Gamescom, Spielepresse und PR: Die Sache mit der Ethik

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Der folgende Text wurde mir von einem/einer Autor/in zugesandt, der/die ungenannt bleiben möchte. Er/sie schreibt: "Ich weiß leider aus Erfahrung, dass Spielejournalisten Kritik sofort persönlich und als Nestbeschmutzung brandmarken und enge Kontakte in Sippenhaft nehmen."

Deshalb erscheint dieser Text, der ein wichtiges Problem im Verhältnis zwischen Branche, Presse und Spielern thematisiert, auf VGT anonym.

Um Missstände in Politik, Gesellschaft oder Industrie aufzudecken, braucht es gemeinhin Informanten oder Whistleblower, die dank Insider-Wissen ein Problem in den Blick der Öffentlichkeit rücken. Bei Games-Medien braucht es die nicht. Missstände lassen sich für jeden in geradezu erschreckendem Ausmaß frei zugänglich im Internet mitverfolgen.

Einen Tag vor Beginn der gamescom in Köln veranstaltete beispielsweise der Publisher Activision vor Ort die pompös inszenierte Vorstellung - neudeutsch "Reveal" genannt - des Mehrspielermodus seines Ego-Shooters Call of Duty: Advanced Warfare. Geladen waren Fachpresse, YouTube-Prominenz und Community-Mitglieder. Das ist grundsätzlich unproblematisch; nirgendwo weltweit dürfte die Anzahl von Medienvertretern mit Gamesbezug an einem Ort höher sein als während der der europäischen Leitmesse in Köln. Dass Activsion, dank Milliardenmarken wie Call of Duty, World of Warcraft und Skylanders mit prall gefüllter Kriegskasse, auch die Anreise der meisten Medienvertreter bezahlte, ist aus presseethischer Sicht sicherlich diskussionswürdig. Die Reisekostenübernahme durch Publisher scheint aber in der Branche ein Standard zu sein.

Das Gebaren der geladenen Medienvertreter lässt insbesondere in sozialen Netzwerken jegliche neutrale Distanz schmerzlich vermissen.

Sie hält in der Theorie keinen der Beteiligten grundsätzlich davon ab, seriös und neutral über ein Produkt zu berichten - in diesem Fall den Mehrspielermodus von Call of Duty: Advanced Warfare. Aber genau hier ist die Crux an besagtem Event: Das Gebaren der geladenen Medienvertreter lässt insbesondere in sozialen Netzwerken jegliche neutrale Distanz schmerzlich vermissen. Sie fluten Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram mit Fotos und/oder Selfies von der Örtlichkeit, den Begleitumständen oder den kleinen Handreichungen, die als Aufmerksamkeit gereicht werden. Diese Posts beinhalten allesamt wenig bis gar keine Informationen über das eigentliche Spiel. Im Regelfall werden sie sogar stets feinsäuberlich mit dem vom Organisator vorgegebenen Hashtag "#AdvancedWarfareMP" etikettiert. Ein echter Nutz- oder Informationswert für das Publikum lässt sich nicht attestieren. Auch durch den oft angeschlagen freudig-jubeligen Ton verbietet sich im Grunde die Interpretation einer neutralen journalistischen Dokumentation eines Branchenereignisses. Man mag vermerken, dass sich soziale Netzwerke selten als Medium der echten Informationsbeschaffung eignen und prinzipiell allein durch ihre Beschaffenheit eher der Selbstdarstellung dienen. Im Fall von Presse und YouTubern erwächst daraus aber eine fatale Botschaft.

Die Diskussion, ob YouTuber der Fachpresse zuzuzählen sind, soll an dieser Stelle übrigens bewusst ausgeklammert werden. Die verantwortlichen Inhalteersteller auf der Videoplattform flüchten sich bei Kritik stets in das Argument, sie würden lediglich Unterhaltung und keinen Journalismus machen (zuletzt bei der Debatte um bezahlte Let's-Play-Videos) und wären daher nicht an Presse-Standards gebunden.

Fakt ist: YouTuber verbreiten Informationen an ein großes Publikum, sie sind daher den Medien zugehörig. Sie aus einer moralischen Verantwortung gegenüber ihrem Publikum zu entlassen, wäre fahrlässig.

