Digitaler Racheakt im geschützten Raum

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Ein bisschen gegen das System sein, den Kapitalismus eh auch blöd finden und das "gute" Produkt statt dem "schlechten" zu kaufen ist längst nichts mehr, was dissidenten Intellektuellen, verwirrten Anarchisten oder zornigen Punks vorbehalten ist. Vielmehr ist es mehrheitstauglich geworden, eine einfache Weise, sich mit etwas Gesellschaftskritik zu schmücken und einem Hauch von Distinktion zu parfümieren ohne wirklich etwas ändern zu wollen. Die deutsche Autorin Meredith Haaf hat es in einem Meinungstext für die Zeitschrift NEON neulich gut beschrieben: Zur Zeit des Kalten Krieges galt im Westen ein abweichlerisches Verhalten gegen das "eigene" System, also den Kapitalismus, als demokratiegefährdend und war bloß für jene Menschen nicht tabu, die sich entschlossen haben, am Rande der Gesellschaft zu stehen und diese zu unterwandern. 

Gegenwärtig wird Kritik am System aber mit offenen Armen aufgenommen um sie anschließend als neues Produkt zu präsentieren. Ehemalige "Scheiß drauf"-Mode wird von internationalen Textilketten in tausenden Laden längst als hippe Oberfläche präsentiert, Mainstream-Popmusik, die in ihren Texten schwammige Aufrufe zum "Anderssein" propagiert, wird in Hochglanzclips inszeniert und den App-Stores dieser Welt feilgeboten. Und Games? Die sind natürlich dazu da, damit wir einfach Spaß haben, mal ein bisschen die Sau rauslassen können. Dazu gehört das Abbilden realer Umgebungen gepaart mit dem Auskosten des rechtsfreien virtuellen Raums.

Kritik am System wird als neues Produkt vermarktet.

 

Das Computerspiel als Vehikel, um Allmachtsfantasien zu befriedigen und große Taten zu vollbringen - abseits des engen Gesellschaftskorsetts (das aber eben notwendig ist, damit wir alle möglichst respektvoll und friedlich nebeneinander leben können) -, ist ein gängiger Zugang in der Produktion von Blockbuster-Titeln. Watch_Dogs, das aktuelle Poster-Game vom internationalen Spieleentwicklungs- und Vertriebskonzern Ubisoft, fügt sich perfekt in dieses Schema: Ein randalierender Irrer läuft durch eine Stadt, stiehlt Autos, schießt Menschen um und erledigt währenddessen seltsame Missionen. Kommt uns bekannt vor, kennen wir schon, macht aber nichts. Denn Watch_Dogs hat ein Ass im Ärmel: Es ist vor allen Dingen ein Spiel über Hacking und wird entsprechend vermarktet. Überwachung, Surveillance, verlorene Privatsphäre. Das sind Dinge und Schlagwörter, die ein Jahr nach Edwards Snowdens NSA-Aufdeckungen auch in die ungebildetsten Gesellschaftsschichten vorgedrungen sind. Warum das also nicht nutzen und in die alte Grand Theft Auto-Schablone einfügen?

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Der Protagonist von Watch_Dogs, Aiden Pearce, ist nicht nur erbarmungslos und gefürchtet, er kennt sich auch mit Computern aus. Das macht die Sache noch aufregender, als sie für die geschulten Sandbox-Riot-Kids an den Konsolen bereits ohne dieses Fachwissen schon sein würde und ist weit entfernt von den schlauen, aber naiven 80er Jahre Hacker-Nerds aus WarGames und Konsorten. Weil ein Mainstream-Computerspiel zugänglich gestaltet sein muss, beschränkt sich das "Hacken" in Watch_Dogs auf ein Suchen und Finden von Gegenständen, die wir manipulieren können und auf ein längeres Drücken einer Taste am Gamepad. So lassen sich Türen öffnen, Überwachungskameras anzapfen und alle Personen in der Stadt ausspionieren. 

