The End of Gamers: Ein paar Klarstellungen

Dieser Text sollte zuerst eine Antwort auf einen Kommentar zu meinem Text "#GamerGeddon" werden, ist aber zu lang, um dort zu versickern. Der Ton ist deshalb kolloquialer als sonst. Vorsicht: lang.

Ein Kommentator stellte mir eine Frage anlässlich des von vielen journalistischen Seiten proklamierten "End of Gamers". 

Da wird einfach mal der Tod des Gamers proklamiert. Ähm, wie soll das gehen?
Die Gamer sind das Hauptelement einer Industrie, die mittlerweile größer ist als Hollywood. Dort wird richtig Geld verdient. Denkt ihr wirklich, dass diese Industrie sich nicht mehr nach diesen Spielern ausrichten wird? Weil... kotaku und Konsorten berichten, dass es sie nicht mehr gibt?
Oder ist das alles ganz anders gemeint? Ist das eher "kulturell" gemeint?
Auch das ergibt wenig Sinn, denn diese, wie oben beschrieben, geben den Takt vor.

Wenn man die Artikel, die angeblich den "Tod des Gamers" fordern, ohne Hysterie liest (Überblick hier) , sieht man, was wirklich gemeint ist. "Gamer" bezeichnet eben in diesem Zusammenhang nicht jeden, der spielt. Diese Abgrenzung geht NICHT von den Journalisten aus, sondern von einer gar nicht mal so bedeutsam großen Gruppe an Spielern, die sich selber zum Kern des Gamings erhoben haben. Core Gamer. True Gamer. Real gamer. Die, für die Leute, die Candy Crush spielen, keine Gamer sind. Die, die mit Selbstbewusstsein jenen Spielen, die ihnen nicht ins Konzept passen, absprechen, Spiele zu sein. Jene penetrante, laute Gruppe, die den allermeisten Menschen, die spielen, oft mal peinlich ist. 

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<--break->Ich selbst habe diese laute Minderheit einmal plakativ polemisch und wenig diplomatisch als "Arschlochgamer" bezeichnet. Mein Text beschreibt natürlich nur eine kleine Gruppe an Spielern. Sie machen in Zahlen bei weitem keine Mehrheit aus im ganzen Medium, denn die meisten Spieler sind freundliche, offenen Zeitgenossen, und außerdem: ja, das Medium beinhaltet auch Farmville, Candy Crush, Gone Home, Mountain, Depression Quest, Wii Sports, Twine-Spiele, obskure Hipster-Indiespiele und noch einen ganzen Haufen andere Sachen, die "echte Gamer" für blödsinnigen Müll halten. 
 
Diese Minderheit der "Gamer" - die Anführungszeichen sollen übrigens deutlich machen, dass hier nicht von Spielern, sondern von jener selbsternannten "Elite" die Rede ist - aber ist laut und glaubt, Games als ihren Home-Turf auf ewig gepachtet zu haben. Sie halten sich selbst für die einzig wahren Spieler - alle anderen haben ihrer Meinung nach da nichts zu sagen. Diese Personen, die sich voller Stolz als "Gamer" bezeichnen, als wäre es ein "Way of Life", eine Philosophie, ein auserwählter Kreis, sehen sich aus Tradition als belagerte, verschworene und zähe Minderheit. Ihre Gemeinschaft ist die "gamer culture", deren Ende hier für sie unverständlicherweise gerade verkündet wird.

Immer wollte man ihnen etwas wegnehmen. Spiele sind Schund, Spieler sind Nerds, Underdogs, werden verarscht, "Killerspiele" machen sie zu Mördern - die Angriffe sind bekannt. Leider hat sich durch diese Belagerungsmentalität eine Abkapselung ergeben. Man ist stolz, "Gamer" zu sein, als Gemeinschaft, die trotzig den Anfeindungen gemeinsam widersteht. Die "Gamer Culture" ist eine Bruderschaft - auch, weil relativ wenige Frauen als Zielgruppe für die Spiele in Frage kommen, die von der Industrie seit gar nicht so langer Zeit speziell für die männlichen, jungen "Core Gamer" gemacht werden. Natürlich gehören ihr mittlerweile auch Mädchen und Frauen an. Ihren Platz in dieser harten Jungswelt haben sie sich hart erkämpft, weshalb sie oft sogar besonders stolz sind, sich in dieser "Gamerschaft" zu befinden.

"Gamer" sehen sich von Feinden umzingelt. Sarkeesian ist zB eine Angreiferin auf dieses inzwischen freiwillige Ghetto, also der Feind. Sie kritisiert, also will sie uns etwas wegnehmen! Dieser Reflex ist eingelernt, aber verfehlt. In einer Mischung aus Korpsgeist, Dudebro-Auswüchsen und schlichtem Sexismus verteidigen "Gamer" ihre Wagenburg.

Auch Indie-Spiele und ihre oft als intellektuell wahrgenommene Community sind der Feind vieler "Gamer". Das sind gar keine "richtigen" Spiele, und schlimmer: Die Journalisten, so wird das oft gesehen, berichten über diesen obskuren Scheiß viel zu viel, statt über "richtige" Spiele zu schreiben. "Richtige" Spiele, das sind die Dinosaurier des wankenden AAA-Business, das sich mit Millionensellern von Blockbuster zu Blockbuster schleppt und den eigenen Mittelbau so radikal eingespart hat, dass es viel weniger "richtige" Spiele gibt. Klar, GTA V verkauft sich prächtig, AC auch, CoD sowieso. Alles Spiele, die von Millionen "Gamern" geliebt werden. Alle mit Fortsetzungsnummern im Namen. Das ist höchst lukrative Stagnation. Mit diesen Spielen werden Millionen gemacht. Wegen dieser Summen glauben "Gamer", inzwischen besonders wichtig zu sein.

 

Von vielen Kritikern werden diese Blockbuster-Spiele weniger geliebt. Sie bieten immer dasselbe. Es ist langweilig, immer und immer wieder über sie zu schreiben. Als Games-Journalist freut man sich über Neues. Man will Abwechslung. Man liebt sein Medium. Nicht mit der fiebrigen Inbrunst der "Gamer", für die Spiele alles sind, sondern mit der Liebe eines Menschen, der wie ich Spiele seit Jahrzehnten verfolgt, studiert, analysiert, beobachtet. DIe Kritiker berichten über kleine Spiele, die etwas Neues versuchen, wie Depression Quest. Sie loben Gone Home, weil es etwas anderes versucht. Sie mögen Proteus, Dear Esther, Dwarf Fortress, weil die meisten von ihnen die Hochglanzspiele seit Jahren immer wieder ohne große Innovation neu auferstehen sehen.

Sie freuen sich über eine unfassbar lebendige Indie-Entwicklercommunity, mit der sie natürlich anderen Kontakt haben als zu den gesichtslosen Riesenpublishern. Man kennt sich, trinkt ein Bier, dann schreibt man über diese aufblühende Szene. Dass das mit dem Wort Korruption total überbewertet ist, habe ich hier genauer ausgeführt.

Es gibt also weniger "richtige" Spiele, dafür immer mehr Casual und Mobile-Spiele. Die aber sind für "Gamer" keine Spiele, auch wenn vor 20 Jahren oft genau diese kleinen Titel selbst AAA waren. Das Medium wird größer, aber "echte Gamer" fühlen sich mehr und mehr belagert. Muttis spielen, Schwestern, die Eltern, Opas. Viele am Handy, am Tablet, am PC; weniger an den Konsolen, die für "echte Gamer" - und auf jeden Fall für eine millionenschwere Industrie - oft noch der Kern des wahren Spielens sind. Hier ist doch das viele Geld! Natürlich sind diese großen, lauten, teuren Spiele die einzig wahren - nur haben das all die "fake gamer" nicht verstanden.

Zu viele Menschen interessieren sich plötzlich für das eigene Hobby, für das man früher verarscht wurde und das man jahrelang verteidigt hat. Jetzt sind mehr Leute hier, "Core Gaming" schrumpft, plötzlich reden alle Journalisten auch nicht mehr  so wie früher über die Spiele, liefern keine Kaufberatung mehr, sondern philosophieren herum. Der "Gamer" sieht das als Invasion. Daran sind "Social Justice Warriors" unter der Journalistenschaft schuld, die jetzt, nach all den Jahren der Schmähungen, hier auf einmal voll Arroganz auftauchen und schon wieder auf "Gamer" herabschauen. 