Man darf wohl davon ausgehen, dass keiner der geladener Medienvertreter von Activision im Vorfeld dazu verpflichtet wurde, in sozialen Netzwerken, noch dazu oftmals auf privat geführten Nutzerkonten, in der dargebotenen selbstdarstellerischen Form zu berichten. Trotzdem geschah es vielfach und ausgiebig. Ein Unrechtsbewusstsein oder zumindest Fingerspitzengefühl ist nicht vorhanden, eine Reflexion über die fatale Außenwirkung auf den Konsumenten findet nicht statt. Jegliche folgende Berichterstattung über ein Produkt ist vergiftet, wenn geladenen Event-Gäste wie im aktuellen Fall ihre sozialen Profile nur allzu bereitwillig als Werbefläche für selbiges Produkt bereitwillig anbieten. Die PR-Abteilungen der Industrie nehmen die Einladung natürlich nur allzu dankend an.

Narzissmus und stete Vergewisserung der eigenen Relevanz ist wichtiger als selbst der Anschein der Wahrung von Neutralität und Distanz.

Activsion ging sogar so weit, die Anreise einiger Medienvertreter in eigenes für diesen Termin lackierten Bussen zu organisieren, außen mit dem jeweiligen Namen der Journalisten geschmückt. Statt diese Tatsache etwas beschämt zu Kenntnis zu nehmen und sie schnell als das zu entlarven, was sie ist, nämlich der einfach zu durchschauende Versuch der Schmeichelung, werden Fotos davon über die bekannten Kanäle geteilt. Narzissmus und stete Vergewisserung der eigenen Relevanz ist wichtiger als selbst der Anschein der Wahrung von Neutralität und Distanz. Die Medienvertreter lassen sich bereitwillig zu willfährigen Handlangern der Industrie machen, ergießen sich gar stellenweise in beschämender Dankbarkeit für das vermeintliche Privileg und danken es mit kritikloser Hofberichterstattung. Anbiederung bei der Industrie wiegt offenbar wichtiger als eine saubere Weste gegenüber der eigenen Leser- und Zuseherschaft.

Das Dilemma eines jeden Produktjournalismus - die große Nähe und in gewissen Teilen sogar Abhängigkeit von der Industrie - wird sich nie gänzlich auflösen lassen. Aber die Videospielepresse vermeidet oftmals aktiv jede Möglichkeit einer Emanzipation und Distanzierung von der Branche. Bei aufkeimender Kritik durch zu große Nähe oder gar Korruptionsvorwürfen ist der sofortige, wahlweise Empörtheits-, Naserümpf- oder Beißreflex seit Jahrzehnten bestens eintrainiert und daher stets sofort abrufbereit. Man hat es sich in symbiotischer Zweitracht zwischen Presse und Industrie bequem gemacht - der Konsument bleibt außen vor. Bis der Gameskäufer nach der Kasse gemerkt hat, welche Schmierenkomödie ihm da aufgetischt wurde, ist der fröhliche Party-Tross aus Medien und PR schon längst einträchtig zum nächsten Event weitergezogen.

Dabei sind Korruptionsvorwürfe oder zu große Industrienähe keine mysteriöse Krankheit, für die ein Heilmittel erst noch gefunden werden müsste. Nein, Transparenz und angemessene Distanz sind wahre Wundermittel: Sie sind einfach zu bekommen und praktischerweise sogar kostenlos. Kein Journalist wird gezwungen, Fotos mit unkritischen Kommentare auf Promotions-Events über Facebook oder Twitter zu posten.

Ein kurzer Hinweis unter dem späteren Artikel oder Video, dass die Anreise zum Termin auf Einladung und Kosten des jeweiligen Publishers erfolgte, ist keinerlei Mehraufwand, aber schafft Transparenz und Glaubwürdigkeit bei den Lesern oder Zusehern. Und alleine denen sollte, nein darf, sich jeder Medienschaffenden verantwortlich fühlen. Auch wenn das bedeuten mag, dass sein Name beim nächste Mal vielleicht nicht mehr auf dem bereitgestellten Reisebus gedruckt wird.

Dieser Text stammt nicht von mir, sondern wurde VGT von einem/einer Autor/in zur Verfügung gestellt, der/die anonym bleiben möchte.

Autor: 

Kommentare

Irgendwie ist es stets der gleiche Scheiß - seit Jahren immer und immer wieder. Und wer sich darauf nicht einlässt, ist halt uncool. So wird die Branche nie professionell. Und mir fällt dazu nur mein eigener Artikel ein (http://www.polygamia.de/wertungen-gekauft-so-ein-unsinn). Nunja...