Es ist eine folgenlose, aber immerhin unterhaltsame Kompensierung der erlebten Ohnmacht, die wir durch die Datenüberwachung von Privatkonzernen und Regierungen empfinden. Viele von uns haben diesbezüglich längst das Handtuch geworfen. Sollen die doch meine Daten haben! Aber wenn wir schon dabei sind, wär's schon toll, wenn wir selbst mal mit ein paar Klicks ein bisschen die Welt vermessen könnten und nachsehen, was all ihre Bewohner/innen gerade so tun - und sei es nur im Spiel. Es ist egal, welcher Intention man durch die Figur Aiden Pearce von der Erzählung vorgegeben und spielerisch nachgeht: Im Zentrum steht die diebische Freude am Hacken von Geldautomaten, dem Durchleuchten der virtuellen Menschen und dem Erzeugen von Chaos. Es ist doch alles so einfach, Aiden muss bloß ein bisschen an seinem Smartphone herumtappen.

Die Chuzpe liegt darin, dass ein multinationaler Konzern seine Kunden mit moderner Robin Hood-Romantik lockt.

Es ist eine Sache, mit welcher Selbstverständlichkeit die Themen digitale Bürgerrechte, das Erhalten von Privatsphäre und die gesellschaftliche Gefahr von schwach gesicherten IT-Systemen als durchgestylte, oberflächliche Crime-Story ohne große Botschaft vermarktet werden. Die Chuzpe liegt darin, dass ein multinationaler Konzern seine Kunden mit moderner Robin Hood-Romantik lockt. Die Sehnsucht der Bürger/innen nach der Zurückeroberung von Privatsphäre und ihre gleichzeitige Lust an Rache werden mit viel Nicken und Begeisterung aufgenommen, die Zähne gezogen und dann in einen gut abgezäunten Streichelzoo gestellt um Eintritt zu verlangen. 

Ubisoft, eine Firma, die im "wirklichen" Leben ihrerseits gerne Watchdog bei unseren Spielegewohnheiten ist (always online, anyone?), ist sich ihrer Sache sehr sicher: In Wien - und nicht nur dort - wurde ein aufwändiges Presseevent für das Spiel aufgezogen. Der Austragungsort war die Arena, ein historisch linker, dissidenter Veranstaltungsraum (die Wahl ist wohl kein Zufall), wo Watch_Dogs mit einer großen Party mit Freibier, Würstel und Bandauftritt inszeniert wurde. Auch hier, wie im Spiel: Überwachung als digitaler Racheakt im geschützten Raum, gewürzt mit anarchischen Parolen ohne jeglichen Kontext. "Cop Killer" ist in Neonstreifen an die Wand geklebt, eine geschauspielerte Fickszene am Klo läuft viele lange Sekunden auf den Bildschirmen der Veranstaltung.

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Kommentare

Gute Beobachtungen, wobei ich nur einen Absatz etwas unfair finde.

"Das sind Dinge und Schlagwörter, die ein Jahr nach Edwards Snowdens NSA-Aufdeckungen auch in die ungebildetsten Gesellschaftsschichten vorgedrungen sind. Warum das also nicht nutzen und in die alte Grand Theft Auto-Schablone einfügen?

Watch_Dogs wurde immerhin schon vor der Causa angekündigt. Das könnte auch einer der Gründe sein, warum es das Thema weniger konsequent kritisch aufnimmt (angesichts meines Fortschritts in der Story muss ich sagen: aufzunehmen scheint) als es uns heute vielleicht möglich erscheint. Das Storyboard entstand wohl vorher.

Stimmt, wobei die riesige Marketing-Kampagne wesentlich jünger ist, aber auch diese meines Erachtens recht unreflektiert mit dem Thema umgeht und die (mediale) Allgegenwärtigkeit von Überwachung und digitaler Spionage weidlich ausnutzt.

In Toronto gab es aber eine nette Aktion: https://www.youtube.com/watch?v=uPR49zT4hns

Was Robert übrigens nur im letzten Teil andeutet, hat Ally hier auf ihrem Blog nochmals separat thematisiert.  

