Was man spielen soll: Out There

1486

Keine Reviews, aber: Wir sagen ab sofort, Was man spielen soll

Was: Out There, iOS und Android, 3,99$

Out There ist ein Weltallerkundungsroguelike. Was eigentlich ein Routineflug hätte werden sollen, verschlägt uns hier ins namensgebende große Unbekannte “da draußen”: Statt beim Jupitermond Ganymed erwachen wir weit außerhalb des bekannten Raumes, allein, aus dem Kryoschlaf. Wie weit und wie lang die Reise nun war, bleibt unbekannt, zu weit jedenfalls, um den Rückweg anzutreten und noch in diesem Leben anzukommen. Eine rätselhafte Raumstation übermittelt uns die Pläne für einen Überlichtantrieb, und so springen wir auf der weitgehend zufallsgenerierten Sternenkarte von System zu System, auf der Suche nach der Quelle.

1487

Wie:

Ganz im Sinne meines eigenen (T)raumspiels, macht Out There die bloße Fortbewegung im Weltall zum Zentrum der Erfahrung. Das Reisen von System zu System gestaltet sich mühselig, aufwendig und riskant, wodurch es gleichzeitig viel spannender und erfüllender wird als die Kreuzfahrt auf einem der unverwüstlichen Weltraumdampfer anderer Spiele.

Der Kern des Spiels ist dabei die Verwaltung von drei stets zu knappen Ressourcen - Treibstoff, Sauerstoff und Schiffszustand -, die sich jeweils nur auf Kosten einer anderen auffüllen lassen. Jegliche Fortbewegung im Spiel kostet Luft und Energie, dafür Gasriesen oder bewohnbare Planeten anzufliegen beschädigt die Hülle und um die zu flicken, braucht es Metall von Felsplaneten, ein Umweg, der wieder Treibstoff und Luft kostet. Wie ergiebig die Bohrungen dabei ausfallen, ist ebenso zufällig wie die Auswahl an Rohstoffen, die wir, wenn überhaupt, in einem System vorfinden.

Dazu kommen zufällige Ereignisse bei der Ankunft in neuen Systemen. Mal belasten sie unsere Vorräte, mal füllen sie sie wieder auf, mal stoßen wir auf neue Technologien, die wir aus gefunden Materialien zusammenbasteln, mal vergessen wir Bekanntes oder Teile unserer Ausrüstung quittieren den Dienst.

1488

Warum:

Wegen der kurzen, wunderbar mundanen Logbucheinträge, die Verletzungen bei den täglichen Wartungsarbeiten beschreiben, den Bau simpler Instrumente, den Versuch Weinachten zu feiern oder sich den Klang der eigenen Stimme bewusst zu halten.

Wegen des unbeholfenen Kontakts mit fremden Zivilisationen, bei dem ein paar bekannte Worte und simple Gesten zur Zustimmung oder Ablehnung den Gipfel der Kommunikation darstellen.

Wegen des verzweifelten Pragmatismus in dem Moment, wenn wir ein verlassenes Schiff mit vollen Reserven finden und vor dem Wechsel sämtliche Systeme unseres alten Schiffes ausschlachten, um es als leere Hülle zurückzulassen.

1489

Obwohl:

Besonders lang oder besonders tief ist die Raumreise in Out There nicht. Sein Repertoire an Überraschungen wird schnell zur Routine und selbst ergiebige Versuche dauern selten länger als eine Stunde. Ich möchte lieber tagelang verschollen bleiben. Wahrscheinlich ist es ganz gut, dass ich so ein Spiel nicht bekomme.

An Out There lässt sich außerdem gut die Sinnlosigkeit der Standardrolle des männlichen Geschlechts in Spielen diagnostizieren. Das Spiel dreht sich um Einsamkeit und deren Folgen, die Alltäglichkeit eines dauerhaften Überlebenskampfes, sinnlose aber lebensnotwendige Rituale, die diesen erträglich machen, den Erhalt von Kultur und Zivilisation, wenn beide nicht mehr existieren.

Kurz, es behandelt menschliche Themen, nicht männliche, trotzdem setzt es uns wie selbstverständlich einen Astronauten als Spielfigur vor, wo auch eine Astronautin kommentarlos ins Bild gepasst hätte. Diese Repräsentationsmuster sind nicht neu, aber sie wirken um so bizarrer, wenn sich nicht einmal die Ausrede einer pubertierenden, männlichen Zielgruppe vorschieben lässt.

Nachbarschaft

FTL, Don’t Rust, Organ Trail, Rymdresa

Soll man?

Weltraumreise für die Hosentasche? Unbedingt.

 
Autor: 

Kommentare

Klingt schon interessant! Aber brauch ich "Out There", wenn ich FTL habe, mal abgesehen vom mobilen Aspekt? Denn das das Konzept von Out There klingt sehr stark nach FTL. 

Kommt drauf an was du dir von so einem Spiel wünscht. In FTL gehts stark um Taktik und Raumkampf, Out There bleibt friedliche Erkundung.

[...] auf iOS und Android die Einsamkeit des Weltraums erfahrbar macht - Joe hat euch ja schon gesagt, warum ihr das spielen solltet. Verfasst von Rainer Sigl am 28. März 2014 - 12:22 Tags: [...]

Eine simple Geschlechterauswahl würde das Problem lösen. Verstehe auch nicht, warum das so selten angeboten wird, obwohl Mass Effect es ja eh vorgemacht hat.

Versteh ich auch nicht, gerade wenn es mal keine Marketingüberlegung dazu geben dürfte, und die Spielfigur ohnehin unsichtbar bleibt. Ein Bild und ein paar Wörter im Text müssten umgestellt werden, das wärs schon.

Neuen Kommentar schreiben

URL
Aktualisieren Geben Sie die Zeichen ein, die Sie im Bild sehen. Geben Sie die im Bild dargestellten Zeichen ein; wenn Sie diese nicht lesen können, senden Sie das Formular ohne Eingabe ab, um ein neues Bild zu generieren. Groß-/Kleinschreibung wird nicht beachtet.  Switch to audio verification.