, zu erfahren was den Medien, die sie konsumieren, zugrunde liegt, anstatt fehlende Objektivität oder vermeintliche Zensur zu beklagen. Da es aber wenig Sinn macht, an derartig unsinnigen Positionen kopfschüttelnd zu verzweifeln, folgen einige Klarstellungen zu Funktion und Stellung kultureller Kritik. Eine Einschaltung im öffentlichen Interesse, präsentiert vom kulturkritischen Serviceblog Video Game Tourism.</p> <p><strong>Kulturelle Spielkritik im deutschsprachigen Raum gibt es so gut wie nicht</strong></p> <p>Beschwerden, dass kulturelle Kritik überhand nimmt oder andere Texte verdrängt, sind hanebüchener Unfug. Mag sein, dass es jetzt mehr davon gibt als früher, oder sie wenigstens prominenter in Erscheinung tritt, aber “mehr” ist ein relativer Begriff. Nach meiner Beobachtung als Auslandskorrespondent für Critical Distance sind mindestens 90% der deutschsprachigen Texte zum Thema Reviews oder Previews. Oder Messeberichte, oder News, oder Interviews mit Entwickler_innen, oder sonst irgendwas, das darauf abzielt, Leuten zu sagen, welche Spiele sie sich jetzt und in Zukunft anschauen sollen.</p> <p>Daran ist auch erstmal nichts verkehrt. Mit Kurzrezensionen zu Indie- und Gamejam-Spielen, die sonst kaum Aufmerksamkeit bekommen, füllt etwa Superlevel eine enorm wichtige Nische, von den großartigen Artikeln mal ganz abgesehen (für ihre Arbeit <a href="https://www.patreon.com/superlevel?ty=h">solltet ihr sie übrigens entlohnen</a> ). Dass es aber nur wenige Seiten und Autor_innen gibt, die sich explizit der Bedeutung von Spielen anstatt deren Qualität widmen, bleibt eine gewaltige Lücke im lokalen Diskurs. Wie es möglich ist, sich durch die wenigen Ausnahmen gestört, ja sogar angegriffen zu fühlen, ist unerklärlich, beziehungsweise unfreiwillig komisch, wenn gleichzeitig der Vorwurf kommt, Kritiker_innen wären ja nur auf der Suche nach etwas, über das sie sich aufregen können.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/kk2.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/kk2.jpg?itok=JcRFDKUZ" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><strong>Kulturelle Spielkritik interessiert sich keineswegs nur für Plot und Charaktere</strong></p> <p>Sicher wird die Geschichte von Spielen mittlerweile auch in traditionellen Reviews detailliert behandelt - schlicht und einfach weil sich herumgesprochen hat, dass das eigene Publikum diese keineswegs nur als schmückendes Beiwerk empfindet -, aber wer dahinter die Agenda von Kritiker_innen vermutet, die Spielen ihren literaturwissenschaftlichen Stempel aufdrücken wollen, enthüllt mangelndes Verständnis für die Analyse von Spielen. Gerade die Mechanik, die hier angeblich zu kurz kommt, stellt ein hochgradig bedeutungsgeladenes Element dar, an dem sich Kritiker_innen mit Vergnügen abarbeiten.</p> <p>Das beste Beispiel für derartige Analysen ist die Arbeit von Chris Franklin, der in seinen Video-Essays haargenau betrachtet, wie die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=WRL8Srn01E8">Systeme von Spielen</a> ineinander greifen, welche Annahmen in den Parametern ihrer Simulation stecken und welches Weltbild dadurch transportiert wird. Dabei geht er genauer auf Mechaniken, Interfaces und die von ihnen erzeugten Spielkreisläufe ein, als das ein Launch Day Review je könnte.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><strong>Kulturelle Spielkritik macht bei allen Spielen Sinn</strong></p> <p>Aus der Tatsache, dass Mechaniken Bedeutung transportieren, ergibt sich in Folge, dass sich kein Spiel dem Rahmen kultureller Kritik entzieht. Ein Spiel muss sich nicht so explizit bedeutsam präsentieren wie etwa <em>The Beginner’s Guide</em>, damit Interpretation Sinn macht. Es ist sogar unmöglich, ein Spiel so abstrakt und simpel zu gestalten, dass kein Interpretationsspielraum bleibt. <em>Tetris</em> gilt oft als Beispiel für pure Mechanik ohne Bezug zur Realität, und lässt sich doch von Janet Murray mühelos als Darstellung der vielen Belastungen eines gestressten Alltags lesen.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">Selbst wenn der Inhalt des Spiels beiseite gelassen wird, bleibt es dennoch als gesellschaftliches Phänomen relevant.</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Selbst wenn der Inhalt des Spiels beiseite gelassen wird, bleibt es als gesellschaftliches Phänomen relevant: der kommunistische Designerfolg, der vom Kapitalismus vereinnahmt wird und dort den Konsum der Unterhaltungselektronik antreibt. Wenig überraschend ist der Anwendungsbereich kultureller Kritik ebenso breit wie der des Kulturbegriffs selbst. Spieleentwicklung hat <a href="https://www.jacobinmag.com/2013/11/video-game-industry/">eine eigene Kultur</a>, einzelne Spiele haben <a href="http://meminsf.silverstringmedia.com/ownership/community-and-consent-property-rights-in-online-roleplay/">eine eigene Kultur</a>, und manche Spielefans haben leider auch <a href="https://www.theguardian.com/technology/2014/sep/01/how-to-attack-a-woman-who-works-in-video-games">ihre ganz, ganz eigene Kultur</a>. Und die kritikwürdig zu nennen, wäre sicherlich noch untertrieben.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><strong>Kulturelle Spielkritik will nichts verbieten</strong></p> <p>Genau genommen ist es ein Fehler, sich überhaupt auf diese Zensur-Rhetorik einzulassen, ist es doch die besorgte Gamerschaft selbst, die bemüht ist, die kreative Freiheit von Entwickler_innen einzuschränken. Etwa wenn diese sich entschließen, eine Transperson in <a href="http://www.gamasutra.com/view/news/269735/Opinion_The_Siege_of_Dragonspear_drama_and_the_video_game_community.php">ihr Spiel einzubauen</a>. Oder eine Siegespose wieder <a href="http://www.polygon.com/2016/3/28/11321138/overwatch-tracer-pose-removal">daraus zu entfernen</a>. Oder die Nachladedauer einer Waffe <a href="http://www.eurogamer.net/articles/2013-07-24-cod-developer-appeals-for-calm-after-death-threats">um Milisekunden zu verändern</a>. Es erfordert schon einen spektakulären Willen zur Realitätsverweigerung, in kultureller Kritik eine Form von Zensur zu sehen, während dergleichen reaktionäre Tobsuchtsanfälle als traurige Normalität der Spieleentwicklung gelten.</p> <p>Aber um es klarzustellen: Kritiker_innen geht es nicht um Verbote. Außerhalb absurder Verschwörungstheorien haben wir auch gar nicht die Möglichkeit, auf Spiele derartigen Einfluss auszuüben. Was die Beschäftigung mit einem Thema wie Sexismus leistet, ist darzulegen wie dieser, teils unbewusst, teils unhinterfragt, teils ungehemmt in Spielen reproduziert wird. Eine solche Analyse der transportierten Werte und Ideologien ermöglicht einerseits einen bewussteren Medienkonsum, aber auch einen bewussteren Schaffensprozess. Wenn sich Entwickler_innen tatsächlich dazu entschließen, eine Design-Entscheidung aufgrund solcher Kritik zu überdenken, so nur, weil sich ihnen durch diese eine neue Perspektive anbietet, die ihre eigenen Überlegungen bereichert. Es ist kein Zeichen von Zwang, sondern eines gelungenen Dialogs zwischen Spielkritik und Spieleentwicklung.</p> <p>Solange solche Änderungen in ihrem Sinn sind, werden sie von der selbsternannten Zielgruppe nicht nur geduldet, sondern auch <a href="https://www.change.org/p/electronic-arts-we-want-a-dlc-that-changes-the-last-minutes-of-the-game">vehement eingefordert</a>. Aber wehe, sie sieht sich dadurch aus dem Zentrum des Universums gerückt, dann wird die Vision der Entwickler_innen, die eben noch wegen jedes verbliebenen Bugs als unfähig beschimpft wurden, ganz schnell für heilig erklärt. Dieselbe Heuchelei steckt übrigens in der Forderung, doch neue Spiele zu finden oder zu machen anstatt immer an ihnen herumzukritisieren.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/kk3.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/kk3.jpg?itok=KoZP52_Q" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><strong>Kulturelle Spielkritik liefert keine simplen Antworten</strong></p> <p>Eigentlich sollte auf der Hand liegen, dass bei der nuancierten Beschäftigung mit komplexen Themen selten ein einfaches Ja oder Nein herauskommt, aber für mehr bietet das binäre Weltbild vieler Menschen offenbar keinen Platz. Sie fordern klare Urteile: Ist Spiel/Figur/Element X jetzt sexistisch oder nicht? Nun, das lässt sich eben nicht immer sagen. <em>Bayonetta</em> stellt etwa einen <a href="http://www.themarysue.com/bayonetta-in-smash-bros/">bekannten Streitfall</a> dar: Einerseits geht die Figur im eigentlichen Spiel selbstbewusst und selbstbestimmt mit ihrer eigenen Sexualität um, andererseits ist dies eben doch keine eigene Entscheidung, sondern Teil der Gestaltung durch den männlichen Designer Hideki Kamiya, aber auch der Designerin Mari Shimazaki. Wie diese beiden Seiten gegeneinander abzuwägen sind, dazu gibt es unterschiedliche Ansichten.</p> <p>Die Existenz solch unterschiedlicher Standpunkte, die ohne Kenntnis der dahinterstehenden Überlegungen widersprüchlich scheinen, dient oft als Rechtfertigung für absoluten Relativismus, also die Annahme, dass sich sowieso jeder Standpunkt irgendwie erfolgreich argumentieren lässt. Leider ist diese Annahme absoluter Unfug. Nur weil sich etwa darüber streiten lässt, wie genau gesunde Ernährung aussieht - auch weil das, wie bei sexistischen Spielelementen, stark vom individuellen Kontext abhängt - heißt das noch lange nicht, dass sich deswegen auch Fliegenpilze als Superfood verkaufen lassen. Sich einem breiten theoretischen Kontext zu verweigern, ist keine legitime Gegenposition, sondern schlichte Ignoranz.</p> <p><strong>Kulturelle Spielkritik macht Spiele nicht kaputt</strong></p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">Wer einerseits kulturell ernstgenommen werden will, kann nicht andererseits den Schutzschild der Belanglosigkeit beanspruchen.</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Die Devise lautet: Ruhe bewahren! Auch wenn kulturelle Kritik auf den ersten Blick seltsam anmuten mag, lässt sie sich doch mit Leichtigkeit umgehen oder mit dem eigenen Spielkonsum in Einklang bringen. Entgegen landläufiger Meinungen ist es durchaus möglich, geöffnete Artikel wieder zu schließen, ohne sie erst lesen zu müssen, und auch das Abgeben eines Kommentars ist nicht verpflichtend. Nach entsprechendem mentalen Training lässt sich der Sog des Kommentarbereichs sogar gänzlich vermeiden.</p> <p>Wer trotz sämtlicher Vorsichtsmaßnahmen mit kultureller Kritik in Berührung gekommen ist, mag befürchten nun mit Spielspaßverlust konfrontiert zu sein, aber auch hier handelt es sich um einen Irrglauben. Auch nach Belastung durch kulturelle Kritik lassen sich Lieblingstitel uneingeschränkt genießen, lediglich im Falle verdrängter Zustimmung kann es zu Zähneknirschen und Schulterzucken kommen. Hier schaffen Kommentare wie “Objektiv falsch!“ und <a href="https://videogametourism.at/content/wer-spiele-mit-ist-ja-nur-ein-spiel-verteidigt-tut-ihnen-keinen-gefallen">“Ist ja nur ein Spiel”</a> kurzzeitige Linderung.</p> <p><strong>Kulturelle Spielkritik ist. Punkt.</strong></p> <p>Lange, lange Jahre wurde gefordert, Spiele mögen doch endlich als Kunstform und Kulturgut anerkannt werden. Nun endlich ist das Ziel erreicht, und das hat seine Folgen. Wie jedes andere Medium auch werden Spiele zum Gegenstand vielfältiger Betrachtungen, feuilletonistischer wie akademischer, feministischer wie postkolonialistischer. Nun, da mit dem Medium intensiver ins Gericht gegangen wird, wird aber auch der Wunsch nach der handzahmen Testerei früherer Zeiten laut. Aber beides auf einmal geht halt nicht. Wer einerseits kulturell ernstgenommen werden will, kann nicht andererseits den Schutzschild der Belanglosigkeit beanspruchen.</p> <p>Je früher also Spieler_innen Frieden mit kultureller Kritik schließen, oder gar lernen, dieser offen gegenüberzustehen, desto besser für alle Beteiligten. Dann müssen wir diese Unterhaltung in Zukunft hoffentlich auch nie wieder führen.</p> </div> </div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--terms"> <ul class="terms"> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/meinung" hreflang="de">Meinung</a></li> </ul> </div> <section class="comments"> <h2 class="comments__title">Kommentare</h2> <div class="comments__list"><article data-comment-user-id="0" id="comment-3027" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Manuel</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mi. 6 Apr 2016 - 20:40</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3027#comment-3027" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3027#comment-3027" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Richtig so!</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Oh ja! Wie richtig. Leider ist es vielen Spielern schwer beizubiegen, dass Spiele eben nicht nur als Spiele, sondern auch als Kulturprodukt zu betrachten sind und dabei eben auch mal durchaus auf einer Metaebene oder abseits der puren Spielmechanik zu betrachten sein sollten. Zuletzt gab es etwa einen herrlich kritischen wenn auch nicht gänzlich objektiven Text bei Gamona, der sich Tom Clancys Division zur Brust und nahm und beleuchtete welche Funktion und negatives Bild dabei eigentlich das Tun der Spieler abgibt. Leider mochten viele Spieler dies nicht wirklich begreifen oder die Ebene der Debatte zur Kenntnis nehmen.</p> <p><a href="http://www.gamona.de/games/tom-clancy-s-the-division,keine-helden-sondern-menschenverachtende-toetungsmaschinen:article.html">http://www.gamona.de/games/tom-clancy-s-the-division,keine-helden-sonde…</a></p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-3028" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Jimm Bimm</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Do. 7 Apr 2016 - 02:38</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3028#comment-3028" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3028#comment-3028" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">"Wenn sich Entwickler_innen</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>"Wenn sich Entwickler_innen tatsächlich dazu entschließen, eine Design-Entscheidung aufgrund solcher Kritik zu überdenken, so nur, weil sich ihnen durch diese eine neue Perspektive anbietet, die ihre eigenen Überlegungen bereichert. Es ist kein Zeichen von Zwang, sondern eines gelungenen Dialogs zwischen Spielkritik und Spieleentwicklung."</p> <p>Kann man aber leider nicht so pauschal sagen. Wenn beispielsweise in einem Spiel der Schieberegler für die Brustgröße fehlt, ist mir das egal, allerdings fehlt dieser nur in der Version für den Westen. Kann man das dann einen gelungenen Dialog und Einsicht nennen? Denn scheinbar wurde hier keine Design-Entscheidung überdacht, sondern einfach nur für den Westen abgeändert. In der Originalversion blieb er schließlich bestehen.</p> <p>Das wesentlich bessere Beispiel dürfte aber wohl DoAX sein. Hier sagt der Entwickler selbst, dass er es nur noch mit starken Änderungen in den Westen bringen würde, wenn überhaupt. Also hier verzichtet man lieber komplett auf eine Veröffentlichung (alle vorherigen Titel der Reihe sind hier erschienen) weil man sich der Kritik erst gar nicht aussetzen möchte. Bzw. würden sie Design-Entscheidung nur dazu überdenken, um der Kritik zu entgehen.</p> <p>Also für mich jedenfalls zwei Fälle die Zeigen dass es da eben auch Zwang gibt, sehr deutlich sogar.</p> <p>Ansonsten stimme ich aber überein. Kulturkritik an Videospielen kann durchaus sehr bereichernd sein, neue Blickwinkel bieten und sehr interessant sein. Ich relativiere das so sehr, weil sich diese Art von Kritik, in den deutschen Medien, immer noch (zumindest gefühlt) zum größten Teil auf ein paar wenige Themen beschränkt. </p> <p>Auch bin ich zugegebenermaßen sehr genervt von Autoren, die klassische Videospielkritiken herab würdigen. Dabei sehe ich beide Arten von Kritik gern. Die meisten möchten halt in erster Linie wissen, was ein Spiel zu bieten hat und treffen ihre Kaufentscheidungen nicht auf Grund von Metadiskussionen. Und wenn es Interpretations- oder Diskussionsbedarf zu einem bestimmten Aspekt oder Hintergrund des Spiels gibt, dann soll das auf jeden Fall stattfinden. Aber die Autoren dürfen nicht anfangen (bzw. sollten wieder aufhören) sich gegenseitig ans Bein zu pinkeln, weil sie der Überzeugung sind die sinnvolleren Texte über ein Spiel geschrieben zu haben.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="7" id="comment-3029" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Do. 7 Apr 2016 - 11:03</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3029#comment-3029" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3029#comment-3029" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">@Jimm Bimm: Du irrst dich,</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>@Jimm Bimm: Du irrst dich, wenn du glaubst, die Entscheidungen von Nintendo und den DOAX-Publishern sei wegen irgendwelcher "Kulturkritik" erfolgt. Dass das von einem PR-Heini von DOAX tatsächlich so verkauft wurde, ist nichts als eine perfide Rechtfertigungsstrategie, die für Empörung, Klicks und somit mehr Hype sorgen sollte - letztlich entscheiden Firmen strikt nach wirtschaftlichen Überlegungen. </p> <p>Und die sind in diesem Zusammenhang folgende: Wenn das "family friendly" Unternehmen Nintendo seine in Japan ohne Bedenken vorhandenen Brustregler für den (West-, aber hauptsächlich: US-)Markt weglässt, dann sicher nicht, weil sich ein paar hipsterige Feministinnen in Games-Feuilletons drüber beschweren würden, sondern weil im Gegenteil dann der Backlash von ganz anderer, wirklich einzig relevanter Seite kommen würde: den ganzen Müttern, Omas und Onkeln, die ihren Kids ein Spielzeug mit "Schmuddelkram"-Stigma nicht kaufen würden. Wie die Moral der USA gegenüber Sex im Entertainment ist, muss ich wohl nicht näher erläutern - es ist irgendwie absolut absurd, für dieses gesellschaftliche Klima von Prüderie, das zurückgeht bis auf die Puritaner und den GESAMTEN Entertainmentbereich betrifft, ausgerechnet ein paar "Kulturkritiker"zur Verantwortung zu ziehen.</p> <p>In beiden Fällen ist der Begriff der Zensur oder des Zwangs schlechthin lächerlich - im Gegenteil, es waren in BEIDEN Fällen freiwillige Entscheidungen. Dass diese aufgrund der Einschätzung einer möglichen Kontroverse getroffen werden, ist absolut nix Besonderes. Wenn ich eine Süßigkeit namens "Kanaken-Schoko" irgendwo in Estland ohne Probleme und als der allgemeinen Auffassung nach harmlosen "Scherz" auf dem Markt habe, dann nach Deutschland expandieren will und bemerke, dass ich dort auf Ablehnung und Unverständnis stoße - ist das dann auch Zensur, wenn ich das Zeug freiwillig umbenenne, damit es sich verkauft? Wenn man jedes Eingehen auf kulturelle und gesellschaftliche Normen als Zwang begreift, hat man in einer globalisierten Welt, in der der Konsens herrscht, dass gute Geschäfte eher ohne Vor-den-Kopf-Stoßen des Gegenübers ablaufen, einfach weniger Erfolg.<br> Im Gegenteil finde ich sogar, dass sowohl Nintendo als auch Play Asia hier feige und OHNE Zwang wirtschaftliche Überlegungen über ihre kreativen Werke stellen. Wenn's provoziert und deshalb von manchen Empörten boykottiert wird - und damit meine ich nicht KritikerInnen, sondern KäuferInnen und Nicht-KäuferInnen, jawohl, genau jene im schlechtesten Fall maximal Games-fernen Omas, Mütter, Politiker und Boulevardjournalisten, die so etwas dann erst schlecht informiert zum Skandal machen - wenn also diese Provokation erfolgt, müssten beide Hersteller mit der Reaktion und den eventuellen Einbußen halt einfach gleichmütig leben bzw ihre Werke verteidigen. Dass sie dies nicht tun, sondern einerseits schlicht lokalisieren (Nintendo), andererseits sich diese Diskussion nicht antun wollen und stattdessen hintenrum anderen die Schuld geben, ist eigentlich schon aussagekräftig genug.</p> <p>Nochmal: "Zwang" durch eine kritische Betrachtung, "Zensur" deshalb, weil eine Meinung geäußert wird, noch dazu in sowieso kleinen Zirkeln? Beides Unsinn. Wer sein Werk nicht durch die Meinung anderer beurteilt sehen will, darf es nicht veröffentlichen. Wer seine Spiele so gestaltet wie DOAX muss auch dazu stehen und die Ablehnung aushalten - und wenn das nicht der Fall ist, sind nicht jene dran schuld, die was am Spiel auszusetzen haben, sondern die, die feige den Schwanz einziehen und damit zugeben, dass sie keine Argumente haben.</p> <p>Zu deinem Schlussabsatz: Tests wird es immer geben, wie Joe oben schreibt, stellen solche Texte im deutschen Sprachraum bescheidene 90% des Outputs. Die Abwehrhaltung, mit der auf jede Form abseits dieses Zugangs reagiert wird, zeigt, dass sich viele Spieler nach wie vor im Abwehrmodus gegen JEDE Form von wirklicher Kritik an IHREM Medium befinden, wie sie das von jahrelanger Abwehr gegen "Killerspiel"-Empörte gelernt haben. Die Situation hat sich allerdings geändert: Die Menschen, die heute Spiele kritisieren, wissen, wovon sie reden und lieben Spiele. Das heißt aber nicht, dass sie sie deswegen nicht kritisieren dürfen - im Gegenteil. Fundierte und informierte Kritik ist immer eine Form von Wertschätzung, die weit über das bloße Konsumieren hinausgeht.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="10" id="comment-3030" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="10"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/joe-koeller" class="username">Joe Köller</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Do. 7 Apr 2016 - 11:29</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3030#comment-3030" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3030#comment-3030" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Nicht jede unliebsame</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Nicht jede unliebsame Entscheidung der Spieleindustrie lässt sich auf Kritiker_innen zurückführen. Gerade Marketing- Zielgruppen- und Imageüberlegungen sind aller Wahrscheinlichkeit von Marktforschung und Fokustests bestimmt. Dass Kritiker_innen, die im Rahmen ihrer Arbeit ja auch den Markt beobachten, teilweise genau das aussprechen, was am Ende bei solchen internen Überlegungen herauskommt, heißt nicht, dass sie den Prozess irgendwie kontrolliert hätten. Letztlich treffen Firmen solche Entscheidungen immer in Eigenverantwortung, und es sollte klar sein, dass kein Publisher der Welt den Finger rührt wenn es nicht irgendwie auch der Gewinnoptimierung dient.</p> <p>Ich glaube du vermischt da auch viel, wenn du von "Kritik" an diesen Spielen sprichst, die oft eher die Form eines öffentlichen "Ich kauf das nicht" von Games-Persönlichkeiten als von Artikeln über deren Politik annimmt. Vielleicht ist es im weitesten Sinne der Verdienst kultureller Kritik, dass es mittlerweile größtenteils als legitim angesehen wird, so auf bestimmte Inhalte oder Darstellungen zu reagieren, aber dass Entwickler_innen diese tatsächlich meiden liegt eher an der Veränderung des Markts. Gamer sehen sich gerne als einzig legitime Zielgruppe, aber in Wahrheit hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass auch andere Menschen verfügbares Einkommen haben, und es hilfreich wäre diese (auch) anzusprechen.</p> <p>Das Problem mit der angeblichen Überheblichkeit ist, dass sich viele Menschen schon durch die bloße Existenz kultureller Kritik gestört fühlen. Ich persönlich mag, große Überraschung, traditionelle Reviews nicht besonders. Deswegen les ich die halt einfach nicht, und obwohl diese Textsorte so gut wie omnipräsent ist lässt es sich so gut mit ihr leben. Mein Problem ist, dass ich Texte, die mich ansprechen, mit der Lupe suchen muss. Andere regen sich zeitgleich darüber auf, dass in einem Absatz in einem Test am Rande auf ein Thema eingegangen wird, dass sie nicht interessiert. Oder sie suchen sich einen der wenigen, explizit kulturkritischen Texte, extra um sich darüber zu beschweren wie unnötig er sei.</p> <p>Da sind wir wieder bei dieser Sache mit sich ändernden Zielgruppen. Lange Zeit fiel es Gamern leicht "jedem das seine" zu predigen, schließlich war das ihre in Wirklichkeit auch das einzige was produziert wurde. Aber jetzt wo plötzlich auch andere Interessen bedient werden, fühlen sie sich an allen Ecken und Enden benachteiligt. Es ist genauso, wie wenn Leute sich darüber aufregen, dass mit Pride Paraden mal einen Tag im Jahr queere Beziehungen öffentlichen Raum einnehmen dürfen. Wo ist die straight parade? Die findet an den restlichen 364 Tagen im Jahr statt, an denen Heteropaare in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauschen, für die andere Paare angestarrt bis angepöbelt werden.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-3031" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Eugen Pfister</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Do. 7 Apr 2016 - 20:34</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3031#comment-3031" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3031#comment-3031" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Versagen der Wissenschaft?