... es geht nicht um Prüderie, es geht schon gar nicht ums Shaming von leicht bekleideten Frauen oder SexarbeiterInnen, es geht auch nicht darum, dass man Inhalte für Erwachsene nicht provokant und pikant promoten darf. Es geht um die Message, die tausendfach an Gamerinnen und Gamer übermittelt wird, in einer Szene, die sowieso und schon seit jeher an einem Ungleichgewicht und einer Ungleichbehandlung der Geschlechter leidet. Es geht darum, dass ein internationaler Publisher es nicht nötig haben sollte, auf derartig billige Tricks zurückzugreifen. Es geht darum − und das hat die große Zahl an anwesenden Frauen gezeigt − dass Gamerinnen einen immer größeren Anteil des Umsatzes eines Spiels ausmachen, und dass wir ernstgenommen und nicht auf Arsch und Titten reduziert werden wollen. Und dass auch ein Teil der männlichen Gamer (und Journalisten) auf derartige Aktionen mit Unverständnis reagiert und dass diesen die Argumente ausgehen, warum ihre Frau/Freundin/Schwester ihr Hobby Computerspiele mit ihnen teilen (oder es zumindest nicht bescheuert, maskulistisch und pubertär finden) sollte. Und warum Spiele ein ernstzunehmendes Medium sind.

Viele Beobachtungen sind doch grundlegend richtig - besonders die ziemlich peinliche Robin-Hood-Romantik und natürlich die Verstrickung von Ubisoft in das Datenschutzthema, das sie mit dieser Ästhetik auch noch recht oberflächlich verquicken. Aber ich muss wirklich sagen, dass der ganzen Sache der unfassbar elitäre Gestus entgegensteht mit dem der Artikel hier daherkommt. Den oben schon angesprochenen Absatz finde ich aus einem ganz anderen Grund unfair:

Das sind Dinge und Schlagwörter, die ein Jahr nach Edwards Snowdens NSA-Aufdeckungen auch in die ungebildetsten Gesellschaftsschichten vorgedrungen sind. Warum das also nicht nutzen und in die alte Grand Theft Auto-Schablone einfügen?

Da steht doch tatsächlich, so zwischen der Kritik an Ubisoft und der ökonomischen Verwertung kapitalismuskritischer Themen, dass die dumme Masse da draußen es einfach nich rafft, weshalb der Autor sich jetzt hinstellen und es erstmal erklären muss. Ich halte das leider für eine Adorno-mäßig verklärte Haltung, besonders gegenüber den Chancen und Strukturen des Computerspiels als Pop-Medium. Alles, was trotzdem stimmt, verpulvert hier seine Sprengkraft, weil es genau die, die damit angesprochen werden sollten, verprellt und beleidigt. Der Rest ist intellektuelle Selbstbespiegelung.

"Da steht doch tatsächlich, so zwischen der Kritik an Ubisoft und der ökonomischen Verwertung kapitalismuskritischer Themen, dass die dumme Masse da draußen es einfach nich rafft"

Nein, das steht da tatsächlich nicht so. Du hast den Abschnitt selbst herauskopiert, lies ihn noch mal. Da steht, dass die Kenntnis von NSA-Skandalen bis in alle Gesellschaftsschichten durchgedrungen ist, nicht nur zu den gebildeten Eliten. Was du da jetzt aufgeregt hineinskandalisierst, war weder Intention des Autors noch lässt es sich so auslegen - sorry.

Also entschuldige mal, aber "ungebildetsten Gesellschaftsschichten" mit "alle Gesellschaftsschichten" zu übersetzen ist ja wohl ein rhetorischer Trick sondergleichen. Wenn zweiteres gemeint gewesen wäre (wer weiß, außer der Autor) dann ist es ja wohl mindestens extrem unglücklich gesagt. Es ist leider der gleiche Sound mit dem du auch Unterschichtenfernsehen deklassieren kannst und damit an der Sache genauso vorbeigehst, wenn du mich fragst.

Rhetorische Tricks WTF? Im Gegenteil, es braucht schon böswillige Absicht, das so auszulegen, dass mit dieser Wendung, wie du zu missverstehen scheinst, NUR die ungebildetsten Schichten gemeint wären. Du unterstellst hier Robert, der seit Jahren Gameskultur vertritt und verteidigt, er würde die Spielerschaft als Idioten darstellen. Das ist billiger Unfug, mehr nicht.