Die Journalisten sind also auch zum Feind geworden. Statt den ganzen "fake gamern" zu sagen, was Sache ist, werden Indies gehypt, wird auf das neue, angeblich größere weibliche, heterogenere Publikum geschaut. Man schreibt über Games in Breitenmedien wie Spiegel, Zeit, Standard. Aber nicht so, wie der "echte Gamer" das haben will. In meinem Text zum "Arschlochgamer" geht es genau um diese Reaktion auf die wahrgenommene Bedrohung des "eigenen" Mediums.

Die "echten Gamer" wenden sich vom Journalismus ab. Auf YouTube werden sie stattdessen von ihren kultisch verehrten Helden viel persönlicher angesprochen. Dadurch hat allerdings auch der - global - in der Krise steckende klassische Journalismus noch weniger Motivation, für diese "echten Gamer" Content zu produzieren. Und außerdem: Die paar Blockbuster, die für viele "Gamer" alles sind, füllen trotz Hype auf Monate hinaus auch nicht mehr all die Seiten.

Unter dem Tag #GamerGate versammeln sich nun eben auch jene "Gamer", die Leigh Alexander und die anderen Artikelschreiber (auch ich) an einem Ende sehen: Sie können und wollen nicht akzeptieren, dass sie ihre eigene Bedeutung inzwischen radikal überschätzen. Ein radikaler, sich auf 4chan und reddit organisierender Mob legt es ausgerechnet in einem "Fall" wie dem um Zoe Quinn auf einen Showdown mit der Presse an: Ihr, ihr reibt uns doch dauernd unter die Nase, dass unsere Spiele öde und stagnierend sind. Ihr lobt Mist wie Depression Quest. Ihr wollt uns dauernd einreden, wir wären alle dauernd sexistisch und wollt uns - Sarkeesian - nur wieder etwas wegreißen. In dieser Verbindung liegt die Sprengkraft der Farce um Zoe Quinn. Eine Frau, die ein hochgelobtes, von "Gamern" nicht einmal als anständiges Spiel identifiziertes blödes Textadventure durch Sex in den Pressehype hievt. 

 

Klar, dass da die Sicherungen durchknallen. Die Zeit der Abrechnung scheint gekommen. Dafür lassen sich auch Spieler motivieren, die sich sonst nicht unbedingt mit den elitären Jungsclubs identifizieren. "Wir Gamer", also alle, die sich als Teil dieser speziellen "Gamer Culture" sehen, gegen "die da oben".  Diese "Gamer culture", deren Ende in den Artikeln - auch von mir - prophezeit wird, umfasst natürlich nicht alle diese Menschen, die hier glauben, ein Unrecht bekämpfen zu müssen - sondern nur einen Teil davon. Nennen wir sie doch so wie in einem anderen Spiel: Ultras.

Dieses laute Subset an Ultras - ein Begriff, den Christian Schmidt treffend vom Fußball auf diese Szene umgelegt hat - ist kleiner, als die Proponenten glauben. Auch, weil sie elitär sind - und schon deshalb keine Massenbewegung sein wollen. Man will sich abschotten, in Expertenkreisen. Die "neuen" Spieler - Casuals, Frauen, ältere Spieler, die mit den AAA-Titeln und ihren juvenilen Zeitanforderungen nicht klar kommen - durften ja auch nicht ins Baumhaus hinein. Wenn sie überhaupt etwas von dieser Diskussion mitbekommen, werfen sie sich wenn, dann nur aus Desinformation in eine "Revolution", die für viele offensichtlich von Sexismus, Hysterie und Trotz charakterisiert ist.

Für viele dieser "neuen" Spieler, aber auch für weniger fanatisierte Spielbegeisterte, sind diese "Gamer" immer noch Nerds: eine verschworene, kauzige Gruppe von hauptsächlich jungen Männern, die sich bewusst abgrenzen. Für "Gamer" ist das Außenseitertum trotzig und stolz kultiviertes Ehrenzeichen.

Diese "Gamer" geben aber nicht "den Takt vor". Nicht mehr. Zumindest nicht jene, die sich im Sinne von #GamerGate als "true gamer" verstehen. Sie werden sich bald kleinlaut wieder einreihen in ihren ewigen AAA-Release-Zirkus, sich andere Seiten für "really real actually true gamers" suchen. Müssen.

Dan Goldings Text "The End of Gamers" hat mir persönlich am besten gefallen. Ich klaue ihm deshalb das Schlusswort:

On some level, the grim individuals who are self-centred and myopic enough to be upset at the prospect of having their medium taken away from them are absolutely right. They have astutely, and correctly identified what is going on here. Their toys are being taken away, and their treehouses are being boarded up. Videogames now live in the world and there is no going back.

I am convinced that this marks the end. We are finished here. From now on, there are no more gamers—only players.

Es werden alle, alle spielen. Das ist das Jahrhundert des Videospiels. Die alten, tollwütigen Gatekeeper sollten nicht dagegen kämpfen, sondern sich freuen: Sie hatten ja ursprünglich recht damit, dass Spiele toll sind. Wenn ihnen ihr Baumhaus plötzlich nicht mehr exklusiv genug ist, können sie ja auch gern jederzeit runterkommen. Dort wird jetzt nämlich auch gespielt.

Autor: 

Kommentare

Kurz und knapp: Schön geschrieben! So sieht es aus.

Gefühlt gibt es mehr als nur eine "True Gamer"-Bewegung. Einerseits natürlich die von dir beschriebene Gruppe, zum anderen aber auch die Gruppe, die sich von großen Spielen abgewandt hat und in Nischentitel spielt und feiert.  Ich meine, ist ja auch beides in Ordnung, nur die Arroganz und der ganze Müll rund um #GamerGate ist natürlich zu viel des Guten. Ich sehe es immer kritisch, wenn sich eine Gruppe über andere Menschen erheben will und sei es nur bei so etwas banalem. Ich meine, allein die Definition von Gamer ist doch Unsinn. Klar, einige spielen mehr andere weniger. Und wenn ich mich als Gamer sehe, sehe ich viele andere eben nicht so. Allerdings macht das doch keinen Unterschied. Ich zocke gerne was ich zocke, ob es nun andere auch tun oder nicht, ist mir relativ egal. Wenn jemand genau so viel spielt wie ich: Toll. Wenn jemand weniger spielt als ich: Auch gut. Wenn jemand gar nicht spielt verpasst er eben was.

Mir gelingt es auf mentaler Ebene nicht so ganz den Sprung zwischen dem Wachstum von YouTube als Zufluchtsort für "Core Game" (was ich persönlich auch etwas anders sehe, aber vermutlich bin ich da etwas voreingenommen) und der Abkehr von Videospieljournalisten von "klassischer" Berichterstattung nachzuvollziehen.

Nun lese ich nicht so viel wie ich vermutlich sollte, aber soweit ich die Lage überblicken kann, bestehen die meisten größeren Internetseiten und Zeitschriften noch immer zu großen Teilen aus klassischer AAA Berichterstattung, von einigen wenigen Ausnahmen mal abgesehen. Das ist in bestimmten Bereichen dabei sich zu verändern, doch wächst YouTube als Plattform für Berichterstattung über Computerspiele bereits seit 2010, also weit bevor diese ganze Geschichte wirklich am Rollen war.

Aber wie gesagt, ich bin vermutlich voreingenommen weil ich Videos mache und ich irgendwie das Bedüfrnis verspüre mich unnötigerweise selbst zu verteidigen. Ein Gefühl, was ich in den letzten zwei Wochen permanent hatte.

@Mokka: Da hast du sicher recht, und ich gebe zu, dass das eher eine nur halb belegbare Aussage ist - sie steht zwar ohnedies nicht gerade zentral da, aber klar fällt sie jemandem wie dir auf.

