Stimmen hören: Hellblade zeigt uns ein anderes Bewusstsein

Dieser Text erschien zuerst als Gastbeitrag für Archaeogames

Man macht es sich meist zu einfach mit seinem Blick auf die Geschichte, wenn man meint, es sei alles so gewesen wie jetzt, nur mit anderen Kostümen und ohne Elektrizität. Zwischen uns und unseren Vorfahren, ob wenige Jahrzehnte oder viele Jahrhunderte vor uns, klafft ein Abgrund, der meistens unsichtbar ist - jener einer völlig anderen Mentalität, oder, in besonders bemerkenswerten Fällen, eines völlig anderen Bewusstseins.

Im Unterschied zur realienkundlichen Archäologie, die handfest mit Schaufeln und Pinseln die Spuren früherer Menschen sichert, hat die Mentalitätsgeschichte allerdings weniger stabile Anhaltspunkte zu bieten - besonders im Fall von Kulturen, von denen nur wenige materielle Zeugnisse erhalten sind. Dann ist die Versuchung noch größer, die Unterschiede zwischen uns Heutigen und jenen längst untergegangenen Menschen als oberflächlich zu bezeichnen, auch wenn das Gegenteil der Fall ist.

“Hellblade: Senua’s Sacrifice” ist ein ganz spezielles Spiel, das in zweifacher Hinsicht zu diesem Themenkreis passt. Zum einen versetzt es uns in die Gestalt einer Frau, die in einer völlig anderen Zeit lebt. Obwohl das Spiel keine genaue Datierung anbietet, liegt eine Lokalisierung nahe: Die Wikingerüberfälle auf die Orkney-Inseln, die den Ausgangspunkt der Handlung liefern, fanden irgendwann im 8. Jahrhundert statt. Senua, die Hauptfigur von “Hellblade”, gehört wohl zum Stamm der “barbarischen“ Pikten, einer vermutlich schamanistisch organisierten Volksgruppe mehr oder weniger kriegerischer Bauern und Jäger im Norden der britischen Inseln - wegen dieses Volks errichtet Kaiser Hadrian bereits im 2. Jahrhundert nach Christus den nach ihm benannten Grenzwall, um die südbritische römische Reichsgrenze zu befestigen.

Zum anderen versucht “Hellblade” etwas anderes, weitaus Mutigeres - als Krieger vergangener Kulturen waren wir schließlich schon öfter unterwegs. Senua ist von unserer Lebensrealität nicht nur durch ihre Verortung als Mensch einer - historisch weit zurückliegenden - Vergangenheit mit völlig anderer Kultur und Gesellschaft entfernt, sondern auch durch ihre besondere Psyche, in die uns “Hellblade” eintauchen lässt. So hören wir, beeindruckend technisch gelöst, fast ununterbrochen Stimmen, nehmen die Realität in Form wiederkehrender Halluzinationen verfremdet wahr und finden uns wieder in Visionen, die mit der Realität kaum mehr in Einklang zu bringen sind - zumindest nicht mit jenem Bild der Realität, das wir als heutige, psychisch “gesunde” Menschen als unzerrüttbar gegeben annehmen.

Nur: Dieses heutige, unserer Ansicht nach unverrückbare, objektiv belegbar Bild der Realität ist keine Konstante, sondern historisch und kulturell bedingt. Anders formuliert: Frühere Menschen, auch psychisch in ihrer Gesellschaft und Zeit als “gesund” geltende, hatten unter Umständen ein völlig anderes Bild von der Realität - und möglicherweise auch ein von unserem Innenleben völlig unterschiedliches Bewusstsein.

Eine der faszinierendsten Theorien zum Bewusstsein früherer Kulturen stammt von Julian Jaynes.

Eine der faszinierendsten Theorien zum Bewusstsein früherer Kulturen stammt von Julian Jaynes. Der US-amerikanische Wissenschafter und Psychologe stellte in seinem 1977 veröffentlichten Buch “The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind” eine bahnbrechende These vor. Ihm zufolge habe sich die heutige Form des Bewusstseins - die einen inneren “Erzähler”, ein Gefühl der Individualität und die Möglichkeit, auch andere Standpunkte einzunehmen beinhaltet - nicht früh, sondern erst spät in der Menschheitsgeschichte entwickelt. In frühen Kulturen, so Jaynes, seien die Menschen in ihren Entscheidungen nicht wie wir “autonom” gewesen, sondern allesamt von lebhaften und alltäglichen auditiven Halluzination begleitet gewesen - Verbalisierungen eines “bikameralen” Bewusstseinszustands, der als fundamental unterschiedlich zum heutigen “normalen” Bewusstsein gelten muss.