Die aufgeworfenen Fragen sind eine interessante Diskussionsgrundlage. Gerade bei diesem Event sind mir in meinem Twitterstream viele der hier als 'unkritisch' bezeichneten Fotos aufgefallen, von Leuten, die in einem der erwähnten Promobusse zum Event gefahren sind. Tatsächlich gab es dann weniger Berichterstattung vom Event direkt, aber wahrscheinlich habe ich diese dann einfach übersehen.

Die Frage, die ich mir stelle, ist die nach der Privatheit: Die meisten Spielejournalisten und Spielejournalistinnen, denen ich so folge, führen ihre Social-Media Accounts bewusst und transparent als Privat-Accounts. Da ist es eher selten, dass etwas offizielles geteilt wird, etwa ein neues Video oder ein neuer Text der Arbeitsstelle. Daher finde ich es ganz natürlich, dass solche Fotos auch die Privatmeinung sind. Und viele Autor*innen gehen dann auch meiner Meinung nach transparent mit ihrem Fandom über eine Spieleserie um. Wenn dann ein*e Redakteur*in es aufregend findet, in einem Bus zum Activision-Event zu fahren, weil er*sie ein großer Fan des Franchise ist, finde ich das sehr legitim.

Wünschenswert wäre dann eine neutrale Berichterstattung in den 'offiziellen' Medien. Da wird es komplizierter, wie es im Artikel auch schon anklingt. Viele Youtuber inszenieren sich bewusst als private Fans, das wird auch von ihren Zuschauern verlangt und belohnt. Einige Gamesredaktionen arbeiten nach ähnlichen Mustern und mir scheint dies eher das gewünschte Modell zu sein. Traditioneller Spielejournalismus scheint gerade online immer mehr an Boden zu verlieren und durch einen viel personenzentrierteren Ansatz ersetzt zu werden. Es ist nicht mehr so aussagekräftig, was Magazin x über ein Spiel denkt, es ist viel wichtiger, was Person y über ein Spiel denkt. Und zusätzlich sollte die Person auch gerne noch die Mehrheitsmeinung vertreten, sonst ist es ja kein guter Fanservice und man behandelt sein eigenes Publikum ungerecht. Ich glaube, auch dies hat Auswirkungen auf die Berichterstattung, die nicht nur einseitig von Seiten des Publishers beeinflusst wird.

Eine abschließende Frage: Glaubt der*die Autor*in, dass die Beeinflussung von potentiellen Konsumenten durch solche Berichterstattung sehr groß ist? Ich habe immer wieder das Gefühl, dass eine Mehrheit der Leser*innen/Zuschauer*innen/Hörer*innen inzwischen sehr gut zwischen  privaten Äußerungen der Journalist*innen und dem Testbericht zu unterscheiden gelernt hat. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, darauf anonym zu antworten.

Traditioneller Spielejournalismus scheint gerade online immer mehr an Boden zu verlieren und durch einen viel personenzentrierteren Ansatz ersetzt zu werden. Es ist nicht mehr so aussagekräftig, was Magazin x über ein Spiel denkt, es ist viel wichtiger, was Person y über ein Spiel denkt.

Der Aussage stimme ich vollkommen zu. Allerdings ist mir die implizite Wertung, die danach folgt, doch etwas zu überhastet.

Und zusätzlich sollte die Person auch gerne noch die Mehrheitsmeinung vertreten, sonst ist es ja kein guter Fanservice und man behandelt sein eigenes Publikum ungerecht. Ich glaube, auch dies hat Auswirkungen auf die Berichterstattung, die nicht nur einseitig von Seiten des Publishers beeinflusst wird.

Prinzipiell ist eine offene und transparente personenzentrierte, subjektive Bewertung nichts Schlechtes. Ich will jetzt garnicht das unendlich große Fass aufmachen, inwiefern objektiver Journalismus überhaupt möglich ist. Persönlich kann ich allerdings mit essayistischen Meinungen zu Themen deutlich mehr anfangen als einem rein objektiven Abwägen aller Fakten. Ich will schließlich eine Meinung zu etwas einholen. Also brauche ich folgerichtig eben diese Meinung. Natürlich besteht in diesem Fall ein akutes Risiko, wie du und der Artikel es bereits angesprochen haben. Subjektive Meinungen sind vage, wohingegen eine deutlich objektiv geprägte Berichterstattung klarer zu identifizieren ist. Wenn eine Person eine Meinung vertritt ist es äußerst schwierig auszumachen, ob dies deren eigene Meinung oder - sei es bewusst oder unbewusst - eine fremde Meinung ist.