Ich finde allerdings aktuell interessant, dass "Games Personalities" auf YouTube gerade in den #GamerGate-Kreisen als die großen "Alternativen" zur Presse geadelt werden. Keine Diskussion ohne Verlinkung auf Thunderf00t, #IStandWithJontron, #TotalBiscuit und andere, die hier eben als nicht "korrupte" Stimme der "Gamer" heiliggesprochen werden. (Ganz schlimm: MundaneMatt. Was für ein Wichtigtuer.)

Soll nicht heißen, dass ich Video als a priori "schlechter" oder "unkritischer" sehe. Mein - altes - Problem, das mich leider sowohl zum Podcast- als auch Videoverächter macht: Ich lese immer noch mindestens doppelt so schnell wie die meisten reden. Und deshalb dauert mir das alles zu lange, ist nicht such- und zitierbar und verlangt eine Art passives Dasitzen, das mir weniger liegt als selbst zu lesen.

War also kein Angriff auf YouTuber allgemein. Nur die paar Hirnis, die da immer statt Argumenten rumgepostet werden, können mir gestohlen bleiben.

Vielen Dank für den Artikel. - Etwas Ähnliches fand sich die Tage auch hier: http://badassdigest.com/2014/08/26/video-games-misogyny-and-terrorism-a-...

Was mir an dem an sich guten und provokanten Beitrag hier nicht gefällt:

Es gibt doch nicht nur den sexistischen core gamer versus die Megamasse der casuals. Ich bezeichne mich sicher als 'core gamer', spiele aber zu speziell gewählten AAA-Titeln auch 'indy games' und bin sicherlich eher Feminist als Mysoginist. Dennoch bin ich core gamer, der seit den frühen 1980er Jahren zu viel zockt.

Das hier klingt zwischen den Zeilen in seinem Ton so, als entschuldigte sich der Ersteller trotzig dafür, nur noch Zeitfenster für kurze Casual Games dem Gaming öffnen zu können - und dass die normale Masse der Gamer*innen dies auch erwachsen so pflegt.

Alles andere erscheint hier ““juvenil“.

Es gibt Gamer. Es gibt core games. (Da muss man nicht platt auf CoD zurückgreifen)

Missverständnis, ich will damit natürlich NICHT sagen, dass die von mir beschriebenen "Gamer" mit "Core Gamern" absolut identisch sind. Es gibt natürlich eine Menge Core Gamer, die - wie du anscheinend - weder von mir noch Leigh ALexander, Golding etc gemeint sind.

Falls das nicht so rübergekommen ist: Das Grundproblem an dieser Diskussion um das "End of Gamers" ist der "Gamer"-Begriff. Ich habe mich bemüht, diesen Begriff so klar wie möglich zu definieren, auch, indem ich auf den "Arschlochgamer" verwiesen habe, der ja eindeutig eine Minderheit mit extrem spezifischen Eigenschaften beschreibt. Im Englischen ist diese starke Beschlagnahme des Wortes "gamer" auch expliziter als im Deutschen, wo "Spieler" ja wieder eine andere Konnotation hat.

Ich habe nichts gegen "Core Gamer", absolut nicht. Niemals würde ich Menschen, die für ihr Hobby brennen und Leidenschaft für dieses auch mein Medium empfinden, pauschal entwerten wollen. Jene kleine Hardcore-Truppe, die den Begriff des "Gamers" aber trotzig für sich exklusiv in Beschlag nimmt, misogyn agiert, andere Gruppen aussperren will und sich wie ein irrationaler Hassmob verhält, ist eben nicht die Mehrheit.

Du zählst dich ja wohl selbst deiner Beschreibung nach dann zu den "Spielern", aber nicht zu diesem seltsamen kleinen Kult, der sich recht tollwütig gegen so ziemlich alles richtet: Spieleentwickler sind böse (EA, Fish, Quinn, aber auch die bösen CoD-Devs, die Waffen-Specs ändern wollen). Kritiker sind böse. Die Presse ist böse. Und alle Konsolen außer meiner sind auch böse. Das ist ein kindisch-aggressiver Trotz-Club. Der ist am Ende. Nicht die Welt der Spieler, in der Core-Gamer auch ihren Platz haben.

Ich finde ja den Vorwurf ganz interessant, die ganzen "Gamers are Dead"-Berichte sind Teil einer großen Verschwörung, bzw. es könne kein Zufall sein, dass diese Artikel alle am gleichen Tag kämen. Nehmen wir mal an, es wäre tatsächlich so und die würden alle unter Decke hocken. Gerade dann würden sie ihre Artikel aber auch nicht am gleichen Tag veröffentlichen, damit sich dieser Zusammenhang auch nicht bietet. Aber das sind eben diese Gamerz, die nach Munition suchen, wo sie nur können. Siehe die angeblich erschlafenen Berichte von Zoe Quinn, die aber nirgends vorhanden sind.

Das amüsante an TotalBiscuit ist, dass er je nach Debatte mal ein korruptes Arschloch oder das exakte Gegenteil ist. Was auch so ein bisschen zeigt, wie vollkommen erratisch dieses ganze Gruppengetue ist.

Ich schätze mich stören in dieser Debatte die ganzen Verallgemeinerungen. Du hast ja etwas weiter unten nochmal versucht etwas näher zu erläutern wer exakt mit diesen Texten gemeint ist, doch das Problem ist, dass dies in den initialen Statements nicht wirklich deutlich war. Ich persönlich identifiziere mich nicht als "Gamer", finde den Begriff doof und an sich auch vollkommen zweitranging. Allerdings haben sich ja jetzt genügen Menschen gemeldet, die ich persönlich jetzt nicht zu der Gruppe zähle, die in diesen Artikeln angesprochen wurde, die aber sich trotzdem über diesen Begriff definieren. Ob nun mit "Gamer" nur ein bestimmter Typus an Mensch gemeint war, ist dann zunächst einmal egal.

Das Problem mit Gruppenkonflikten ist, dass diese immer über starke Verallgemeinerungen laufen. Die Gegenseite muss unter allen Umständen als möglichst homogene, geschlossene Masse erscheinen, da sie sonst nicht wirklich als Feindbild dienen kann. Das Problem ist nur, dass Menschen nicht so homogen sind und wir daher in diesen Situationen immer ein falsches Abbild der Wirklichkeit generieren.

Ich habe mir selbst letzte Woche ein twitter-Verbot erteilt als ich in meinen Feeds mehrere aggressive Tweets gelesen habe, in denen ich mich teilweise angesprochen gefühlt habe. Mir war klar, dass ich nicht gemeint war. Allerdings ist es schwer, sich nicht leicht beleidigt zu fühlen, wenn man liest wie jemand das was ich tue als "parasitisch" bezeichnet. Wenn dann auch noch zusätzlich Menschen meinen, andere aufgrund ihrer Intelligenz, bzw. durch angebliche sexuelle Unerfahrenheit herabzuwürdigen, ist das für mich immer ein Signal möglichst schnell weg zu gehen.

Das traurigste für mich im Moment ist, dass das von mir kürzlich noch gelobte kreative Chaos innerhalb der Compuerspiele vermutlich bald verschwinden wird. Ich sehe die Artikel die jetzt erschienen sind als erstes Zeichen einer tatsächlichen Spaltung zwischen "Populär-" und "Hochkultur". Das soll kein Vorwurf an die Menschen sein, die diese Texte geschrieben haben und so denken. Ich finde es nur schade, dass es soweit kommen musste.

@mokka: Viele gute, richtige Punkte.

Ich wünschte auch manchmal, ich könnte mich von der Dummenolympiade fernhalten, aber irgendwas treibt mich ab einem gewissen Punkt zum Widerspruch.

Ich würde ja lieber mehr über Computerspiele lesen. Statt dessen kommt ständig dieser Politikmist. Noch schlimmer ist eigentlich nur die Diskussion unten drunter, bei der der Seitenbetreiber auch noch ordentlich mittrollt. :(

@Gast:

Extra, extra! Neue Technologie erfunden, die es erlaubt, nicht mit Sachen behelligt zu werden, die einen nicht interessieren!

Abgesehen davon: Seit 12. April gab es genau 5 Texte, die unter dem Tag "Meinung" dieser, wie du es nennst, "Politikmist" in der einen oder anderen Form behandeln - wenn man von den regelmäßigen Videos von Michael Schulze von Glaßer absieht, die wir hier auch featuren.