</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ich würde vermuten, dass ein Grund für dieses deutschsprachige Unikum auch im bisherigen Versagen von uns KulturwissenschaftlerInnen liegt, die Valenz von solchen Überlegungen - die im akademischen Rahmen mehr oder weniger selbstverständlich sind - an die Öffentlichkeit zu kommunizieren. Wir lernen an deutschen und österreichischen Unis vor allem möglichst verklausuliert für andere WissenschaftlerInnen zu schreiben. Durch seitenlange Fussnoten und oft unlesbare Satzkonstrukte umgehen wir die Gefahr von vielen verstanden zu werden und uns vor einem großen Publikum bewähren zu müssen. So brauchen wir uns aber auch nicht wundern, wenn unser Erkenntnisstand auf kleine akademische Kreise beschränkt bleibt. Vieles was uns selbstverständlich scheint, erscheint anderen - den meisten - esoterisch und exotisch, da wir uns nie die Mühe gemacht haben es verständlich zu formulieren. Im englischsprachigen Raum ist die Grenze zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit weitaus durchlässiger, was sich unter anderem in einem verbreiteteren Verständnis für kulturwissenschaftliche Perspektiven zeigt.</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="https://spielkult.hypotheses.org" rel="nofollow" target="_blank">Spiel-Kultur-Wissenschaften | Mythen im Digitalen Spiel</a></div> </div> </article> <article data-comment-user-id="7" id="comment-3032" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Do. 7 Apr 2016 - 20:44</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3032#comment-3032" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3032#comment-3032" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Word! Auch ein Grund, warum</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Word! Auch ein Grund, warum ich persönlich dem Akademischen inzwischen eher fern bleibe - man schreibt hauptsächlich für die Schublade.</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="0" id="comment-3033" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Eugen Pfister</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 8 Apr 2016 - 10:08</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3032#comment-3032" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Word! Auch ein Grund, warum</a> von <a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3033#comment-3033" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3033#comment-3033" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">He!</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ich hatte jetzt doch etwas vehementeren Widerspruch erwartet: "Nein, sag das nicht, Ihr könnt das noch ändern! Es ist nicht zu spät! Kulturwissenschaft ist relevant! Wie sollen wir sonst die Welt und Gesellschaft in der wir leben verstehen lernen?"</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="https://spielkult.hypotheses.org" rel="nofollow" target="_blank">Spiel-Kultur-Wissenschaften | Mythen im Digitalen Spiel</a></div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-3099" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Mag. phil. Dr. phil. Jürgen Mayer</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mi. 11 Mai 2016 - 19:52</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3032#comment-3032" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Word! Auch ein Grund, warum</a> von <a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3099#comment-3099" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3099#comment-3099" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">VideoGameTourism</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Und wofür wird hier geschrieben? Für die Manipulation welcher Öffentlchkeit - mit welcher einseitigen Ideologie der vorgeblichen Kulturindustrien und nachgeblichen Artefakte?<br> Ist es nicht vielmehr so, dass Sie "persönlich dem Akademischen inzwischen" deshalb "eher fern" bleiben, weil dort derlei populistischen Vereinfachungen und naturalistischen Stehsätzen der Ursache, "Identität" und Wirkung, wie sie hier ausschließlich gefordert zu sein scheinen, halt doch noch nicht überall einfach so nicht widersprochen wird - die angebliche Intellektualtiät, der akademische Charakter dieses journalistischen Blogs diesbezüglich durchaus auch (noch immer) als das enttarnt werden könnte was er ist, meiner Meinung nach schon immer war, nämlich oberflächlicher, boulevardesker Antiintellektualismus? Dogmatisch.</p> <p>Während im angloamerikanischen Raum dank TED und Co. ohnehin bereits ein Wissenschaftszirkus präsent ist: ein Betrieb der Unterhaltung mit Geist und Kultur verwechselt, damit den Leuten zu sagen wie Sie leben sollen - einer allenthalben medizinalisierten Therapie gleich? Gesundheits- und Sicherheitsdispositiv sei Dank - wie ich als Mensch mit Behinderung tagtäglich am eigenen Leib feststelle. Geist und Kultur nur zwischen Natur und Sport irgendwo noch einen Platz finden.<br> In Deutschland hat vor vielen Jahren ein prominenter Games-Mainstream-Journalist auch mal "mehr Geist" gefordert - und ging danach zu Bigpoint. So ungefähr.</p> <p>-</p> <p>Einmal die Woche wird jetzt hier eine "Mod" besprochen, dann "gibt es" die regelmäßigen "Indie"-Texte, vor allem rund um diverse kommunitaristische (Proto-)Festivals und/oder Events, allesamt ultilitaristisch verbrämt. Das ist das hiesige "Angebot".<br> Außer zu manchen Abstraktionen und "Musik" ohne jegliches Begehren ausgestattet, ausgesprochen sinnlichkeitsfeindlich, geradezu Hoferisch "vernünftig" von einer strammen Rationalität geprägt. Elitär ohne Malteserkreuz, aber trotz allem ja "weltoffen".</p> <p>Es wird keineswegs danach gefragt, warum Videospiele etwa NICHT "schädlich" sein sollen. Was an einer "Gefahr" etwa überhaupt negativ wäre.<br> Nein, stattdessen werden nur die üblichen Platitüden zu Arbeit und Dienstleistungsgesellschaft zusätzlich gelegentlich von sich gegeben. Von Freiheit keine Spur - Medienfeiheit ein Fremdwort, stattdessen immer nur ein Soll, mangelhafte Repräsentation, die Klage von Zwang, Strukturen usw. Nur wer sich hier selbst repräsentiert, danach wird nicht gefragt.</p> <p>-</p> <p>Oben beim Logo findet sich eine Comicfigur die offenbar Sie "repräsentieren" soll. Das ist dann vermutlich Ihre eigene Vorstellung von "Repräsentation", welche in der Folge auf "alle" anderen übertragen werden soll.<br> Eine Idee die ich nur zutiefst menschenverachtend nennen kann, geprägt von einer negativen Beziehung zu allem das dem fremd wäre, anders ist, anders denkt, eine andere Sexualität, Biografie, Körper usw. aufweist - all das wird als Holunder beschrieben, sei unverständlich, "Stuss", mit Ismen und persönlichen Untergriffen zugedeckt, schlicht und einfach fertig gemacht.<br> Sie, und mithin das hier schreibende Ihr, mögt/en "kritisieren" wenn eine "Transperson" im Sinne von "Zensur" entfernt werden soll, aber wer "Frau" oder "Mann" sein darf, "als" dargestellt oder gefühlt werden dürfte, darüber, über dieses "Soll", bestimmt immer noch die sehr einseitige und damit eingeschränkte Wahrnehmung eines Klüngels, bestimmen gleichgesinnte Cliquen. Vor allem über Darstellungen von Frauen - weshalb ich diesen Blog mitsamt all seinen TäterInnen-Opfer-Umkehrungen auch nur zutieft misogyn und sexistisch nennen kann.</p> <p>Und was wäre, wenn Blizzard der anderen Forderung nicht nachgekommen wäre, die andere Darstellung zu entfernen. So wie es Capcom usw. schon von sich aus getan haben - dann wäre "Overwatch" auch irgendwann Opfer dieser Zuschreibungen geworden, aber es ginge absurder Weise ja nicht um "Verbote" oder "Zensur", das wird weit von sich gewiesen...<br> Es ist ein schlechter und schlichter Hohn dieses Narrativ noch so zu verbreiten. Verantwortungslos und selbst "Realitätsverweigerung" ist es sowieso.</p> <p>-</p> <p>Denn mittlerweile erscheint gefühlt fast kein größeres japanisches Videospiel mehr, das für den Westen euphemistisch nicht "verändert" worden wäre, nur die kleineren Nischentitel bleiben von Nintendo und Co. noch unbelastet. Und daran soll keine westliche "Kulturkritik", geschweige denn "Kritikkultur" die Schuld tragen, sondern wieder mal das Games-Publikum selbst, also die gut und gern verhassten "Gamer" mitsamt ihren von TäterInnen-Opfer-Umkerhungen geprägten Toren und Torheiten.<br> Nein, die Probleme beginnen vielmehr schon bei der Nicht-Defintion elemanterer Begriffe wie "Kritik" und "Kultur". Beim bloßen Bezug zur Welt und ihrer Inhalte, egal ob "real" oder fiktional.</p> <p>Seit Jahr und Tag warte ich bis hier wenigstens einmal ein von dieser Norm abweichender Artikel erscheinen darf. Seit Jahr und Tag, Monat um Monat, vergeblich - eine einmalige Politik der Ausgrenzung, welche ich von den Universitäten glücklicher Weise (noch) nicht kenne.<br> So geht es im Rahmen dieses "Fortschritts" leider zu. Und immer weiter.</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="http://almrausch.wordpress.com" rel="nofollow" target="_blank">Antirealistisch "für niemand*" – "gegen" moralische Gewalt…</a></div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-3100" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Do. 12 Mai 2016 - 00:02</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3099#comment-3099" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">VideoGameTourism</a> von <span class="username">Mag. phil. Dr. phil. Jürgen Mayer</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3100#comment-3100" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3100#comment-3100" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Seufz. Der Text stammt nicht</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Der Text stammt nicht einmal von mir, sondern von Joe Köller. So viel mal zum Handfesten.</p> <p>Hier stand zuerst ein schnippischer Kommentar als Antwort auf diesen Rant, den du in deinem Blog u.a. ja unter den schönen Schlagworten "Biologismus, Chauvis, Kapitalistische Verschärfungen, Alltagsfaschismus, Antibürgerliches, Erotophobes, Fremdenfeindlichkeit und Menschenverachtung, Medienressentiments, Opfer- statt TäterInnenrollen" getaggt hast.</p> <p>Den hab ich gelöscht, weil ich dich nicht beleidigen oder ins Lächerliche ziehen will. Ich kann deine emotionale Tirade nicht verstehen. Tut mir leid, dass du dich von dem, was du hier liest, so aufgewühlt siehst. Machs einfach so, wie 99,99999999999999% der Restbevölkerung und ignorier mich einfach, ja? Ist ja nicht so, dass ich hier einen Lehrstuhl für wasauchimmer bekleide, der ultimative Dogmen verkündet, gegen die man sich dann so leidenschaftlich stemmen muss. Kommt mir ungesund vor.</p> </div> </div> </article> </div></div><article data-comment-user-id="7" id="comment-3034" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 8 Apr 2016 - 11:43</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3034#comment-3034" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3034#comment-3034" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Sorryyy</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Sorryyy</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="10" id="comment-3035" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="10"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/joe-koeller" class="username">Joe Köller</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 8 Apr 2016 - 11:55</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3035#comment-3035" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3035#comment-3035" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Relevant ja, aber dass bei</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Relevant ja, aber dass bei der Vermittlung der Geisteswissenschaften viel im Argen liegt lässt sich kaum bestreiten. Gerade wenn ich jetzt daran denke wie im englischen Sprachraum Leute wie Brendan Keogh, Cameron Kunzelman oder Lana Polansky solche Ideen in die Blogszene einbringen oder auch bei großen Seiten diskutieren.</p> </div> </div> </article> <nav class="pager py-4" role="navigation" aria-labelledby="pagination-heading--3"> <h4 id="pagination-heading--3" class="visually-hidden">Seitennummerierung</h4> <ul class="pager__items js-pager__items list-none flex justify-center gap-1"> <li class="pager__item pager__item--first"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur ersten Seite"> <span class="visually-hidden">Erste Seite</span> <span aria-hidden="true">« Erste</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--previous"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur vorherigen Seite" rel="prev"> <span class="visually-hidden">Vorherige Seite</span> <span aria-hidden="true">‹ Zurück</span> </a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Gehe zu Seite 1"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>1</a> </li> <li class="pager__item is-active [&amp;_a]:bg-black/10"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=1" title="Aktuelle Seite" aria-current="page"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>2</a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Gehe zu Seite 3"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>3</a> </li> <li class="pager__item pager__item--next"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur nächsten Seite" rel="next"> <span class="visually-hidden">Nächste Seite</span> <span aria-hidden="true">Weiter ›</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--last"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur letzten Seite"> <span class="visually-hidden">Letzte Seite</span> <span aria-hidden="true">Letzte »</span> </a> </li> </ul> </nav> </div> </section> Wed, 06 Apr 2016 16:21:53 +0000 Joe Köller 665 at https://videogametourism.at Wer Spiele mit "Ist ja nur ein Spiel" verteidigt, tut ihnen keinen Gefallen https://videogametourism.at/content/wer-spiele-mit-ist-ja-nur-ein-spiel-verteidigt-tut-ihnen-keinen-gefallen <span>Wer Spiele mit "Ist ja nur ein Spiel" verteidigt, tut ihnen keinen Gefallen</span> <div class="field field--name-field-teaser-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/unbenannt-1.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/unbenannt-1.jpg?itok=UTTGWi_h" width="700" height="187" alt> </a> </div> <span><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span><time datetime="2016-03-17T21:39:10+01:00" title="Donnerstag, 17 März 2016 - 21:39">Do. 17 Mär 2016 - 21:39</time> </span> <div class="field field--name-field-teaser field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ein bisschen muss man sich schon wundern. Jahrelang haben sich Freunde und Freundinnen des Videospiels eifrig darum bemüht, Argumente für ihr Medium zu sammeln, um dem gesellschaftlichen Vorurteil gegenüber Spielen als peinlichem, vielleicht sogar schädlichem Kinderkram etwas entgegenzuhalten. Die Argumente sind gut: Spiele sind anerkanntes Kulturgut, längst spielen nicht nur männliche Teenager, Spiele “machen klug” und haben, was immer wieder als ultimatives Schlussargument gebracht wird, rein umsatzmäßig alle klassischen Konkurrenten hinter sich gelassen. Kurz: Die Zeiten, in denen man Spiele mit einem wegwerfenden “Ist ja nur ein Spiel” abtun und ignorieren konnte, sind irgendwie vorbei.</p> </div> <div class="field field--name-field-paragraph-element field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Klischees ahoi: Spiele sind “erwachsen” geworden, “in der Mitte der Gesellschaft” angekommen, mehr als “nur Spiele”. Man muss sich meistens weniger genieren, sich als SpielerIn zu outen, hat sich ein gewisses mediales Selbstbewusstsein angewohnt. Spiele, das hat sich herumgesprochen, sind vielleicht gar nicht so doof und schon gar nicht so gefährlich, wie das lange Jahre in reißerischen “Reportagen” (“Killerspieler trainierte in WOW Schulmassaker!”) behauptet wurde. Natürlich gibt es die maximal skeptischen Ahnungslosen noch, natürlich wird auch der niemals nachgewiesene Konnex zu Gewalt immer noch hervorgekramt, aber im Großen und Ganzen kann man sagen: Videospiele haben es geschafft. Sie sind mehr als “nur Spiele”, sie sind ein bedeutsames (Pop-)Medium, dem man Relevanz schlecht absprechen kann. “Ist ja nur ein Spiel”, dieses abfällige Urteil hört man heute selten.</p> <p>Außer wenn man sie so behandelt wie andere Medien auch. Wenn man Spiele, vor allem große, populäre Spiele, über ihre reine Spielhaftigkeit hin untersucht. Wenn man einen Blick auf die Zusammenhänge zwischen ihrer Fiktion und der Realität wirft. Wenn man überlegt, ob und wie ihre oft auch nur unbewusst eingesetzten Themen, Mechanismen, Vorgänge entstehen und wie sie fortwirken. Wenn man sich fragt, wie politisch sie sind. Wenn man dargestellte Motive in einen gesellschaftlichen Kontext setzt. “Ist ja nur ein Spiel” - so hört man dann oft als Antwort. Allerdings nicht vonseiten jener, die mit Spielen nichts zu tun haben, sondern von jenen, die meinen, “ihr” Medium damit in Schutz zu nehmen.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Wenn Spiele auf jenes gedankliche Spielfeld gebracht werden, das in anderen Medien schlicht als “Kritik”, vielleicht als “Diskurs”, möglicherweise auch als “Feuilleton” seit Jahrhunderten selbstverständlicher Verhandlungsort von Literatur, Musik, Philosophie, Theater, Film ist, haben viele Freunde und Freundinnen des Spiels, die jahrelang für dessen Anerkennung gekämpft haben, plötzlich keine Lust mehr. Das von der Gegenseite jahrelang verächtlich vorgebrachte “Ist ja nur ein Spiel” wird defensiv: Man muss aber wirklich nicht so viel in das alles hineininterpretieren, man soll nicht alles so ernst nehmen, man braucht nicht unbedingt so konsequent, nein: verbissen an etwas herangehen, was schließlich “nur” Spaß machen soll.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">“Ist ja nur ein Spiel” hat die Seiten gewechselt und ist das Abwehrargument kritikscheuer Spieler geworden.</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>“Ist ja nur ein Spiel” hat die Seiten gewechselt und ist das Abwehrargument all jener SpielerInnen geworden, denen zwar das “Erwachsenwerden” des Mediums irgendwie recht ist, weil es sie und ihre Medienwahl bestätigt, die aber dann schon die Augen verdrehen, wenn ihr Spaß näher untersucht oder gar kritisiert wird. Diese Abwehr ist erklärbar: In all den Jahren zuvor war jede “Kritik” am Medium immer von feindlicher Seite gekommen - von besorgten Müttern, ahnungslosen Politikern, schlampigen Journalisten, konservativen Medienskeptikern. Zugleich gab es kaum so etwas wie eine Kritik innerhalb des Mediums: Der aus der “enthusiast press” hervorgegangene Gamesjournalismus beschränkte sich bekanntlich auf das “Testen” von Produkten, nicht auf deren Diskussion, Interpretation oder Einordnung in gesellschaftliche oder politische Zusammenhänge - ein gravierender Unterschied zu anderen Medien.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Das führt dazu, dass diese Zusammenhänge auch heute noch, wo diese Art der Kritik, wenn man so will: des Feuilletons, entsteht, schlicht geleugnet werden. Wenn Gareth Damien Martin <em>The Division</em> etwa eine <a href="https://killscreen.com/articles/the-perverse-ideology-of-the-division/">“perverse Ideologie”</a> attestiert, ruft dies sofort den Verteidigungsreflex hervor: Derartige Kritik, so unzählige Einsprüche, schieße übers Ziel hinaus, darum sei es dem Entwickler nicht gegangen, wichtig sei doch vielmehr der Spielspaß, es sei absurd, hier überhaupt so etwas wie eine Ideologie zu unterstellen. “Go back to reading books” lautet einer der Kommentare zu diesem Text. Ein anderer: “This review was nothing more than a way to state your political and moral views. Has nothing to do with the game. It's just a game and nothing more. Made for entertainment. This article is ridiculous.”</p> <p>Dass Popkultur (und in diese Schublade passt <em>The Division</em> zweifellos) so gut wie immer politisch ist, ist den Konsumenten so gut wie jeden anderen Popmediums so sonnenklar, dass eine solche Abwehr schlicht lächerlich wäre. Natürlich spielen Politik, Gesellschaft, Regeln, Konventionen, Zeitgeist, Diskurse in Entertainmentprodukten eine Rolle; umso mehr, wenn sie sich thematisch und inhaltlich so sehr an der Realität orientieren, dass sie einen Near-future-Zivilisationskollaps in einem minutiös nachgebauten New York beschreiben. Da nutzt auch die Beteuerung der Macher nichts, man sei nicht politisch - im Gegenteil: Diese naive Einschätzung beweist noch mehr, mit welcher Wirkmächtigkeit die verwendeten Motive, Themen und Ideologien unbewusst zum Ausdruck kommen.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">Wer Spiele ernst nimmt, muss sie kritisieren, nicht nur feiern und verteidigen.</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Das Absurde an der Klage über diese vielen SpielerInnen zu weit gehende Kritik an “ihrem” Medium ist ja eigentlich, dass sie von Kritikern kommt, die das Medium offenbar ernster nehmen als seine Apologeten. Nur wer Spiele als komplexen Mechanismus aus Handwerk, künstlerischem Wollen und darunterliegender Ideologie - sprich: als stinknormales Kulturprodukt - versteht, kann beginnen, darüber auf einem Niveau zu sprechen, das über “macht Spaß: ja/nein” hinausgeht. Nur wer Spielen selbstverständlich zuspricht, als Ausdrücke spezifischer kultureller und gesellschaftlicher Umstände - sprich: als stinknormale Kulturprodukte - gelten zu dürfen, kann diese Umstände analysieren und sie in den Reigen anderer Medien und somit in jenes Gespräch der Welt mit sich selbst, das letztlich Kultur ist, einordnen. Nur wer das Medium so respektiert, dass er es als mehr als reinen Zeitvertreib, sondern überhaupt als Kulturprodukt begreift, noch dazu als stinknormales, und es dann auch so behandelt, sprich: ohne die gönnerhaften Stützräder des dauernden Verweises auf seine Belanglosigkeit, kann letztlich auch seine Qualitäten schätzen. Wer Spiele ernst nimmt, muss sie kritisieren, nicht nur feiern und verteidigen.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Wer meint, Spiele mit “ist ja nur ein Spiel” gegen Kritik zu verteidigen, erweist ihnen einen schlechten Dienst. Man mag die jeweiligen Kritiken als falsch, dumm oder haltlos ansehen; dann soll man ihnen mit Argumenten begegnen oder sie schlicht ignorieren. Ihnen als “Gegenargument” damit beikommen zu wollen, dass diese Art von Kritik zu hoch gegriffen sei, weil das kritisierte Kulturprodukt “nur ein Spiel” ist, ist ein deprimierender Befund darüber, wie man seine eigene Zeit verbringt. Spiele sind ein stinknormales Kulturgut geworden; wenn sie differenzierte Kritik aushalten, sollte ihr Publikum das auch schaffen.</p> </div> </div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--terms"> <ul class="terms"> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/meinung" hreflang="de">Meinung</a></li> </ul> </div> <section class="comments"> <h2 class="comments__title">Kommentare</h2> <div class="comments__list"><article data-comment-user-id="0" id="comment-3011" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Wolfgang Walk</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 18 Mär 2016 - 13:02</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3011#comment-3011" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3011#comment-3011" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Exzellente Argumentation.</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Exzellente Argumentation. Vielen Dank dafür!</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-3012" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Alice</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 18 Mär 2016 - 13:21</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3012#comment-3012" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3012#comment-3012" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Schwierig</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Stimme dieser Argumentation zu 100% zu. Man möge sich allerdings nur angucken wie Tester und deren Fans mit Spielekritik umgehen und wie viele beispielsweise das Wertungsspektrum ausnutzen. Es gibt nur noch wenige "Profis", die Kritik wichtig finden. Du findest dauernd Tester, die betonen, dass sie objektiv sein wollen....</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-3013" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 18 Mär 2016 - 14:56</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3012#comment-3012" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Schwierig</a> von <span class="username">Alice</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3013#comment-3013" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3013#comment-3013" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Die "Objektivität" ist ja</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Die "Objektivität" ist ja ohnedies bei einem Kulturprodukt nur scheinbar - die ist ein Relikt aus einer Zeit, in der eben das technische "Funktionieren" beurteilt werden konnte. Was ich ja zB im Text gar nicht anspreche, ist die bei KillScreen über dem kritischen Artikel stehende Zahlenwertung. DAS ist dann wirklich absurd, einer differenziert und abseits vom "Funktionieren" argumentierenden Kritik eine Zahl zwischen 1 und 100 gegenüberzustellen.