Und eben diese Auflösung der Grenzen ist kritisch zu beäugen. Wann beginnt meine produktorientierte Meinung sich zu einer werbe- und imageorientierten Meinung zu entwickeln. An dieser Schwelle ist meiner Meinung nach die oben beschriebene verantwortungsvolle Selbstreflektion in der heutigen Medienlandschaft - eben aufgrund der aktuellen journalistischen Entwicklungen - mehr denn je gefordert.

Namen von Spieleredakteuren standen auf einem Bus? Gibt es dazu Bilder? Unter dem Hashtag habe ich nichts gefunden außer einen Bus mit Let's Playern drauf:

https://twitter.com/hashtag/advancedwarfaremp?src=hash&mode=photos

Ich bezweifle, dass "MrDalekDJ" sich als Journalist versteht... Falls es wirklich einen Bus gab, der mit Journalisten-Namen beschriftet war, würde ich das gerne sehen.

Und ein harmloses "Jetzt geht es los" von einem Bild-Redakteur reicht nicht mal mir da als Aufreger :)

https://twitter.com/NedzadHurabasic/status/498770848376184832

So wie ich das Event verstehe, war es aus Activision-Sicht zweigeteilt. Einmal wie üblich wurden Journalisten eingeladen (wie so oft Reisekosten-Übernahme) um den MP auszuprobieren im Rahmen eines Presse-Events.

Und auf der anderen Seite wurden YouTube-Promis als eben dies: PROMIS eingeladen um ihre Reichweite zu nutzen und Werbung zu machen für den Event. Dass man bei den großen YouTubern derzeit nicht wirklich klar erkennt, ob sie auf diesen Event "aus eigenem Interesse" hin sind oder ob das quasi ein bezahltes Feature ist, ist ja genau das Problem, aber ein ganz anderes als eines der klassischen Spielejournalisten - finde das in den Topf werfen von YT und Presse hier ungenau und wenig hilfreich, auch wenn ich d'accord gehe, dass YTer nicht von ihrer Verantwortung gegenüber den Zuschauern befreit sind.

 

Menschlich zwar verständlich, aber leider nehmen sich anonym veröffentlichte Texte selbst ein wenig an Durchschlagskraft, wenn ein Autor/eine Autorin nicht öffentlich für die eigene Meinung einstehen mag. Das soll nicht als Vorwurf gemeint sein.  

Mit Blick auf die Gepflogenheiten in klassischen journalistischen Ressorts ist es kaum zu glauben, wie eng die Verzahnung von Spieleindustrie und "Fachpresse" ist. Klüngel gibt es selbstverständlich überall, aber so derart distanzlos wie sich die Spielepresse aktuell zeigt, nehmen mir GameStar & Co jeden Kaufgrund, sei es als Print oder für GameStar Plus etc.

Auf den Zeiger gehen mir mittlerweile auch Social Media-Auswüchse einzelner "Journalisten" und Blogger. Kurz: Man kann, aber muss nicht jeden Merchandise-Kram naiv-kindlich-stolz via Twitter, Instagram & Co. verbreiten, der mal wieder - wie jede Woche - so total überraschend vom Publisher zugeschickt wurde. Das macht den Journalisten nicht wichtig, sondern austauschbar, übrigens auch für den Publisher. Von den inhaltsbefreiten youtube-Formaten fange ich jetzt gar nicht an. Bei denen ist es wunderbar leicht sie links zu liegen zu lassen.

@Manu: Das In-einen-Topf-Werfen von Journalisten und YouTube-"Promis" ist allerdings vor allem ein Problem, das von der Spielerschaft ausgeht, die beides - Journalismus und Entertainment - als austauschbar betrachten und sich bei Let's Plays über Spiele "informieren" bzw auf Print/klassischen Journalismus verzichten, weil

a. "die Presse gekauft ist"

b. simple Kaufberatung per Amazon-Review oder Let's Play höher geschätzt wird

c. die subjektive Meinung und "Persönlichkeit" diverser YouTuber mehr Zutrauen erweckt als die (behauptete, real aber natürlich auch inexistente) Objektivität des klassischen Produktjournalismus.

Insofern ist es eigentlich egal, ob im Bus "nur" YouTuber saßen oder auch journalistische Profis, denn im Verhältnis zwischen Branchen-PR, darüber berichtenden Medien (und dazu zählen sowohl Presse als auch YT IMHO) und potenziellen Käufern ist so oder so der Wurm drin.