Das Thema ist wichtig. Und dass ich mich selbst hinsetze und mit den Kommentatoren kommuniziere, werden vielleicht auch manche Leser nicht ganz so scheiße finden.

Ich weiß nicht, was am 12. April war; gegen Meinungsartikel hab ich jedenfalls nichts. Auch nicht gegen Games'n'Politics.

Ich kenne VGT fast seit dem Anfang, als Du die Artikel noch auf Telepolis veröffentlich hast um ein bisschen Werbung zu machen. Darüber bin ich auf die Seite aufmerksam geworden. Damals erschienen hier regelmäßig interessante Gedanken und Einsichten zu Computerspielen. Wegen VGT hab ich "The Book of the New Sun" gelesen.

Irgendwie fehlt das zunehmend. Mein Kommentar war ein Hinweis darauf; und auch darauf, Deinen Beitrag zur Diskussion mal kritisch zu betrachten. Es hat laut Kommentarkasten gerade mal 14 Minuten gedauert, bis Du eine Antwort gepostet hattest. Entsprechend wenig trägt diese zur Diskussion bei und den Ton finde ich einfach nur aggressiv. Ähnliches kann ich in vielen Postings sehen.

Ich vermute, wenn Du ständig kontroverse Themen bringst und dann noch im Forum ordentlich mitmischst, dann bleiben irgendwann sicher auch nur noch die Leute übrig, die auf sowas anspringen. Das sind vielleicht nicht unbedingt die, die Du auf VGT haben willst.

@Gast: (Übrigens schade, dass du, als "alter Leser", die Anonymität bevorzugst.) Diesmal noch schneller mit dem Antworten.

Ich würde liebend gerne wieder anderes bringen. Ich würde mit Freuden mehr Spiele vorstellen. zB zu Eidolon habe ich ein "Was man spielen soll" im Kopf, ebenso zu Abyss Odyssey; beides ist untergegangen.

Das hat persönliche Gründe: Ich bin seit sechs Wochen in Vaterkarenz, dh mein Tagesablauf/meine Zeitgestaltung hat sich geändert. Das lässt mir weniger Zeit, neben der trotzdem (als Selbstständiger) unvermeidlichen Freelance-Arbeit so zu schreiben, wie ich möchte. Ist dir vielleicht aufgefallen, dass ich weniger selbst und mehr von Gästen gebracht habe.

Was dennoch aus mir hinaus muss, was trotz Karenz und Sohn neben mir irgendwie geht, weil ich zB den Text oben gestern nacht von 0,30h bis 1.30h geschrieben habe, sind die Themen, zu denen ich mich hier in den letzten Tagen auch in den Kommentaren vermehrt zu Wort gemeldet habe. Und das deshalb, weil es in mir brennt. Mich wühlt dieser "Konflikt" auf. Ich schaffe es leider nicht, hier Ruhe zu bewahren, die Achseln zu zucken und die Klappe zu halten. Ja, es wäre souveräner, da "drüber zu stehen", sich auf "das Medium" zu beschränken und alles auszusitzen. Das schaffe ich nicht.

Ich hoffe natürlich, Leser wie dich dadurch nicht zu vergraulen. Es berührt mich, dass ich jemanden dazu gebracht habe, Gene Wolfe zu lesen; ich nehme deine Kritik sehr ernst.

Wenn du also als langjähriger Leser so viel von mir weißt, weißt du auch, dass ich nicht aus purer Lust an der Provokation oder als Clickbaiter so handle. Es bewegt mich wirklich, denn leider schaffe ich es persönlich nicht, Spiele, die Kultur in der sie entstehen und eben auch das Klima, in dem sie rezipiert werden, ganz zu ignorieren.

Übrigens sollte ich ab Herbst wieder zu mehr kommen; dann auch zu Erfreulicherem.

Ich hoffe, du hältst das durch bis dann.

> Ich hoffe, du hältst das durch bis dann.

Ja, na klar. :) Dass Du Dich vorrangig um Kind und Arbeit kümmern musst, ist auch selbst verständlich. Wäre nur schade, wenn VGT langfristig zum Trollforum verkommt. Davon gibt's schon so viele.

>Wäre nur schade, wenn VGT langfristig zum Trollforum verkommt.

Also, DAS wird eher nicht passieren. Ich finde ja trotzdem, dass der Umgangston hier im Vergleich zu ALLEN anderen Foren (Superlevel ist auch eine Ausnahme) extrem zivilisiert ist.

Jetzt wo ich aus dem Urlaub zurück bin schreib ich ja vielleicht auch mal wieder was (keine Versprechungen). Andererseits weiß ich auch nicht ob das bei Stammlesern ankommt, ich reg mich ja auch ständig über was auf.

Gamer meint sowas wie Cineast!

Hm, ich sehe nur kaum Cineasten einerseits krampfhaft am Produktcharakter samt möglichst objektiver "Testumgebung" festhalten noch tollwütige Mobs von Michael-Bay-Fans den Kopf von Jane Campion fordern, weil sie korrupterweise mit einem Filmjournalisten eine angebliche Affäre hatte. ;) Dass Cineasten Snobs sind, mag sein, doch das Recht amMedium selbst würden sie wohl auch kaum anderen Filminteressierten streitig machen. Trollende Nouvelle-vague-Hassmobs, die der Hollywoodkomödie den Kampf ansagen ... streitlustige Cannes-Veteranen, die erbittert die absolute Korruption der Filmkritik anprangern ...

Ich weiß, was du meinst. Ich wünschte, du hättest recht. Momentan ists noch nicht so.

Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Nietzsche am Morgen :-D

Wie gesagt: Der Kampf gegen Internet-Bigotterie wird nicht Hauptthema von VGT bleiben. Wer aber nur sporadisch das Twitter-Hashtag #GamerGate verfolgt, wird eventuell auch die eine oder andere Aggression zu verarbeiten haben. you have been warned.

Also auch wenn ich mich hier unbeliebt mache, sehe ich doch eine gewisse hegemoniale Berichterstattung wenn es um das Sexismusthema geht. Auch der automatische "Guilt by Association" Mechanismus mit dem Kritker mundtod gemacht werden (Kritk an Sarkeesian = Misogynie), fällt mir seit Monaten auf.

Neben den Out-of-Context Zitaten und diversen anderen Kritikpunkten, fallen auch gewisse logische inkonsistenzen in der Argumentation frappant auf (z.B.: Wird die übliche Genderverteilung bei Minnions in Shootern bewusst ausgelassen, Männer werden hier zuhauf abgemetzelt was aber offensichtlich niemanden stört) und die daraus resultierende moralische Transitivität der Kritikerinnen: Sexismus gegenüber einem Geschlecht ist schlimmer als Gewalt oder Mord an einem Geschlecht.

Die Liste geht natürlich weiter, all das ärgert seit Monaten, und ich kann sehr gut verstehen, dass sich die Trolle über diese Art der Hegemonialen Berichterstattung und die Deutungshoheit der Mainstream-Medien aufregen.

Game-Journalismus ist kein Sozialer Kommentar und sollte das auch nicht sein, dafür gibt es andere Medien. Wenn euch Spiele als Thema zu langweilig werden, dann bewegt euch eben in andere Richtungen aber lasst Gaming da raus...

@Gast (mal ehrlich, schreibt irgendwas rein. Ich weiß schon, "we are legion", bliblablu, aber ein bisschen mehr Mut zum Nick, hm?):

Hegemoniale Berichterestattung zum Thema Sexismus: Da hast du recht. Auch zum Thema Rassismus herrscht in westlichen Ländern eine bestürzend monokulturelle Hegemonie, die besagt: Ist scheiße. Das kommt daher, weil sich fast alle darauf einigen können, dass Ungleichbehandlung aufgrund von Gecshlecht oder Hautfarbe abzulehnen ist.