</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="0" id="comment-3014" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Alice</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 18 Mär 2016 - 16:11</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3013#comment-3013" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Die "Objektivität" ist ja</a> von <a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3014#comment-3014" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3014#comment-3014" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">"Die "Objektivität" ist ja</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>"Die "Objektivität" ist ja ohnedies bei einem Kulturprodukt nur scheinbar" - Absolut, umso trauriger, dass vermeintliche Journalisten "objektiv testen" anstrebenswert finden.....</p> </div> </div> </article> </div></div><article data-comment-user-id="0" id="comment-3015" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Tim Rittmann</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 18 Mär 2016 - 16:33</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3015#comment-3015" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3015#comment-3015" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Man kann gar nicht...</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>...oft genug danke sagen. Dankedankedanke. Dass Computerspiele nur dann ernst zu nehmen sind, wenn es einem gerade in den Kram passt, macht mich manchmal wahnsinnig. Die gedankliche Faulheit, die dahinter steckt! Argh!</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="http://www.timrittmann.de" rel="nofollow" target="_blank">Tim Rittmann | journalist: netz | kultur |&nbsp;unterhaltung</a></div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="0" id="comment-3016" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Tim</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 18 Mär 2016 - 16:35</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3015#comment-3015" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Man kann gar nicht...</a> von <span class="username">Tim Rittmann</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3016#comment-3016" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3016#comment-3016" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">fancy</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>oha, das kommt jetzt so visitenkartenmäßig rüber mit der URL. war jetzt nicht so gewollt. was ist denn das für ein plug-in?</p> </div> </div> </article> </div><article data-comment-user-id="0" id="comment-3017" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">ThomasR</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 18 Mär 2016 - 17:08</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3017#comment-3017" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3017#comment-3017" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Interessanter Punkt, aber manchmal ist ein Spiel nur ein Spiel</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Durchaus interessanter Punkt, dass viele Spieler sich nicht genauer mit den Inhalten und Hintergründen auseinandersetzen wollen oder vielleicht auch nicht können. Aber ich bin auch der Ansicht, dass die beschriebenen gesellschaftlichen Kritiker vielleicht hier und da über das Ziel hinaus schießen, weil ein Spiel manchmal wirklich nur ein Spiel ist vom Design her. Gerade in dem noch relativ jungen Medium Spiele stehen heutzutage in den meisten Fällen definitiv Gameplay und Grafik vor einer tiefgründigen Story, insbesondere bei solch großen Produktionen wie The Division, mit denen viel Geld verdient werden soll. Es gibt auch andere Beispiele, bei denen es andersrum ist.<br> Ich gehe schwer davon aus, dass man bei der Entwicklung von the Division zunächst ein Gameplay-Konzept erstellt hat, über das dann eine Story geschustert wurde, die ist dann wie in den meisten Spielen nur Mittel zum Zweck. Es mussten also einige verschiedene Feindbilder her und da hat man eben was halbwegs passendes gesucht. Auf dieser Basis dann etwas gesellschaftstkritisch zu diskutieren, bedeutet für mich nur, dass man das grundlegende Gamedesign und die Vernachlässigung einer tiefgründigen Hintergrundgeschichte kritisiert.<br> Die Entwickler haben ja offenbar gesagt, dass sie im Grunde nichts politisches im Sinn hatten...<br> Letztendlich führt die Diskussion dann wohl dazu, dass bei kommenden Produktionen (vielleicht) besser auf diesen Punkt geachtet wird, damit diese dann auch wirklich als vollständigeres Kulturgut betrachtet werden können.<br> Diverse Autoren kritisieren ja auch, dass sie eben viel zu spät in die Produktion geholt werden, um eben eine Story auf ein Spielekonzept zu schustern, was natürlich niemals so gut sein kann, wie bei einem Spiel, bei dem von Anfang an beides Hand in Hand entsteht (Spielekonzept und Story).</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-3018" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 18 Mär 2016 - 17:58</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3017#comment-3017" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Interessanter Punkt, aber manchmal ist ein Spiel nur ein Spiel</a> von <span class="username">ThomasR</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3018#comment-3018" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3018#comment-3018" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">@ThomasR: Die tatsächlichen</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>@ThomasR: Die tatsächlichen Kritikpunkte an, in dem Fall, Division sind ja eigentlich Nebensache - was Anlass für meinen Text war, ist eben die gebetsmühlenartige reflexhafte Verweigerungshaltung, solche Diskussionen überhaupt zuzulassen. Mit "ist doch nur ein Spiel" wird eben jede weitere Reflexion verweigert - ob die Kritik an Division berechtigt ist, kann dann ja nicht einmal mehr diskutiert werden, dabei wäre DAS ja eigentlich interessant. Sofort zu blockieren, weil "it's just a game", ist eben - siehe oben - eine Geringschätzung des Medioums, das man damit zu verteidigen glaubt.</p> <p>Im Fall von Division könnte man der Kritik ja immer entgegnen: Na und? Dann bildet das Spiel eben das reaktionäre Weltbild von Clancy ab, bzw, vielleicht macht es dieses Weltbild durch seine bewusste Nicht-Thematisierung ja sogar fragwürdig (wäre ja möglich). Stattdessen bekommen jene, die Spaß dran haben, ein schlechtes Gewissen, weil sie meinen, sie würden jetzt gescholten - dabei richtet sich die Kritik an keiner Stelle gegen die Spieler, sondern nur gegen die Macher, die - so eine IMO berechtigte Kritik - hier eben gedankenlos ein krudes, kaum überlegtes Zerrbild von eigentlich politisch brisanten Themen und Motiven zusammenklopfen und sich dann drauf rausreden, sich gar nix dabei gedacht zu haben.</p> </div> </div> </article> </div><article data-comment-user-id="0" id="comment-3019" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Bernardo</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 18 Mär 2016 - 18:37</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3019#comment-3019" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3019#comment-3019" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Entweder alle oder keins</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Erstmal: danke für den Artikel. Ich finde, man kann da ruhig noch weiter gehen: die Antipolitik, die da gegen solche Kritiken aufgeführt wird, ist blind gegenüber ihrem eigenen politischen Aspekt. Denn Spiele, die explizit auf bestimmte Arten und Weisen politische Kommentare abliefern, werden ja von den selben Leuten gehasst und als "schlechte Spiele" bezeichnet. Diese Antipolitik ist in ihrem Kern konservativ, weil sie einen status quo erhalten will.</p> <p>Zudem kann man da auch noch einen anderen Aspekt reinbringen, nämlich die Tatsache, dass Spiele viel öfter als Produkt oder Ware behandelt werden denn als Kulturobjekte. Es gab doch diese seltsame Werbung für GTA V, wo eine Stimme aus dem Off die Innovationen anpries. Chris Franklin hat das vor einer Weile mal in diesem Kontext verarbeitet.</p> <p>Es gab von dem grossartigen Chris Franklin schon vor einer Weile mal ein sehr gutes Video dazu:<br> <a href="https://www.youtube.com/watch?list=UUm4JnxTxtvItQecKUc4zRhQ&amp;v=7_tdztHiyiE">https://www.youtube.com/watch?list=UUm4JnxTxtvItQecKUc4zRhQ&amp;v=7_tdztHiy…</a></p> <p>@ThomasR: So funktioniert das nicht, finde ich. Entweder wir können alle Spiele, alle Filme usw. politisch analysieren, oder keins. Nur weil die Entwickler sagen, sie wollten nicht politisch werden, und weil sie sich keine besondere Mühe bei der Story gegeben haben, heisst das nicht, dass (zumal wenn Tom Clancy draufsteht) so ein Spiel nicht eine zutiefst politische Message haben kann. Der Punkt an Kritik ist ja eben, dass sie sich unabhängig macht von Fragen wie "was wollte uns der Autor damit sagen", aber auch "was genau passiert jetzt im Gehirn eines Spielers, wenn er das spielt". Weil es geht ja überhaupt nicht darum, ein endgültiges Urteil "gut/schlecht" über ein Spiel zu fällen. Was vielleicht ein Aspekt an diesem grundsätzlichen Missverständnis sein mag, warum Spieler solche Kritiken so persönlich nehmen (und ja, die Tatsache, dass Kill Screen an Punktevergaben festhält, läuft da total kontra und ist komplett bescheuert).</p> <p>Kritiken in diesem Sinne sollen eine Diskussion anstossen und ermöglichen, nicht eine Kaufentscheidung. Sie sollen eine neue Perspektive auf ein bekanntes Kulturprodukt geben, so dass ich Kritiken auch mit Gewinn lesen kann, wenn ich das Spiel gar nicht spiele oder schon durchgespielt habe. Das ist die klassische Aufgabe des Feuilletons - selbst eine eigene Unterhaltung zu sein, nicht bloss Produktinformationen verbreiten.</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-3020" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 18 Mär 2016 - 20:13</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3019#comment-3019" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Entweder alle oder keins</a> von <span class="username">Bernardo</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3020#comment-3020" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3020#comment-3020" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">https://www.youtube.com/watch</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=GxZuq57_bYM">https://www.youtube.com/watch?v=GxZuq57_bYM</a></p> </div> </div> </article> </div><article data-comment-user-id="0" id="comment-3021" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">ThomasR</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Fr. 18 Mär 2016 - 20:58</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3021#comment-3021" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3021#comment-3021" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Kritik immer möglich...</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ich würde nochmal ergänzen wollen zu meinem vorherigen Beitrag.... ich denke schon, dass jedes Spiel gleichermaßen kritisiert werden kann, aber frag mich, wie sinnvoll die Kritik sein kann bzw. was man sich davon erhofft. Spiele wie Fangen oder Verstecken sind auch einfach nur Spiele, die kann man lang und breit analysieren, muss man aber nicht. Bei Spielen wie Cowboy und Indianer oder 'Familie spielen' gibt's aber im Gegensatz vielleicht wirklich was, was tiefgründiger ist und über das man sich unterhalten könnte. Ähnlich seh ich das auch bei Videospielen....</p> <p> Einerseits für die Entwickler, das eine oder andere verändern zu müssen und besser machen zu müssen, wozu auch die klare Positionierung bei angesprochenen Themen gehören könnte. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass die sich eben gar nicht so klar positionieren wollen, um eben keine Leute anzugreifen und damit Kunden zu verlieren.<br> Andererseits geht es hier ja offenbar um die kritische Auseinandersetzungen mit den Spielern, die wahrscheinlich (muss man ja leider sagen) oft nicht die hellsten Sterne am Himmel sind und von der Seite her wenig Konstruktives zu erwarten ist, insbesondere im deutschsprachigen Web. Bei den üblichen Mainstream-Spielen dürfte das ganz besonders gelten. Bei Spielern von Titeln wie This war of Mine und ähnlichen dürfte es schon eher zu sinnvollen Auseinandersetzungen kommen, wenn man alleine schon auf entsprechende Kommentare in den 'News' zu dem Spiel achtet, dann ist da meistens mehr sinnvolles zu lesen als bei Shootern.<br> Dann gibt es sicherlich auch Spieler, die durchaus geistig in der Lage wären, in eine Diskussion sinnvoll einzusteigen, die aber spielen, um eben abzuschalten und nicht ihr Game ausdiskutieren wollen, weil im Endeffekt auch recht wenig für sie die dabei rauskommt, grad im Inet, wo meistens nur Trolle unterwegs sind.</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-3022" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Sa. 19 Mär 2016 - 00:21</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3021#comment-3021" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Kritik immer möglich...</a> von <span class="username">ThomasR</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3022#comment-3022" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3022#comment-3022" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">@ThomasR: Ich widerspreche</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>@ThomasR: Ich widerspreche dir nicht darin, dass manche Spiele mehr hergeben in Sachen differenzierte Analyse als andere. Tetris auf spätkommunistische Ideologie zu untersuchen oder bei Flappy Bird nach Spuren des Vietnamtraumas zu graben sind Unternehmungen, die man mit ein bisschen mehr Recht als unnötige Gehirnakrobatik abtun kann.</p> <p>ABer, zur Erinnerung: Anlass dieses Texts ist die Verweigerungshaltung, über ein Spiel wie The Division nachzudenken. Ein Spiel, das in einem 1:1 nachgebauten New York spielt, Szenen von Katrina und 911 motivlich aufnimmt, von einer Seuche erzählt, die durch Dollarnoten zum Hauptkampftag des Kapitalismus unters Volk kommt und dazu führt, dass Schläferagenten der US-Regierung auf eigene Faust gegen ein Potpourri aus realen "Unterschichten" und traditionell gewerkschaftlich organisierten öffentlich Bediensteten nachempfundenen Feinden zu Felde ziehen.</p> <p>Wenn auf eine derartige Steilvorlage für Interpretation die naive Antwort vonseiten des Herstellers kommt, man sei "nicht politisch" und "nur ein Entertainmentprodukt", ist das schon mal der erste Lacher, der zweite bleibt einem dann aber angesichts der in weiten Teilen zum Abnicken dieser Chuzpe überbereiten Spielerschaft im Hals stecken. Es gibt wohl kaum ein politischeres Spielsetting aktuell - und bei diesem soll dann die treuherzige Kritikabwehr mit "Ist ja nur ein Spiel" auch gelten.</p> <p>Anderes Beispiel: Als ich vor kurzem mal die Feststellung auf Twitter traf, dass es "etwas über das Verhältnis von Far Cry Primal zu seinem Thema aussagt", dass die Venus von Willendorf (im Original eine Handbreit hoch) darin als fünf Meter großes steinschleuderndes Monstrum vorkommt, wurde mir zum Teil mit genau diesem "Es ist ja nur ein Spiel" höchst emotional widersprochen - dabei war diese Aussage noch nicht einmal Kritik, sondern nur eine eigentlich banale Beobachtung: Klar sagt ein absichtlich nach historischer Vorlage in ein Spiel eingebautes Ding in diesem Kontext "etwas" aus - nämlich meiner Ansicht nach einen Hang zur effekthascherischen Dekoration. Aber da war die Diskussion schon wieder aus - nach Ansicht mancher Gamesverteidiger war das schon zu überkritisch an ein Produkt herangegangen, das ja nur der Unterhaltung zu dienen hat und durch diese Beobachtung ungerecht geschmälert würde. </p> <p>Diese Mentalität ist ermüdend. Drum: Ja, es gibt sicher Spiele, bei denen die große Analysekeule überflüssig ist. Aber es sind die allerwenigsten.</p> </div> </div> </article> </div><article data-comment-user-id="0" id="comment-3023" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Bernardo</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Sa. 19 Mär 2016 - 08:53</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3023#comment-3023" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3023#comment-3023" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">This War of Mine</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><blockquote><p>dass die Venus von Willendorf (im Original eine Handbreit hoch) darin als fünf Meter großes steinschleuderndes Monstrum vorkommt</p></blockquote> <p>WHAT? Das ist ja total gaga. (Wo wir grad bei zu weit gehenden Interpretationen sind: ich hege ja den leisen Verdacht, das ganze Steinzeitszenario diente dazu, dass die Macher mit superrassistischen Bildern wie aus einem italienische Splatterfilm operieren konnten, ohne sich wie bei den Vorgängern dem entsprechenden Vorwurf aussetzen zu müssen, weil sind ja Steinzeitmenschen. Man muss Parzingers "Kinder des Prometheus" nicht gelesen haben, um den schrägen Widerspruch zwischen "authentisch" rekonstruierter Sprache und Kannibalismus, Schamanentum usw. komisch zu finden)</p> <p>Übrigens, ThomasR, finde ich es auch interessant, dass Du This War of Mine als ein Gegenbeispiel bringst. Du hast sicher recht, dass Spieler an so ein Spiel bewusster rangehen, aber gerade bei TWoM (und anderen Titeln wie z.B. Papers, Please) habe ich eine kritischere Auseinandersetzung vermisst. Ich hatte den Eindruck, einige Rezensenten hatten sich so sehr nach Spielen gesehnt, die eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem Thema suchen, dass sie die dann unkritisch abgefeiert haben.</p> <p>TWoM aber arbeitet auf einer zweifelhaften Quellengrundlage (eine der Hauptquellen für das Spiel war ein anonymer Text über die Belagerung von Sarajevo, der in verschiedenen Versionen im Netz rumgeistert) und mit bestimmten Klischees über das "Überleben im Krieg", wo bei der Spieler "harte" Entscheidungen treffen muss: beklaue ich das arme alte Ehepaar, das sich nicht wehren kann und dann verhungern wird, um meinem kranken Freund zu helfen? Tatsächlich zeigen aber andere Quellen und ethnologische Untersuchungen, dass in Sarajevo die Menschen zusammenrückten und sich halfen; dass versucht wurde, ein rudimentäres Kulturleben aufrechtzuerhalten, um eben nicht auf das nackte Überleben zurückgeworfen zu sein uvm. Ich habe vor einiger Zeit eine sehr gute Bachelorarbeit darüber gelesen, wie TWoM versucht "Authentizität" herzustellen (in den Berufungen auf die Quellen (v.a. literarisch verarbeitete Tagebücher), in den vielen grafischen und spieltechnischen Anspielungen auf Sarajevo (ein erwachsenen Spielern medial wohlvertrautes Ereignis) bei gleichzeitiger Behauptung einer überhistorischen Gültigkeit usw.; der Autor nannte das "Authentizitätsfiktion". In diesem Bereich könnte auch die Kritik stärker ran. Stattdessen kommentierte Kill Screen: "War as it really is".</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-3024" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">ThomasR</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Sa. 19 Mär 2016 - 10:58</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3024#comment-3024" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3024#comment-3024" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">mein Fazit</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Mein Fazit aus der ganzen Diskussion ist, dass Games in jeder Hinsicht noch ein sehr junges Medium sind und erst seeeeehr langsam erwachsen werden. Das geht von Entwicklern, die sich erst langsam trauen müssen, tiefgründigere Themen zu behandeln, über Kritiker, die anfangen müssen mehr als nur die technische Seite und die oberflächliche Story zu kritisieren, bis zu den Spielern, die auch anfangen sollten, sich ernsthafter mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aller Anfang ist schwer....</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-3025" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Moritz</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 21 Mär 2016 - 18:55</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3025#comment-3025" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3025#comment-3025" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">mehr als ein videospieleigenes Symptom</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ich mag nun klar zu kulturpessimistisch eingestellt sein, aber für mich spiegelt sich hier lediglich wieder was uns täglich in allen Medien verfolgt - es gibt kaum noch interesse an ernsthafter Reflexion, daran sich mit Stoffen nicht nur oberflächlich auseinanderzusetzen und vor allem auch sein eigenes Schaffen stetig zu hinterfragen...wir scheinen schlicht in einer Welt zu Leben in der es wichtiger scheint zu "funktionieren" denn zu "leben", in der man sich von drängenden Fragen lieber ablenkt oder mit einfachen Antworten begnügt, anstatt sich um eine zumindest kontingente Antwort zu bemühen. Der Aufstieg rechter Parteien (und rechter Rhetorik in etablierten Pateien) in allen Teilen Europas zeichnet hier doch ein sehr deutliches (und düsteres) Bild fürchte ich...und wird leider von den meisten Medienschaffenden mit noch mehr Spektakel (weiß denn zB. heute auch nur irgendjemand annähernd was in jener Nacht in Köln tatsächlich passiert ist?) beantwortet. </p> <p>Insofern sind Spiele inzwischen sicherlich ein "stinknormales Kulturgut", leider ist es differenzierte Kritik nicht mehr.</p> </div> </div> </article> <nav class="pager py-4" role="navigation" aria-labelledby="pagination-heading--4"> <h4 id="pagination-heading--4" class="visually-hidden">Seitennummerierung</h4> <ul class="pager__items js-pager__items list-none flex justify-center gap-1"> <li class="pager__item pager__item--first"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur ersten Seite"> <span class="visually-hidden">Erste Seite</span> <span aria-hidden="true">« Erste</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--previous"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur vorherigen Seite" rel="prev"> <span class="visually-hidden">Vorherige Seite</span> <span aria-hidden="true">‹ Zurück</span> </a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Gehe zu Seite 1"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>1</a> </li> <li class="pager__item is-active [&amp;_a]:bg-black/10"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=1" title="Aktuelle Seite" aria-current="page"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>2</a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Gehe zu Seite 3"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>3</a> </li> <li class="pager__item pager__item--next"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur nächsten Seite" rel="next"> <span class="visually-hidden">Nächste Seite</span> <span aria-hidden="true">Weiter ›</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--last"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur letzten Seite"> <span class="visually-hidden">Letzte Seite</span> <span aria-hidden="true">Letzte »</span> </a> </li> </ul> </nav> </div> </section> Thu, 17 Mar 2016 20:39:10 +0000 Rainer Sigl 662 at https://videogametourism.at Zum traurigen Zustand der Spielkritik https://videogametourism.at/content/zum-traurigen-zustand-der-spielkritik <span>Zum traurigen Zustand der Spielkritik</span> <div class="field field--name-field-teaser-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/unbenannt-2_0.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/unbenannt-2_0.jpg?itok=BMqsJouD" width="700" height="187" alt> </a> </div> <span><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span><time datetime="2015-12-19T20:34:27+01:00" title="Samstag, 19 Dezember 2015 - 20:34">Sa. 19 Dez 2015 - 20:34</time> </span> <div class="field field--name-field-teaser field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ein Destructoid-Artikel von Laura Kate Dale mit dem Titel <a href="http://www.destructoid.com/the-best-new-ips-of-2015-327259.phtml">“The best New IPs of 2015”</a> sorgt für Aufregung. Und das zu Recht. Ein paar Gedanken zum Zustand der Kritik.