Nein, pass auf, bevor wir uns sinnlos mit Gegenwürfen zuschwallern: ich versichere dir hoch und heilig, dass ich sowohl diesen Blog als auch die anderen Texte von Robert (v.a. in der WASD) zu schätzen weiß. Will sagen: wenn ich eines nicht habe, dann böse Absichten. Das kannst du nich wissen, stimmt. Jetzt weißt du es und ich sage dir, dass der Hinweis darauf, dass Robert

seit Jahren Gameskultur vertritt und verteidigt

mir nach genau der Robin-Hood-Romantik klingt, die ihr oben noch anprangert. Allein das Wort "Kulturverteidigung"! Ich meinte das auch ernst: ich finde den Rest des Artikels vollkommen richtig. Worum es mir geht ist, dass das Reden über "ungebildetste Schichten" (ich weise auch noch mal auf den Superlativ hin) zweifelsohne, und da würde ich sogar so weit gehen und vom Kontext absehen, immer einen elitären Gestus mit sich führt. Wozu? Wieso steht da eben nicht "alle"? Das sagt etwas zwischen den Zeilen, das musst du doch sehen, ihr schreibt doch nicht erst seit gestern Texte. Ich skandalisiere damit nicht, ich finde es bitter aus den Gründen, die ich genannt habe. Wenn diese Lesart nicht möglich wäre, hätte ich sie nicht gehabt. Und selbst nach fünf Mal lesen (was ich getan habe) sehe ich kein "alle" sondern ein "ungebildetst". Egal, man muss sich auch nicht an Wörtern aufhängen...

Naja, die angeprangerte Robin-Hood-Romantik mit dem Verweis darauf gleichzusetzen, dass Robert diese Kultur - wie jeder, der Gameskultur journalistisch vertritt - angesichts massivster Vorurteile immer und immer wieder in Schutz nehmen muss (ja, sie also "verteidigt"), ist ein bisschen viel Analogisieren..

Wie du schreibst: Man muss sich nicht an einzelnen Wörtern aufhängen. Ich bin persönlich übrigens nicht der Meinung, der Begriff "ungebildetste Schichten" wäre a priori elitär.  Dein Eingangs-Comment behauptete aber auch, Robert würde andeuten, dass "die dumme Masse da draußen es einfach nicht rafft". "Es" - was überhaupt? Dass sie überwacht wird? Genau das Gegenteil steht im Satz.

[Auch wenn die Diskussion in den Comments 100000x besser ist als auf Twitter, hin und wieder wünsch ich mir ein Instant-Diskussions-Kaffeehaus-Holodeck.]

Hallo Martin,

Erst mal freut es mich, dass du die WASD und VGT regelmäßig liest :)

Dein ursprünglicher Vorwurf ist eine Fehlinterpretation, bei der ich mir schwer tue, sie nachzuvollziehen. Gemeint ist natürlich, dass das Thema Überwachung und dessen Folgen in, ja, alle Gesellschaftsschichten vorgedrungen ist.

Offensichtlich bist du der Meinung, das Benutzen des Wortes "ungebildet" (und seine Steigerungsformen) sei, wie Rainer schreibt, a priori elitär - sehe ich nicht so, sonst hätte ich es nicht geschrieben. Was mich an deiner Kritik ein bisschen stört, ist die angedeutete Gleichsetzung von "ungebildet" mit dem Begriff "Unterschicht" - da sehe ich doch einen großen Unterschied zwischen diesen beiden Worten und alles andere als eine Analogie.

Jetzt kann man sich die Frage stellen, wie und anhand welcher Maßstäbe man die Bildung von Menschen misst und was als ungebildet gilt. Und in weiterer Folge: welche dieser individuellen Sichtweisen elitäre Züge in sich trägt. Aber darum geht es hier eigentlich nicht. Ich habe beim Schreiben des Artikels natürlich überlegt, warum ich wann welche Worte und Formulierungen verwende. Im diesem Fall ging es mir, gebe ich zu, vornehmlich darum, eine gewisse Drastik hineinzubringen, im Sinne von "Jeder Depp weiß, was die NSA ist!"

