Prison Architect: Überwachen und Strafen

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Drüben auf fm4 findet sich übrigens gerade mein Text zu Introversions famosem Prison Architect, und wenn das kein Grund ist, mit dem coolsten Glatzenphilosophen zu protzen, dann weiß ich auch nicht. Im Ernst: Michel Foucaults Überwachen und Strafen ist auch für Nicht-Philosophen ein sehr lesbares und verdammt interessantes Buch zur Kulturgeschichte des Gefängnisses. Kann man durchaus mal lesen.

Wie in "Defcon" demonstriert uns auch das täuschend harmlos aussehende "Prison Architect" die Logik der Sachzwänge, wie sie Spielmechanismen so demonstrativ nachvollziehbar machen können: Mit immer zu knappen finanziellen Mitteln ausgestattet, mit im Vergleich zur Gefängnispopulation krass zahlenmäßig unterlegenem Personal und der für das Aufbauspielgenre originellen Ausgangssituation, dass der Feind nicht von außen kommt, sondern sozusagen ständig im Inneren lauert, stellt sich fast automatisch das repressive Mindset ein, das zu unserer Rolle passt. ...

Ein Gefängnis ist ein Gefängnis ist ein Gefängnis; ob wir nun einen Horrorknast mit maximaler Unterdrückung und Ausbeutung der Insassen oder eine liberale Besserungsanstalt mit Parkanlagen und Bibliotheken managen wollen, bleibt uns, abgesehen von finanziellen Sachzwängen, zwar selbst überlassen, doch schon allein die Aufgabe zwingt uns in das, was man mit dem französischen Philosophen Michel Foucault als Gouvernementalität bezeichnen kann: eine Logik aus sich gegenseitig verstärkenden Mechanismen, die als Ziel ein perfekt ineinander greifendes System aus Kontrolle, Überwachung und Restriktion hat.

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