</p> <p>Dass ein Text über “neue Spiele” des Jahres diese schon im Titel als “IP” (IntellectualProperty) bezeichnet, wäre schon der erste Grund zum Augenrollen, doch der Anlass für das laute Grollen im Netz steht weiter unten im Destructoid-Artikel. Zu <em>The Beginner’s Guide</em>, das Dale in diese Liste mit aufnimmt, schreibt sie:</p> <p><em>Just make sure to complete it within your Steam refund window, as there are legitimate reasons to want to return this game after purchase.</em></p> </div> <div class="field field--name-field-paragraph-element field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Also schnell durchspielen, damit man noch Zeit hat, das kurze Spiel umzutauschen. Kein Wunder, dass sich auf Twitter erste Proteste vor allem vonseiten von Indie-Games-Entwicklern zeigen. Die gerade für die Macher kurzer Spiele fatale Refund-Politik von Steam geht diesen nämlich an die Existenz. Dass im Rahmen einer “Best of”-Liste scheinbar dazu aufgerufen wird, das kurze Spiel mal eben durchzulaufen und dann zu retournieren, ist aber gar nicht Hintergrund dieses Satzes. Immerhin sind da ja die mysteriösen “legitimate reasons”.</p> <p>Ein wenig Aufregung später wirft Dale diese Ergänzung nach:</p> <p><em>To clarify the above statement regarding refunds, while I view this game as a work of fiction, and recommend people play it as such, many players view the narrative as an accurate work of non fiction.</em></p> <p><em>If you fall into the camp that view this as non fiction, an aspect of the narrative implies that the content is stolen wholesale from another developer. While I paid for the game and believe doing so is a morally acceptable action, what I wish to make clear is that if players disagree with my reading of the narrative and feel I reccomended them an experience they didn't morally agree with, there is a financial way to back out of that purchase.</em></p> <p><em>This is not an encouragement to back out of payment due to length, but simply me pointing out that if you finish the game and believe the narrative to be non fiction, and if you believe that you purchased stolen goods, there is a way to avoid your money remaining with that developer in this very specific case.</em></p> <p><em>My initial vague comment was an attempt to avoid a major spoiler for the narrative, but has unfortunately left the reasons for my recommendations open to wider interpretation</em></p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Hat Dale <em>TBG</em> nicht verstanden? Die Fiktion des “Essay-Spiels” (c <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/games/the-beginner-s-guide-fuer-pc-und-mac-im-test-a-1057532.html">Benedikt Frank</a> ), nämlich das Werk eines anderen zu zeigen, nicht zu durchschauen, ist ein Armutszeugnis für jemanden, der sich beruflich mit Popkultur und somit letztlich mit Fiktion auseinandersetzt. Doch selbst wenn wir gern annehmen, dass Dale selbst die Fiktion identifiziert hat - das schreibt sie ja in ihrer Klarstellung -, bleibt ihre verständnisvolle Parteinahme für jene, die <em>TBG</em> als “non fiction”, also als Realität, interpretieren wollen, mehr als peinlich.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-marginalie paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-marginalie field--type-string-long field--label-hidden field__item">Das gibt es in keinem anderen Medium: Die Kritiker stellen sich auf die Seite der Anspruchslosen</div> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Für all jene empörten Spieler, die nach Wredens kurzer Satire zum Schluss kämen, diese sei gar nicht fiktiv und er habe tatsächlich die Spiele seines Freundes Coda ohne dessen Wissen hier verkauft, müsse doch die Refund-Politik aus moralischen Gründen als Ausweg genannt werden, argumentiert Dale. Das sind die “legitimen Gründe”, warum eine Rückgabe sogar prominent im Artikel angesprochen wird: Der böse Davey Wreden des Off-Kommentars verdient den das SPiel so Interpretierenden zufolge das Geld nicht - und wenn erzürnte Konsumenten das fordern, sei die ausdrückliche (und sonst nirgends erfolgende) Nennung der Refund-Option ja irgendwie Service am Leser.</p> <p>Klar, Menschen, die ein Werk nicht verstehen, auszulachen und ihnen vorzuhalten, sie würden “es” halt einfach nicht checken, ist fragwürdig. Aber das Gegenteil ist es umso mehr: Du hast das nicht verstanden und bist deswegen aufgewühlt? Hol dir zumindest das Geld zurück, damit der böse Mann wenigstens nichts daran verdient, dass du das Spiel ganz gespielt hast! Bei anderen Kulturprodukten - Büchern, Filmen, Platten - wäre so etwas absurd. Doch in einem Medium das sich von vorn bis hinten so sehr seinem Produktcharakter verpflichtet sieht, in dem die “Der Kunde ist König”-Mentalität so stark ist, in dem sich unironisch “Konsumentenrevolten” herausbilden, weil das Selbstverständnis eben eines des Konsums von Produkten, mehr: von “Intellectual Property” ist, stellen sich wie hier anscheinend sogar jene, die als “Kritiker” gelten, auf die Seite der Anspruchslosen. Ja, es ist die Schuld des Machers, wenn die Käufer am Ende etwas falsch verstehen - wieso ist das auch so kompliziert?</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Noch einmal: <em>The Beginner’s Guide</em> nicht toll zu finden, ist kein Makel. Es nicht zu “verstehen” natürlich ebensowenig. Auch es “falsch” zu verstehen, ist okay und durchaus im Sinne des Erfinders. Aber wie peinlich, erbärmlich und deprimierend ist es, statt einer Diskussion dieses Themas einen Verweis auf die “Geld zurück”-Garantie zu geben?</p> <p>Es gibt zu wenig Diskussion im Spielejournalismus, zu wenig Kritik, zu wenig Analyse und Interpretation. Die Produkte werden gehypt, jedes Infofetzelchen wird in “News” und “Preview”-Exclusives abgefeiert, als wäre die begleitende Presse ein bezahlter Zweig der Branchen-PR. Dazu gehören “Launch-Events”, “Pressereisen” und “Release-Day-Reviews”, in denen dann - meistens - das letzte Wort über die Spiele gesprochen wird. Das ist im Sinne der Macher: Die Welle des Hypes soll sich am Release-Tag brechen, um das Maximum zu verkaufen, wenn die Katze noch im Sack ist. Einen Monat später herrscht Grabesstille, es sei denn, es gibt DLC. Und zugleich wird gerade der nächste Hype aufgebaut. Über das Spiel selbst mag man in diesem Zirkus nicht sprechen, denn - huch! - beim geringsten Spoilerchen heulen all jene waidwund auf, die ansonsten für das Konzept der Trigger-Warnung nur Spott und Häme übrig haben. Die Beziehung zwischen dem Fan und dem Konsumprodukt seiner Leidenschaft ist heilig.</p> <p>Natürlich gelten diese Mechanismen auch für andere Popmedien (hallo, <em>Star Wars</em>!), doch in Spielen verschärft sich dieses Versagen der Kritik. Es sei daran erinnert, dass das Verständnis kultureller Produktion als reines “Produkt” nicht jedem Medium von Geburt an derart eingeschrieben ist. Musik war jahrtausendelang eher eine Dienstleistung als ein Produkt, und ihre größten historischen Genies - die Größen der Klassik - haben bei Lebzeiten kein “Produkt” verkauft. Auch Literatur lässt sich abseits ihres Warencharakters beschreiben, und dank Bibliotheken und oft jahrzehntelang weitervererbten oder verschenkten Büchern ist das Werk viel weniger an den “Besitz” gebunden. Theater und sein Erbe, der Film, sind (oder waren es die längste Zeit) an ihre Orte gebunden, und wurden so auch als Gesprächsorte aufgefasst.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Die Diskussion all dieser Kultur war und ist selbstverständlicher Bestandteil ihrer Faszination; zu einem neuen Buch von Houellebecq gehört dessen Diskussion im Feuilleton selbstverständlich dazu, der neue Tarantino existiert nicht nur auf Zelluloid, sondern auch als Gesprächsthema und Anlass zur Stellungnahme, und von den Dylanologen, die jedes noch so verrotzte Tape ihres Gurus ehrfürchtig analysieren, muss man gar nicht anfangen - es reicht schon der Verweis darauf, dass große Platten gesellschaftliche Ereignisse sind, die über das Werk selbst hinausreichen.</p> <p>Wenn ein Spiel solches versucht - und das tut <em>The Beginner’s Guide</em> -, ist der Verweis auf das Rückgaberecht bei Nichtverstehen eine so haarsträubende Kapitulation vor der Ewigkeit des Spielzeughaften des Mediums, dass ich kotzen möchte. Wer ist daran schuld? Wir alle: die Spielemacher, die sich großteils ohne Ambition mit dieser mickrigen Existenz zufriedengeben; die Konsumenten, die sich diese Diskussion aus Angst vor der Schmälerung ihres Konsumgenusses durch “Spoiler” nicht antun wollen und sich am liebsten mit einer fetten Zahl als Grundlage für eine Investition zufriedengeben; und auch die Kritiker, mich eingeschlossen, die sich zu wenig dafür ins Zeug legen, diese Diskussion über ihr Medium auch dann noch zu führen, wenn der Hypetrain schon beim nächsten Produkt angelangt ist. Oder wer traut sich, einen großen, hintergründigen Artikel zu einem Spiel durchzuboxen, das schon zwei Monate alt ist? Wir haben im <a href="https://videogametourism.at/content/gamesradio-fm4-extraleben-stigma-videospiele">fm4 Extraleben</a> vor kurzem die Frage nach dem “Stigma Videospiele” gestellt, und eine Antwort ist auch die: Videospiele werden als Spielzeug abgetan, weil sie es sind. Ihre Macher bauen Spielzeug, das Spielzeugkunden konsumieren und das von Spielzeugtestern zuvor auf Funktionalität und zufriedenstellende Endorphinproduktion abgetestet wurde.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Der Verweis aufs “Geld zurück” und die Verteidigung dieser Frechheit durch das Recht des Kunden auf sein Unverständnis - das ist die Unterwerfung unter das Spielzeughafte, die dieses Medium noch lange, lange Jahre in den Kinderschuhen stecken lässt. Ich habe keine Ahnung, was zuerst kommen muss - die kritische Diskussion? die kritischen Konsumenten? Die Spiele, die Potenzial für diese kritische Diskussion haben, gibt es. Es ist lächerlich, sie einerseits als “best new IP” anzupreisen und im nächsten Atemzug als Leserservice darauf zu verweisen, wie man sie dafür bestraft.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-iframe paragraph--view-mode-default"> </div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--terms"> <ul class="terms"> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/meinung" hreflang="de">Meinung</a></li> </ul> </div> <section class="comments"> <h2 class="comments__title">Kommentare</h2> <div class="comments__list"><article data-comment-user-id="0" id="comment-2973" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Chris</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Sa. 19 Dez 2015 - 21:55</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2973#comment-2973" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2973#comment-2973" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Kritik</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>"Aber wie peinlich, erbärmlich und deprimierend ist es, statt einer Diskussion dieses Themas einen Verweis auf die “Geld zurück”-Garantie zu geben?"</p> <p>Wie erbärmlich ist es eigentlich, einen Menschen für einen "Fehler" aus der riesigen Menge an schlechten "Journalisten" rauszuziehen und an den öffentlichen Pranger zu stellen? Wenn du das als aktuellen Aufhänger für ein größeres Problem genutzt hättest, ja gut - der versuch war wohl da, aber da hättest mehr Beispiele aufführen müssen. (Die es zu genügend gibt.) Vor allem mehr Namen nennen. Und auch mal ein positives Beispiel. So bleibt es bei einem "Ja schaut mal, sie fügt einen Hinweis auf die Geld zurück Garantie an, sie macht die Indies kaputt! - Hängt sie an den Scheiterhaufen!" Und das ist halt total vorbei in meinen Augen - Und hat auch nichts mehr mit der geforderten kritischen Diskussion zu tun. Es gibt nämlich durchaus legitime Gründe dieses Feature der Geldrückgabe zu nutzen: Beispielsweise kann man sich quasi nicht über diese Art von Spielen im voraus informieren ohne sich zu spoilen und damit den Spaß erheblich zu verringern. Was also tun, wenn ich schlicht unzufrieden bin? Den kauf also gar nicht in Betracht ziehen oder dem "Spiel" 'ne Chance geben?(ob ich unzufrieden bin, weil ich es falsch verstanden hab oder nicht, ist da eigentlich auch irrelevant.) </p> <p>Und übrigens: Ich kenne auch Leute, bei denen ist es üblich, dass sie Bücher zurückgeben, wenn sie mit ihnen unzufrieden sind. Ist also nicht so absurd und realitätsfern.</p> <p>Natürlich wirkt der Hinweis unglücklich - aber ganz ehrlich - der Mob übertreibt wieder völligst. Jedenfalls in meinen Augen.</p> <p>tl; dr<br> Kritik zu sehr auf eine Person gebunden, Problem zu grob skizziert, keine kritische Begutachtung der eigentlichen Aussage.</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-2975" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Sa. 19 Dez 2015 - 22:27</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/2973#comment-2973" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Kritik</a> von <span class="username">Chris</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2975#comment-2975" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2975#comment-2975" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">AUf einen "Mob" bezieht sich</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>AUf einen "Mob" bezieht sich meine Kritik nicht, und das ist auch keine Hinrichtung einer einzelnen Person, sondern das Aufzeigen des Zusammenhangs zwischen der ewigen Produkthaftigkeit des Mediums Spiel durch genau solche - in allen anderen Medien völlig überflüssigen - eifrigen verweise auf die Konsumentenrechte, wenn König Kunde etwas nicht passt. Erwähnen das Kritiker bei Literatur-, Film-, Theaterbesprechungen? </p> <p>Klar ist "Geld zurück" ein gutes Konsumentenrecht, aber das als essentiellen Teil einer fucking Zehn-Zeilen-Erwähnung? Nein, ich stelle mich hier nicht zu einem Mob mit Heugabeln, sondern kritisiere eine Grundtendenz des Sprechens über Spiele, die sich hier besonders deutlich zeigt. Dass ich grob skizziere, hat etwas mit der Entstehungszeit des Textes zu tun - knappe 40 Minuten -, denn wie mein Kollege Dennis so schön auf Twitter gesagt hat: Eigentlich bin ich es auch leid, dieses ewige leidige Thema - den miesen Zustand des Spielejournalismus - immer wieder aufzukochen. Wenn sich allerdings so beispielhaft ein Grundproblem dieser Misere zeigt, nehm ich mir heraus, das zu thematisieren, ohne da die ach so vielen anderen Beispiele schon wieder aufzuzählen - falls du öfter mal hier liest, müsstest du bemerkt haben, dass ich schon seit längerem immer wieder mal die Chose behandle.</p> <p>Ich seh übrigens darin gar nicht einen "persönlichen Fehler" ihrerseits, sondern einen Grundmechanismus - Produktdenken von Machern, Käufern und Kritik -, für den ich im Übrigen im Text die Verantwortung auch bei mir selber sehe. </p> <p>tl;dr: Genau dieses verfickte "tl;dr" ist das Problem. Ich hab keine Lust, alles oben einerseits genauer und detaillierter zu machen und mit allen Beispielen anzureichern, um dann in zwei Halbsätzen hier unten für Lesefaule alles wegzukürzen. Sorry, aber nope.</p> </div> </div> </article> </div><article data-comment-user-id="0" id="comment-2974" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Sören</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Sa. 19 Dez 2015 - 22:23</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2974#comment-2974" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2974#comment-2974" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Kinderschuhe</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ich finde das ganze hier irgendwie arg am Ziel vorbei.<br> Es geht doch nie darum, dass Leute die TBG falsch verstehen, ein Recht auf einen Refund haben. Sondern dass Laura Kate Dale sich nicht hinstellen und sagen will: "ich weiß wie TBG zu verstehen ist" und diese andere Interpretation, dass es keine Fiktion sei, falsch ist. Sondern dass es nun mal auch keine Aussagen von Wreden zum Spiel gibt und sie sich nach Release länger mit einigen Leuten unterhalten hat, die auf ihre Empfehlung hin TBG gespielt haben und es als "gestohlenes Werk" verstanden haben, was sie für nicht "unterstützungswürdig" hielten.<br> Und das ist der Punkt, ich habe nach Release z.B. einen sehr langen Podcast von Laura gehört, wo sie über das Spiel geredet hat. Sie hat sich damit umfangreich und interessant auseinandergesetzt.<br> Jetzt hat sie aufgrund des Feedbacks, das sie damals bekommen hat, diesen Refund-Satz mit hingeschrieben.<br> Der Verweis auf "Geld-Zurück" kommt eben nur aufgrund des spezifischen Falls The Beginners Guide, wo eine Anzahl es als Diebstahl aufgefasst hat. Einen ähnlichen Fall gibt es doch gar nicht. Irgendwie klingt dieser Zeigefinger "Spielzeugjournalismus" doch arg von oben herab und unfair Laura Kate Dale gegenüber.</p> <p>Inwiefern soll es relevant für diesen Fall sein, dass es bei Büchern, CDs keinen Verweis auf Refunds gibt? Was sind eigentlich diese Kinderschuhe? Ist nicht auch der Reflex jedes mal, wenn jemand sich auch nur im Ansatz u.a. als Beratung für ihre Leserinnen versteht, "Kinderschuhe" oder "Waschmaschinentests" zu schreien, auch ein Kinderschuh? Oder ist das schon eine kritische Diskussion?<br> Ich halte dieses aufgekochte Thema einfach für vielschichtiger als es hier dargestellt wird.<br> Und was sagen eigentlich die Musikjournalist*innen dazu?</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-2976" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Sa. 19 Dez 2015 - 22:35</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/2974#comment-2974" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Kinderschuhe</a> von <span class="username">Sören</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2976#comment-2976" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2976#comment-2976" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Nochmals: Die</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Nochmals: Die Musikjournalistinnen sagen da gar nix dazu, weil es derartiges dort nicht gibt. Warum es das hingegen im Medium Spiele gibt, versuche ich oben zu argumentieren.</p> <p>Dass Laura TBG "verstanden" (falls das geht) oder sich ausführlich damit beschäftigt hat, glaube ich gern. Ist es nicht umso dämlicher, jene, die TBG - und geben wirs zu: naiverweise - als "stolen goods" interpretieren, mit dem Verweis auf die Refund-Möglichkeit zu besänftigen? Das ist Produkt- und Konsumdenken in Reinkultur, und sorry, das entspricht dem Umgang mit Spielzeug, nicht mit Kultur, die selbstverständlich provokant sein darf. Das ist das ABtöten jeder kritischen Diskussion, dem König Kunden ist Genüge getan, aus.<br> Hätte sie den Unsinn nur ganz weggelassen. Im Ernst, bei aller Sympathie für sie und so leid es mir tut, dass sie da im Zentrum der Aufmerksamkeit steht: Ich wette mal, die allermeisten Spielekritiker, die ich kenne, hätten diesen Satz von Vornherein weggelassen.</p> </div> </div> </article> </div><article data-comment-user-id="10" id="comment-2977" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="10"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/joe-koeller" class="username">Joe Köller</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Sa. 19 Dez 2015 - 22:55</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2977#comment-2977" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2977#comment-2977" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Moralische Bedenken</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Das Menschen ein Spiel aus moralischen Gründen ablehnen und dementsprechend zurückgeben wollen könnten, scheint mir nachvollziehbar, egal wie absurd die spezifischen Gründe auf mich wirken. Ich erinnere mich noch, dass einige Leute es absurd fanden, dass ich Hotline Miami 2 wegen seines (fehlenden) moralischen Gehalts furchtbar fand.</p> <p>Aber, und daran gehen so weit ich den Eindruck habe bis jetzt sämtliche Kommentare und Erklärungen vorbei, es ist ja nicht nur dieser Hinweis, dass sich das Spiel ja zurückgeben lässt wenn jemand wirklich ein Problem damit hat, sondern wie genau die Empfehlung da ausfällt: Unter Umständen findet ihr das Spiel moralisch völlig abstoßend, also schnell durchspielen und dann weg damit.</p> <p>Wie bitte? Wenn mir das Spiel wirklich so auf dem Gewissen liegt, dass ich es zurückgeben möchte, wäre es ja wohl naheliegend es in der Sekunde wegzulegen wo es mich so verstört, nicht erst noch zu schauen was da noch so alles kommt. Ich hab The Beginner's Guide nach wie vor nicht gespielt, also verstehe ich da vielleicht was falsch, vielleicht passiert diese schockierende Enthüllung bei faktischer Lesart eben zufällig in den letzten Momenten des Spiels, aber ich hab da eher den Eindruck da wird empfohlen das Spiel halt schnell trotzdem durchzuspielen und dann hinterher zu entscheiden, und wenn die eigenen Prioritäten so liegen ist es für mich halt eher Ausnutzen der Kürze des Spiels als legitimer Einwand.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-2978" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Moritz</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">So. 20 Dez 2015 - 04:25</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2978#comment-2978" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2978#comment-2978" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">"Es gibt zu wenig Diskussion</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>"Es gibt zu wenig Diskussion im Spielejournalismus, zu wenig Kritik, zu wenig Analyse und Interpretation."</p> <p>Mhm, das Problem hierbei ist jedoch dass die meisten Journalisten eine Sprachwissenschaftliche Ausbildung haben, in der ihnen früher oder später jeglicher Wille zur Interpretation ausgetrieben werden muss, da diese subjektive Kunst ja jegliche "objektivität" entbehrt.<br> Erkenntnisgewinn ist heutzutage leider nicht mehr erstrebenswert, jeder muss sich einem gewissen Pfrüfungs/Statistik orientierten System unterordnen um am Ende gefördert zu werden. Wenn also verwundert es, wenn am Ende eine Gesellschaft entsteht in der Medien nicht mehr reflektiert, sondern nur noch möglichst effizient genutzt werden wollen?<br> Ich denk die hier genannte Problematik zieht sich in weit größerem Zusammenhang durch unsere (Leistungs-)Gesellschaft, als du ihr in diesem Artiekel Rechnung trägst..indirekt wird dadurch aber auch bestätigt dass Videospiele nach wie vor eindeutig ein Leitmedium unserer Zeit sind, da sich die Gesellschaft hier doch deutlich spiegelt.</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="0" id="comment-2979" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Christof</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">So. 20 Dez 2015 - 13:52</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/2978#comment-2978" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">"Es gibt zu wenig Diskussion</a> von <span class="username">Moritz</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2979#comment-2979" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2979#comment-2979" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Der erste Teil dieses</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>@Moritz<br> Der erste Teil deines Kommentars ist ehrlich gesagt ein bisschen merkwürdig. </p> <p>"in der ihnen früher oder später jeglicher Wille zur Interpretation ausgetrieben werden muss, da diese subjektive Kunst ja jegliche "objektivität" entbehrt". </p> <p>Die meisten Autoren hier haben ja ebenfalls einen guten Teil literaturwissenschaftlicher universitärer Ausbildung ab- und mitbekommen. Als einer von ihnen würde ich eher sagen: Grundsätzlich will dort niemand jemandem den "Willen zur Interpretation" austreiben, schon gar nicht im Sinne einer "Objektivität", die übrigens nicht ein Merkmal von Texten ist, sondern in der Analyse zu suchen wäre.<br> Ich glaube, der status quo in den Literaturwissenschaften neigt (immer noch) eher in die Richtung, dass die Idee von "Objektivität" beim Umgang mit kulturellen Texten an sich problematisch ist. Dies bedeutet aber gerade keine Absage an Interpretationen, sondern vielmehr ein Eingeständnis der Tatsache, dass kein wissenschaftliches Urteil etwas anderes als eine Interpretation sein kann. (Das gilt übrigens nicht nur für die Kultur- und Geisteswissenschaften, sondern ist, wenn auch nicht immer im selben Mass, eine Grundlage jeglicher Wissenschaft.) Entsprechend kann es in den Literaturwissenschaften nur darum gehen, Interpretationen zu versuchen und diese möglichst gut argumentativ zu belegen. (Wobei je nach disziplinärer Ausrichtung, Erkenntnisinteresse und/oder angewandter Methode die "Belege" dafür innerhalb oder ausserhalb des Textes gefunden werden müssen.) </p> <p>Vielleicht bin ich da naiv. Aber ich glaube ja immer noch, dass eine halbwegs ernstzunehmende geistes-/kulturwissenschaftliche Ausbildung (ob nun in den Literaturwissenschaften, Medienwissenschaften, Geschichte oder Sozialanthropologie), immer noch der beste Weg zum Rüstzeug ist, das einen die von Rainer beanstandete holzblöde Aussage vermeiden lässt. (Ich glaube, diese nur als "Tod des Autors" gone wild zu verstehen, ist ein wenig zu kurz gegriffen.)