Dass Kritik an Sarkeesian mit Sexismus in Verbindung gebracht wird, hat zwei Gründe. Zum ersten: Es SIND oft sexistische Angriffe auf sie dabei. (Und wenn du mir jetzt mit der VT kommst von wegen "Alles nur gefaket" - spar's dir.) Zum zweiten: Die sonstige "Kritik" an ihr ist meist an den Haaren herbeigezogener Mist. Die immerselben Videos von Thunderf00t & Co, die regelmäßig anstelle von richtiger Beschäftigung mit AS überall gepostet werden, als wären sie Harvey Lee Oswalds Knarre, sind Bullshit-Feuerwerke ((c) Anjin Anhut).

Weil es mich ermüdet, immer und immer und immer und immer immer und immer und immer und immer immer und immer und immer und immer immer und immer und immer und immer immer und immer und immer und immer immer und immer und immer und immer immer und immer und immer und immer immer und immer und immer und immer wieder dieselben Argumente zu wiederholen, verweise ich jetzt einfach auf diesen trefflichen Kommentarthread bei Superlevel, in dem diese dumpfen Machwerke analytisch zerlegt werden.

Also: Kritik an Sarkeesian ist leider tatsächlich in den allermeisten Fällen entweder direkt oder indirekt sexistisch motiviert - weil abgesehen von den paar Strohhälmchen, die von den "Kritikern" ständig gegen sie geschleudert werden (die Sache mit Hitman ... gähn) kein einziger bislang eine nur annähernd vernünftige Widerlegung ihrer Grundthesen unternommen hat. Warum? Weil's stimmt: Das Medium hat eine misogyne Grundtendenz, weil es aus dem männerdominierten Technikbereich kommt, etc etc.

Aber: Jetzt kommts: Das wäre halb so wild! Gibts/gabs auch im Film! Auch in der Literatur! Überall! Könnte man ja auch als Lichtblick sehen, dass Sarkeesian da Bewusstsein schafft. Man könnte sich zurücklehnen, sagen, hmm, tja, aus feministischer Sicht ist das problematisch, aber das Medium ist ja noch jung - wenn's der Film geschafft hat, die gesellschaftliche Realität besser abzubilden, warum nicht auch wir?

Passiert nicht. Denn: Was allerdings wirklich, wirklich, wirklich deprimierend und zum Kotzen ist, ist die Konsequenz, mit der es einzelne Vollidioten geschafft haben, die Analyse des Mediums noch tausendmal treffender für die gesamte "Kultur" werden zu lassen. Den Frauenhass, diesen dumpfen, bescheuerten, hartnäckigen Antifeminismus, den ihre "Kritiker" da tausendfach unter Beweis gestellt haben, kann kein noch so misogynes Spiel toppen. Schönen Dank an die lautstarken Vollidioten, die es geschafft haben, dass das gesamte Medium verlässlich diesen Ruf beibehält. Da müssen natürlich Menschen wie du und ich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn Pauschalurteile à la "Gamer sind Sexisten" kursieren - aber wundern dürfen wir uns nicht darüber.

Zu deinem "Männer sind auch von Sexismus/vortueller Gewalt betroffen" zitiere ich aus dem Superlevel-Thread:

>Dann gibt’s das uralte Argument von wegen: Ja, aber guck mal, die Männer sind auch so einseitig dargestellt, als Kampf-Machos ohne Verstand. No shit, auch das ist Teil von sexistischen Darstellungsformen, allerdings in einer anderen Hinsicht: Muskelbergmachospacemarinekampfmänner stellen eine Machtfantasie dar, sie sind Badass und vor allem spielbar. Du fühlst dich nicht inadäquat wenn du Marcus Fenix steuerst, weil du keinen Sixpack hast, du fühlst dich fucking awesome, weil du Locus in Stücke sägst. Frauenfiguren empoweren Spieler nicht, sie sind meistens machtlose, in Ohnmacht fallende Karikaturen mit riesigen Ausschnitten.<

Wenn Sarkeesian/werauchimmer jetzt übrigens kritisiert hätte, dass - wie du oben schreibst - auch Männer als Kanonenfutter missbraucht werden, wäre der Aufschrei gegen sie nicht kleiner gewesen, im Gegenteil.

Die Liste geht natürlich weiter, all das ärgert seit Monaten, und ich kann sehr gut verstehen, dass sich die Trolle über diese Art der Hegemonialen Berichterstattung und die Deutungshoheit der Mainstream-Medien aufregen.

Das ist nicht "hegemoniale Deutung der Mainstream-Medien", sondern Konsens in unserer westlichen Gesellschaft: Sexismus ist scheiße. Punkt. Dass sich Menschen wie du und ich darüber aufregen, dass Gamer als Sexisten pauschalverurteilt werden: Ja, mal scharf nachdenken, wer da die meiste Schuld dran hat: Sarkeesian oder die Honks, die ihr Hass-Tweets, Todesdrohungen und Vergewaltigungsfantasien schicken, weil sie eine shitty Videoserie über Gaming dreht?

>Game-Journalismus ist kein Sozialer Kommentar und sollte das auch nicht sein, dafür gibt es andere Medien. Wenn euch Spiele als Thema zu langweilig werden, dann bewegt euch eben in andere Richtungen aber lasst Gaming da raus...<

Tja, WAS Games-Journalismus sein soll, wird nicht von einer Person oder Zielgruppe zu beantworten sein. Wenn Games als bedeutendes kulturelles Medium große soziale Relevanz haben, ist ein sozialer Kommentar sogar unausweichlich. Und es gibt wahrhaft immer noch genug "GAMEZ"-Seiten, auf denen Spiele wie Waschmaschinen "getestet" werden.

"Wir", wer auch immer das sein soll, lassen Gaming "da" nicht raus. Spiele sind Teil der Welt. Ich finde: Ein toller, spannender, großer, wachsender Teil. Wenn sie weniger auf dumpfe Klischees setzen, in geringerem Ausmaß andere benachteiligen oder als Sexspielzeug darstellen, kurzum: ein wenig "erwachsener" werden - zumindest ein Teil, verdammt,es fordert ja KEINER eine allgemeine Zensur - , dann kann doch eigentlich niemand was dagegen haben.

Also erstmal danke für das ausführliche Reply, wozu ich irgendeinen Nick in das Feld schreiben sollte ist mir allerdings unklar nachdem Du eh meine Emailadresse hast, die ja dankenswerterweise nicht öffentlich angezeigt wird.

Zum Kanonenfutter: Mich ärgert die, durch die bewusste Auslassung dieses Geschlechterverhältnisses, implizte Relation: Frauen als sexy Hintergrundobjekte sind schlimmer als Männer als Kanonenfutter... Aber das ist ja einer der Jedi-Mindtricks des modernen Feminismus, Sexismus gegen Männer gibt es per Definition nicht.

Deine Argumentationslinie und Dein Einstieg in die Diskussion zeigt übrigens SEHR schön was mich an dem ganzen Diskurs ärgert (woher glaubst du z.B. zu wissen dass ich irgendwas mit Anonymous am Hut habe?). Wie bereits im OP geschrieben, ärgert mich vor allem der automatische "Guilt-By-Association" Bullshit, der bei jedem reflektieren Menschen, der gegen Vorurteile ist, zumindest eine mittelschwere kognitive Dissonanz auslöst.

Zum Nachlesen was es mit diesem logischen Fehlschluss auf sich hat: http://en.wikipedia.org/wiki/Association_fallacy

Gibt es Arschloch Gamer, die Sakreesian kritisieren und misogynistisch sind? Natürlich gibt es die, ist ja empirisch beobachtbar. Nur der Umkehrschluss, dass jeder Mensch der Sarkeesian kritisiert automatisch misogynistischer Arschlochgamer ist, ist logisch falsch und auf ca. dem selben Level wie zu behaupten dass alle Schwarzen Drogendealer sind.

Aber aus irgendeinem Grund werden aber alle Gender-Themen genau auf diesem Bullshit-Level geführt: Wer kein Feminist ist, ist ein Sexist und Misogynist.

Beuge dich der hegemonialen Deutungshoheit der Feministinnen in den Mainstreammedien und ihren Sprachregeln und -geboten. Wer dagegen verstösst steht unter Generalverdacht ein schlechter Mensch zu sein, da es ja schlechte Menschen gibt die dagegen verstossen... qed.