Das Niveau der massiv geförderten Selbstkorruption ist höher als die Förderung von Verteidigungsbereitschaft  relevanter Werte. Der Online und Analog-Journalismus der letzen Jahre hat uns in den verschiedensten Bereichen gezeigt, daß er immer käuflich ist und keine vertrauenswürdige Opposition mehr vertritt, das ist in meinen Augen das wahre Grauen moderner Medien, ihres Sendungsbewußtseins und ihrer alles-niederschreienden Hysterie. Der Fiktion (u.a. auch der Politiker) wird nichts mehr entgegengesetzt und Verschwörungstheorien sind bald realer, wie die Realität selbst. WatchDogs ist kreativer Diebstahl von GTA. Ubisoft erfindet nichts mehr Neues sondern kombiniert Geklautes bis ins kleinste eigene MINIGAME. Trotzdem wird es verkauft und die Leute saugen es auf wie Schwämme. Das diese ihre Lebenszeit viel besser nutzen könnten, will keiner hören, da das Thema "verspielter Lebenszeit" ohnehin kontraproduktiv zum zeitfressenden 3D Spiel ist. Vielleicht wird es mal wieder an der Zeit, Sinn und Unsinn von 3D Games klarer zu trennen und zu verstehen, daß ein Überangebot von schlechten Spielen nicht noch mehr schlechte Spiele fordern. Aber was will man machen in einer Welt, in der alles "geil" ist ? Augen zu und durch ?

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Was übernimmt denn "Watch Dogs" schon von GTA? Dass keine Kinder darin enthalten sind und der Generator diese etwa nicht "profilen" geht?

Kinder gab es schon in "Assassin's Creed" nicht. Und ich bin sehr froh, dass "Watch Dogs" sich nicht wie GTA als "Satire" ausgibt.

Aber davon wollt Ihr wohl nichts hören, weil es Eure "Kritik" untergräbt. Denn im Grunde geht es dieser "Kritik" daran doch nur um die Aufrechterhaltung ihres sozialen Normdenkens, der Idee "normaler" Menschen und ihrer Verhalten, Interessen, ob von "Männern" oder "Frauen", dass dann damit ein Geschlechterdualismus und eine entsprechende Bestimmung über Sexualitäten, Körperbilder oder Hautfarben, sowie deren Wahrnehmung und im etwas entfernteren Sinne auch "ordentliche" Beziehungen zu Religion, Wohlstand etc. weiterhin aufrecht erhalten werden können.

Doch vermeintlich politische Messages auf einfach vorgestellte Slogans zu reduzieren ist medial schließlich bereits seit der "didaktischen" Überheblichkeit eines Godard bekannt. Nur dort unter dem elitistischen Vorwand nicht an Geld oder Macht interessiert zu sein, sondern angeblich hehre Ziele zu verfolgen. Mir ist es jedenfalls lieber Ubisoft kommerzialisiert diesen eingebildeten "Protest" ohne dabei ideologisch einseitig zu werden, als dass Publikationen wie die taz das Verbrechen der euphemistisch "Kulturrevolution" auf das jüngste "Thief" projizieren - während ich es schon schlimm genug finde, gerade am heutigen Jahrestag, wie sich andere Videospielkonzerne dem chinesischen Markt anbiedern.

Und dass Ubisoft statt auf Humor wie GTA vielfach auf ein anderes Element aus der Tradition offensiver Exploitation eines Themas zurückgegriffen hat, nämlich die Kolportage, ist dabei für mich erstmal nur eine Möglichkeit von vielen Alternativen gewesen, eine Option die sie in dem Fall halt bloß genutzt haben. Denn letztlich mangelt es hier nicht nur an "Verständnis" für solch unliebsamen Inhalte, sondern vor allem an einer Bereitschaft dieses Andere nicht auszugrenzen sondern anerkennen zu wollen.

Weil Ihr im Rahmen von TäterInnen-Opfer-Umkehrungen diesbezüglich verallgemeinernd vorgebt, dass alle die Eurer einseitigen "Kritik" an Inhalten nicht zustimmen gleich sämtliche "Kritik" an Videospielen samt und sonders als solche verhindern würden. Wobei es sowieso immer nur eine Handvoll der gleichen Leute zu sein scheinen, welche hier schreiben und es sich diesbezüglich gemütlich gemacht haben. Aber dass Ihr aus Eurem Elfenbeinturm heraustretet, das wird wohl nie passieren -

[...] bei Videogametourism: ‘Was übernimmt denn “Watch Dogs” schon von GTA? Dass keine Kinder darin [...]