Was mich leicht amüsiert, ist ja eben der oben erwähnte Punkt: Viele Leser wenden sich von der "objektiven" Presse ab, weil sie ihr (zum Teil auch zu Recht) Korruption unterstellen und flüchten zu von  Natur aus rein persönlich subjektiven YouTube-Clowns, die ihr begeistertes Sich-Bepissen angesichts von Swag sogar noch ins soziale Medienschaufenster stellen. 

@Rainer:

Hm, ich weiß gar nicht, ob "Objektivität" und "persönliche Meinung" von vielen Leuten überhaupt gefragt werden. Viele Kaufentscheidungen sind doch schon lange vorher gefallen, aus Markentreue, Nostalgie oder Gruppendruck. Bei Kickstarter und in Vorverkäufen geben die Leute viel Geld für Versprechungen und flott geschnittene Trailer aus, weil sie ziemlich genau wissen, was ihnen gefällt und ein paar bewegte Bilder oftmals ausreichen, um starkes Interesse zu erzeugen.

Ob ihnen diese Bilder von einem enthusiastisch bezahlten Youtube-Star oder einem distanziert kritischen Redakteur präsentiert werden, ist in vielen Fällen wohl einfach unerheblich. Da der klassische Spielejournalismus sich sowieso scheut bei unfertigen Produkten besonders negative Worte in den Mund zu nehmen, aber gleichzeitig zum Großteil über unfertige Produkte brichtet, ist für Konsumenten der Unterschied zwischen Youtube-Star und Gamestar vermutlich kleiner, als sich beide einreden mögen.

 

@Ben: Exakt deiner Meinung, ist vielleicht oben nicht rübergekommen: Fürs Publikum ists egal, das sieht sowohl YT als auch Presse als gleichberechtigte Medien an. Insofern sehe ich auch die Kritik im Artikel als gerechtfertigt an.

@Paul: Meine Aussage war auch sicher sehr überspitzt formuliert, das gebe ich gerne zu. Es ist auch eher etwas, was ich in Kommentarbereichen größerer Portale beobachten kann. Ganz oft beziehen sich Kommentatoren dann darauf, wie die jeweiligen Akteure der Videos oder Texte die Spiele fanden - auch wenn diese Meinungen als eindeutig subjektiv gekennzeichnet werden. Da kann dann im Video gesagt werden, dass Person A 'Call of Duty' persönlich total gut findet, weil ers gerne im Multiplayer spielt und das schon seit Jahren, die Person aber gleichzeitig der Meinung ist, dass die Serie natürlich innovationsarm ist und immer wieder das Gleiche reproduziert. Die Kommentare dazu zielen dann ganz oft darauf ab, die Person zu kritisieren (oder zu loben), allein, weil sie das Spiel mag oder eben nicht.
Über subjektiven Geschmack kann man eigentlich nicht streiten, es ist aber Netz-Realität, dass genau das in Kommentarbereichen und sozialen Medien einer der Hauptknackpunkte der Diskussion wird.

Noch ein Kommentar zu Youtube und Let's Plays: Ich finde sowas eigentlich eine recht gute Kaufberatung, allein aus dem Grund, dass man dort sieht, wie sie die Spiele spielen. Ich schaue echt selten Let'y Plays, habe aber neulich für 'The Forest' eine Aufnahme gemacht, weil ich wissen wollte, worüber alle reden. Ein paar Let's Plays des Großmeisters Gronkh haben mir dann geholfen, dass Spiel zu verstehen und gleichzeitig zu erkennen, dass ich es mir im momentanen Zustand nicht zulegen muss, da buggy wie sonstwas. Und das trotz der durchaus positiven (und auch für mich nachvollziehbaren) Meinung, die Gronkh über das Spiel hatte.

@Rainer: Worauf ich damit nur hinaus wollte, dass der Anspruch an eine objektive Presse, die den ganzen PR-Zirkus entsprechend reflektiert, gar nicht besteht bzw. überhaupt nicht gewünscht ist. Der 12-jährige Sohn meiner Bekannten sieht YT und Presse nicht als gleichberechtigte Medien an, sie sind gleichberechtigte Medien -- mit Vorteil für Youtube, weil Bewegtbilder einen höheren Informationsgehalt haben, als Text. Bei den Informationen, die ihn interessieren -- etwa welche Völker es im neuen Age of Empires gibt -- da ist "Objektivität" und "kritische Distanz" total wurscht. Ob das Spiel schlechter oder besser ist als die Vorgänger, das entscheidet er aus den ganzen Werbeschnipseln, Let's Plays und Trailern, oder wenn er es dann selbst gespielt hat. Spielerische Totalausfälle wie SimCity sind zudem viel zu selten, als dass man von den wiedergekäuten Werbeversprechen am Ende wirklich enttäuscht sein könnte. 