</p> <p>Vielleicht ist dein Kommentar aber eher in die Richtung gemeint, dass die gegenwärtige Ausbildung gerade nicht mehr ernstzunehmen ist? Also als Kritik der "Entstellung" der Geisteswissenschaften durch eine prüfungsorientierte Kultur, in der eine vertiefte Auseinandersetzung mit kulturellen Gegenständen zu kurz kommt? Das wäre natürlich ein anderes Feld, und eine durchaus interessante Diskussion -- auch wenn du da natürlich ein noch viel grösseres Fass aufmacht als das, was Rainer anhand der kurzen Ausgangszeilen bereits angezapft hat ;) Aber selbst dann wüsste ich immer noch nicht, was eine bessere Ausbildung für "Kritker" wäre -- oder wie eine Literaturwissenschaft ohne Interpretation aussehen würde. The Horror, The Horror und so.</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="0" id="comment-2981" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Moritz</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 21 Dez 2015 - 00:23</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/2979#comment-2979" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Der erste Teil dieses</a> von <span class="username">Christof</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2981#comment-2981" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2981#comment-2981" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">"Vielleicht ist dein</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>"Vielleicht ist dein Kommentar aber eher in die Richtung gemeint, dass die gegenwärtige Ausbildung gerade nicht mehr ernstzunehmen ist?"</p> <p>Darauf wollte ich hinaus (und es wäre eventuell auch verständlicher gewesen wenn ich das zu anderer Stunde nüchterner formuliert hätte *hust*)...nachdem ich nun wieder seit geraumer Zeit am Studieren bin ist die Entwicklung in den Geisteswissenschaften derzeit zumindest in Deutschland (zu anderen Ländern kann ich nicht viel sagen) eher besorgnisserregend: Zum einen ist die Frage die man in jeder Veranstaltung zuverlässig zuerst von irgendeinem Kommilitonen hört "Was kommt denn in der Prüfung dran/wie sieht die Prüfung aus/...?" - das vorrangige Interesse besteht nicht mehr im Interesse am Inhalt der Versanstaltung selbst, sondern viel mehr nur noch an den Scheinen die Errungen werden müssen. Und das kann man den Studenten noch nichtmal vorhalten...die Regelstudienzeiten sind selbst in den Geisteswissenschaften brutal und nicht im mindesten darauf ausgelegt sich für etwas anderes als ein möglichst effizientes Studium zu interessieren (für das man im Idealfall auch nicht nebenher noch arbeiten muss um es sich finanzieren zu können).<br> Ebenso scheint aber dennoch auch in der akademischen Diskussion die Tendenz dazu zu gehen sich zu sehr an den ("erfolgreichen", d.h. deutlich besser finanzierten Naturwissenschaften zu orientieren und alles möglichst "objektiv" zu halten - insgesammt werden sehr wenige neue geistige Anstrengungen unternommen - es ist quasi eine Situation wie sie Adorno schon in den Reflexionen aus dem beschädigten Leben beschrieben hat - die hier gemeinte Objektivität besteht letztlich in der "nicht kontroversen Seite der Erscheinungen". Von Studenten wird heute mehr oder minder unverhohlen gefordert sich mehr an der Sekundär-literatur und der Dozentenmeinung zu orientieren, anstatt zu lernen sich basierend auf den Originaltexten eigene Meinungen zu bilden. Innovationen sind weitestgehend mit technischem Fortschritt Verbunden und bislang eher wenig fruchtbar. Tatsächliche Denkleistungen die das theoretische Fundament erweitern würden scheinen wenn überhaupt dann ausschließlich im englisch-sprachigen Raum stattzufinden.</p> <p>Und ja, das ist vermutlich etwas über das Ziel des ursprünglichen Artikels hinaus, aber ich fürchte beim derzeitigen Stand des Studiensystems als "schnellem Zubringer für die Wirtschaft" wird man in Zukunft eher mehr von dieser Art "Journalismus" sehen als weniger...</p> <p>"Aber selbst dann wüsste ich immer noch nicht, was eine bessere Ausbildung für "Kritker" wäre -- oder wie eine Literaturwissenschaft ohne Interpretation aussehen würde. The Horror, The Horror und so."</p> <p>Ein neues (altes) Verständnis vom Studium als Ort an dem man sich ausprobieren kann und evt sogar lernt eigenständig zu denken wäre wohl ein guter Anfang. Nicht ein Ort wo man aus vor lauter Leistungs/Zeit- und wirstschaftlichem Druck (zumindest wenn man kein reiches Elternhaus im Rücken hat) nur lernt sich möglichst effizient ohne anzuecken zu einem letztlich inhaltslosen Abschluss durchzuschlagen.<br> "It was an affirmation, a moral victory paid for by innumerable defeats, by abominable terrors, by abominable satisfactions" - in diesem Sinne mag obiges Zitat von J. Conrad doch irgendwie den Kern meines nächtlichen Aufschreis treffen, gleichwohl es Kurtz wohl deutlich prägnanter formuliert hat.</p> </div> </div> </article> </div></div><article data-comment-user-id="7" id="comment-2980" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">So. 20 Dez 2015 - 14:17</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2980#comment-2980" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2980#comment-2980" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Recht spannende</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Recht spannende Metadiskussion zum Thema "Recht auf eigene (auch falsche) Interpretation": <a href="http://correlatedcontents.com/?p=1989">http://correlatedcontents.com/?p=1989</a></p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-2982" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Le Don</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 21 Dez 2015 - 01:37</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2982#comment-2982" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2982#comment-2982" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Also ich muss sagen, dass ich</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Also ich muss sagen, dass ich mich Sörens Kommentar anschließen muss und ich mich frage, ob dein Artikel nicht etwas am Ziel vorbei geht. Folgendes:</p> <p>"Noch einmal: The Beginner’s Guide nicht toll zu finden, ist kein Makel. Es nicht zu “verstehen” natürlich ebensowenig. Auch es “falsch” zu verstehen, ist okay und durchaus im Sinne des Erfinders. Aber wie peinlich, erbärmlich und deprimierend ist es, statt einer Diskussion dieses Themas einen Verweis auf die “Geld zurück”-Garantie zu geben?"</p> <p>Dale gibt aber keinen Verweis auf die Refund-Garantie, weil die Leute The Beginner's Guide nur falsch/nicht verstehen und deshalb unzufrieden mit dem Spiel sind, sondern weil sie glauben, dass Wreden Content benutzt, der ihm eigentlich gar nicht gehört. In dem Zusammenhang erkenne ich das von dir, Rainer, beschriebenen Konsumdenken auch nicht, denn in welchen Fall sollen sich Eltern oder Kinder über Spiezlzeug aufgeregt und ihr Geld zurück verlangt haben, bei dem der Hersteller sich scheinbar an dem Content von anderen Herstellern vergriffen hat? In dem Fall ist dieser Umstand den Leuten doch egal, aber gerade in den "Kultur-Sparten" sieht das doch anders aus. Wie würde man im umgekehrten Fall reagieren, wenn man erfahren würde, dass ein Film- oder Musikmacher in seinen Werken Inhalte benutzt, die er scheinbar gar nicht selber erstellt hat und sich diese von anderen Leuten - explizit ohne Erlaubnis - nahm? Ich stelle jetzt die Behauptung auf, man würde diese Person nich als Künstler, sondern als Dieb wahrnehmen, den man nicht untersützen will und deshalb, falls möglich, sein Geld zurück verlangt. Nicht aus blosser Unzufriedenheit mit einem Produkt und weil einem der Inhalt des Werkes nicht passt oder diesen sogar als überaus anstößig empfindet (wie vielleicht beim erwähnten Hotline Miami 2), sondern weil man "Intelectual Piracy" nicht untersützen möchte.</p> <p>Dabei denke ich auch, dass die Leute The Beginner's Guide falsch interpretieren und Dale sich wirklich sehr ungünstig ausgedrückt hat. Aber ich finde ihren Ansatz prinzipiell nicht verkehrt, den Leuten ihre Interpretation nicht absprechen zu wollen. Denn zu einem Kultur-Medium gehören auch unterschiedliche Interpretationen und Meinungen zu einem geistlichen Erzeugnis, wie abwägig und dumm uns diese erscheinen mögen. Ein längerer Artikel für oder gegen einen bestimmten Interpretationsansatz - vielleicht sogar mit einer Diskussions-Runde - mag dabei irrsinnig interessant sein und ich würde diesen auch sehr begrüssen, aber ich denke auch, es mag sehr arrogant und vermessen sein, den Leuten lediglich ihren Zugang absprechen zu wollen.</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="http://polyneux.de/" rel="nofollow" target="_blank">Polyneux</a></div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-2983" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 21 Dez 2015 - 09:33</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/2982#comment-2982" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Also ich muss sagen, dass ich</a> von <span class="username">Le Don</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2983#comment-2983" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2983#comment-2983" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">"Aber ich finde ihren Ansatz</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>"Aber ich finde ihren Ansatz prinzipiell nicht verkehrt, den Leuten ihre Interpretation nicht absprechen zu wollen. Denn zu einem Kultur-Medium gehören auch unterschiedliche Interpretationen und Meinungen zu einem geistlichen Erzeugnis, wie abwägig und dumm uns diese erscheinen mögen."</p> <p>Klar, aber die wirklich, echt ehrlich, ohne Scherz und für jeden, der zwei Gehirnzellen zusammenhat leicht als Schwachfug durchschaubare "Interpretation", Wreden habe hiertatsächlich etwas gestohlen, findet sich in anderen Medien, die weniger Produkt sind, nicht gleich der fürsorgliche Hinweis, die Empörten mögen sich nach vollständigem Konsum doch das Geld zurückholen.</p> <p>"es mag sehr arrogant und vermessen sein, den Leuten lediglich ihren Zugang absprechen zu wollen." - Wäre es arrogant und vermessen, Leute, die Blair Witch Project als Doku betrachten, zu belächeln? Jeder hat ein Recht auf seine Borniertheit, und jeder hat natürlich ein Recht, aus beliebigen Gründen - auch aus Borniertheit - vom Umtauschrecht Gebrauch zu machen. Es gibt allerdings kein Anrecht darauf, mit dieser beschränkten Interpretation irgendwo, schon gar nicht vonseiten erntshafter Kritik - ernstgenommen oder nicht verspottet zu werden. Und am allerwenigsten besteht in diesem Zusammenhang ein Recht darauf, sein dummes Urteil (in dem Fall: dass TBG nicht Fiktion wäre) von Kritikerseite dadurch validiert zu bekommen, dass gesagt wird: Hey, das ist halt DEINE MEINUNG! Und weil ja alle Meinungen super sind, hier als Service die Erinnerung daran, dass du das Recht hast, dein Geld zurückzufordern!</p> <p>Filmkritik Blair Witch Project: "Jene Zuseher, die das Gezeigte als Tatschen betrachten, können sich an die Produktionsfirma wenden, um ihr Geld zurückzufordern, unter der Nummer ...."</p> <p>Literaturkritik "Handschrift von Saragossa": "Jene Leser, die es moralisch für unvertretbar halten, dass hier mit gefundenem Material ein Buch zusammengestoppelt wurde, haben unter dieser Nummer Gelegenheit, beim sich beim Verlag zu beschweren ..."</p> <p>Popkritik "1. Outside": "Hörer, die die auf dem Album thematisierten Morde als Realität ansehen, sollten sich bei David Bowie unter dieser Emailadresse melden und ihr Geld zurückfordern ..."</p> <p>"Der Kunde hat immer recht", und er kann seine Fehlinterpretation im Rahme seiner heiligen Konsumentenrechte wahren, indem er das böse Produkt zurückgibt. Soll so sein, aber muss eine Kritik diesen Humbug billigen oder sogar unterstützen? Ist sowas eine kritische Auseinandersetzung mit einem Kulturprodukt, das man ernstnimmt? Eher nicht. </p> <p>Und zum Thema "Alle Meinungen sind valide, auch die strunzdoofsten" habe ich oben einen bemerkenswerten Artikel verlinkt.</p> </div> </div> </article> </div><article data-comment-user-id="10" id="comment-2984" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="10"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/joe-koeller" class="username">Joe Köller</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 21 Dez 2015 - 17:24</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2984#comment-2984" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2984#comment-2984" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Interpretationein</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Den Text von Lutz find ich ziemlich gut. Bei all diesen Texten lern ich auch immer mehr über das noch unbekannte Spiel: offenbar ich es tatsächlich dahingehend falsch verstanden, dass dieser Twist halt zufällig am Ende ist, und deswegen der Verweis auf die Rückgabe nach dem durchspielen. Immerhin hat mich hier noch niemand hämisch korrigiert, besten Dank.</p> <p>Mir scheint es aber immernoch ein bisschen seltsam hier von einem Nebeneinander der Interpretationen zu sprechen. Die vertragen sich üblicherweise ganz gut miteinander: les ich Tolkien eher in Richtung der korrumpierenden Effekte von Macht oder Fortschrittspessimismus, oder gar latenter Xenophobie? Ist alles im Text angelegt, da kann sich jeder Mensch seinen Schwerpunkt selber suchen.</p> <p>Aber was hier abzulaufen scheint ist ja eher eine Nicht-Interpretation des Werks, wo einfach alles für bare Münze genommen wird, und während eine Interpretation zwar belegt aber nie ganz widerlegt werden kann, trifft das bei einer faktischen Lesart ja wohl zu. Wenn es auf realen Begebenheiten beruht, wo ist denn dann diese Person, die Wreden beklaut haben soll? Hat sie sich irgendwo beschwert? Lassen sich überhaupt Beweise für ihre Existenz anführen.</p> <p>Ich glaube ja gerne, dass Dale mit dem Hinweis nur die unglückliche Erfahrungen der ersten Berichterstattung vermeiden wollte, wo Leute sie offenbar dafür anschauzten, gestohlene Ware anzupreisen. Wenn sie diesen Unfug wirklich glauben würde, würde sie das Spiel kaum noch empfehlen. Aber wer die eigene Leserschaft nie mit dem Gedanken konfrontiert, dass es vielleicht Dinge gibt, die sie nicht oder falsch verstehen, hat am Ende dann Vollpfosten, die glauben im Alleingang die Zeichen einer geheimen Weltverschwörung erkannt zu haben. Oh Moment, die haben wir ja schon.</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-2985" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 21 Dez 2015 - 17:48</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/2984#comment-2984" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Interpretationein</a> von <a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/joe-koeller" class="username">Joe Köller</a></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2985#comment-2985" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2985#comment-2985" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Nicht nur das: Wir haben</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Nicht nur das: Wir haben diese Vollpfosten und wieseln mit dienstbeflissener "The customer is always right"-Unterwürfigkeit um sie herum, um sie nur nirgendwo zu beleidigen, und verweisen sie darauf, dass sie das fehlerhafte Produkt ja umtauschen können. Yay, criticism.</p> </div> </div> </article> </div><article data-comment-user-id="0" id="comment-2986" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Daniel Oliveira Carneiro</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 21 Dez 2015 - 17:59</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2986#comment-2986" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2986#comment-2986" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">ach leute :/</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ich hol mir dann mal nen Refund für alle meine Hip Hop Platten und Tarantino DVDs…</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="http://danielcarneiro.eu" rel="nofollow" target="_blank">Daniel Oliveira Carneiro</a></div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-2987" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Le Don</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Di. 22 Dez 2015 - 17:34</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2987#comment-2987" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2987#comment-2987" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">@ Rainer</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>@ Rainer</p> <p>Selbstverständlich kann man Jemanden aufgrund seiner Interpretation belächeln, aber das Maß ist doch wichtig und wenn ich sowas lese wie "man habe kein Anrecht, nicht verspottet zu werden," dann wird mir offen gesagt anders. Soll es also ein Recht auf Spott geben? Man muss sich nicht hinstellen und sagen "Ey, ihr schwachsinnigen Maden, ihr seid so doof, weil ihr das nicht richtig geheckt habt." Aber ich bin mir sicher, dass wir uns diesbezüglich irgendwo in der Mitte treffen werden.</p> <p>Du magst jedenfalls Recht haben, dass ein Verweis auf die Umtausch-Garantie keine kritische Betrachtung mit dem Medium darstellt. Aber bei deinen drei Beispielen dachte ich mir eigentlich auch immer: Warum eigentlich nicht? Warum sollte diese Anmerkung nicht stehen? Würden Musik-/Film-/Literatur-Liebhaber und Kritiker bei so einen Verweis ernsthaft die Integrität ihres Mediums in Frage stellen? Ich behaupte, dass dabei kein Hahn krähen würde und es keinen großen Aufriss wie beim aktuellen Fall von Dale geben würde. Weil es in diesen Medien anders als bei Spielen nicht diesen Drang gibt, endlich ernst genommen zu werden und sich ganz weit vom Konsumprodukt distanzieren zu wollen.</p> <p>Wie gesagt, ich würde auch einen umfassenden Artikel über die Inhalte und Hintergründe eines The Beginner's Guide befürworten, aber es ist auch sehr pikant, dass es hierbei ausgerechnet um dieses Spiel handelt, welches das Zerreden und die Überinterpretation eines Werkes beklagt und aufgrund dessen man geneigt sein mag, keinen umfassenden Bericht zu schreiben. Ich habe immer noch meine Zweifel, dass Dale lediglich Fehlinterpretationen bewahren oder einen Service anbieten wollte, um die Konsumten zu schützen. Da sind Menschen, die sich dafür interessieren, ob die Inhalte eines Werkes geraubt wurden, was in meinen Augen ein legitimer Grund zum Refunding darstellt und sich in einer ganz anderen und irgendwie auch realeren Größenordnung befindet, als wenn sich ein Till Lindemann als perverser Mörder präsentiert - The Beginner's Guide spielt eben auch mit der Grenze zum fiktiven. Natürlich kann versuchen die Leser aufzuklären und ihnen eine ausführliche Erklärung bieten, warum und wie sie sich irren, aber da tappt man dann auch wieder in das oben genannte Problem, das Spiel zu zerreden und das zu machen, was in dem Spiel kritisiert wird. In jedem Falle sprechen wir hier lediglich über einen Satz innerhalb einer Jahresrückschau und anstelle die Dale deshalb auf den Scheiterhaufen zu stellen, könnte man seine Energien auch sinnvoller verwenden und möglicherweise das bieten, was man von ihr erwartet hätte.</p> <p>Nebenbei muss ich aber auch zugeben, dass ich nicht weiß, wie weit die Kritik gegen Dale geht und in welcher Größenordnung sich dieses "Drama" bewegen mag", weil ich mittlerweile bewusst diesen Angelegenheiten aus dem Weg gehe. Ein Verweis auf das Zeitfenster für das Rückgaberecht ist natürlich ein Tritt zwischen die Beine für diverse Indie-Entwickler und die Ausdrucksweise ihres Kommentars ist ohne Frage bedenklich.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="7" id="comment-2988" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Di. 22 Dez 2015 - 17:54</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2988#comment-2988" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2988#comment-2988" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Hier stelle ich keinen auf</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Hier stelle ich keinen auf den Scheiterhaufen. Dale ist mir wurscht, sie ist wohl eigentlich eh eine Clevere, aber ihre Begründung und diese ganze Angelegenheit werfen IMO eben ein Schlaglicht auf das Grundproblem - den Konsumenten und seinen "Spaß" am Konsumieren eines Produkts ganz zentral zu sehen, viel zentraler als das Werk selbst.</p> <p>"Warum eigentlich nicht? Warum sollte diese Anmerkung nicht stehen? ... Weil es in diesen Medien anders als bei Spielen nicht diesen Drang gibt, endlich ernst genommen zu werden und sich ganz weit vom Konsumprodukt distanzieren zu wollen." Du zäumst da was verkehrt rum auf. Das gibt es nicht, weil der Gedanke absurd ist, die dümmstmögliche Fehlinterpretation als gleichberechtigtes Konsumentenurteil schon in der Kritik mitzuberücksichtigen. Macht keiner. Und das kommt nicht, weil diese Medien nicht diesen "Drang" haben - wie ja Spiele wohl auch nicht, sonst gäbs ja die Refund-Debatte nicht - sondern weil diese Medien eine teils jahrhundertelange kritische Tradition haben, in der andere Formen des Widerspruchs als "Kohle zurück" ganz normal sind.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-2989" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Le Don</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Di. 22 Dez 2015 - 20:05</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2989#comment-2989" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2989#comment-2989" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Na, aber weil wir aktuell die</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Na, aber weil wir aktuell die Refund-Debatte haben, wird irgendein Drang in der Spiele-Sparte doch vorhanden sein. Wenn nicht seitens von den Kritikern, dann von den "Konsumenten." Dabei wäre es am interessantesten, was in dem Fall der eigentlich Künstler selber, Wreden, über die Angelegenheit zu sagen hätte.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-3002" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">todes</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Sa. 27 Feb 2016 - 15:36</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3002#comment-3002" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3002#comment-3002" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">spät aber doch</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ich hab weder die Meinungshoheit noch die letzte Wahrheit gefunden, bin dann aber doch überrascht wie enttäuscht, wenn eine nonfiktionale "Interpretation" von Kritikern als legetime Auslegung akzeptiert wird.<br> Wer Wreden verurteilt, stellt sich auf eine Stufe mit dem fiktiven Wreden aus TBG. Während er Coda Depression anhand seiner Interpretation der Spiele zuschreibt, machen jene, die sich für eine nonfiktionale Auslegung aussprechen, genau den selben Fehler wenn sie Wreden unmoralisches Vorgehen vorwerfen.<br> Diese Spieler als kleinsten gemeinsamen Nenner eines Publikums für kritischen Journalismus heranzuziehen kann nur scheitern.<br> @ le don: Recht auf Spott?<br> Ja, alle haben ein Recht darauf Schwachsinn von sich zu geben, wie auch ich ein Recht darauf habe, sie nicht mit Samthandschuhen anzufassen zu müssen!</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-3009" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Sa. 12 Mär 2016 - 00:17</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/3002#comment-3002" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">spät aber doch</a> von <span class="username">todes</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/3009#comment-3009" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/3009#comment-3009" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Amen brother</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Amen brother<br> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=qwQLk7NcpO4">https://www.youtube.com/watch?v=qwQLk7NcpO4</a></p> </div> </div> </article> </div> <nav class="pager py-4" role="navigation" aria-labelledby="pagination-heading--5"> <h4 id="pagination-heading--5" class="visually-hidden">Seitennummerierung</h4> <ul class="pager__items js-pager__items list-none flex justify-center gap-1"> <li class="pager__item pager__item--first"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur ersten Seite"> <span class="visually-hidden">Erste Seite</span> <span aria-hidden="true">« Erste</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--previous"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur vorherigen Seite" rel="prev"> <span class="visually-hidden">Vorherige Seite</span> <span aria-hidden="true">‹ Zurück</span> </a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Gehe zu Seite 1"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>1</a> </li> <li class="pager__item is-active [&amp;_a]:bg-black/10"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=1" title="Aktuelle Seite" aria-current="page"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>2</a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Gehe zu Seite 3"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>3</a> </li> <li class="pager__item pager__item--next"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur nächsten Seite" rel="next"> <span class="visually-hidden">Nächste Seite</span> <span aria-hidden="true">Weiter ›</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--last"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur letzten Seite"> <span class="visually-hidden">Letzte Seite</span> <span aria-hidden="true">Letzte »</span> </a> </li> </ul> </nav> </div> </section> Sat, 19 Dec 2015 19:34:27 +0000 Rainer Sigl 648 at https://videogametourism.at Für Top-Games in Österreich gibt es viele Talente https://videogametourism.at/content/fuer-top-games-oesterreich-gibt-es-viele-talente <span>Für Top-Games in Österreich gibt es viele Talente</span> <div class="field field--name-field-teaser-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/tm.