Die Menschen “hörten” die Stimmen ihrer Ahnen oder Götter, sahen in der Natur hilfreiche Zeichen und organisierten frühe Gesellschaften streng autoritär, in kleinen Gemeinschaften mit schamanistischen Anführern mit besonderem Kontakt zum Jenseits, oder aber in Gottstaaten, in denen die Priesterkönige direkt mit den Göttern kommunizierten. Diese frühen Gesellschaften, so Jaynes, seien effektiv durch ein Bewusstsein fast ständiger Halluzinationen begleitet gewesen - ein Normalzustand, der erst spät vom Aufkommen der heutigen Psyche abgelöst wurde.

Wie spät, ist die eigentliche Provokation von Jaynes’ These: Erst eineinhalb Jahrtausende vor Christus, so Jaynes, habe sich durch Naturkatastrophen, gesellschaftliche und kriegerische Umwälzungen und größeren Austausch zwischen den Völkern dieses Bewusstsein als ineffektiv erweisen. In diese Zeit fallen nicht nur die Epen Homers, sondern auch große Teile des Alten Testaments, und in diesen frühen Zeugnissen findet Jaynes die spannendsten Gewährsmänner seiner provokanten These. Liest man die Geschichten von Ilias, Odyssee, der Bibel unter diesem Gesichtspunkt, fallen einem unzählige Stellen auf, die haargenau zu dieser Theorie passen. Auch in archäologischen Spuren, in Kultgegenständen und anderen Quellen findet Jaynes Belege für seine These, die einen großen Nachteil hat: Beweisbar wäre sie nur im psychologischen Experiment, sprich, im Aufziehen eines Kindes unter gesellschaftlich ähnlichen Bedingungen wie damals, als das Hören von Stimmen als “normal” und gewünscht galt, man von Götterstatuen Antwort erwartete und ein “modernes” geistiges Innenleben fremd war.

Nicht nur aus diesem Grund ist Jaynes’ Theorie bis heute nicht im Mainstream der Wissenschaft anerkannt - auch wenn sich bislang keine tatsächlichen WIderlegungen als handfest erweisen haben.

Weil Jaynes allerdings zuallererst Psychologe war, findet er Spuren des bikameralen Bewusstseins auch noch in viel späteren Beweisen - unter anderem in der Gegenwart und in der Psychopathologie. Hier schließt sich endlich der Kreis zu “Hellblade”: Das Hören von Stimmen, wie es von “Hellblade” so eindrücklich simuliert wird, ist nämlich mitnichten zwingend Ausdruck einer psychischen Krankheit, sondern überraschend normal - auch heute noch. Fast jeder zehnte Mensch hört im Laufe seines Lebens Stimmen, die physikalisch nicht erklärbar sind - die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen, weil in den allermeisten Fällen in Abwesenheit sonstiger Symptome kein Arzt aufgesucht wird. Jaynes zufolge wäre dieses Stimmenhören auch kein Symptom einer psychischen Krankheit, sondern lediglich ein “Rest” einer im menschlichen Gehirn angelegten, aber verlernten Bewusstseinsform.

Die Frage, ob frühere Menschen “wirklich” an ihre Götter, Geister oder das Jenseits “geglaubt” haben, ist zutiefst modern.

“Hellblade” zeigt allerdings natürlich nicht dieses - Janyes zufolge möglicherweise irgendwann vorherrschend normale - Bewusstsein, sondern simuliert ein dezidiert psychotisches Krankheitsbild, das von Melina Juergen eindrucksvoll darstellerisch als quälend gezeigt wird. Dass in ihrem Kampf mit dieser Krankheit ihr Weg durch die Mythologie führt, ist aber kein Zufall und zeigt den nächsten Anknüpfungspunkt zur Mentalitätsgeschichte. Für uns aufgeklärte Zeitgenossen ist das in allen frühen Zeugnissen auftretende Übernatürliche in Form von Göttern, Dämonen und Visionen allzu oft nur ein als poetisch verstandenes Sprechen von inneren Konflikten - für die Menschen vergangener Zeiten aber waren diese Erscheinungen vielleicht sogar realer als die banale Wirklichkeit. Die Frage, ob frühere Menschen “wirklich” an ihre Götter, Geister oder das Jenseits “geglaubt” haben, ist so gesehen eine zutiefst moderne - weil das Bewusstsein, das die sich vielleicht ständigen zeigenden Beweise des Göttlichen in der Natur in Frage zieht, unter Umständen zu diesen Fragen gar nicht im Stande war.