Wer zu Preview-Events fährt, dem hilft letztlich keine journalistische Ethik. Insofern finde ich es schwierig, Transparenz und Distanz als "Wundermittel" anzupreisen. Natürlich solten sich Produkt"Journalisten" prinzipiell von der Marketingabteilung des Herstellers unterscheiden, aber irgendwie muss man sich auch fragen, wem das eigentlich helfen soll, wenn es offensichtlich niemanden interessiert.

Ich befürchte, damit man das alles wieder vernünftig ordnen kann und unterschiede zwischen den ganzen Graustufen der Berichterstattung erkennen kann, müsste man a) mal versuchen, diesen ganzen Preview-Kram abzusägen und b) mal wieder richtig schlechte Spiele publizieren (ich vertraue da ganz auf EA).

Es ist mir dieses Jahr auch extrem negativ aufgefallen. 

Wenn Spiele"journalisten" sich auf einer Spielemesse bewegen und man bekommt von ihnen vor allem mit, wie sie dauernt Fotos mit Fans machen kann ich mir einfach nicht vorstellen das es noch genug kritische Distanz in der Dreiecksbeziehung Produzent - Journalist - Konsument gibt. 

Sehr anschaulich dazu find ich auch dieses Video: 

https://www.youtube.com/watch?v=sH9gAuB1VEg&feature=youtu.be

Ganz ehrlich..? Ich verstehe nicht, was die drei "Männer" mir in den ersten 3-4 Minuten wirklich erklären wollen: Erst machen sie bei Activision ein bißchen rum, dann erklären sie, daß sie Musik (http://rockstah.de/) machen, supergerne auf Bühnen stehen, dafür richtig "unterwegs und im Stress sind" und nach 05:50, "wirds schwierig" : Der Multiplayer von CoD...was für ein unglaublich spannendes und starkes Thema...!? ( Der InGame-Exosuit ist von CRYSIS oder TITANFALL oder eine Million anderer Spiele -darüber wird aber nicht wirklich geredet, der Mann der mir das in Cam erzählt, kommt kaum glaubwürdiger oder motivierender als jeder 15 jährige Youtuber, dessen ehrliche naive Gamingbegeisterung sicherlich ansteckender wäre). Und dann wirds eher "ungemütlich", so "pseudokritisch" und so anbiedernd in meinen Augen (Zitata: "Wir sind so die bescheuertste Truppe, wirklich wir waren so die Hangoveridioten"---UUUUH, gruselig. Es geht hier um nichts und stattdessen wird über subjektive Erlebnisse im eigenen Spielverlauf geredet,  das braucht kein Gespräch und hat kaum noch irgendetwas mit z.B.: "gamescom als internationaler Jobmotor", "neue Technik im Scripting", "intelligentere KI´s"...die wirken alle unausgeschlafen, unvorbereitet und arbeiten für Sich, aber nicht für mich. Sie würden ja scheinbar lieber Musik machen, warum soll ich Ihnen also ihre unkritischen "gaming-gefühle" abnehmen. Früher hat man im deutschen Fernsehen gesagt: "Das versendet sich..", so ist es hier auch: Ich würde keinen Pfennig für etwas bezahlen, das ich vom Hersteller umsonst bekomme: Egal ob falsche oder richtige Informationen, aber wenigstens "Informationen" ! Aber schön, daß Ihr Kameras benutzt und IPads, gesponserte Spiele spielt, Bus fahrt, anderen Spielern beim Spielen zuschaut, Minions gewinnen wollt und Anderen beim Dosen - und Ringewerfen zuschaut und Euch und Eure kleine Welt so verdammt "wichtig" und leider viel zu zynisch nehmt. ("Wenn ich Kind wäre, würde ich weinen..."..was ein Gelaber! ) ..ich bin `raus bei Minute 23 ich ertrags nicht, ich erfahre leider nichts....vielleicht weil es auch einfach nichts zu sagen gibt bei all dem selfbranding...

"...auch die Anreise der meisten Medienvertreter bezahlte, ist aus presseethischer Sicht sicherlich diskussionswürdig. Die Reisekostenübernahme durch Publisher scheint aber in der Branche ein Standard zu sein..."