Klassischer Almrausch. Klassisch, wie du jedes einzige Mal immer und immer wieder bei Kritik am Mainstream mit haarsträubend verwuschelten Schachtelsätzen so lange herumargumentierst, bis sich keiner mehr auskennt. So gesehen bei Blizzards Sexismus-Skandälchen letztes Jahr, und bei vielen, vielen texten, in denen das Männer- (und Menschen-)Bild von militaristischen Vehikeln wie MoH thematisiert wird. Wieso schaffst du es nicht, so zu argumentieren, dass man dir folgen kann? Und nein, deine Gedanken sind nicht so "komplex", dass es nur so geht. Du wirfst uns "Elfenbeinturm" vor und verschanzt dich hinter pseudointellektuellem Geschwurbel, bei dem man nur nach langem Sezieren draufkommt, was gemeint ist. 

Aber davon wollt Ihr wohl nichts hören, weil es Eure "Kritik" untergräbt. Denn im Grunde geht es dieser "Kritik" daran doch nur um die Aufrechterhaltung ihres sozialen Normdenkens, der Idee "normaler" Menschen und ihrer Verhalten, Interessen, ob von "Männern" oder "Frauen", dass dann damit ein Geschlechterdualismus und eine entsprechende Bestimmung über Sexualitäten, Körperbilder oder Hautfarben, sowie deren Wahrnehmung und im etwas entfernteren Sinne auch "ordentliche" Beziehungen zu Religion, Wohlstand etc. weiterhin aufrecht erhalten werden können.

"Unsere" Kritik will also das soziale "Normdenken" aufrechterhalten. Soso. Und das, weil Robert ebenso wie Almud Auner kritisch anmerkt, dass beim WatchDogs-Event mit billigstem Exploitation-Sexismus und Gratiswürschteln Stimmung für ein mäßig differenziert Überwachung thematisierendes Spiel gemacht wird? Das verstehst wohl nur du, Herr Doktor.

Ich probiers nochmal im Detail. Letzter Absatz:

Weil Ihr im Rahmen von TäterInnen-Opfer-Umkehrungen diesbezüglich verallgemeinernd vorgebt, dass alle die Eurer einseitigen "Kritik" an Inhalten nicht zustimmen gleich sämtliche "Kritik" an Videospielen samt und sonders als solche verhindern würden. Wobei es sowieso immer nur eine Handvoll der gleichen Leute zu sein scheinen, welche hier schreiben und es sich diesbezüglich gemütlich gemacht haben. Aber dass Ihr aus Eurem Elfenbeinturm heraustretet, das wird wohl nie passieren -

"Wir" kehren Täter-Opfer-Zuschreibungen um. Und im Rahmen davon geben wir verallgemeinernd vor, dass alle, die uns nicht zustimmen - die also in diesem Fall "WatchDogs" für unproblematisch leiwand finden -, einfach was gegen Kritik überhaupt hätten. Richtig so?

Das ist - ich sags mal so klar - ein Holler. Der Gedankenstrich am Ende deiner Kommentare, zweifellos gedacht als selbstreflexiver Verweis auf die Offenheit deiner Gedanken, steht meiner bescheidenen Meinung nach allzu oft für ein simples Zurückziehen auf eine Position intellektueller Überlegenheit bei gleichzeitiger Selbststilisierung als verkannter Philosoph in Sachen Games. Dass du dich dabei als Kämpfer nicht einmal gegen den Mainstream, sondern als dessen - reflektierter! hintergründiger! intellektueller! - Verteidiger gerierst, heißt nicht, dass du dich groß von all den Fanboys unterscheidest, die einfach ihre eigenen, anderen, viel weniger "reflektierten", aber dafür zumindest nachvollziehbareren Gründe haben.

Anlässlich deiner Wortspenden habe ich oft schon Lust gehabt, mit dir zu diskutieren, um zu VERSTEHEN, was du meinst. Es ist mir nicht gelungen. Ich bin wohl zu dumm dafür.