Da es einen breiten gesellschaftlichen Konsens gibt, dass Rassismus und Sexismus etwas schlechtes ist, wird der Vorwurf etwas sei sexistisch oder rassistisch, schnell zum Totschlagargument und führt zu einer gleichgeschalteten Berichterstattung und Politik (zuletzt gesehen bei der unfassbaren Vergewaltigungsserie in Rotherham bei der die Polizei nicht gegen verdächtige Pakistanis ermittelt hat, aus Angst davor rassistisch zu erscheinen).

Ich habe etwas gegen Rassismus und Sexismus, aber ich habe auch etwas gegen Vorurteile, Ideologisierung, Dummheit, Denk- und Sprachverbote und all das beherrscht die aktuelle Diskussion.

Und abschließend zum Gamejournalismus: ultimativ könnt ihr natürlich machen was ihr wollt. Nur müsst ihr euch damit abfinden, dass ihr dafür kritisiert werdet, oder vom Markt marginalisiert. Feminismus als Click-Bait (wie z.B. im Onlinestandard) wird nicht ewig laufen...

zunächst vielen dank für diesen artikel - ich bin erst vor wenigen tagen über diesen blog "gestolpert" und bin sehr positiv überrascht: eben weil es im bereich des "gamings" wenige seiten im worldwideweb gibt, die auf der einen seite eine kompetenz im bereich des mediums/kultur "spiele" mitbringen und auf der anderen seite auch eine kritische UND differenzierte betrachtungsweise zustande bringen.

die problematik in dieser diskussion, wie in vielen anderen auch, ist auf der einen seite der beidseitige anspruch auf "wahrheit(en)" als auch die tendenz betreffend standpunkt(en) in "entweder/oder" zu verfallen (im speziellen auch auf die sexismus-debatte bezogen).

der „spiele-journalismus“ trägt dann noch sein übrigens dazu bei - die meisten großen medien in diesem bereich berichten beispielsweise „neues video von anita sarkeesian“, kommentieren das aber aus sicht der redaktionen („meinungen“) nur wenig bis gar nicht. dieser umstand lässt dann leider sehr viel raum für mitunter wirklich „schockierende“ diskussionen bzw. ansichten in den unterschiedlichsten foren und blogs.

>(…) kurzum: ein wenig "erwachsener" werden - zumindest ein Teil, verdammt,es fordert ja KEINER eine allgemeine Zensur - , dann kann doch eigentlich niemand was dagegen haben.<

wenn das in diesem sinne in den köpfen der spielemacher und spielern ankommt hat die diskussion etwas gebracht - der weg dorthin erscheint mir allerdings noch recht weit.

@bliblablu: Mit Anonymous hast du nix am Hut. Freut mich, dass ich dich ins Ausfüllen des Namensfeldes provoziert habe, das war der Sinn. Deine Email-Adresse ist irgendwo in den Untiefen des CMS und interessiert mich auch nicht.

>>Gibt es Arschloch Gamer, die Sakreesian kritisieren und misogynistisch sind? Natürlich gibt es die, ist ja empirisch beobachtbar. Nur der Umkehrschluss, dass jeder Mensch der Sarkeesian kritisiert automatisch misogynistischer Arschlochgamer ist, ist logisch falsch und auf ca. dem selben Level wie zu behaupten dass alle Schwarzen Drogendealer sind. <<

Ja. Und, wo sag ich das?

>>Aber aus irgendeinem Grund werden aber alle Gender-Themen genau auf diesem Bullshit-Level geführt: Wer kein Feminist ist, ist ein Sexist und Misogynist.<<

Nochmals: Wo sag ich das? Aber bitte: Der Grund dafür ist einfach der, dass Sexisten und Misogyne nicht nur in diesem Medium, sondern auch außerhalb regelmäßig verbitterte Hasskampagnen lostreten, was das nüchterne Diskutieren für beide Seiten unmöglich macht.

>>Ich habe etwas gegen Rassismus und Sexismus, aber ich habe auch etwas gegen Vorurteile, Ideologisierung, Dummheit, Denk- und Sprachverbote und all das beherrscht die aktuelle Diskussion.<<

Tja, das ist wohl so in einer "Bewegung", die eine Diskussion über "Ethik" und "Moral" auf den brennenden Überresten von rundum verbrannten Schlampen führen will. /Sarcasm

>>Und abschließend zum Gamejournalismus: ultimativ könnt ihr natürlich machen was ihr wollt. Nur müsst ihr euch damit abfinden, dass ihr dafür kritisiert werdet, oder vom Markt marginalisiert. Feminismus als Click-Bait (wie z.B. im Onlinestandard) wird nicht ewig laufen...<<

Von mir aus können alle, die meinen, Spiele sollten als eskapistisches Vehikel doch bitte auf ewig von jeder gesellschaftlichen Kritik verschont bleiben, gerne abhauen und irgendwas anderes lesen. Ich vertrete hier überhaupt keine kommerziellen Interessen, im Online-Standard steht das Thema nicht als Clickbait, sondern aus Überzeugung. Dass Zsolt sich damit oft selbst keinen Gefallen tut, sollte jedem denkenden Menschen klar sein, denn soooooooo unterhaltsam ist das dauernde Gezanke in den Kommentarbereichen dann auch wieder nicht.

Ich fände mich im Übrigen mit JEDER Kritik ab. Mit Hasskampagnen, massivster Belästigung und dem Wegekeln "unliebsamer" weiblicher Kritiker allerdings niemals. Solange die Extremisten implizit mit Beschuldigungen in die andere Richtung in Schutz genommen werden, taugt die ganze Diskussion nur als Stellungskrieg.

@wienermischung: Word! Danke.

@rainer sigl:

Ich habe das Alles eher als allgemeines Statement zur Lage des Diskurses gemeint und nicht als persönlichen Angriff oder als Unterstellung. Nachdem ich Deinen Blog auf Twitter bei #Gamergate gefunden habe und ihn Inhaltlich ansprechend finde (auch dass Du mit den Postern diskutierst, etwas was bei "klassischen" Onlinemedien fehlt, da wird eher von "oben gepredigt") habe ich einfach mal meine Meinung dagelassen. Von Ad-Hominems halte ich nichts...

Zum Online-Standard: natürlich gibt es da ökonomische Überlegungen. Das Thema zieht und die Pageviews gehen hoch.

@bliblablu: Ich kenne Zsolt und weiß, dass er liebend gern über etwas anderes schreiben würde.

Danke fürs Lob, habe dich jetzt auch nicht als rabiaten Fanatiker empfunden. Wenn mein Ton etwas harsch ist manchmal bitte auf Verschleiß zurückführen. Bin ein ganz Netter sonst, echt.

@Rainer Sigl

Tja, das ist halt das prinzipielle Problem an anonymer Online-Kommunikation. So sehr ich Onlinediskussionen mag, können sie doch schnell in Drama, Anpatzerei und Adhominems abdriften. Meiner Meinung nach ein weiterer Grund warum die Lage gerade eskaliert.

Wegen Zsolt: warum tut er das dann nicht?

Eines muss man als Beobachter ja sagen: seine Berichterstattung ist reichlich einseitig, und da sich das Guilt-By-Association Ringelreijha ja in beide Richtungen dreht, ist es auch kein Wunder wenn er ins Radfem-Eck gestellt wird.

@bliblablu: wenn man als Breitenmedium diese Dose Würmer ignoriert, ist man nur mehr Special Interest. wer an eine einbettung des mediums in geseelschaftliche zusammenhänge glaubt, muss da position beziehen.

@Rainer Sigl:

Naja, aus der Perspektive der MRA´s (die mir als Gruppe übrigens auch eher suspekt sind, bei denen es aber natürlich auch intelligente und respektvolle Individuuen gibt) ist Sarkeesian und Co. natürlich ebenfalls eine Special Interest Group.

Sarkeesian ist ja auch nicht unbedingt eine gemäßigte Equity-Feministin, sondern tendenziell eher aus dem radikalen Gender Lager. Das Lager führt halt auch (leider) den medialen Diskurs an, was aus Sicht der MRAs einer Weltverschwörung nahe kommt. Daher die Aufregung und die Empörung...