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/tm.jpg?itok=a2WdSLSr" width="700" height="187" alt> </a> </div> <span><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/robert-glashuettner" class="username">Robert Glashüttner</a></span> <span><time datetime="2015-02-15T16:54:25+01:00" title="Sonntag, 15 Februar 2015 - 16:54">So. 15 Feb 2015 - 16:54</time> </span> <div class="field field--name-field-teaser field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Thomas Mahler, Mastermind hinter dem vielversprechenden "Ori and The Blind Forest", ortet in einem aktuellen Interview fehlendes Talent in Österreichs Games-Landschaft. Sein Kommentar soll als gut gemeinte Motivation dienen, wirkt stattdessen aber unkonstruktiv und ignorant.</p> </div> <div class="field field--name-field-paragraph-element field--type-entity-reference-revisions field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ich habe Thomas Mahler letzten Herbst kennengelernt als ich <a href="http://fm4.orf.at/stories/1747451/">für FM4 ein Panel über Indie-Games-Entwicklung</a> zusammengestellt habe. Das Podium war verhältnismäßig schnell organisiert, denn ich hatte meine Lieblingsrunde erfreulicherweise bereits früh fixieren können. Auf der Bühne der Game City 2014 saßen am 10. Oktober 2014 Tiare Feuchtner von Zeppelin Studio (<a href="http://scheingame.com">"Schein"</a>), Philipp Seifried (<a href="http://www.aceferrara.com">"Ace Ferrara And The Dino Menace"</a>), Jogi Neufeld von <a href="http://subotron.com">Subotron</a> und Rainer Sigl von einem gewissen Games-Kultur-Blog namens Video Game Tourism. Thomas Mahler kam erst nach der Bestätigung dieser Runde ins Gespräch, ich wollte ihn aber unbedingt auch dabei haben. Sein schneller medialer Aufstieg mit der international besetzten Entwicklerfirma Moon Studios und ihrem Game <a href="http://www.oriblindforest.com/">"Ori And The Blind Forest"</a> wäre eine sehr interessante Ergänzung. Weil das reguläre Panel schon voll war, habe ich Thomas gebeten, quasi als Überraschungsgast zur Halbzeit der Veranstaltung dazuzustoßen. Er hat rasch reagiert, ausführlich und interessiert geantwortet und zugesagt.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/ori1.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/ori1.jpg?itok=iGmWtqph" width="700" height="394" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Das Panel war wegen der unterschiedlichen Erfahrungen der Gäste inhaltlich sehr vielseitig und die Beiträge des kurzfristig hinzugestoßenen Thomas Mahler hatten das Gespräch bereichert. Er sprach über dezentrales Arbeiten in und mit einem internationalen Team, der sinkenden Relevanz des Labels "Indie" und den verbesserten Rahmenbedingungen bei der Entwicklung für Konsolen. Allerdings war der Mann in erster Linie wegen der Promotion seines eigenen Spiels auf der Game City und deshalb nach der Panel-Veranstaltung so schnell wieder verschwunden, wie er gekommen war. <em>Chitchat</em> ist auf einem wichtigen Event wenige Monate vor dem Release seines Spiels eben zeitlich oft nicht drinnen - verständlich. Weil man Thomas Mahler in der Wiener und österreichischen Games-Community aber kaum kennt, rankten sich so weiterhin Mysterien um den erfolgreichen Mann, der früher Charakter- und Cinematics Designer bei Blizzard Entertainment war. Unübersehbar ist sein Talent: Mahler wirkt technisch hochkompetent, hat ein dynamisches, professionelles Auftreten, spricht Klartext ohne beleidigend oder aufdringlich zu wirken und mutet wie eine gute Führungspersönlichkeit an, die den Markt kennt und genau weiß, warum sie was von sich und ihren Mitarbeiter/innen verlangt. "Ori" ist wohl nicht umsonst bei Xbox unter Vertrag, das dort international stark promotet wird. Hier weiß jemand offensichtlich, wie der Hase läuft. Das kann die österreichische wie internationale Games-Kultur- und Spielentwicklerlandschaft grundsätzlich nur bereichern.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Doch nun hat Mahler dem Online-"Standard" ein eher <a href="http://derstandard.at/2000011676685/Ori-Entwickler-Fuer-Games-hat-Oesterreich-weder-Geld-noch-Talente">unglückliches Interview</a> gegeben, in dem er unverhohlen die österreichische Entwicklerlandschaft als in diversen Punkten <em>"mangelhaft"</em> bezeichnet ohne Details zu nennen. Wirkliche Talente würden fehlen, ebenso wie Bildungsangebote und Investitionen. Gleichzeitig betont Mahler, dass es ihm bei seiner eigenen Firma egal sei, woher die Talente kommen würden - in Österreich hätte er sie jedoch <em>"mit Sicherheit nicht"</em> gefunden. Im Forum des Fachmagazins "CG Mag" <a href="http://www.cgmag.at/index.php?page=Thread&amp;postID=50569">erklärt</a> er anschließend seine Aussagen, allerdings ohne sie abzuschwächen, und spricht von <em>"kaum nennenswerten Produkten"</em>, die aus Österreich kämen. Diese Einschätzungen muten aus mehrerer Hinsicht seltsam an. Zunächst sollte man zwischen dem internationalen Games-Markt und einer nationalen Spielentwicklerszene unterscheiden. Jede und jeder, die und der Computer- und Videospiele entwickelt, sollte sich bewusst sein, dass das jeweilige Produkt für viele Länder dieser Welt zumindest grundlegend attraktiv sein sollte. Immerhin sind die sprachlichen Barrieren bei anderen Kulturprodukten, etwa bei Film oder Literatur, weitaus größer als bei Games - ein großer Vorteil für die Branche. Das jeweilige Heimatland ist beim eigenen Markteintritt zwar nicht unwichtig, aber auch nicht zentral (auch, wenn die lokalen Wirtschaftslobbyverbände das naturgemäß immer anders sehen). Eine internationale Ausrichtung und Zusammensetzung der Firmenmitglieder macht demnach in vielerlei Hinsicht Sinn. Übrigens arbeitet nicht nur Moon Studios sondern etwa auch das von Österreich aus gelenkte Projekt <a href="http://sonofnor.com/">"Son of Nor"</a> so.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-bild paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-paragraph-image field--type-image field--label-hidden field__item"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/moon.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/moon.jpg?itok=UbJPMe_N" width="700" height="187" alt> </a> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Um Erfahrungen auszutauschen, den lokalen Zusammenhalt und Wissenstransfer zu stärken und sich auf den internationalen Markt vorzubereiten, ist hingegen eine nationale Spielentwicklerszene wichtig. Hier ist die eigene Heimat ein wohliger Hafen und die Mitstreiter/innen sind sprachlich und kulturell nahe beieinander. Das hilft, damit junge Talente losstarten und damit erfahrene Leute immer wieder Energie bei den eigenen Wurzeln sammeln können. Ob man nun ein "frisch gefangter" Programmierer ist, der ein kleines Puzzlegame für Iphone macht oder ein Producer, der auf jahrzehntelange Entwicklung im Triple-A-Bereich zurückblickt, ist erst mal egal. Was zählt, ist das Sichtbarsein, die wechselseitige Aufmerksamkeit, die Stärkung der Szene und der Erfahrungsaustausch. Kritisches Feedback ist wichtig, persönliche Befindlichkeiten hinsichtlich der jeweiligen Produkte sind aber zunächst mal unwichtig. Hier geht es nicht darum, ob man selbst lieber "The Binding of Isaac" statt dem neuesten Free-2-Play-Aufbauspiel zockt, an dem die Kollegen gerade arbeiten, sondern um die Weiterentwicklung der lokalen Community. Und die hat sich von Anfang und Mitte der 2000er Jahre bis heute wesentlich nach vorne bewegt - das kann ich als jemand, der seit Beginn an bei Subotron-Veranstaltungen als Beobachter, Teilnehmer, Moderator und Berater dabei ist, nach über zehn Jahren guten Gewissens behaupten. Dass ein kleines Land wie Österreich in Sachen Games-Entwicklung dennoch nicht in der selben Liga wie Deutschland, Frankreich oder gar Großbritannien, den USA oder Kanada spielt, ist Grund genug, weiterhin dran zu bleiben und Zug und Zug Verbesserungen anzustreben. Grund für einen Rundumschlag ist es keiner.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Thomas Mahler meint es vermutlich gut mit seinen aufrüttelnden Worten eines Coaches, trägt aber selbst zu wenig dazu bei, dass er in dieser Rolle respektiert werden kann. Grundsätzlich mag niemand gerne externe Besserwisser, die in eine lange bestehende Gemeinschaft reinplatzen und sofort beginnen, alles grundlegend zu kritisieren. Sicher, als jemand, der unbefangen ist und von außen beobachtet, sieht man oft Dinge, die die anderen über Jahre hinweg nicht bemerkt haben. Doch Mahler macht sich nicht die Mühe, die aktuelle Lage zu sichten - geschweige denn, sich darüber zu informieren, was die Jahre davor passiert ist. Man muss nur ins letzte Jahr zurückschauen, um bemerkenswerte Erfolge zu sehen, die nicht nur dem langjährigen, etablierten Zusammenhalt der österreichischen Games-Szene entstammen sondern auch in Österreich passiert sind. 2014 hat die ehemals kleine Firma Socialspiel einen potenten Geschäftspartner aus Korea bekommen, der mit einem siebenstelligen Eurobetrag <a href="http://fm4.orf.at/stories/1739498/">strategisch in das Unternehmen investiert</a> hat. Das mobile Spiel <a href="http://blekgame.com/">"Blek"</a> hat monatelang international die Apple-Download-Charts angeführt und ihre zwei Entwickler aus Wien zu Millionären gemacht. Broken Rules hat mit <a href="http://www.secrets-of-raetikon.com/">"Secrets of Raetikon"</a> vor allem durch den außergewöhnlichen visuellen Stil begeistert. Philipp Seifried hat sein Spiel "Ace Ferrara" fertig gestellt und viel internationale Anerkennung geerntet. Sind das <em>"kaum nennenswerte Produkte"</em>, wie es Thomas Mahler formuliert? Sein Spiel ist selbst noch nicht am Markt, es kann ihm also wohl nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg gehen.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-video paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-video field--type-video-embed-field field--label-hidden"> <div class="embed-consent" data-provider="youtube" data-src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/z3QIQseu_44" style="aspect-ratio:16/9"> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=z3QIQseu_44" rel="noopener">https://www.youtube.com/watch?v=z3QIQseu_44</a> </div> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz-mit-initiale paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Das Nicht-unterscheiden-wollen zwischen den vielen Submärkten und Produktformen innerhalb der Games-Industrie seitens Mahler ist ärgerlich und einer der Hauptgründe dafür, warum seine Aussagen in dem "Standard"-Interview für verständlichen Unmut sorgen. Ein Unternehmen wie etwa Sproing, das seit rund fünfzehn Jahren von Wien aus zwar nicht mit glamourösen Spielen begeistert, dafür eine sehr gute Marktkenntnis hat und über eine stabile Firmenstruktur verfügt, dürfte bei Mahlers Aussagen zurecht den Kopf schütteln. Die auf Games-Entwicklung spezialisierten Ausbildungsstätten, die FHs, Uni-Institute und privaten Institutionen in Österreich, hätten recht, wenn sie jemanden nicht ernstnehmen, der sie vorschnell pauschal als <em>"mangelhaft"</em> aburteilt.</p> </div> </div> </div> <div class="field__item"> <div class="paragraph paragraph--type-absatz paragraph--view-mode-default"> <div class="field field--name-field-absatz field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ein Arschtritt ist meist etwas, über das man sich zunächst mal ärgert, man später aber als konstruktive Motivation erkennt. Doch der Arschtreter muss imstande sein, punktuelle Probleme zu erkennen statt allgemeine Aussagen zu treffen. Er muss das eine rostige Zahnrad in einem Werk ausfindig machen können anstatt gleich das ganze Gerät austauschen zu wollen. Geschmäcklerische Wertungen vorzunehmen und die Dynamik und Anforderungen der eigenen Firma auf eine gesamte Creative-Industries-Branche übertragen zu wollen, ist - ja, doch - überheblich. Thomas Mahler verwechselt darüber hinaus den vielseitigen internationalen Games-Markt mit dem Zusammenhalt und dem Wachstum einer lokalen Spielentwicklerbranche. Erfahrungen und Best-Practise-Beispiele sind inspirierend und haben im Idealfall Vorbildwirkung. Aber die Menschen, die sie vorbringen, müssen auch etwas dafür tun, damit man ihnen Vertrauen und Anerkennung entgegenbringt.</p> </div> </div> </div> </div> <div class="field field--name-field-tags field--terms"> <ul class="terms"> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/meinung" hreflang="de">Meinung</a></li> </ul> </div> <section class="comments"> <h2 class="comments__title">Kommentare</h2> <div class="comments__list"><article data-comment-user-id="0" id="comment-2928" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Seraf Thieler</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">So. 15 Feb 2015 - 23:07</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2928#comment-2928" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2928#comment-2928" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">"Kaum nennenswerte Produkte"</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>soso....</p> <p>"Shadowrun Online" mag zwar immer noch eine halbgare Baustelle sein, ist aber dennoch eine österreichische Produktion auf Basis einer der größten Rollenspiel Marken der Welt. Massenweise "Sichtbarkeit" quer über den Globus verteilt - kaum nennenswert?</p> <p>Von "Into the Dark", dem laut VLC "most controversial and entertaining PC game ever", rede ich erstmal gar nicht. Ist ja nur irgendwo in der Waldviertler Pampa entwickelt und im US TV heftig diskutiert worden, sicher kaum nennenswert.</p> <p>Dazu noch das gute halbe Dutzend der bereits im Artikel erwähnten Spiele.</p> <p>Ich denke schon, mich im Bereich Spielentwicklung halbwegs gut auszukennen. Der Name THomas Mahelr hingegen ist mir hier erstmalig untergekommen.</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="0" id="comment-2933" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Jonathan R</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 16 Feb 2015 - 20:31</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/2928#comment-2928" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">"Kaum nennenswerte Produkte"</a> von <span class="username">Seraf Thieler</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2933#comment-2933" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2933#comment-2933" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Ab morgen dann ganz neu in</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ab morgen dann ganz neu in dreiviertelgar :) </p> <p>Es es natürlich leicht, aus diversen Vorschusslorbeeren, einer erfolgreichen Karriere und woraus auch noch immer ein so massives Selbstvertrauen aufzubauen wie Thomas Mahler das anscheinend konnte.<br> Wünsche alles Gute und dass das hübsche Ori zu Release dann auch wie erhofft einschlägt, denn sonst werden sich Einige die Häme wohl schwer verkneifen können. </p> <p>Schön wäre, wenn dann in einem halben Jahr oder so ein follow up interview erscheint, bei dem Thomas Mahler sich zumindest bezüglich der Aussage zur Ausbildung noch einmal informiert, denn da glaube ich steht Ö ganz und gar nicht übel da. </p> <p>Ich unterstelle bei dem ganzen Interview übrigens einen Hintergedanken oder zumindest die unterbewusste Nachricht an Politik und Förderstellen, dass es da viel zu tun gäbe.</p> </div> </div> </article> </div><article data-comment-user-id="0" id="comment-2929" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Jot</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 16 Feb 2015 - 10:33</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2929#comment-2929" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2929#comment-2929" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Idealismus aus Österreich</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Was ich vor allem schön, richtig und wichtig finde (und ich weiß ich bin da ein Naivling^^) ist ein gesunder Idealismus, abseits von Gewinn, Monetarisierung &amp; Massentauglichkeit, der in der kleinen österreichischen Szene sehr gut vorhanden ist. Mir wird die Branche langsam zu fett muss ich gestehen und ich freue mich über jedes Team hierzulande, dass zumindest zu 50% aus purer Freude am Entwickeln ein Spiel erstellt.</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="http://www.ilikescifi.com" rel="nofollow" target="_blank">ILIKESCIFI</a></div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-2930" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Limelight</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 16 Feb 2015 - 15:50</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2930#comment-2930" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2930#comment-2930" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Sie sind das Problem Herr Glashüttner!</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Die Journalisten!</p> <p>Einer vom Standard der provozieren will....und ein zweiter ders nicht checkt und dann sowas schreibt. </p> <p>Nicht Mahlers Fehler, dass sich die österreichische Community angepisst und übergangen fühlt. Er hat jetzt die Aufmerksamkeit, andere nicht. </p> <p>...aber da muss man nicht gleich zu weinen beginnen. </p> <p>Sie schreiben von einem unglücklichen Interview - obwohl sie lediglich eine Aussage kennen...und ehrlicherweise hätten Sie als Journalist erkennen müssen, was ihr Kollege mit so ner Headline beabsichtigt - demanch hätten Sie auch dies Aussage Mahlers in den richtigen Kontext setzten müssen. Dazu waren Sie aber nicht fähig. </p> <p>Dennoch haben Sie sich bemüssigt gefühlt, ein unschönes Bild von Herrn Mahler zu zeichnen ohne selbst angriffig zu werden. Sämtliche Kritik beziehen Sie auf andere und schreiben ua. - "Sie hätten recht, würden Sie ihn nicht ernst nehmen" oder "dürfte bei Mahlers Aussagen zurecht den Kopf schütteln".</p> <p>Wie kommt der dazu sich sowas von Ihnen sagen zu lassen - auch wenns nur indirekt ist......</p> </div> </div> </article> <div class="indented"><article data-comment-user-id="7" id="comment-2931" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="7"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 16 Feb 2015 - 16:35</span> <span class="comment__parent visually-hidden">Antwort auf <a href="https://videogametourism.at/comment/2930#comment-2930" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Sie sind das Problem Herr Glashüttner!</a> von <span class="username">Limelight</span></span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2931#comment-2931" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2931#comment-2931" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">@limelight: Bin jetzt nicht</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>@limelight: Bin jetzt nicht hier, um an Roberts Stelle zu antworten, aber mal so viel: Du sprichst uns gurndlegend ab, zu kritisieren, und das noch dazu, wenn die Kritik so überlegt und ja, eigentlich freundlich daherkommt wie hier. "Wie kommt der dazu" - wer in der Öffentlichkeit Aussagen tätigt, wird anhand dieser beurteilt. Dass du hier meinst, "die Journalisten" seien "schuld", ist eine Meinung, die ja grad wahnsinnig populär ist, meist dort, wo Sich-zu-kurz-gekommen-Fühlende einen Sündenbock dafür suchen, dass ihre Meinung keine Schützenhilfe erhält.</p> <p>Das zeigt mir überdeutlich, dass deine "Meinung" hier entbehrlich ist. Hier, und auch anderswo in der "Presse", findet ein Gespräch statt. Ja, da werden andere Standpunkte beurteilt und eventuell kritisch behandelt. Wenn dir das nicht passt, fein, musst ja nicht dran teilnehmen.</p> <p>"...aber da muss man nicht gleich zu weinen beginnen." Oh fuck off. Niemand "beginnt zu weinen". Es wird kritisiert, na und? Der Einzige, der hier seltsam emotional losbrüllt, bist du.</p> <p>Oh, und jetzt kommt sicher gleich wieder die "Fassungslosigkeit", dass hier "so" mit "Kunden" geredet wird. Deal with it. Wenn das Feedback so wie deines mit Rundumattacken beginnt und dann weiter absackt, seh ich wenig Fundament für Diskussion. Aber um das gehts dir ja eh, oder? Lieber nix sagen.</p> </div> </div> </article> </div><article data-comment-user-id="10" id="comment-2932" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="10"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/joe-koeller" class="username">Joe Köller</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 16 Feb 2015 - 18:11</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2932#comment-2932" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2932#comment-2932" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Lügenpresse?</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Journalisten sind ja immer schuld, und woran genau ist dann irgendwie nicht klar. Kam da wirklich der Vorwurf Robert ginge es um die Aufmerksamkeit, die er Mahler angeblich nicht gönnt? Dass diese Aussagen problemlos in einen breiteren Kontext gesetzt werden könnten, der im Interview schlicht nicht vorkommt. glaube ich nicht. Die Behauptung, Robert ginge es bewusst um eine verdrehte Darstellung ist lächerlich, und angesichts der Tatsache, dass er auf Mahlers eigene Erklärungsversuche im Forum verlinkt auch völlig haltlos.</p> <p>Ganz verstehe ich diese Aufregung aber auch nicht. Dass Leute die schon lange hier Spiele machen sich sowas nicht anhören wollen, okay, aber ich geh mit Mahler wohl auch zumindest soweit einher, dass ich mir mehr und anderes von der örtlichen Szene erhoffe, aber das geht auch mehr in Richtung von Kleinkunst und sonstigem weird shit, wovon ich auch sicher noch nicht alles kenne. Bisschen seltsam find ich es trotzdem, dass Son of Nor da immer so vorgeschoben wird, auf mich wirkt das völlig uninspiriert und langweilig.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="8" id="comment-2934" class="comment js-comment comment--by-author"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="8"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/robert-glashuettner" class="username">Robert Glashüttner</a></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 16 Feb 2015 - 20:37</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2934#comment-2934" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2934#comment-2934" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Limelight, Rainer Sigl ist</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Limelight, Rainer Sigl ist mir mit der Antwort bereits zuvorgekommen und ich kann mich dieser nur anschließen. Kritik und Diskussion selbstverständlich gerne, aber den hysterisch vorgebrachten Vorwurf, die Journalisten seien das Problem, usw. kann ich leider nicht ernstnehmen.</p> <p>Ansonsten, auch auf Joes Kommentar bezogen: Es ist wohl unvermeidbar, dass - egal, wie man es inhaltlich anlegt und formuliert - hinter so einem Text wie diesem hier eine defensive, waidwunde Haltung vermutet wird. Ich kann natürlich nicht für die heimische Entwicklerszene per se sprechen, aber über mich sagen, dass dies nicht der Fall ist. Es galt allerdings meines Erachtens nach, einige Dinge klarzustellen und zu nennen, aufzuzählen.</p> <p>Es tut nichts zur Sache, ob man ein Projekt/Spiel persönlich super findet oder nicht. Auch suhlt sich niemand in Selbstzufriedenheit. Doch einfach keck (und oberflächlich) zu sagen, dass aus Österreich nichts Vernünftiges komme und keine Talente da wären, ist grob fahrlässig und hilft nicht, dass die Leute anpacken, sondern eher resigniert wegsehen. Im Sinne von: "Ja, eh, was kann aus dem larmoyanten Österreich schon Großartiges kommen. Wenn du nicht ins Ausland gehst, kannst du es sowieso vergessen." Diese Einstellung geht mir ziemlich auf den Keks und das "Standard"-Interview ist meines Erachtens nach in dieses Fahrwasser geraten. Deshalb war mir bzw. uns hier auf Video Game Tourism dieser Artikel ein Anliegen.