Unser Bewusstsein ist mehr als nur ein “Aufnahmegerät”, in dem sich die objektive Realität spiegelt - es ersetzt, erfindet, lügt oder halluziniert, in den allermeisten Fällen in unserem ureigensten Interesse, um uns das Leben in unseren spezifischen Gesellschaften einfach zu machen. Uns in Form eines Spiels das “Erleben” eines solchen anderen, im Fall von “Hellblade” durch moderne medizinische Auffassungen geprägten “Krankheitsbildes” zu ermöglichen, ist eine absolut faszinierende Gelegenheit, unser eigenes Bewusstsein als etwas zu begreifen, das nicht statisch und unveränderbar, sondern stets im Fluss ist - im persönlichen Maßstab, aber - und noch viel mehr - auch in jenem von Jahrtausenden von menschlicher Erfahrung.

Autor: 
Tags: 

Kommentare

Mh, interessant, das Spiel so zu lesen, auch wenn die Entwickler laut eigenen Angaben eher eine Psychose darstellen wollte und die Protagonistin eben auch im damaligen Sinne abweichend und/oder krank sein soll.
So unbekannt ist Jaynes doch aber gar nicht, kommt einem im Studium entsprechender Fächer zumindest doch mal unter. Zudem spricht Jaynes von frühen Gesellschaften, mit der hellenistischen Klassik endet seine Annahme ja schon, hier befinden wir uns aber im frühen Mittelalter. Sind ja doch einige Jahrhunderte Menschheitsgeschichte dazwischen. Zugespitzt gesagt: Ähnlich wie Jayne Indizien in die eigene Interpretation gepresst.

http://www.sciencefocus.com/article/mind/hellblade-senua’s-sacrifice-psychosis-interview

"Mh, interessant, das Spiel so zu lesen, auch wenn die Entwickler laut eigenen Angaben eher eine Psychose darstellen wollte und die Protagonistin eben auch im damaligen Sinne abweichend und/oder krank sein soll."

Kleiner Irrtum, ich lese das Spiel nicht so. Im Text steht: --> ""Hellblade” zeigt allerdings natürlich nicht dieses - Janyes zufolge möglicherweise irgendwann vorherrschend normale - Bewusstsein, sondern simuliert ein dezidiert psychotisches Krankheitsbild."

"Zudem spricht Jaynes von frühen Gesellschaften, mit der hellenistischen Klassik endet seine Annahme ja schon, hier befinden wir uns aber im frühen Mittelalter."

Schreibe ich genauso im Text. Allerdings hat die Epoche mit Jaynes' These nix zu tun. Er mutmaßt ja, dass sich bikamerale Spuren bis heute bei Völkern zeigen können, die in urtümlicheren Kulturzuständen leben. Aber wie gesagt: Ich behaupte ja überhaupt nicht, dass Hellblade eine bikamerale Mentalität zeigt, sondern lediglich, dass sich durch Spiele andere Bewusstseinszustände zeigen und erfahrbar machen lassen. Im Fall von Hellblade thematisch eben zufällig einen, der auch abseits von Pathologisierung existiert haben mag.

"Zugespitzt gesagt: Ähnlich wie Jayne Indizien in die eigene Interpretation gepresst." Zugespitzt geantwortet: Kommentar verfasst, ohne den Text genau gelesen zu haben. :p

top secret
> > > >

guten tag
> >
> > > > achtung

>
warnung vor den neonazis aus deutschland, genauer genommen aus dem saarland,
aus Saarbrücken der methhaupstadt nummer eins in europa.
> > > Die nazis von der saar führen wieder den silent holocaust aus.

> >
Jeder der sich den nazis in den weg stellt wird klamheimlich via brainjacking umgekrempelt, ferngesteuert und aufgeopfert oder direkt ermordet.
Die nazis tun derzeit via satellit und geheimer technik kritiker , gegner suchen um diese auszuschalten, eganov und kollegen ist dafür zuständig, eganov bedient auserdem wetterwaffen und das trauma based controll programm , davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen.
Die zivilbevölkerung wird schwer traumatisiert, mit hilfe von traumwaffen, werden den zivilisten alpträume eingespielt und spiele ermöglicht ähnlich wie in der matrix.
Die nazis sind auch für zahlreiche amokläufe verantwortlich.