Die MRAs verwenden, genauso wie die Feministen, Memes, Videos, etc. um ihre Message rüberzubringen. Nur dass die Gruppe der MRAs näher zu den notorisch unkorrekten steht, In 4chan wurden da z.B. bereits einige sehr seltsame und ungute Aktionen gestartet.

Was dann, wie immer, den gemäßigten und intelligenten schadet und den Mainstream zu einer Demarkationslinie um sie zwingt (die Demarkationslinie wird übrigens aus feministischen Kreisen explizit verlangt und die MRAs mit Neonazis gleichgesetzt, was wiederum Guilt-by-Association ist womit wir wieder beim Anfang wären).

Alles in allem ein verwirrendes Durcheinander mit einem nicht zu unterschätzenden Anteil an Psychos, verletzten Gefühlen, wechselseitigen Feindbildern, wechselseitigen Untergriffen und einer Diskussionskultur die unter jeder Sau ist...

"Wenn ihnen ihr Baumhaus plötzlich nicht mehr exklusiv genug ist, können sie ja auch gern jederzeit runterkommen. Dort wird jetzt nämlich auch gespielt."

Da mangelt es jemandem gewaltig an Einfühlungsvermögen.

Als Jahrzehnte lang erfahrenem "Diplomat", der so manchen Gamer gegen spottende Eltern und die innere Gesellschaft verteidigt und so manche Brücke zwischen beiden geschlagen hat, muss ich sagen, dass hier ein Journalist etwas tut, was Journalisten gerne tun: Er geht über Leichen. Hier über die der Hardcore Gamer im Baumhaus. Eigentlich weiß er ja, wovon er schreibt, denn er leitet seinen Artikel damit ein. Er weiß, dass Leute in Folge jahrelangen Behauptungskampfes jetzt eine Trotzreaktion entwickeln, die psychologisch absolut nachvollziehbar und verständlich ist. Aber Journalisten sind nun mal keine Psychologen.
Anstatt den "Arschlochgamer" zu helfen, aus ihrem Baumhaus zu kommen, werden sie mit Verachtung gestraft, sobald sie ihre Nase hervor strecken. Dabei sind sie eigentlich die Helden, die die unten auf dem Boden Spielenden feiern müssten, denn ohne die Beharrlichkeit der Baumhaus-Gruppe, und vor allem deren Geld, gäbe es gar keine so erfolgreiche Gaming-Industrie, die irgendwann den (ohnehin knappen) Mut aufbrachte, auch mal Experimente für andere Zielgruppen zu versuchen (eben die Casual Games). Das ist ein wichtiger Punkt, der in dieser Geschichte vergessen wird.

Ich kann die Gefühlslage eines Spiele-Journalisten nachvollziehen. Auch ich unterhalte mich lieber mit Indie-Entwicklern, als mit den Leuten von der AAA-Industrie. Allein schon, weil ich bei ersteren meine Ideen anbringen kann und sie vielleicht auf fruchtbaren Boden fallen und ich außerdem selber auch Ideen mitbekomme. Aber anders als viele Spiele-Journalisten kann ich unterscheiden, was Dessert und was Hauptgang ist. Den seien wir doch mal ehrlich, über free2play-Spiele kann man auch nicht so sehr viel schreiben, denn sie sind, wie die AAA-Titel, ein Aufguss. Und mit Indie-Titeln allein könnte keine Spiele-Journaille überleben. Folgerichtig ziehen sich Vorschauen, Ersteindrücke und endgültige Tests von AAA-Titeln über mehrere Heft- oder Webseiten, während Indie-Titel oder gute Adventures alteingesessener Studios oft nur einen viertel- oder halbseitigen Kasten bekommen, denn von den Herstellern der Triple-A-Titel kommt das erste Geld, und von den Hardcore-Gamern, die die Hefte kaufen und die Spieltest-Websites anschauen, das zweite Geld. Casual Gamer kaufen keine Spiele-Zeitschriften und lesen keine Spieletests im Web. Und ein Journalist muss das tun, was Geld bringt, genauso wie der VW-Arbeiter am Band. Da kann es noch so oft und leidenschaftlich von den Rosinen schwärmen, die am Wochenende im Sonntagskuchen waren.

Von daher sind die Zeilen des Artikel über weite Strecke hinweg ziemlich heuchlerisch.

Und um es nicht zu leicht zu machen, mich in die "Gamer"-Ecke zu schieben: Ich bin Fan von Wirtschafts-Simulationen alter Coleur, mochte die alte Commando-Reihe, weil sie so schwer war, spiele leidenschaftlich gute Indie-Spiele wie z.B. Papers Please oder Limbo, und kann GTA nichts abgewinnen. Auch nerven mich allzusehr vereinfachte Frauenbilder. Da stimme ich also Frau Sarkeesian vollends zu.
Und ich bin nicht so ein "Arschloch", dass ich die Core-Gamer nicht verstehen könnte, und kann deren Ärger, dass sich via Casual neu Hinzugekommene als die Originale sehen, durchaus verstehen. Und ich muss nicht als Journalist noch völlig unsensibel Salz in irgendwelche Wunden reiben und mich dann wundern, warum ich angefeindet werde.

Du schreibst von "Anzeigen", "Kasten" und "Spiele-Journaille", das zeigt mir, dass du keine Ahnung hast, wovon die Rede ist. Diese Welt der Zeitschriften ist vergangen, um die gehts nicht. Ich bin, falls du das nicht bemerkt hast, jetzt auch nicht eben "der Gamesjournalist". Es geht auch nicht um das Beschimpfen der Core-Gamer - dass du nicht differenzieren magst, dass ich nirgends "Core-Gamer" mit "Arschlochgamern" gleichsetze, spricht auch nicht für dich. Sorry..
Ich gehe über Leichen? Du meinst, dass das böse, böse verbale Beleidigen von ein paar sensiblen sich hier angesprochen fühlenden "Gamern", die der Hetze gegen Quinn, Sarkessian et al im Namen der "guten Sache GG" etwas abgewinnen können, "über Leichen gehen" ist? Im Ernst? Hast du dich abseits deines Kommentars hier irgendwie mit GamerGate beschäftigt?
Aktuell wird ein Aufstand rechtsreaktionärer Kreise samt ihrer Tausendschaft an rechtschaffen empörten Ahnungslosen aufgezogen. Es geht massivst gegen meist weibliche Einzelpersonen, aber auch gegen Strohmänner wie "cultural marxism", aber durchaus auch unverhohlen direkt gegen Feminismus, Intellektualismus, Andersdenkende. Da treffen sich simples Mobbing mit MRA und rechten Auslegern. Tenor: Frauen sind schuld, haben zu viel Einfluss, der Kunde ist König, wir wollen nur spielen. Das im Namen eines Kampfes gegen eine "Korruption", die nicht existiert.
Dein moralischer Kommentar herab vom hohen Ross dessen, der zunächst schon mal einen Monat zu spät zur Party kommt, zeigt mir, dass du keinen Tau hast, was da grad abläuft.Schön für dich, aber ich kann's leider nur als altmodische Onkelwarnung aus einem Eck verstehen, wo nicht der Kulturkrieg ausgebrochen ist.
Horizonterweiterung zB hier:
http://jonstonechannel2.tumblr.com/post/99246356388/why-bother-with-game...
http://www.firstpersonscholar.com/we-will-force-gaming-to-be-free/
http://secretgamergirl.tumblr.com/post/99278805850/the-longterm-plans-of...

Nichts für ungut, aber ich reibe da nicht "unsensibel Salz in irgendwelche Wunden", sondern ziehe eine dringend benötigte Linie in den Sand. Es herrscht kollektiver Irrsinn, mit Anklängen an die McCarthy-Ära.

Hui, es ist einfach ziemlich anstrengend, die emotional und einseitig die Wahrnehmung auf beiden Seiten verläuft...ich versuche mich mal in einer Gradwanderung.

