#stayathome 02: Chuchel

Zu Hause bleiben und trotzdem andere Welten bereisen? Diese Serie will auch Neueinsteigern einen Weg zu den Welten hinter dem Bildschirm zeigen - ein Reiseführer in die Welt der Videospiele, für Menschen mit und ohne Kindern. Rainer Sigl hat genau das Richtige für Erwachsene, Kinder ab sechs - und sogar noch kleinere Zuseher.

Mein Sohn ist sechseinhalb, meine Tochter zweieinhalb Jahre alt; ganz schön schwierig, sich da sinnvoll zu einem gemeinsamen Spiel zu versammeln. Abgesehen von der ganz naheliegenden Lösung, mit dem Filius erst zu spielen, wenn Schwesterchen schon schläft oder sonstwie beschäftigt ist, gibt es eine Alternative, oder besser gesagt: mehrere. Die großartigen Spiele des Brünner Indie-Studios Amanita Design empfehle ich seit fast einem Jahrzehnt jedem und jeder, der oder die mich nach Spielen für Groß und Klein fragt. Und das mit gutem Grund.

Von Samorost über Botanicula bis hin zu Chuchel und Pilgrims: Die kleinen, liebevoll illustrierten und fantastisch vertonten Point&Click-Abenteuer sind die interaktiven Erben der berühmten tschechischen Animationstradition. Eigentlich kann man alle bisher erschienenen Spiele des Studios Menschen mit Kindern (und auch ohne!) bedenkenlos empfehlen, mit dem vorletzten Spiel von Amanita Design kann man sich auch mit jüngeren Knirpsen gemeinsam auf den Weg in eine absurde Slapstick-Welt machen.

In Chuchel ist man als kleiner oranger Wollknäuel auf der schier endlosen Jagd nach einer Riesenkirsche; dabei stehen absurd-komischer Humor, überdrehte Slapstick-Action und ganz viel Abwechslung im Mittelpunkt. Im Unterschied zu den anderen Spielen sind die jeweiligen Szenen hier selten mehr als zwei Bildschirme lang, das bedeutet zum einen größere Konzentration auf einzelne Rätsel und zum anderen, dass man das Spiel wunderbar in kleinen und größeren Häppchen spielen kann; einzelne Szenen lassen sich dabei nach erstmaligem Lösen immer und immer wieder besuchen.

Gesprochen wird in Chuchel nicht, oder besser gesagt: in keiner richtigen Sprache. Stattdessen brabbeln sowohl der Held als auch die fantasievollen Figuren in einer expressiven Fantasiesprache, die gemeinsam mit minimalistischer, aber überraschend ausdrucksstarker Mimik und Gestik völlig ausreichen.

Das Schöne an Chuchel ist, dass es immer wieder neue Aufgaben stellt: Meistens erwartet einen klassische Point&Click-Rätselei, in der es meist um die richtige Reihenfolge geht. Es ist keine Schande, hin und wieder die direkt verfügbare Hilfe-Funktion zu nutzen, in der auch ohne Worte per Piktogramm Hilfe gegeben wird; Tüftler ab circa sechs Jahren finden so auch bei den kniffligeren Rätseln schon mal ganz stolz allein zum Ziel. Mindestens ebenso oft gilt es in Chuchel aber kleine Geschicklichkeitstests zu bestehen, und die zitieren die großen Klassiker der Games-Geschichte: Es gibt Hommagen an Pac-Man, Tetris, Space Invaders sowie eine recht ansehnliche Menge an anderen (simplen) Actionspielen, die zum Glück niemals frustrierend werden.

Chuchel ist ein großer Spaß, den man allein ebenso wie gemeinsam mit Kindern spielen kann; selbstständig beschäftigen sich Kinder ab circa sechs Jahren nach einer kurzen einleitenden gemeinsamen Anspielphase damit. Am besten ist es allerdings, dieses Abenteuer gemeinsam zu erleben; auch die ganz kleinen Geschwister haben daran ihren Spaß, denn immerhin gibt’s hier ja sowas wie die interaktive und zugegeben etwas anarchischere Version von Trickfilmen der Sorte Sendung mit der Maus anzuschauen.

Kleine Warnung, immer gültig, hier besonders: Zu viel Zeit am Stück sollte man auch mit Chuchel nicht verbringen. Der überdrehte Humor und vor allem die enthusiastische Intensität der lautstarken Kirschenjagd ermüden die Eltern irgendwann mehr als die begeisterten Kinder.

Chuchel ist für iOS, Android, Windows, Mac und Linux erschienen.

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