> man muss die nazis unbedingt ausschalten, es sind kriegsverbrecher, terror nazis, horror spione , gedankenleser vom team operative zersetzung und observation der neuronalen aktivitäten saarland, sowie fussball holigans, der gesamte rechtsextreme saarländische sumpf und natürlich unterstützer von auserhalb,welche sich teilweise im amt versteckt.
Stellenweise haben die neonazis und wettmafia nazis den polizei apparat unterwandert.
>> Es sind wilde bestien welche schwarze forschungen fuer die brd vollführen, wettmanipulation betreiben, menschen dazu bringen amoklaeufe zu vollführen, oder kinder vor den zug zu stuppsen und viele weiteren abschäuliche dinge.
> >

> > Auserdem ,bilden die neonazis attentäter aus und machen aus zivilisten via mk ultra technik dressierte killer, amokläufer, die horde ist teilweise beamtet
> ,
> > > außerdem führen die den silent holocaust aus und brainjacking plus voice to skull terror uvm.
> >
!!
> > > namen der nazis mit adresse.

!!!
> > > Frank gietzen saarbrücken 66111 berliner promenade
> > > > > andrey eganov petersberg str 44 in 66119 saarbrücken
> > >> > ludwig herman stroux petersberg str 44 in 66119 saarbrücken
> > > > dennis kretschmer erika str 31 in 66424 homburg
> > > > > angela drokur schiffweiler str 42 in ottweiler saar
> > > > > andreas keip schiffweriler str 42 in ottweiler saar
> > > > cora marie huxoll petersberg str 44 in 66119 saarbrücken
>
> > > > Yves neu saarbrücken arbeitet getarnt bei dem springparadies saarbrücken.
> > Die bande wird auserdem auch von schlägern der wettmafia und rocker unterstützt.
> >
Die bande hackt auserdem polizei computer > >bitte vorsicht
> > Bei der bande handelt es sich um rechtsextreme terroristen welche teilweise beamtet sind plus ,um voice to skull stalker, amokläufer, zersetzer, korrupten beamte, bundeswehr nazis, gedankenleser , mk ultra nazis die in deutschland !!!rituellen missbrauch!!! vollführen.
Die bande hat ihre finger in schwarzen exerimenten der brd , kindsentführungen, geheimdienst kriminalität, brainjacking uvm.
es ist eine nazi schattenarmee die aus dem saarland fast alle deutschen politiker fernsteuert.

Die verstecken sich hinter der ersten geheimhaltungsstufe.
> > Drogen sind auch im spiel.
> > Es sind wahnsinnige mutanten, horror nazis.
> > Die vordermänner und führer der bande muss man ausschalten.
> > > Äußerste vorsicht

> >> > Die leute missbrauchen zivilisten fùr anschläge , diese tun sie ähnlich wie flugdrohnen fernsteuern mit einer form von mind controll, die zivilisten wissen meists nicht von Ihrem pech, sie werden meist in geheimen nacht und nebelaktionen mit geheimchips versehen. >
> Die neonazis von der saar symphatisieren mit hitler , der vorgesetzte der bande ist ganz angetan von der eugenik lehre, er arbeitet beim saarländischen geheimdienst und wohnt sehr wahrscheinlich in der nähe der petersberg str 44 in saarbrücken, ich vermute sein name ist henry.
Henry hat sehr wahrscheinlich frank gietzen beauftragt das saarland unter kontrolle zu bekommen.
Gietzen tauscht wettergebnisse via voice to skull aus und konsumiert chemische drogen sowie cannabis.
Auserdem teilen manche mitglieder dieser mafia fussball ergebnisse via voice to skull aus, eine verschlùsselte art der kommunikation.
>> Die nazis sitzen in der ersten geheimhaltungsstufe und konsumieren speed.
Die nazis haben mit gewallt zahlreiche poltiker ausgetauscht.
> > Wir muessen aufpassen.

> > Bitte alle warnen die hersteller des nsu komplex und weiteren rechtsextremen organisationen leben im saarland und werden sehr wahrscheinlich vom bnd gedeckt.
Ich vermute der amoklaeufer aus hanau wird ebenso von diesen leuten unterstuetzt weil er stimmen hoerte etc.
Menschen die stimmen hoeren werden von geheindienstmitarbeiter meist zersetzt und fuer anschlaege missbraucht.
> Achtung vor den brainjacking experts und voice to skull terroristen.
diese bilden die speerspitze dieser mafia.
>auserdem werden die nazis vom bnd gedeckt.

Die nazis haben die möglichkeit eure sehnerven anzuzapfen.
vorsicht die nazis schrecken vor nichts zurück

viel glück

Neuen Kommentar schreiben

(If you're a human, don't change the following field)
(If you're a human, don't change the following field)
(If you're a human, don't change the following field)
URL