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-2935" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Thrawns</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Di. 17 Feb 2015 - 07:41</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2935#comment-2935" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2935#comment-2935" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Wobei ich das Interview als</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Wobei ich das Interview als Appell "Aufwachen! Anpacken!" gelesen und weniger als Rundumschlag gegen die österreichische Entwicklerszene verstanden habe. Mehr ein Anstupsen als Niedermachen. Das mag meiner Perspektive geschuldet sein, weil mir eben jene Szene ziemlich unbekannt ist und ich folglich auch nicht von derlei Kritik betroffen bin. Ich kann also gar nicht beurteilen ob und wenn ja, wie weit Mahler mit seiner Kritik richtig liegt.</p> <p>Aber wie weitreichend und wichtig die österreichische Entwicklerszene nun ist, ist relativ. Welchen Maßstab legt man an und was ist das Ziel "der Szene"? Ich glaube da liegt einfach eine große Diskrepanz zwischen dem was Mahler gewohnt ist und dem österreichischen Entwickleralltag.</p> <p>All das ändert aber nichts an den Kritikpunkten des Glashüttnerschen Artikels. ;)</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="https://twitter.com/thrawns_" rel="nofollow" target="_blank">Thrawns (@thrawns_) | Twitter</a></div> </div> </article> <nav class="pager py-4" role="navigation" aria-labelledby="pagination-heading--6"> <h4 id="pagination-heading--6" class="visually-hidden">Seitennummerierung</h4> <ul class="pager__items js-pager__items list-none flex justify-center gap-1"> <li class="pager__item pager__item--first"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur ersten Seite"> <span class="visually-hidden">Erste Seite</span> <span aria-hidden="true">« Erste</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--previous"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur vorherigen Seite" rel="prev"> <span class="visually-hidden">Vorherige Seite</span> <span aria-hidden="true">‹ Zurück</span> </a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Gehe zu Seite 1"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>1</a> </li> <li class="pager__item is-active [&amp;_a]:bg-black/10"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=1" title="Aktuelle Seite" aria-current="page"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>2</a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Gehe zu Seite 3"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>3</a> </li> <li class="pager__item pager__item--next"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur nächsten Seite" rel="next"> <span class="visually-hidden">Nächste Seite</span> <span aria-hidden="true">Weiter ›</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--last"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur letzten Seite"> <span class="visually-hidden">Letzte Seite</span> <span aria-hidden="true">Letzte »</span> </a> </li> </ul> </nav> </div> </section> Sun, 15 Feb 2015 15:54:25 +0000 Robert Glashüttner 539 at https://videogametourism.at RPGification: Totgecraftet und verskillt https://videogametourism.at/content/rpgification-totgecraftet-und-verskillt <span>RPGification: Totgecraftet und verskillt</span> <span><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/rainer-sigl" class="username">Rainer Sigl</a></span> <span><time datetime="2015-01-31T15:49:27+01:00" title="Samstag, 31 Januar 2015 - 15:49">Sa. 31 Jan 2015 - 15:49</time> </span> <section class="field field--name-field-image field--type-image field--label-hidden splide js-splide" aria-label="Image"> <div class="splide__track"> <ul class="splide__list"> <li class="splide__slide"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/field/image/crr3.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr3.jpg?itok=jG21L29N" width="700" height="200" alt> </a> </li> <li class="splide__slide"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/field/image/crr1.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr1.jpg?itok=6Xac7NXk" width="700" height="200" alt> </a> </li> <li class="splide__slide"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/field/image/crr2.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr2.jpg?itok=BnDxmuZU" width="700" height="200" alt> </a> </li> <li class="splide__slide"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/field/image/crr4.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr4.jpg?itok=2xO0WuZ0" width="700" height="200" alt> </a> </li> <li class="splide__slide"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/field/image/crr5.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr5.jpg?itok=hRtgZe4x" width="700" height="200" alt> </a> </li> <li class="splide__slide"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/field/image/crr6.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr6.jpg?itok=zAEOyKm5" width="700" height="200" alt> </a> </li> </ul> </div> </section> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p><img alt class="image-700_width" height="200" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr3.jpg" width="700"></p> <p class="majuskel" style>Rückblende 1: Als Gary Gygax und Dave Arneson vor über 40 Jahren mit Dungeons &amp; Dragons das erste Pen&amp;Paper-Rollenspiel der Welt erfanden, gab es eine klare Vision: All die Regeln, all die Tabellen und Würfelmanöver hatten das Ziel, im Hintergrund der geselligen Spielerunde eine Welt zu simulieren und ihr per Stift, Papier und Würfeln nachvollziehbare Regeln zu geben. D&amp;D und die nachfolgenden Generationen von Rollenspielen waren de facto analoge Simulationen einer reaktiven Umgebung: Dieser Ork hat X Hitpoints, schlägt mit 3D6 Schaden zu und fällt mit der Wahrscheinlichkeit von 10 % auf Ablenkungsmanöver herein. Zeitgleich mit dem Entstehen der ersten Computerspiele entstand so mit analogen Rollenspielen nebenher nicht nur eine der erfolgreichsten Entertainmentkulturen der Welt, sondern auch ein Designparadigma, das sich früher oder später auf natürliche Art und Weise ins elektronische Spiel fortsetzte: Das, was in hunderte Seiten langen Handbüchern mühsam erlernt werden musste, wusste ab sofort der Code; und ob der Dolchstoß gelingt oder nicht, würfelte blitzschnell im Hintergrund das Programm aus.</p> <p>31 Jahre später ist diese vom&nbsp;Rollenspiel entliehene Mechanik zum Simulieren einer Spielewelt vom Paradigma zum Ärgernis geworden.&nbsp;</p> <!--break--><p><img alt class="image-700_width" height="200" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr1.jpg" width="700"></p> <p class="majuskel" style>Rückblende 2: "Deus Ex", erschienen vor 15 Jahren, war eine kleine Revolution. <a href="http://www.giantbomb.com/immersive-sim/3015-5700/">"Immersive Sim"</a> nennt Macher Warren Spector sein FPS-Konzept. Kernpunkt dabei: die Simulation einer Spielewelt, in der sich der Spieler aus First-Person-Perspektive bewegt. Im Gegensatz zu den meisten Shootern jener Zeit sollte die Immersive Sim freie, nicht-lineare Bewegung erlauben, auf Scripts verzichten und mechanisch, aber situationsbezogen auf den Spieler reagieren - ein Konzept, das in den Action-Rollenspielhybriden von&nbsp;Spectors Studio Looking Glass mit "Ultima Underworld", "Thief" und "System Shock" bis zu einem gewissen Grad schon verwirklicht, aber im aufblühenden Genre des damals weithin Egoshooter genannten Actiongenres noch nicht angekommen war.</p> <p>Die Verbindung von Gameplay beliebiger anderer Genres mit Rollenspielelementen&nbsp;war in Folge so erfolgreich, dass &nbsp;sich diese Hybridisierung&nbsp;schleichend bis in die letzten Winkel so gut wie fast aller anderen Action-Genres einnistete. Kaum ein großer Titel, der heute ohne Rollenspielemente auszukommen glaubt. Erfahrungspunkte, Aufleveln, Tabellen mit Charakter- oder Itemwerten, Quest-Systeme, ausgefeilte Inventories samt Platzmanagement, Crafting, Skill-Trees, Level-Caps für die Verwendung von Waffen sowie die Simulation von Details wie Item-Haltbarkeit oder Gesundheitszuständen sind so weit selbstverständlich geworden, dass Spätergeborene es kaum glauben mögen, wenn sie die Retro-Geradlinigkeit und Schnörkellosigkeit&nbsp;von Klassikern&nbsp;wie "Quake" zum ersten Mal sehen.&nbsp;</p> <p><img alt class="image-700_width" height="200" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr2.jpg" width="700"></p> <p class="majuskel" style>Die&nbsp;RPGification vieler Genres&nbsp;strahlte aber auch auf ihr ureigenes Genre, das Rollenspiel, zurück. Allen voran die "Elder Scrolls"- und die neue "Fallout"-Reihe von Bethesda gestalteten sich zunehmend actionlastiger und übernahmen umgekehrt mit großem Erfolg Action-Elemente. Das auf Brettspiele, aber auch die Pen&amp;Paper-Tradition zurückgehende rundenweise Spielen - bei so gut wie allen westlichen Rollenspielen vor der Bioware-Ära der Standard -&nbsp;&nbsp;wurde parallel zum Aufstieg&nbsp;von RTS und FPS-RPGs zunächst zum Kuriosum und danach zum Spezialistenkult. "Real-time" ist nicht nur eine Spielmechanik, sondern auch&nbsp;ein ebenso gelungener PR- und Marketing-Gag wie "Open World".</p> <p class="marginalie" style>Das Rollenspiel findet stets vor dem Computer statt - nur lassen uns nur wenige Spiele die Gelegenheit dazu.</p> <p>Das Ziel der "Immersive Sim" wie auch der ursprünglichen Pen&amp;Paper-Systeme war es gewesen, eine Weltsimulation zur Verfügung zu stellen - mit dem übergeordneten hehren Ziel, diese Simulation verschwinden zu lassen. Ein "Rollenspiel", wie es als Begriff ja zuvor in der Psychologie Verwendung fand, soll seinen Spieler ja definitionsgemäß in andere Schuhe stellen: Es ist so gesehen dem improvisierten Schauspiel oder psychotherapeutischen Verfahren verwandter als&nbsp;den taktischen Simulationen auf Hexfeldern, die ein anderer Vorläufer waren. Im Pen&amp;Paper-Rollenspiel hat sich der Weg hin zum Verschwinden der Simulation - also der Tabellen und Würfel - über die Jahre verfeinert und gefestigt: Seit den Rollenspielen von&nbsp;White Wolf, allen voran "Vampire: The Masquerade", ist ein anderes, weit weniger von Tabellen, Würfeln und starren Regeln abhängiges geselliges Rollenspiel mit Hauptfokus auf Narrative und Storytelling ein Mainstream-Zweig des analogen Rollenspiels geworden. Und moderne Indie-Pen&amp;Paper-Rollenspiele (ja, auch hier gibt es natürlich einen lebhaften Underground) wie etwa das faszinierende "<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/My_Life_with_Master">My Life With Master</a>" verlassen sich zwar auf ein simples, elegantes mechanisches System im Hintergrund, sind in der tatsächlichen Ausführung durch die Spielenden ihren psychologischen Gesprächswurzeln weitaus ähnlicher als D&amp;D und Co.</p> <p><img alt class="image-700_width" height="200" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr4.jpg" width="700"></p> <p class="majuskel" style>Um es zu wiederholen: Die mechanischen Grundelemente jedes Rollenspielsystems - all die Tabellen, das Würfeln bzw der Code - sollen für die Spieler eine reaktive Welt simulieren, in der sie ihr eigentliches Spiel, jenes mit der Rolle, ausleben können. Es ist eigentlich kein Wunder, dass sich im Medium Videospiele, mit seiner technischen Natur, mit seinem Fetisch auf Mechanik, auf "Gameplay", die subtileren Aspekte dieser Definition am leichtesten vergessen lassen. Dabei müsste diese "Mechanik" dem Rollenspiel im genannten Sinn nicht unbedingt im Weg stehen; im Gegenteil. Das Rollenspiel findet stets vor dem Computer statt - nur lassen uns nur wenige Spiele die Gelegenheit dazu. Graham Smith von RPS hat anlässlich des kleinen Actionspiels "Receiver" für mehr <a href="http://www.rockpapershotgun.com/2014/01/08/give-me-more-expressive-actions-in-videogames-please/">"expressive actions"</a> plädiert:</p> <blockquote><p>[Receiver] is&nbsp;one of my favourite roleplaying games. Not because of a character creator or a stats sheet or quests. Receiver doesn’t have any of those things. It’s one of my favourite roleplaying games because it has a lot of buttons. A needless amount. [...] &nbsp;This greater fidelity of simulation is normally described as “realistic” [...]. But realism is not why these systems are interesting. If anything, in the case of your guns, abstracting your actions to individual button press feels less realistic. It’s a reminder of all the little ways in which pressing a button is not at all like sliding a bullet into a magazine.&nbsp;Instead the button presses help you embody your role within the game in a way that’s fun and exhilarating.</p> </blockquote> <p>"Receiver", dieses kleine, simple FPS-Roguelike, ist so betrachtet mehr Rollenspiel als die allermeisten großen Titel, die heutzutage mit Rollenspielementen überfrachtet werden - weil es uns, als Spieler, eine Rolle spielen lässt, und das in diesem Fall durch mechanische, manuelle Interaktion mit seinen Waffen.</p> <p><img alt class="image-700_width" height="200" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr5.jpg" width="700"></p> <p class="majuskel" style>Ich habe eingangs polemisch behauptet, dass die Durchdringung so vieler Genres, so vieler Spiele mit Rollenspielmechaniken, diese "RPG-ification", ein Ärgernis darstellt. Der Anlass für diesen Ärger sind Spiele, die durch ihre Einbindung von Rollenspielementen das Gegenteil dessen erreichen, was Rollenspielsysteme, von D&amp;D bis hin zur Immersive Sim, eigentlich tun sollen: ihre Mechaniken in den Hintergrund stellen, um die Welt zu simulieren, in der das Rollenspiel möglich wird. Zunehmend erreicht die Überfrachtung dieser Spiele das Gegenteil</p> <p class="marginalie" style>Statt das Spiel immersiver zu machen, grätschen sich RPG-Elemente zwischen den Spieler und diese Welt.&nbsp;</p> <p>"Tomb Raider", "Assassin's Creed", "Dead Island", id softwares "Rage", "Far Cry",&nbsp;&nbsp;"Dead Space", "Call of Duty", "Shadow of Mordor", "Thief", "Titanfall", die "Batman"-Reihe - alles Titel, die meinen, nicht auf das ach so publikumswirksame Quäntchen Rollenspielmechanik verzichten zu können, obwohl sie eigentlich - und das ist das Paradoxe - als reine Actionspiele wahrscheinlich sogar besser funktionieren würden. Vor allem deshalb, weil &nbsp;all diese&nbsp;Rollenspielmechaniken, vom Craften über Skills zu Levels, XP und Tabellen dem&nbsp;oben wiederholt erwähnten ursprünglichen Sinn des Ganzen<span style="font-family: 'Lucida Grande', 'Lucida Sans Unicode', sans-serif; font-size: 13.0080003738403px; line-height: 20.0063056945801px;">, nämlich eine Welt realistischer zu simulieren,</span> diametral im Weg stehen: Statt das Spiel in diesen Welten immersiver zu machen, die Erfahrung "realistischer" zu simulieren, um dem Rollenspiel, der Identifikation mit Spielfigur und meiner Rolle darin, Gelegenheit zur Entfaltung zu geben, grätschen sie sich dick und fett zwischen den Spieler und diese Welt.&nbsp;</p> <p><img alt class="image-700_width" height="200" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/crr6.jpg" width="700"></p> <p class="majuskel" style>Case in point: "Dying Light". Natürlich ist dessen Ziel Immersion:&nbsp;Eine detailreiche Open World zu bauen, der Spielfigur dank Parkour-Tricks eine beeindruckende Körperlichkeit zu geben und die Erfahrung des Action-Gameplays so unmittelbar zu gestalten, dass sich die Aufregung nächtlicher Verfolgungsjagden bis in unsere Haarspitzen fortsetzt, ist eine beachtliche Leistung. Absurderweise endet diese Immersion haarscharf dort, wo die Hilfsmittel, die just auch ursprünglich genau zu diesem Zweck gedacht waren, derart hölzern zum Einsatz kommen wie hier - und wie eigentlich überall im Action-RPG-Shooter-AAA: Der Ballast an Rollenspielmechaniken, der seit "Dead Island" nur unwesentlich verringert wurde, macht mit unhandlichsten Menüs, umständlichem Crafting und Gameplay-Elementen wie absurd fragilen Waffen&nbsp;&nbsp;jede Immersion zunichte. Warum erinnert mich das Spiel mit diesem mechanischen GUI-Frankenstein immer und immer wieder daran, dass ich vor einem Spiel sitze? Was ist der Sinn darin, mir nach atemlosen, herzklopfenden Hetzjagden dürr und kalt die gerade ersprinteten Skillpoints vor die Nase zu setzen? Wie soll ich mich mit einer spielerisch mächtigen Waffe befriedigend stärker fühlen, wenn ich sie zuvor per Tabelle mühselig zusammengefummelt habe? Wieso dem Spieler diese ganzen Tabellen, Zahlen und langweiligen Statistiken vors Gesicht halten, wenn er eigentlich ein Abenteuer erleben will?&nbsp;Und weshalb zerbröselt mein Edelstahl-Schraubenzieher nach fünf Minuten Einsatz in meinen Händen? Aus Realismus?!?</p> <p class="marginalie" style>Wieso dem Spieler diese ganzen Tabellen, Zahlen und langweiligen Statistiken vors Gesicht halten, wenn er eigentlich ein Abenteuer erleben will?</p> <p>"Dying Light" ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie Rollenspielmechaniken, meiner wohl naiven Klischeevorstellung nach&nbsp;von PR- und Marketing-Komittees aus der Hölle ins übervolle AAA-Gesamtpaket hineinklamiert, beides zerstören können: zum einen die eigentlich damit intendierte größere Immersion durch realistischere Simulation - und zum anderen das schnörkellose Actiongameplay, das durch Unfug wie Skill-Progression und Levelling noch dazu erst in den letzten Abschnitten seinen eigentlichen vollen Glanz entfalten darf, weil ja mein Charakter erst nach 43.250 XP weiß, wie man einem Zombie ins Knie tritt.</p> <p class="majuskel" style>Spiele aus der Ich-Perspektive, die dank im Hintergrund simulierter, "realistischer" Welt so immersiv sind, dass ich darin tatsächlich untertauche, oder gar vor dem Bildschirm in eine Rolle schlüpfe, wenn ich sie spiele? Ja, bitte. Auf dem Weg zu dieser Vision &nbsp;der Immersive Sim, der auf der Simulation von Welt durch Rollenspielmechaniken fußt, ist das stumpfe Reinstopfen von Tabellen, Charakterlevels und all dem anderen Traditionsmüll aus der analogen Zeit allerdings nur eins: überflüssig<span style="font-family: 'Lucida Grande', 'Lucida Sans Unicode', sans-serif; font-size: 13.0080003738403px; line-height: 20.0063056945801px;">.</span></p> <p><em>Nachtrag: Rants zu modernem Gamedesign&nbsp;auch <a href="https://videogametourism.at/content/die-sandkiste-ist-zu-voll">hier, &nbsp;</a><a href="https://videogametourism.at/content/gta-v-vom-open-world-paradigma-zum-open-world-fetisch">hier</a>&nbsp;und <a href="https://videogametourism.at/content/offene-welten-leere-seelen">hier</a>.</em></p> </div> <div class="field field--name-field-tags field--terms"> <ul class="terms"> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/meinung" hreflang="de">Meinung</a></li> </ul> </div> <section class="comments"> <h2 class="comments__title">Kommentare</h2> <div class="comments__list"><article data-comment-user-id="0" id="comment-2901" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Bernhard Runzheimer</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 2 Feb 2015 - 13:44</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2901#comment-2901" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2901#comment-2901" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Sehr schöner Artikel...</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>...Daumen hoch! :-)</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="http://www.pixeldiskurs.de/" rel="nofollow" target="_blank">Pixeldiskurs | Spiele | Kultur | Perspektiven</a></div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-2902" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">The Purple Pantywaist</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 2 Feb 2015 - 13:45</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2902#comment-2902" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2902#comment-2902" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Instant Gratification</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Videospiele (und tw Internet, Smartphones, Gamification etc) gewöhnen uns an Instant Gratification, also dass es Usus wird, für eine (teilweise schon banale) Handlung eine unmittelbare Belohung zu erhalten:<br> Um 5km ein paar Minuten schneller laufen zu können, muss ich wochenlang trainieren, um als Talion in Mordor besser Uruks enthaupten zu können, reicht es wenn ich ein paar Blumen pflücke und ein bisschen Bogenschießen übe oder meinetwegen aus dem Hinterhalt irgendwen meuchle.</p> <p>Der notwendige Aufwand für eine Belohnung wird - Stichwort PR- und Marketing-Komittees aus der Hölle - geringer, und/oder die Belohnung eine bessere - dieses Gefühl von Accomplishment verkauft auch das Spiel.<br> (offtopic: Wer jetzt Lust auf einen kultur- und genderhistorischen Abstecher hat, kann ja nachschauen, was Accomplishments bei Jane Austen bedeuten).</p> <p>Während es in den 1980ern noch gereicht hat, dass bei Super Mario oben in der Mitte statt Level 1-1 nunmehr 1-2 (oder gar 8-4) stand und Mario (bis heute) nie härter auf Goomba und Co herunterkracht oder mehr Ziegelsteine mit einem Kopfstoß zerhaut, braucht es jetzt Storyprogression, cineastische Zwischensequenzen und dazu mindestens noch bessere Enthauptungstechniken oder eine inhärente Supereigenschaft, dass 2by4s (also einfache Holzprügel) erst beim 10ten Mal zuschlagen zerbersten - und letzteres am besten nicht zu selten, denn wer spielt, will ja dafür belohnt werden. Deswegen kriechen RPG-Elemente in alle möglichen und unmöglichen Genres und bleiben dort hartnäckig.</p> <p>Dennn diese unmittelbare Belohnung hält einen nicht nur beim Spielen bei der Stange, sondern auch an der Stange, von der dann der nächste Teil kommt - weil hat man mal alle Storytwists gesehen und alle neuen Enthauptungstechniken erlernt, wieso von vorne beginnen, wenn man schon alles gesehen hat? Es kommt ja zunächst der DLC (und dann noch mehr DLC), und dann der nächste Teil, wo man dann wieder vergessen hat, wie man mit dem Schraubenschlüssel richtig auf den Zombiekopf haut, aber es wieder neu lernen kann.</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="https://twitter.com/purplepantywais" rel="nofollow" target="_blank">ThePurplePantywaist (@purplepantywais) | Twitter</a></div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-2903" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Joe Koeller</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 2 Feb 2015 - 13:46</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2903#comment-2903" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2903#comment-2903" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Ich wollt hier eigentlich</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ich wollt hier eigentlich auch noch irgendwas sagen, aber ich wart lieber noch bis ich den nächsten Diskussions-Perk freigeschaltet hab.</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-2904" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">ChristofZurschmitten</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 2 Feb 2015 - 13:47</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2904#comment-2904" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2904#comment-2904" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Nieder mit...</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>...der Gameification des Computerspiels!</p> </div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-2905" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Dennis Fassing</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mo. 2 Feb 2015 - 13:48</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2905#comment-2905" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2905#comment-2905" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Immersion und drumherum</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Ich glaube, dass Immersion auch immer dann besonders problematisch zu werden droht, je größer der Titel wird. Um konkurrenzfähig zu sein und viele Kundenkreise zu bedienen, müssen möglichst viele spielerische Elemente abgedeckt werden. Ein Zombie-Survival ohne Crafting und Verbesserung von noch so simplen Fähigkeiten ist da nur schwer denkbar, dass bietet ja bereits jede im Keller zusammengeklöppelte Early-Access-Ruine auf Steam. Hier wären wir wieder beim Punkt PR und Marketing: Es braucht möglich viele Argumente, ein Spiel verkaufen zu können. Je mehr Genres dabei zusammengemixt werden, umso mehr wird die Immersion dabei leiden, wenn man nicht wirkliche Design-Genies an dem Spiel arbeiten lässt.