Wie bereits beschrieben wurde, ist das Bild des "Gamers" innerhalb dieser Problematik schwer zu definieren. Ich finde die Bezeichnung und Definition des Arschlochgamers ehrlich gesagt wunderbar und besser als "Gamer", denn der aufgehetzte Pöbel im Internet hat noch zu keinem Thema etwas Sinnvolles und Kultiviertes beigetragen, weswegen ich ihn in die Akte "Trolling" oder "bekackte Umgangsformen im Internet" ablegen würde. Wie man mit Hass und Gewalt im Internet umgeht, ist bekannt, bzw. mehrfach kommuniziert worden. #GamerGate erfindet hier das Rad nicht neu, lediglich wird das Verhalten des Pöbels als Argument instrumentalisiert. Selbst das kann ich mir noch gerne gefallen lassen, jedoch nicht wenn es auf Kosten einer ernsthaften Diskussionsgrundlage geschieht, was ich leider mehrfach feststelle.

Zum Begriff "Gamer":
Der Begriff "Gamer" ist nichts anderes als das Wort "Bücherwurm" und er spiegelt einen überdurchschnittlichen Grad an Begeisterung zum Medium wieder. Die Theorie, dass er obsolet wird, sobald sich Games flächendeckend in der Gesellschaft etablieren ist der falsche Gedankengang. Es wird sich lediglich das Identifikationspotential verschieben. Zocken alle Menschen auf der Welt ein bisschen, nennt sich eben derjenige "Gamer", der noch mehr zockt, vor allem wenn er dadurch andere gesellschaftliche Tätigkeiten, wie Arbeiten, Feiern oder soziale Kontakte vernachlässigt. Da wären sich auch schon wieder beim Außenseiterstatus. Egal ob Metaller, Punk oder Goths, eine Subkultur definiert sich immer über ihren Außenseiterstatus, egal ob Metallica, Die Ärzte oder Unheilig in den Charts sind. Warum sollte man sich diesen Begriff also weg wünschen? Nicht jeder Gamer empfindet sich selbst als elitär, dennoch verspürt er eine Begeisterung für dieses Hobby und ich muss meinem Vorredner recht geben, wenn gerade diese Menschen dafür gesorgt haben, dass das Medium heute erst so groß geworden ist. Also an der Stelle wünsche ich mir mehr Verachtung für Arschlochgamer und mehr Verständnis für Gamer. Der Begriff tut niemandem weh. :)

Games verbreiten sich heute flächendeckend über mobile Geräte. Die Hürde, sich zuerst eine Konsole oder einen PC für mehrere 100 Euro anschaffen zu müssen, fällt weg. Das ist super! Jedoch muss auch akzeptiert werden, dass der AAA-Markt genauso interessant für Gelegenheitszocker ist, die einen Heidenspaß an gerade diesen jährlichen CoDs oder FIFAs der Welt haben. Die Kinocharts verhalten sich gleichermaßen. Stumpf ist auch in der Videospielkultur trumpf und das zieht das Medium ebenfalls in den Mainstream. Die Annahme, dass künstlerische, abwechslungsreiche Spiele wie "Depression Quest" oder "Gone Home" ein neuer Maßstab für die Erschließung allumfassender Zielgruppen ist, besonders weil das aktuelle Angebot für Männer ausgerichtet ist, halte ich für unwahr. Es gibt diverse Foren oder Facebook-Gruppen für weibliche Zocker und idR spielen die alle Black Ops 2. Brauchen wir überhaupt diese geschlechterspezifische Zielgruppeneinteilung? Was ist für Männer, was ist für Frauen? Wie definiert man sowas? Wenn es keine Spiele für Frauen gibt, woher kommen all die weiblichen Spieler? In meiner Generation gibt es dutzende von Mädels, die damals mehr mit He-Man als mit Barbie anfangen konnten und heute sind diese Grenzen und Vorgaben kaum noch vorhanden. Wieso können Spiele wie "Gone Home", "To The Moon", "Mind: Path To Thalamus" oder "Journey" keine erfrischende Ergänzung sein, als dass Journalisten von einem "Austausch" oder (im Fall von Christian Huberts) von einer "neuen Orientierung" gesprochen werden muss. Mal Hand aufs Herz, das klingt für mich nach Okkupierung, die vollkommen überflüssig ist, da das Spielangebot mit AAA, Indie, Competitive, Casual so breit gefächert ist wie jemals zuvor, so dass wir uns doch ALLE daran erfreuen könnten. Formate wie "Gamecraft" werden von Superlevel gedisst und ich verstehe nicht warum? Ist doch toll, wenn sich Dinge rumsprechen und verbreiten, sei es auch für eine andere Zielgruppe als Core- oder den "intellektuellen"-Gamer.

Mit dem letzten Satz werde ich mich mal wieder unbeliebt machen, aber ich sehe keinen bedrohlichen Sexismus in der Videospielkultur. Noch heute gibt es Studien, die besagen, dass Gewalt in Spielen keine Auswirkung auf das echte Leben hat. Der Weg dahin war Steinig und beschwerlich. Mit der Sexismusdebatte kommt die Diskussion in grün und stören tun sich daran die wenigsten. Ich sehe keinen Sexismus, wenn ich mich auf der Gamescom umsehe, ich sehe keinen Sexismus, wenn ich mir einen der dutzenden LP-Kanäle ansehe, die von Frauen betrieben werden, ich sehe keinen Sexismus beim Zocken selbst (und dabei bin ich nicht mal ein Fan von überzeichneten Frauenfiguren). Ein Bewusstsein für Sexualisierung wünsche ich mir durchaus, auch beim Konsumieren von Videospielen, aber dieser Grad an Feminismus stürzt über das Ziel hinaus. Aber da werden wir beide uns wohl nicht einig. :)

EIn sehr später Diskussionsbeitrag, aber dennoch willkommen.
Kann dir großteils zustimmen, allerdings geht die Vereinnahmung des "Gamer"-Begriffs ja nicht von der Allgemeinheit aus, sondern von jener radikalen Minderheit. Leigh Alexanders und Dan Goldings Texte richten sich demnach ja auch eben nicht an alle Spieler, sondern jene Betonköpfe, die sich dahinter verschanzen, die große Zahl an Spielenden für sich in Anspruch nehmen wollen und zugleich ihren Geschmack, as denn "echte" Spiele sein dürfen, als Standard durchbringen wollen.
Zum Thema Sexismus werden wir uns nicht einig, das stimmt. Zum Thema Gamescom verweise ich mal auf den Clusterfuck vorletztes Jahr, als ein ach so witziges YouTuber-Format Minderjährigen mit Dildos vor der Nase herumgewedelt hat sowie die kackdämlichen Reaktionen von Geistesgrößen wie David Hain. Das ist "nur" die Games umgebende "Kultur", aber die Selbstverständlichkeit, mit der in vielen Spielen Frauenbilder von anno dazumal vermittelt werden, bilde ich mir jetzt auch nicht grad ein. Erst vor kurzem "Killer is dead" ausprobiert, Mann Mann Mann.
Dass Buben "wegen Spielen" zu Amokläufern werden, ist Blödsinn. Dass Spiele sehr wohl gesellschaftliche Stereotype vermitteln und verfestigen können und es im Medium Games im Vergleich zu anderen Populärmedien zum Teil noch mit großer Selbstverständlichkeit Frauenbilder transportiert werden wie in den 50er-Jahren, ist aber ein anderes Thema. Die Vermischung eben dieser Diskussionen - die dumme "Games machen Kinder zu Mördern"-Debatte und jene um die Fragwürdigkeit von grassierenden Klischees und systematischem Sexismus - betreiben hauptsächlich jene, die sich in "ihr" Hobby nicht dreinreden lassen wollen.

Es ist nicht ganz an den Haaren herbeigezogen, wenn man Feministinnen eine Tendenz zu verboten unterstellt. Es gab und gibt Bemühungen von Feministinnen Pornographie und sexistische Werbung zu verbieten.

Zweitens, frage ich mich ob die Ausdifferenzierung des Mediums unbedingt so positiv zu sehen ist?
Es gibt z.B. mainstreamige Popmusik die tagein tagaus im sogenannten Dudelfunk gespielt wird und deren Ziel es ist, niemanden zu erschrecken oder zum Abschalten zu bewegen.
So langweilig hört sich diese Musik dann auch an. Aber es würde z.B. niemanden einen Technohörer vorwerfen ein Rassist oder Frauenfeind zu sein, bloß weil er diese allerweltsmusik aus dem Radio nicht mag.

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