Dafür dass sich bei mir keiner auskennen würde, ist das Urteil über mich aber immer schön klar. Negativ und harsch: doch wenn ich vorgebe etwas nicht zu verstehen, merke ich das vielleicht an, aber ich äußere mich daraufhin nicht dermaßen abwertend darüber. Und reagiere nicht ständig mit einer solchen Aggressivität. Denn anders ist es wohl nicht mehr zu nennen, außer unendlich aggressiv, wie mir hier begegnet wird. Verachtung für meine Sprache, meine Positionen, meine nicht vorhandenen Inhalte, letztlich mein Denken, meine eigenen Emotionen gegen Eure Verkürzungen, Vereinfachungen, Verallgemeinerungen usw. "Pseudointellektualität" und "Geschwurbel". Dann wird mir noch mein Doktortitel vorgeworfen, obwohl ich von dem kein Wort schrieb. Ich würde mich trotz der Urkunden an meinen Wänden als Philosoph bloß "verkannt" gerieren, weil Ihr "Philosoph" anscheinend auch nur als Auszeichnung verwendet. Kleiner Tipp: das bräuchte ich eigentlich nicht, würdet Ihr mich nicht ständig ausgrenzen und Urteile über mich bilden, es endlich einmal ertragen dass es auch noch andere gibt. Ich würde mich gegen jede "Kritik" am Mainstream wehren, heißt es etwa, noch, dabei habe ich allein letztes Jahr sehr viel gegen etwa "Tomb Raider" und "The Last of Us" geschrieben. Nur vielleicht, weil ich diese Linie gegen mediale Exploitation und für Zurückhaltung in Darstellungen nunmal kaum teile, nicht in Eurem Sinne. Das einzige was darüber hinaus stimmt ist, dass ich keine negativen Gefühle gegen militärische Inhalte teile. Und ich glaube im Übrigen nicht, dass es dumme Menschen wirklich gibt. Wobei genau das es wohl ist, das uns letzten Endes unterscheidet - ich möchte nicht dermaßen über andere urteilen wie Ihr es tut, egal ob Kreative oder Marketing-Leute, "Männer" oder "Frauen", obwohl eben gleichzeitig angeblich gar kein Verständnis für mich vorliegt. Das einzige was ich sehe bleibt, dass Ihr mir überhaupt keine Chance geben wollt - Gedankenstrich.

Okay, das mit dem Doktor war gemein, aber der Rest sitzt. Dass du jetzt aber wehleidig diese ach so ungerechte sprachliche "Aggression" gegen dich beklagst, ist schon interessant, weil immerhin hast du hübsch vorgelegt, "uns" hier alles Mögliche an den Kopf zu werfen.

Zur Erinnerung: "Wir" (schon allein das ist absurd; hier spricht jeder der Autoren für sich selbst, und wir haben beileibe oft unterschiedliche Meinungen) säßen im Elfenbeinturm, würden die Opfer zu Tätern machen, betrieben die AUfrechterhaltung sozialen Normdenkens, wollen unterschiuedliche Meinungen nicht hören, reduzieren politische Messages auf simple Slogans, sind elitistisch, ideologisch einseitig, es mangelt uns an Verständnis, wir grenzen halt zu gerne aus. "Wir", "immer dieselben Leute", haben es uns hier gemütlich gemacht im Elfenbeinturm, arbeiten mit "Verkürzungen, Vereinfachungen, Verallgemeinerungen".

Wenn du nun diese Fundamentalkritik - die, das kann ich dir versichern, trotz allem Unverständnis durchaus durchgedrungen ist - nicht derart stilistisch umständlich - ich nenne das "verschwurbelt" - vorbringen würdest, sprich: hier mehr an Dialog als an Selbstdarstellung interessiert wärst, würde dir hier auch anders begegnet. Ich halte es nämlich sehr wohl aus, wenn jemand nicht meiner Meinung ist. Was ich nicht mag: Von oben herab diffus abgeurteilt zu werden. kannst dich gern an der eigenen Nase packen.

"Wir" grenzen dich nicht "ständig" aus, bilden uns Urteile über dich. Ehrlich - dafür kennen wir dich ja niht einmal gut genug. Wenn deine "Kritik" an "uns" aber so pauschal und zudem schwer nachvollziehbar daherkommt, brauchst du dich über Reaktion nicht wundern.

[...] gut Watch_Dogs auf einer Geforce GTX 660 Ti läuft. Nicht, dass ich diesen langweiligen Brei mit zweifelhafter Verkaufstaktik spielen wollte, aber für ‘nen Fünfer auf Steam ist es bestimmt ein netter [...]

[...] bloße Staffage. Ich möchte auf der einen Seite Robert Glashüttner beipflichten, wenn er betont, wie perfide Systemkritik hier kulturindustriell kapitalisiert wird und weitergehend unterstreichen, dass auch ästhetisch und narrativ ein Beigeschmack von [...]

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