</p> <p>Durch die Notwendigkeit, alle Elemente zusammenzubringen, entsteht dadurch eine immer komplexere Spielwelt, die aber nichts mehr mit der eigentlichen Figurenmotivation zu tun hat. Ich will in Far Cry 4 meinen Bruder retten, nachdem ich eben gerade hochdramatisch aus dem Gefangenenlager entkommen bin? Ach, erstmal Tapire aufschlitzen, denn ohne deren Fell kriege ich keinen Waffengurt und so kann ich die Jagd auf Piraten ja unmöglich aufnehmen. So etwas kickt einen mit Wucht aus dem bis dahin guten Drive der Story.</p> <p>Das Problem liegt dabei allerdings nicht nur an der RPG-isierung (mir ist bewusst, dass du das auch nicht so sagst, es ist hier ja lediglich der Fokus des Artikels), sondern halt eher an der Aufbauschung des Spielprinzips mit mehr Elementen als nötig. Bioshock:Infinite hat da zum Beispiel ganz ähnliche Probleme, die aber meiner Meinung nach auf einer anderen Ebene liegen. Ich habe dazu etwas geschrieben (ja, dreiste Eigenwerbung, die hier aber immerhin zum Thema passt): <a href="http://www.footnoters.de/immersion-in-bioshock-infinite/">http://www.footnoters.de/immersion-in-bioshock-infinite/</a></p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="http://www.footnoters.de/" rel="nofollow" target="_blank">Footnoters</a></div> </div> </article> <article data-comment-user-id="0" id="comment-2909" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Michael Hackl</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Do. 12 Feb 2015 - 11:21</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2909#comment-2909" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2909#comment-2909" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">RPGification - Ursachen und Lösung</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Daß große Games zu immer komplexeren Flickwerken werden, hält auch mich davon ab diese Projekte wirklich ernst zu nehmen. Der Grund dafür ist meiner Meinung eindeutig: Der typische Gamer mag diese Features und wünscht sie sich, Entwickler tun sich leicht, Marketing freut sich und Management investiert gern in so handfeste Sachen. RPG-Elemente helfen halt unglaublich beim Pacing, und sind einfach zu implementieren. Und Gratifikationssysteme wirken wie Aufputschmittel, wenn du mal Red Bull gewöhnt bist, ist der Milchkaffee plötzlich langweilig.<br> Genau diese Themen stehen bei uns ganz groß auf der Tagesordnung, wir wollen ja nicht, dass unser Spiel für den US-Gamer mit einer Aufmerksamkeitsspanne von maximal 90 Sekunden langweilig wird. Ein Umdenken geschah erst mit Wechsel auf Virtual Reality, denn dann sehen zu viele Features plötzlich doof aus. Jetzt machen wir uns auch Gedanken, ob aufdringliche Metasysteme auch wirklich dazupassen. Ich denk, dass die meisten Entwickler den Bildschirm in Bezug auf die Immersion nicht ganz ernst nehmen, und die meisten Gamer ebensowenig. Meiner Meinung dürfte ein immersives Spiel auch keine interaktiven Menschen zeigen - soweit sind Animationssysteme und KI einfach noch nicht.<br> Aber ist das wirklich schlimm? Müssen Spiele denn immer Realitätsflucht begünstigen? Ich find das Pacing von GTA V großartig, ich liebe die Immersion von Dear Esther mit Oculus Rift. Gamer voten mit Geld für große Patchwork-Spiele, die sind halt gerade in Mode. In 5 Jahren schaut die Welt wahrscheinlich wieder ganz anders aus. Wir entwickeln gerade ein System, das ermöglichen soll, komplexes Gameplay in einem konsistenten, glaubwürdigen und immersiven Umfeld darzustellen. Aber dafür müssen wir neue Spielprinzipien erfinden. Das ist für Großprojekte einfach zu viel Risiko, und wenn du bei einem großen Projekt auf erprobte Spielprinzipien der 80iger Jahre beschränkt bist, wie soll da was anderes als ein Flickenteppich entstehen?</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="http://www.dunium.com" rel="nofollow" target="_blank">dunium games</a></div> </div> </article> <nav class="pager py-4" role="navigation" aria-labelledby="pagination-heading--7"> <h4 id="pagination-heading--7" class="visually-hidden">Seitennummerierung</h4> <ul class="pager__items js-pager__items list-none flex justify-center gap-1"> <li class="pager__item pager__item--first"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur ersten Seite"> <span class="visually-hidden">Erste Seite</span> <span aria-hidden="true">« Erste</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--previous"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur vorherigen Seite" rel="prev"> <span class="visually-hidden">Vorherige Seite</span> <span aria-hidden="true">‹ Zurück</span> </a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Gehe zu Seite 1"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>1</a> </li> <li class="pager__item is-active [&amp;_a]:bg-black/10"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=1" title="Aktuelle Seite" aria-current="page"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>2</a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Gehe zu Seite 3"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>3</a> </li> <li class="pager__item pager__item--next"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur nächsten Seite" rel="next"> <span class="visually-hidden">Nächste Seite</span> <span aria-hidden="true">Weiter ›</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--last"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur letzten Seite"> <span class="visually-hidden">Letzte Seite</span> <span aria-hidden="true">Letzte »</span> </a> </li> </ul> </nav> </div> </section> Sat, 31 Jan 2015 14:49:27 +0000 Rainer Sigl 530 at https://videogametourism.at Wem gehören Games? https://videogametourism.at/content/wem-gehoeren-games <span>Wem gehören Games?</span> <span><a title="Benutzerprofil anzeigen." href="https://videogametourism.at/users/joe-koeller" class="username">Joe Köller</a></span> <span><time datetime="2014-11-05T08:02:34+01:00" title="Mittwoch, 5 November 2014 - 08:02">Mi. 5 Nov 2014 - 08:02</time> </span> <section class="field field--name-field-image field--type-image field--label-hidden splide js-splide" aria-label="Image"> <div class="splide__track"> <ul class="splide__list"> <li class="splide__slide"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/field/image/marcus-fenix.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/marcus-fenix.jpg?itok=6DdU-46-" width="700" height="200" alt> </a> </li> <li class="splide__slide"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/field/image/zelda.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/zelda.jpg?itok=10Ygf1vU" width="700" height="200" alt> </a> </li> <li class="splide__slide"> <a href="https://videogametourism.at/sites/default/files/field/image/a_0.jpg" class="glightbox"><img loading="lazy" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/a_0.jpg?itok=nWTz0gNT" width="700" height="200" alt> </a> </li> </ul> </div> </section> <div class="field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p dir="ltr"><img alt class="image-700_width" height="200" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/a_0.jpg" width="700"></p> <p dir="ltr"><em>Nach dem gestrigen Gespräch&nbsp;über <a href="https://twitter.com/vdgmtourism/status/528638258272796672">Gamertum</a>, hier ein paar Gedanken.</em></p> <p class="majuskel" dir="ltr" style>Seit nun drei Monaten wütet GamerGate, eine zum Terrorismus umfunktionierte Form des absurden Theaters, durch die Spieleszene und das Fortbestehen der Kampagne wirft Fragen auf. Keine Fragen zur Ethik, ein Gebiet für das die Teilnehmenden, trotz gegenteiliger Versicherung, <a href="http://tiedtiger.com/post/101459644041/the-6-problems-with-gamergate-ethics">weder Interesse noch Verständnis</a> aufbringen, aber umso mehr Fragen zu Subkulturen, Besitzansprüchen und toxischen Mentalitäten, die sich hier am extremen Fallbeispiel untersuchen lassen.</p> <p dir="ltr">Werfen wir mal Offensichtliches in den Raum: GamerGate ist eine <a href="http://tiedtiger.com/post/101459644041/the-6-problems-with-gamergate-ethics">Hasskampagne</a>, deren Forderungen und Anschuldigungen von Spielekritiker_innen, Spieleseiten und mittlerweile auch <a href="http://www.nytimes.com/2014/10/16/technology/gamergate-women-video-game-threats-anita-sarkeesian.html?_r=0">Breitenmedien</a> und <a href="http://www.washingtonpost.com/news/morning-mix/wp/2014/10/30/how-media-critic-anita-sarkeesian-turned-stephen-colbert-into-a-feminist/">Satiresendungen</a> deshalb nicht ernst genommen und nicht thematisiert werden, weil sie bei <a href="https://storify.com/JohannesKoeller/a-conversation-with-gamergate-1">näherer Betrachtung</a> stets im Zirkelschluss auf Forenweisheiten, Verschwörungstheorien und sexistische Schmutzkampagnen zurückgehen. Mitglieder demonstrieren im besten Fall völliges Unverständnis für die tatsächlichen Zustände in der Berichterstattung über Spiele, im schlechtesten Fall völligen Realitätsverlust, auf einer Stufe irgendwo zwischen <a href="https://twitter.com/MadScientist212/status/528796384028135426">Männerrechtler</a> und <a href="https://twitter.com/untimelygamer/status/528886072412225536">Holocaustleugner</a>. Beide Varianten werden üblicherweise in einem Sturzbach an Beleidigungen vorgetragen.</p> <p dir="ltr"> <!--break--></p> <p class="majuskel" dir="ltr" style>Die zweite offensichtliche Feststellung: Es geht hier nicht um journalistische Ethik. Zwar skandieren die geifernden Massen diese Parole, aber selbst wenn sich die entsprechenden Anschuldigungen nicht als (leider unverwüstliches) <a href="https://pixietalksgamergate.wordpress.com/gamergates-misconceptions-thus-far/">Lügengebäude</a> entpuppt hätten, erklärt das noch immer nicht, warum sich die Thematik mysteriöserweise am Fall von Zoe Quinn und ihres von Spielerscharen ungeliebten Werkes Depression Quest entzündet, während Untersuchungen zu <a href="http://www.eurogamer.net/articles/2014-07-16-blurred-lines-are-youtubers-breaking-the-law">echter Korruption</a> selbigen nur ein müdes Gähnen entlocken.</p> <p dir="ltr">Was das Wesen der Gruppe weit besser beschreibt, sind die Versuche, feministische Kritik durch Beleidigung, Belästigung, Gewaltandrohung, erfundene Anschuldigungen, Eingriffe in die Privatsphäre und unverhohlenen Terrorismus auszuschalten. Am hochstilisierten Konflikt zwischen Gamer und Social Justice Warrior zeigt sich das eigentliche Kernthema der Kampagne: Es geht um die Kontrolle des Mediums Spiel, genauer, um das Gefühl von Kontrollverlust bei einer Gruppe an Menschen, die schon Benachteiligung wittern, wenn sie nicht auf Schritt und Tritt von Entwickler_innen und Kritiker_innen hofiert werden.</p> <p class="marginalie" style="text-align: right;">Andere Identitäten werden geduldet, solange sie fügsam die Lehren der rückwärtsgewandten Revolution predigen und ihre Andersartigkeit bloß&nbsp;nicht thematisieren.</p> <p class="marginalie" style="text-align: right;">&nbsp;</p> <p>Hierbei handelt es sich vor allem um einen Tobsuchtsanfall junger, weiße Männer. Zwar ist die Spielerschaft auch in ihren extremistischen Ausprägungen längst zu vielfältig, um auf dieses Stereotyp reduziert zu werden, aber andererseits arbeitet ihre eigene Utopie mit dieser Norm. Andere Identitäten werden geduldet, solange sie fügsam die Lehren der rückwärtsgewandten Revolution predigen und ihre Andersartigkeit bloß <a href="http://ellorgast.tumblr.com/post/99422454733/gamergate-throwing-its-own-trans-supporters-under-a-bus">nicht thematisieren</a>. Eine derartige Instrumentalisierung hat nichts mit Diversität zu tun. Sie versucht derzeitige Verhältnisse als ausreichend gerecht darzustellen, während die behauptete Toleranz an eigennützige Bedingungen geknüpft wird.</p> <p>Zum Umgang mit dieser selbsterklärten Kernzielgruppe und ihren Versuchen, das Medium mit Gewalt zurückzuerobern, gab und gibt es verschiedenste Ansätze. Sollten wir den misogynen Vollpfosten das Label Gamer irgendwie wieder entreißen, oder es ihnen lieber überlassen? Ignorieren oder ansprechen? Spaltung oder Kulturkrieg? Also reden wir doch heute mal über Gruppenbildung und Besitzansprüche: Wem gehören Games?</p> <p class="majuskel" dir="ltr" style>Die offensichtliche Feststellung an dieser Stelle wäre, dass ein Medium allen, und so gesehen keinem gehört. Aber wenn das auch theoretisch stimmen mag, sieht es in der Praxis wohl anders aus, da dennoch Ansprüche auf den Titel als wahre Spielerschaft geäußert werden. Die ständige Wiederholung der These macht sie noch nicht wahr, aber die Lautstärke der Gruppe verleiht ihr trotzdem eine gewisse Definitionsmacht. Sie beeinflusst, welche Spiele gemacht werden - durch ihre Marketinghörigkeit im positiven und durch ihr Terrorpotenzial im negativen Fall - und wie das Medium von außen wahrgenommen wird.</p> <p dir="ltr">Daraus lässt sich die Notwendigkeit einer Konfrontation lesen, aber hier setzt ebenso das Hauptargument für den Tod des Gamers an: Dass uns die Darstellung des Mediums nach außen Sorgen machen sollte, setzt voraus, dass es hier ein Außen und ein Innen gibt. Die zunehmende Verbreitung von Spielen in der Gesellschaft, gerade in jüngeren Generationen, stellt eine solche Unterscheidung aber in Frage. Wenn alle Menschen spielen, lösen sich die Kategorien Gamer und Nichtgamer in Sinnlosigkeit auf. Ein generelles Interesse wird vorausgesetzt und muss, ähnlich anderen Medien, hinsichtlich von Geschmack präzisiert werden. Krimis oder Reiseberichte, Electro oder Jazz, Roguelikes oder Shooter?</p> <p dir="ltr">Einer solchen Talfahrt in die Bedeutungslosigkeit setzen Gamer oft entgegen, dass es auch in anderen Medien Begriffe zur Abgrenzung von besonders treu ergebenen Konsument_innen gibt. Gamer stünde also zu Spiel wie Cineast zu Film oder Literat zu Buch. Eine entsprechende Bedeutungsverschiebung wäre wohl denkbar, fraglich ist, ob sie für die Betreffenden überhaupt wünschenswert wäre, denn meiner Erfahrung nach zeichnen sich Menschen mit einer solchen Eigendefinition eher durch Snobismus als Expertise aus.</p> <p dir="ltr"><img alt class="image-700_width" height="200" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/marcus-fenix.jpg" width="700"></p> <p class="majuskel" dir="ltr" style>Zudem ist interessant, dass die Logik der Grenzziehung zwischen ernsthaftem und banalem Konsum im Fall von Spielen scheinbar genau invers zu der in anderen Medien steht. Während sich die entsprechenden Gruppen bei Film oder Literatur eher über die Kenntnis von Obskurem definieren, steht bei Spielen unkritischer Massengeschmack im Vordergrund: Call of Duty, Destiny, Watch_Dogs. Wobei, zu populär darf ein Spiel auch nicht sein, denn wenn es erst über die Grenzen des eigenen Forenbiotops hinaus bekannt wird - Farmville, Angry Birds, Minecraft -, gilt es wieder als Spiel für spielfremde Menschen. Ein Selbstbild wie ein Kartenhaus.</p> <p class="marginalie" style="text-align: right;">Während sich die entsprechenden Gruppen bei Film oder Literatur eher über die Kenntnis von Obskurem definieren, steht bei "Gamern" unkritischer Massengeschmack im Vordergrund</p> <p class="marginalie" style="text-align: right;">.</p> <p dir="ltr">Sicher gibt es auch bei Spielen Tendenzen zum Hipstertum, wie sie etwa auf dieser Seite ausgelebt werden, aber in Sachen Aufgeblasenheit kann dieses bisschen Indie-Coolness dem Ego der wahren Gamer nicht das Wasser reichen. Die entsprechenden Werke gelten nicht als identitätsstiftend, ihnen wird sogar oft genug der Status als Spiel abgesprochen. Gamer bestimmen den erlaubten Geschmack, und weil umgekehrt auch der eigene Geschmack bestimmt, ob eine Mitgliedschaft in der Gruppe möglich ist, wacht hier ein Kreis aus Zirkelschlüssen mit Argusaugen über das Medium. Dass sich die Feindespropaganda abseits von Mainstream-Indies wie Gone Home beliebig filigran ausdifferenziert, ist unbekannt und uninteressant.</p> <p dir="ltr">Wegen dieser Unwissenheit lebt es sich in den Winkeln von <a href="http://itch.io/games/price-free">itch.io</a> eigentlich ganz angenehm, denn was die entrüsteten Scharen nicht kennen, können sie auch nicht kaputtschlagen. Da zudem bei Menschen die oft nichteinmal wissen, über <a href="https://storify.com/turnoffthenews/gamergate-can-t-tell-two-asian-men-apart">welchen Feind</a> sie gerade reden, jede Gesprächsgrundlage fehlt, scheint es vernünftiger, die gekränkten Gamer mit ihrem Spielzeug allein zu lassen, bis die Welt an den ewigen Kindsköpfen vorbeizieht - wäre da nicht das ganze Leid, das sie ohne entsprechende Aufsicht anrichten und das Menschen, die ebenfalls um das Medium oder eine wie auch immer geartete Szene bemüht sind, tunlichst lindern und zukünftig vermeiden sollten. Nicht nur weil eine solche Kampagne augenscheinlich untragbar ist, sondern weil sie aus Zuständen entsteht, an denen die breitere Gemeinde nicht unbeteiligt ist.</p> <p class="majuskel" dir="ltr" style>Hier setzte auch eigentlich Leigh Alexanders Zankapfel von einem Artikel an, falls irgendwer mehr als die Worte <a href="http://www.gamasutra.com/view/news/224400/Gamers_dont_have_to_be_your_audience_Gamers_are_over.php">Gamers Are Over</a> in der Überschrift gelesen hätte. Diese Verschwörungstheorien gedeihen in dem Humus weitgehend unmoderierter Foren und der Kommentarbereiche großer Seiten, die es etwa bis heute nicht schaffen, das Bild der Frau als Ausnahme oder Maulwurf im Fantum durch eine ausgeglichene Anstellungspolitik zu entkräften. Ähnliches gilt auf der Seite von Spielinhalt und Marketing für Studios und Publisher. Wer den eigenen Garten dem Wildwuchs überlässt, braucht sich nicht zu wundern, wenn irgendwann die seltsamsten Kreaturen darin hausen.</p> <p dir="ltr">Nun bin es offensichtlich nicht ich, der die entsprechenden Entscheidungen trifft und an den entsprechenden Hebeln zieht, aber es läge auch in meiner Verantwortung, die entsprechenden Seiten in die Verantwortung zu nehmen. Derart extreme Auswüchse von Sexismus (und anderer -ismen) sind leicht zu verurteilen, aber es sollte darüber nicht vergessen werden, dass sich das Problem in subtileren Formen durch das gesamte Medium und die gesamte Gesellschaft zieht, und viele, die sich jetzt nach einer höhnischen Replik auf Twitter total progressiv fühlen, andernorts zum Problem beitragen.</p> <p dir="ltr">Soviel zur Prophylaxe, aber nun ist das <a href="http://www.theawl.com/2014/10/the-sad-parents-of-gamergate">Kind</a> ja schon in den Brunnen gefallen, oder eben in die Arme verschiedenster verbitterter <a href="http://wehuntedthemammoth.com/2014/10/27/presenting-matt-how-to-crush-a-girls-self-esteem-forney-the-new-king-of-gamergate/">Demagogen</a>, und deren Einfluss auszugleichen fällt ungleich schwerer, zumal es in der Natur ihrer hasserfüllten Ideologie liegt, einfache Erklärungen für den eigenen Schmerz zu liefern, während die aufgeklärte Gegenseite Empathie, Eigenverantwortung und die Fähigkeit persönliche Probleme in Relation zu größeren Missständen wahrzunehmen voraussetzt. In vielen Fällen braucht so eine Entwicklung zum Problembewusstsein einfach Zeit, aber es wäre falsch anzunehmen, dass sie sich automatisch ergibt, oder dass diese Ansichten ausschließlich von fehlgeleiteten Jugendlichen vertreten werden. Noch kann “Abwarten und Tee trinken” als passende Reaktion gelten, wenn Kritiker_innen, und damit Kolleg_innen, Morddrohungen für das Ausüben ihres Berufes bekommen.</p> <p dir="ltr"><img alt class="image-700_width" height="200" src="https://videogametourism.at/sites/default/files/styles/700_width/public/field/image/zelda.jpg" width="700"></p> <p class="majuskel" dir="ltr" style>Also wie umgehen mit Antifeminismus? Wenn ich das nur wüsste. Das dringende Bedürfnis, auf diese Menschen irgendwie positiv einwirken zu können, hat mich ja, so viel zum Guten, überhaupt erst zum Feminismus geführt. Aber auch das intensive Studium von Aktivismus und Diskussionsansätzen liefert leider keine verbindlichen Antworten - offensichtlich, denn das Problem ist ja auch sonst noch nirgends gelöst worden. Einfache Lösungen waren ohnehin nicht zu erwarten.</p> <p dir="ltr">Dass die derzeitige Entwicklung von Spielen bei Männerrechtlern und Konsorten Panik auslöst, spricht dafür, dass das Medium sich auf einem guten Pfad befindet. Dass die Randalierer mit ihren Beschwerden teils Gehör finden, spricht für noch mehr Aufklärungsbedarf. Reden wir also weiter über Selbstbilder, Besitzansprüche und auch toxische Männlichkeit, gerade um den Mitläufern solcher Kampagnen eine Alternative zu einer Kultur zu bieten, die ihnen das Gefühl gibt, keine Ausdrucksmöglichkeiten abseits der <a href="http://metro.co.uk/2014/10/25/marysville-pilchuck-high-school-shooter-was-homecoming-prince-angry-at-girl-who-wouldnt-date-him-4920910/">Gewalt</a> zu haben.</p> <p dir="ltr">Reden wir vor allem auch dann darüber, wenn das Problem sich nicht gerade in akutem Terrorismus äußert, schon allein um die unwahrscheinlich ausdauernden Frauen im Zentrum des aktuellen Hasssturms nicht auf ihre Rolle als Opfer von Gewalt zu beschränken, denn ihre Arbeit und ihre Rolle in diesem Medium gehören auch abseits dieses Unfugs gewürdigt. Die offensichtlichste aller Feststellungen in diesem Text ist nämlich, dass wir alle genau gleich viel Anspruch auf dieses Medium haben wie alle anderen.</p> <p dir="ltr">Spiele gehören uns allen zusammen. Also reden wir auch so über sie.</p> </div> <div class="field field--name-field-tags field--terms"> <ul class="terms"> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/meinung" hreflang="de">Meinung</a></li> <li class="terms__item"><a href="https://videogametourism.at/tags/politik-2" hreflang="de">Politik</a></li> </ul> </div> <section class="comments"> <h2 class="comments__title">Kommentare</h2> <div class="comments__list"><article data-comment-user-id="0" id="comment-2847" class="comment js-comment"> <mark class="hidden" data-comment-user-id="0"></mark> <header class="comment__meta"> <span class="comment__author"><span class="username">Oliver Schaub</span></span> <span class="node__sep" aria-hidden="true">·</span> <span class="comment__date">Mi. 5 Nov 2014 - 09:36</span> <a href="https://videogametourism.at/comment/2847#comment-2847" hreflang="und">Permalink</a> </header> <div class="comment__content prose-content"> <h3 class="comment__title"><a href="https://videogametourism.at/comment/2847#comment-2847" class="permalink" rel="bookmark" hreflang="und">Keine Argumente</a></h3> <div class="field field--name-comment-body field--type-text-long field--label-hidden field__item"><p>Sehr guter Artikel gegen den es (in einer perfekten Welt) keine zivilisierten Argumente gäbe. Leider werden sie aber trotzdem kommen. In Form von fadenscheinigen IRC-Logs, Twitter-Screenshots und schlecht vertonten Youtube Videos.</p> <p>Ich hoffe wirklich, dass wir, wenn den letzten "Spiele-Ethikern" die Lust vergangen ist, endlich einen normalen Dialog ohne Verschwörungstheorien und Propaganda führen können.</p> </div> <div class="field field--name-field-url field--type-link field--label-hidden field__item"><a href="https://twitter.com/schauol1" rel="nofollow" target="_blank">Oliver Schaub (@schauol1) | Twitter</a></div> </div> </article> <nav class="pager py-4" role="navigation" aria-labelledby="pagination-heading--8"> <h4 id="pagination-heading--8" class="visually-hidden">Seitennummerierung</h4> <ul class="pager__items js-pager__items list-none flex justify-center gap-1"> <li class="pager__item pager__item--first"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur ersten Seite"> <span class="visually-hidden">Erste Seite</span> <span aria-hidden="true">« Erste</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--previous"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Zur vorherigen Seite" rel="prev"> <span class="visually-hidden">Vorherige Seite</span> <span aria-hidden="true">‹ Zurück</span> </a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=0" title="Gehe zu Seite 1"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>1</a> </li> <li class="pager__item is-active [&amp;_a]:bg-black/10"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=1" title="Aktuelle Seite" aria-current="page"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>2</a> </li> <li class="pager__item"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Gehe zu Seite 3"> <span class="visually-hidden"> Seite </span>3</a> </li> <li class="pager__item pager__item--next"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur nächsten Seite" rel="next"> <span class="visually-hidden">Nächste Seite</span> <span aria-hidden="true">Weiter ›</span> </a> </li> <li class="pager__item pager__item--last"> <a class="inline-block py-1 px-2 border rounded no-underline hover:bg-black/10 transition-colors duration-200" href="https://videogametourism.at/taxonomy/term/50/feed?page=2" title="Zur letzten Seite"> <span class="visually-hidden">Letzte Seite</span> <span aria-hidden="true">Letzte »</span> </a> </li> </ul> </nav> </div> </section> Wed, 05 Nov 2014 07:02:34 +0000 Joe Köller 486 at https://videogametourism.at