Ich hab meine Reisekosten bisher immer vorstrecken müssen und bekam diese (Hotel, Bahn) dann vom ZDF zurück insofern es eine Produktion zusammen mit dem ZDF war. 

Bei meiner letzten Reise nach Hamburg zum Battlefieldevent von EA/Dice habe ich die Kosten für Anreise und Übernachtung inklusive die meines Kameramannes selber übernommen und aus eigener Tasche bezahlt, obwohl mir von Seiten der Agentur Geld dafür angeboten wurde.

Man muss auf diese Nähe oder Abhängigkeit ja nicht eingehen, insofern man weiß das man ihr nicht wiederstehen kann. Eigentlich total easy

Die Youtuber/Journalisten bekommen Schmeichelung oder Geld. Die Wertungen sind entwertet und die Unmündigen werden durch den Kakao gezogen, das passt schon.

Wie unkritisch einige Spielemenschen teils mit dieser Art Schmeichelei umgehen hat Rab Florence ja vor zwei Jahren schonmal effektiv vorgeführt. Andererseits von den sozialen Accounts der Betreffenden einen "Nutz- und Informationswert" zu erwarten ist auch etwas komisch, immerhin ist das der selbe Kanal auf dem ich zum Beispiel Follower über meinen aktuellen Trunkenheitsgrad auf dem laufenden halte, oder über das Wetter schimpfe, oder was auch immer. Die relative Nähe zwischen PR und Leuten, die auf irgendeine Weise über Spiele berichten, ist sicher nicht super, aber die großen Verschwörungstheorien geben für mich auch nicht besonders viel her.

Vielleicht liegts daran, dass ich auf diesen ganzen Eventmist sowieso eher allergisch reagiere, aber ich glaube da wird einfach oft auch überschätzt wie leicht Spielejournalisten denn zu beeindrucken wären. Mir wäre es persönlich lieber wenn die großen Seiten dem ganzen Zirkus weniger Aufmerksamkeit schenken würden, aber ich bezweifle dass von den Redakteuren und Bloggern wirklich welche was auf den SWAG geben, und die, die sich über irgendwelche Special Editions mit extra Plastikscheiß freuen, haben halt in der Regel nicht die selbe Reichweite. Das mag bei Youtube ein bisschen anders gelagert sein, aber da reden wir auf der Schattenseite ja eher schon von bezahlten Einschaltungen als PR Schmeicheleien. Zu dem Problem gehört dann aber auch, dass sich das Publikum selbst bewusst weg vom Test und hin zum schauspielerischen Format bewegt hat, und wie man sich bettet so liegt man dann eben.

In erster Linie finde ich es aber einfach reichlich zynisch, dass Diskussionen über Ethik im Spielejournalismus sich ausschließlich um die Akkuratheit des nächsten Cry of BattleDuty Tests drehen, während Spieleseiten auf der anderen Seite gerne mal ohne Rücksicht auf das Wohlergehen der betreffenden Menschen irgendwelchen Klatsch und Tratsch von Twitter aufbauschen, ihre ewig rückschrittlichen Anstellungspolitiken weiter betreiben und mit offenen Foren den Trollen der Community ein Zuhause bieten. Der richtige Umgang mit Spielen ist mir im Vergleich zum richtigen Umgang mit Menschen relativ wurscht.

[...] Gamescom, Spielepresse und PR: Die Sache mit der Ethik games "Das Gebaren der geladenen Medienvertreter lässt insbesondere in sozialen Netzwerken jegliche neutrale Distanz schmerzlich vermissen." [...]

[...] anderer Menschen öffentlich zerstören wollen, weil man angeblich – Achtung! – ethische Probleme im Spielejournalismus sieht. “Journalismus” in Anführungszeichen, wohlgemerkt. Ich [...]

[...] Videospiel-Presse wieder um einen Punkt länger (siehe den VideoGameTourism-Artikel „Gamescom, Spielepresse und PR: Die Sache mit der Ethik“ sowie Games’n’Politics-Folge [...]

"der Konsument bleibt außen vor. Bis der Gameskäufer nach der Kasse gemerkt hat, welche Schmierenkomödie ihm da aufgetischt wurde, ist der fröhliche Party-Tross aus Medien und PR schon längst einträchtig zum nächsten Event weitergezogen." 

Selten so einen Unsinn gelesen. Die Leute wissen, was sie bei Call of Duty erwartet. Ein Schlauch-Shooter mit Trash-Story und ein spaßiger Online-Modus. Es geht nicht um den Irak oder die Ukraine, es geht bloß um Videospiele. Nicht mehr. Warum hängt man sich so sehr an diesem Event von Activision auf und geht nicht auf die feucht-fröhlichen gamescom-Parties von Wargaming.net und Sony ein? Zu diesen Parties zu gehen erfüllt anders als das Anspielen des MP-Modus von Call of Duty überhaupt keinen journalistischen Zweck.

Nein, "Unsinn" ist das nicht, kann es nicht sein, weil die einzigen Artikel die ich zu diesem Thema wirklich Ernst nehmen kann, stehen hier und auf gleicher Höhe mit: http://polyneux.de/ und http://www.paidia.de/ von daher nehme ich mir auch diesen " aus der Reihe fallenden " Artikel wie immer sehr zu Herzen und freue mich, daß es auch mal ein kleines "schwarzes Schaf" ist, das mit Freude (nicht zu doll) in die Hand beißt, die es füttert.

Ich bemerkte auf der gamescom 2014 viele "Kinder" die versuchten "erwachsen" zu wirken. Ich bemerkte viele Erwachsene, die sich wie Kinder benahmen und bei meinen Terminen bei Spieledistributionen bemerkte ich eine ähnliche professionelle Stimmung, wie bei der Cebit in Hannover. Techniknerds. Gamedesigner und Businesspeople und alle wahnsinnig nett und zuvorkommend, immer bemüht dem anderen aus der "Terminfalle" zu helfen und es mit Drinks und frischen T-Shirts so angenehm, wie nur möglich zu machen, wenn man dann doch aufgrund der irrsinnigen Laufwege ins Schwitzen kam. Am Computec-Stand standen wieder meine wunderbaren "Drei von Nebenan", drei junge Frauen, denen ich (fast) alles anvertrauen würde, einfach nur, weil sie sehr, sehr empathisch und gebildet mit mir Nerd über meine Arbeit und meine Interessen reden, ohne sich auch nur im Geringsten aus der Ruhe bringen zu lassen und sich nicht nur für meine "Abo-" Bedürfnisse zu interessieren scheinen. Nein, die Atmo auf der gamescom ist im professionellen Segment eine der "un-preussischsten", die ich je auf Messen dieser Größenordnung in Deutschland gesehen habe. Die gamescom ist stattdessen ein Job-bringer und eine herrliche "Kirmes des Gamings" (Kein Wunder ist ja auch eine "Usermesse" und dafür echt gelungen, bei all den Zielgruppen) , wie ich und sicherlich viele andere "ausländischen" Gäste bestätigen können und das ist prima so. Die Leute , denen man dort aus Versehen rempelnd begegnet sind sofort mit einem "Sorry" unterwegs und schauen wirklich, ob irgendetwas nicht o.k. ist, wo gibt´s das denn noch ?

Ferner habe ich bei Vielen das Gefühl, daß sie eine Art "Coming Out" des eigenen Gamings erleben, daß sie doch nicht nur "einsame" Zocker sind, sondern sich auf dieser Messe mit Ihresgleichen unterhalten und begeistern können, über immersive Erlebnisse und neue "spielerische" Herausforderungen. Würden sich zwei "Geeks" auf einer Surfboardmesse über das richtige Wachs für die richtige Welle unterhalten, wäre ich auch sowas von`raus. Nein, "Unsinn" ist das nicht. Es ist vielleicht eher "zu spät" für solche Diskurse. Die schon lange vorhandene Abhängigkeit von einem visuell so stark manipulativem Medium ist dem menschlichen TV-Primaten noch zu unklar und man redet darüber nicht, ganz egal, wie stark die Immersion für den Einzelnen ist. Ich würde es so sagen: Bei der Immersion verhält es sich wie beim Konsum von  Drogen: Es ist ein absolutes singuläres Erfahrungsmoment und jeder steht auf etwas Anderes in all den kleinen Reizketten und Vermischungen von Farbe, Ton und Grafik in einer Story oder auch nicht. Daher finde ich auch den ernsthaften Gamingjournalismus so schwer zu behandeln, weil es letztlich doch auch eine existenzielle Form des Überlebens für Viele darstellt und aus den erwähnten Gründen eine sehr viel professioneller Haltung braucht, als die des Zahnarztes aus "Gottes Werk und Teufels Beitrag", der sich nach einem harten Arbeitstag mit seiner eigenen lokalen Betäubung entspannt..!

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